ICQ (Homophon für ) war ein Instant-Messaging-Dienst. Ab 1998 gehörte ICQ dem US-amerikanischen Unternehmen AOL, wurde im April 2010 jedoch an die russische Mail.ru Group verkauft. Ab 2020 wurde der Dienst unter dem Namen ICQ New geführt. Benutzer konnten damit über das Internet miteinander chatten oder zeitverschobene Nachrichten versenden. Das verwendete proprietäre, aber von AOL offengelegte Netzwerkprotokoll heißt OSCAR. ICQ stand in der Kritik, eine Adware zu sein, weil es unter anderem ohne Einwilligung der Benutzer deren Browser-Startseite und -Suchmaschine änderte. Am 26. Juni 2024 wurde der Dienst eingestellt.

mini|hochkant|Anmeldefenster von ICQ 7

Geschichte Die erste ICQ-Software wurde im November 1996 vom israelischen Startup-Unternehmen Mirabilis veröffentlicht. Es wurde von den vier israelischen Studenten Yair Goldfinger, Arik Vardi, Sefi Vigiser und Amnon Amir entwickelt. ICQ, das als erster internetweiter Instant-Messaging-Dienst im heutigen Sinne gilt, breitete sich rasch aus, weil es damals keine vergleichbare, nur einen Internetzugang voraussetzende Software auf dem Markt gab und das Programm kostenlos erhältlich war.

mini|Logo von ICQ (1998–2014)

America Online (AOL) kaufte Mirabilis im Juni 1998 für 407 Millionen US-Dollar. Zu Beginn des Jahrtausends hatte ICQ eine Nutzerschaft von weit mehr als 100 Millionen und war damit Marktführer im Bereich Instant Messaging. Am 19. Dezember 2005 gab AOL Time Warner bekannt, dass ICQ ein Patent für Instant Messaging zugesprochen bekommen hat.

Ende April 2010 wurde bekannt, dass AOL ICQ für 187,5 Millionen US-Dollar an das russische Investmentunternehmen Digital Sky Technologies verkauft hat. Im September 2010 benannte sich das Unternehmen von Digital Sky Technologies in Mail.ru Group um. In diesem Jahr hatte ICQ nur noch 42 Millionen Nutzer.

Im Januar 2009 wurde ICQ erstmals als App für die mobile Nutzung auf dem iPhone von Apple herausgebracht. Im Juli 2010 folgte eine App-Version auch für Android und im März 2012 für das Windows Phone. Durch die Etablierung sozialer Netzwerke wie Facebook oder Twitter (X) und Messenger wie WhatsApp oder Telegram war die Zahl der aktiven ICQ-Nutzer jedoch weiterhin stark rückläufig. 2013 zählte ICQ nur noch 11 Millionen Nutzer.

Ab Version 10, welche im März 2016 erschien, wurden der Chat-Verlauf synchronisiert, Gruppen- sowie Videochats möglich, und der Versand von Dateien war bis zu einer Größe von 4 GB möglich.

Ab dem 28. Dezember 2018 unterstützte ICQ das OSCAR-Protokoll nicht mehr, wodurch alternative Clients wie z. B. Pidgin nicht mehr für ICQ genutzt werden konnten.

Ab dem Relaunch am 7. April 2020 wurde der Dienst unter dem Namen ICQ New geführt.

Im Mai 2024 wurde öffentlich, dass am 26. Juni 2024 der Betrieb von ICQ endgültig eingestellt werden soll. Mittlerweile war bei einem Login-Versuch nur noch eine Fehlerseite zu sehen. Die Bedeutung von ICQ war zuletzt sehr gering, obwohl die letzten Versionen des Messengers mit Gruppenchats, Audio- und Videotelefonie alle Funktionen neuerer Konkurrenten integriert hatten. Eine systematische Datenspeicherung wurde nicht angeboten.

ICQ-Nummern Ein Nutzer wurde anhand seiner ICQ-Nummer identifiziert, die somit eine eindeutige Unique Identification Number (UIN) darstellte. Sie wurde bei der Registrierung vergeben und war passwortgeschützt.

2009 waren über 470 Millionen Nutzer bei ICQ registriert. Das war jedoch nicht die tatsächlich aktive Nutzerzahl, da Nutzer mehrere Nummern besitzen konnten und die Registrierung nichts über die tatsächliche, aktive Nutzung aussagte.

Die Nutzerzahlen sank zwischen den Jahren 2010 und 2013 von 42 auf 11 Millionen aktive Nutzer.

Die Nummernfolge der ICQ-UINs begann bei 10.000 und erhöhte sich fortlaufend. Sechsstellige ICQ-Nummern waren eine Seltenheit und wurden damals im Internet für Beträge bis zu 250 Euro verkauft. Fünfstellige ICQ-Nummern besaßen nur Entwickler der ICQ-Software. Sie wurden damals aber gelegentlich bei Onlineauktionen für mehrere Hundert Euro angeboten.

