Die Münsterische Stiftsfehde war zwischen 1450 und 1457 ein Streit um die Besetzung des Bischofstuhls in Münster und damit auch um die Herrschaft im Hochstift Münster. Dabei standen sich zunächst Walram von Moers und Erich II. von Hoya als Kandidaten gegenüber. Unterstützt wurden sie von ihren Familien mit Graf Johann von Hoya und Erzbischof Dietrich II. von Moers an der Spitze. Hinzu kamen ihre jeweiligen auswärtigen Verbündeten. Im Inneren des Stifts spielten die Stände namentlich das Domkapitel und die Stadt Münster eine zeitweise eigenständige Rolle. Letztlich konnte sich keine der beiden Seiten durchsetzen. mini|Das Hochstift Münster (Ausschnitt aus einer Karte des Westfälischen Reichskreises aus dem 18. Jahrhundert)
Vorgeschichte mini|189px|Wappen der Grafen von Moers mini|189px|Wappen der Grafen von Hoya Das Hochstift Münster war eines der bedeutendsten und größten geistlichen Territorien im nordwestdeutschen Raum. Besetzt wurden die Bischofssitze in der Region im späten Mittelalter vorwiegend von Mitgliedern einiger Grafengeschlechter oder von Familien von Edelherren. Die jeweiligen Familien versuchten, wie die Grafen von der Mark, sich die Bischofssitze für ihre nachgeborenen Söhne zu sichern. Gerade auch weniger mächtige Familien nutzten die Möglichkeit, über ein geistliches Territorium ihre Macht zumindest zeitweise zu steigern. Zu dieser Gruppe gehörten die Edelherren zur Lippe, die mehrfach den Bischofssitz in Paderborn besetzten. Die Grafen von Hoya waren im Bistum Osnabrück erfolgreich. Im Bistum Minden gilt dies für die Geschlechter Diepholz und Schaumburg. In der Mitte des 15. Jahrhunderts waren aber die Grafen von Moers in dieser Hinsicht führend. Insbesondere nachdem Dietrich von Moers Erzbischof von Köln geworden war, gelang es der Familie einen Großteil der Bischofssitze im nordwestdeutschen Raum zu besetzen. Ihr Hauptkonkurrent im Bistum Münster war die Familie Hoya.Wilhelm Kohl: Das Bistum Münster 7,1: Die Diözese. Berlin 1999, S. 170–171.
Im Inneren haben einige Fürstbischöfe, zuletzt insbesondere Otto IV. von Hoya, das Territorium ausgedehnt und kleinere Herrschaften im Inneren ausgeschaltet. Dagegen stand, dass die Bischöfe schon im 13./14. Jahrhundert die Kontrolle über ihre Hauptstadt Münster weitgehend verloren hatten. Diese agierte fast ähnlich unabhängig wie eine reichsunmittelbare Stadt. Auch insgesamt hatten die Stände aus Domkapitel, Ritter und Städten an Einfluss gewonnen und engten den Spielraum der Bischöfe stark ein.
Nach dem Tod des Bischofs Otto IV. gelang es Dietrich von Moers, seinen Bruder Heinrich II. von Moers gegen den Willen der Stadt Münster den Bischofssitz in Münster zu verschaffen. Nachdem der Erzbischof wegen stiftsinterner Streitigkeiten Erich von Hoya das Bistum Osnabrück genommen hatte, setzte er Heinrich dort als Administrator ein. Dieser richtete seine Politik stark an den Interessen des Bruders aus und unterstützte ihn etwa in der Soester Fehde stark. Die Familie von Hoya, die auch die Bistümer Verden und Minden besetzte, sah die Grafen von Moers als Eindringlinge in ihren ureigensten Interessenbereich an. Die Familie von Moers beherrschte neben dem Erzstift Köln, Münster und Osnabrück auch Paderborn und Teile des Bistums Utrecht. Die kriegerische Politik Heinrichs zur Unterstützung seines Bruders brachten dem Hochstift keinen Gewinn, vielmehr bedeutete dies einen starken Anstieg der Schulden und ein Absinken des Wohlstandes.Wilhelm Kohl: Das Bistum Münster 7,1: Die Diözese. Berlin 1999, S. 171–175.