Aufgrund des zunehmenden Diebstahls von kurzen oder besonders attraktiven ICQ-UINs mittels Phishing- oder Brute-Force-Attacken reagierte Mirabilis 1999 mit einer Verbesserung des ICQ Password Retrieval Systems, das das Passwort einer UIN an die im Profil eingetragene primäre E-Mail-Adresse verschickt. Seither wurden ebenfalls zurückliegende E-Mail-Adressen gespeichert, die beispielsweise von Hackern verändert wurden. Somit war es möglich, eine gestohlene ICQ-UIN mit verfälschter primärer E-Mail-Adresse nach einem Diebstahl (oder nach Erwerb über zum Beispiel ein Online-Auktionshaus) zurückzuerlangen. Lediglich ICQ-UINs, die niemals zuvor oder lediglich vor 1999 mit einer E-Mail-Adresse assoziiert waren, waren von dieser Möglichkeit ausgeschlossen. Dieser Trick wurde gelegentlich auf ahnungslose Käufer von ICQ-UINs angewendet.

Des Weiteren hatten ICQ-Nutzer die Möglichkeit, kostenlos eine E-Mail-Adresse mit der Endung „@icqmail.com“ zu registrieren.

Besondere ICQ-Nummern

AOL betrieb unter der ICQ-Nummer 12111 mit dem Nickname ICQ System einen Bot. Alle Benutzer mit ICQ 6 oder ICQ 5.1 hatten diesen Bot automatisch in ihrer Kontaktliste. Bei alternativen Clients wurde in der Regel nachgefragt, ob man den Benutzer hinzufügen möchte.

Weitere besondere Nummern waren: 10000 (Москва Кремль – Moskauer Kreml) und 10111 (ICQ System).

Eigenschaften der Software Versionen Lite-Version: Moderner als Pro-Version und mit Xtraz ausgestattet. ICQ Lite war im Gegensatz zu ICQ Pro in vielen Sprachen verfügbar. ICQ2Go: Das offizielle Java-Applet ICQ2Go! ließ sich von jedem PC aus bedienen, auf dem ein Browser installiert war, der Java oder Flash unterstützte, auch wenn sich sonst keine ICQ-Software auf dem PC befand. Es unterstützte nur das Versenden von SMS und Textnachrichten, war jedoch vor allem in Internetcafés oder auf fremden PCs von Nutzen. Man konnte es weltweit per Internet aufrufen und so von überall mit Leuten chatten. Die Flash-Variante von ICQ2Go wurde Mitte Juni 2008 erneuert und bot nun RTF-Nachrichten von ICQ6, ein neues moderneres Design und erlaubte das Verwenden von ICQ6-Statusnachrichten. Pro-Version: Enthielt eine größere Zahl an Funktionen. ICQ Pro gab es nur in englischer Sprache und wurde nach einiger Zeit nicht mehr weiterentwickelt. Die letzte Version war ICQ Pro 2003b vom 23. Oktober 2003. ICQ 5: ICQ Voice-Chat, Push2Talk etc. ICQ 6: Erschien am 17. April 2007. ICQ 6.5: Erschien am 27. November 2008 und ergänzte ICQ 6 um sogenannte „Open Xtraz“. ICQ 6.5 war in mindestens zehn Sprachen erhältlich. Neben dem „offiziellen“ ICQ 6.5 gab es mehrere Partnerversionen. ICQ 7 Lite: Eine Version, die nur auf dem russischen Markt angeboten wurde, jedoch mithilfe eines Patches auch in Deutschland genutzt werden konnte. ICQ 7: Erschien am 19. Januar 2010. Zu den Neuerungen zählten neben einem neuen Design die Verknüpfung mit Online-Communitys wie zum Beispiel Facebook und Twitter. ICQ 10.0: Erschien am 17. März 2016. ICQ for iPhone: Das Programm wurde im iTunes Store angeboten. ICQ for Blackberry: Konnte exklusiv über das Blackberry erworben werden. ICQ for Windows Mobile: GM (v1.0.23.1): Erschien am 3. November 2009. Version für Windows Mobile. ICQ for Mac und ICQ for Linux: In Adobe AIR realisierte Versionen für Computer mit Linux- bzw. Mac-Betriebssystem. Somit war es seit Ende Mai 2011 zum ersten Mal möglich, unter Linux einen offiziellen ICQ-Client zu verwenden. Für Mac-Betriebssysteme gab es zuvor nur eine seit 2002 nicht mehr veränderte Version. ICQ new: Letzter (zum 1. Februar 2021) von Mail.ru entwickelter Messenger.

Skins Während das Erscheinungsbild von ICQ bereits in frühen Programmversionen mittels Zusatzsoftware verändert werden konnte, implementierte AOL erstmals in der Fünfer-Version eine echte Unterstützung für sogenannte Skins. Zwar war das Angebot der offiziellen Skins sehr gering, jedoch hatten ICQ-Nutzer die Möglichkeit entdeckt und begonnen, mit der Software SkinBuilder eigene, kompatible Skins zu erstellen. Diese .skn-Dateien wurden dazu in den Skins-Ordner der ICQ-Installation kopiert und anschließend in den Programmeinstellungen aktiviert. Außerdem enthielten verschiedene ICQ-Editionen, zum Beispiel die ProSieben-Edition oder die Sat.1-Edition, eigene Skins.

Ab Version 6 basierte die Software auf einer neuen Umgebungsstruktur (Boxely), die es Benutzern ermöglicht, eigene Skins zu erstellen. Diese kamen als sogenannte Pakete in einen Ordner namens Packages, der sich im Installationsverzeichnis von ICQ 6 befand.

Ab Version 7 konnte der Nutzer ICQ in beliebiger Farbe darstellen lassen. Dazu mussten keine Packages oder Zusatzsoftware geladen werden.

„Xtraz“ In der Lite-Version von ICQ waren zusätzliche Funktionalitäten enthalten, sogenannte Xtraz. Damit folgte ICQ dem Trend, den Microsoft mit dem Windows Live Messenger und Yahoo mit dem Yahoo Messenger (eigentlich Yahoo! Instant Messenger) eingeläutet hatten, mehr als nur Instant Messaging zu bieten.

Dazu gehörten unter anderem:

Verschiedene Spiele, die alleine oder zu zweit gespielt werden konnten, zum Beispiel Pool (Poolbillard-Simulation mit Punktesystem), Checkers, Backgammon (mit Punktesystem), Warsheep (Taktisches Rundenstrategiespiel), Vier gewinnt, Slide-a-lama (Im Stil von Vier gewinnt gehaltenes Rundenspiel), RPS (Rock-Paper-Scissors; zu deutsch Schere, Stein, Papier) und Zoopaloola.

Mit Version 5 kamen folgende Funktionalitäten hinzu:

Push 2 Talk (IP-Telefonie), ICQ Video Chat (Video-Chat mithilfe einer Webcam).

„Open Xtraz“ Open Xtraz waren kleine Anwendungen, die von ICQ-Benutzern selbst entwickelt werden konnten. Zu den ersten verfügbaren Open Xtraz gehören zum Beispiel „See Too“ zum gemeinsamen Ansehen von Videos, das Fotoalbum „pazAlbum“ oder die Bookmarkverwaltung „ICQ Favorites“.

Protokoll Das ICQ-Protokoll namens OSCAR baute auf TCP auf. Nachdem Mirabilis von AOL aufgekauft worden war, wurde das ICQ-Protokoll stark an das Protokoll des AOL Instant Messengers angepasst. So wurden die ICQ-Nummern intern als Screennamen gespeichert. Durch diese Maßnahme war es möglich, mit beiden Messengern jeweils auch Nutzer des anderen Messengers zu kontaktieren.

Das ICQ-Übertragungsprotokoll wurde hin und wieder verändert, woraufhin Clients von Drittherstellern meist Verbindungsschwierigkeiten bekamen. Eine Änderung wurde beispielsweise im Februar 2006 durchgeführt, wodurch unter anderem Trillian und Miranda IM Probleme beim Empfang von Nachrichten bekamen. Aktualisierungen für die beiden Clients, die das Problem behoben, wurden jedoch einige Tage später bereitgestellt. Die Originalsoftware und andere alternative Clients blieben von dieser Änderung unbehelligt.

Ein weiteres Problem ist, dass über den offiziellen Server mitunter Versionsnummern von älteren Clients gebannt werden. Das betrifft aber auch alternative Clients, da diese sich als eine bestimmte Version des originalen ICQ-Clients ausgeben müssen. In besonderer Härte wurde das am 11. Juli 2006 durchgeführt, worauf ein Großteil alternativer Clients sich nicht mehr verbinden konnten. Durch eine minimale Programmänderung (Aktualisierung der übertragenen Informationen der Clients) konnten solche Probleme aber in kürzester Zeit behoben werden.

Auch am 28. Mai 2008 wurde eine tiefgreifende Änderung am Loginvorgang durchgeführt, wodurch ab diesem Zeitpunkt der Login nur zusammen mit einer MD5-Checksumme möglich war. Deshalb konnten sich viele alternative Clients, aber auch alle ICQ-Versionen niedriger als sechs, nicht mehr mit dem ICQ-Netzwerk verbinden. Durch Aktivierung des „sicheren Logins“ ließ sich das Problem bei alternativen Clients beheben, Nutzer früherer ICQ-Versionen (vor ICQ 6) konnten sich nach wenigen Stunden wieder nach wie vor mit ihren Daten einloggen. auf, 28. Mai 2008.

ICQ startete einen Test mit dem offenen Protokoll XMPP, stellte aber den Testbetrieb Anfang 2008 nach Bekanntwerden wieder ein.

Kritik