Beginn des Konflikts Im Inneren standen die Stände bei Heinrichs Tod in offenem Aufruhr. Die Bestrebungen des Hauses Moers stießen fortan auf Vorbehalte. Auf der anderen Seite tat Dietrich alles, um Münster weiterhin mit einem Mitglied seiner Familie zu besetzen. Als Nachfolger hatte er seinen Bruder Walram von Moers vorgesehen. Damit geriet er in Konflikt mit dem Haus von Hoya. Johann von Hoya hatte nicht vergessen, dass Dietrich von Moers gegen Mitglieder seiner Familie vorgegangen war. Insbesondere hatte er nicht seine eigenen sechs Jahre Gefangenschaft im Zusammenhang mit den Kämpfen um Osnabrück vergessen. Er wollte seinen Bruder Erich von Hoya zum Nachfolger machen.
Neben den beiden Hauptkonkurrenten um die Bischofswürde, gab es weitere Bewerber. Die Stadt Osnabrück machte sich für Konrad von Diepholz stark. Dieser war Dompropst in Osnabrück und ein Neffe des Utrechter Bischof Rudolf von Diepholz. Dieser unterstützte die Bewerbung, kam aber zu spät, um für seinen Neffen zu werben.
Dietrich von Moers setzte hohe Bestechungsgelder ein, um eine Mehrheit im Domkapitel für seinen Bruder zu gewinnen. Dieser war bis vor kurzem ein Anhänger des Basler Konzils gewesen, ehe er auf Seiten der römischen Kurie trat. Es gelang Dietrich die Mehrheit des Domkapitel bei einem Treffen in Hausdülmen am 15. Juli 1450 auf seine Seite zu bekommen. Aber Johann von Hoya machte seinerseits Stimmung für seinen Bruder Erich. Er gewann vor allem die Bürger der Stadt Münster und den Adel für sich. In der Stadt unterstützten ihn vor allem die Gilden und die Gemeinheit, während die patrizischen Erbmänner des Rates keine Konfrontation wollten.Wilhelm Kohl: Das Bistum Münster 7,1: Die Diözese. Berlin 1999, S. 175–176.
Johann von Hoya wurde von den weltlichen Ständen zum Stiftsverweser gewählt. Er sollte so lange amtieren, bis der Papst einen den Bürgern und Ritter akzeptablen Bischof ernannt hatte. In einem Schreiben an den Papst nannten sie als Gründe für dieses ungewöhnliche Vorgehen, dass Walram angeblich in früherer Zeit für zwei Morde und andere Verbrechen verantwortlich gewesen wäre. Demgegenüber stellten sie das angeblich untadelige Leben und die wissenschaftliche Bildung des Erich von Hoya heraus. Eine Minderheit von dreizehn Domherren und alle Geistlichen der Stadt schlossen sich dieser Position an. In Osnabrück gelang es Johann von Hoya, seinen Bruder Albert von Hoya zum Administrator zu machen. Dadurch wurde die Position der Familie im Kampf um das Hochstift Münster noch einmal gestärkt.Wilhelm Kohl: Das Bistum Münster 7,1: Die Diözese. Berlin 1999, S. 176.
Johann von Hoya brachte als Verweser die meisten münsterschen Landesburgen unter seine Kontrolle. Um die eigenen Kosten möglichst niedrig zu halten, beschlagnahmte er Güter des Bischofs und Einkommen der Domherren. Außerdem führte er eine Akzise auf Handelswaren ein. Vor diesem Hintergrund waren die Anhänger Walrams im Domkapitel zu Verhandlungen bereit. Es kam zu einem Vergleich, der den Hoyas weit entgegenkam. Danach wurde vereinbart, dass auf dem nächsten Landtag alle Stände an den Papst appellieren sollten, Erich von Hoya das Bischofsamt zu übertragen. Für das Entgegenkommen der Domherren wurden ihnen ihre alten Rechte und Einkünfte zugesichert. Der Landtag billigte dieses Übereinkommen.Wilhelm Kohl: Das Bistum Münster 7,1: Die Diözese. Berlin 1999, S. 176–177. mini|Johann von Kleve war einer der wichtigsten Unterstützer der Hoyaschen Partei Johann von Hoya eroberte im Januar 1451 die gegnerische Burg Dülmen. In Unkenntnis der inzwischen einmütigen Haltung der Stände für Hoya hatte der Papst Nikolaus V. Walram von Moers zum Bischof ernannt. Die Stadt Münster reagierte darauf, indem sie ein Gutachten der Universität Erfurt anforderte. Dies kam zu dem bemerkenswerten Ergebnis, dass die Stände die Entscheidung des Papstes nicht zu akzeptieren bräuchten, weil der Papst keine Ahnung von den fehlenden Kompetenzen Walram von Moers gehabt hätte.Wilhelm Kohl: Das Bistum Münster 7,1: Die Diözese. Berlin 1999, S. 177.
Unterstützt wurde die Partei Hoyas auch vom Herzogtum Kleve. Herzog Johann von Kleve erhoffte sich davon eine Schwächung des Erzbischofs von Köln. Am 11. Juni 1451 kam mit dem Vertrag von Haus Dülmen ein Bündnis zwischen Kleve und Johann von Hoya zustande. Als Preis für die Unterstützung im Kampf gegen Walram von Moers erhielt Kleve die Ämter Dülmen und Stromberg. Nicht nur militärisch war Kleve ein wertvoller Bündnispartner. Wichtig war auch die Fürsprache durch Philipp von Burgund, einen Onkel des Herzogs, in Rom. Nach dem Vertrag stellte Kleve Walram von Moers die Kriegserklärung zu.Zur Rolle Burgunds: Petra Ehm-Schmocks: Burgund und das Reich. Spätmittelalterliche Außenpolitik am Beispiel der Regierung Karls des Kühnen (1465–1477). München 2002, S. 43–46 online.
Am selben Tag traf in Münster die Nachricht ein, dass Kaiser Friedrich III. Walram die Regalien verliehen hätte. Nachdem Walram auch die päpstliche Bestätigung erhalten hatte, setzte er einige seiner Gegner in hohen Kirchenämtern ab und ließ über die Anhänger der Gegenseite durch einen päpstlichen Beauftragten das Interdikt verhängen. Die so Gemaßregelten wandten sich erneut an die Universität Erfurt. Diese erklärte alle Maßnahmen Walrams und des Kölner Erzbischofs in seiner Sache für ungültig. Philipp von Burgund intervenierte im Sinne der Hoyaschen Partei in einem Schreiben nach Rom. Vor weiteren Schritten wollte man abwarten, welche Position Nikolaus von Kues in dieser Sache einnehmen würde.Wilhelm Kohl: Das Bistum Münster 7,1: Die Diözese. Berlin 1999, S. 177–178.
Ausbruch der Kämpfe mini|Nikolaus von Kues scheiterte mit seinem Versuch, im Auftrag des Papstes einen Ausbruch der Kämpfe zu verhindern Inzwischen war im Hochstift die Fehde in Form kleinerer Unternehmungen ausgebrochen. Der größte Teil des Oberstifts wurde in der Folge von der Partei Hoyas beherrscht, Walram besaß nur das Gebiet um Ahaus, Vreden und Ottenstein.
Nikolaus von Kues dürfte vom Papst die Anweisung bekommen haben, beide bisherigen Bischofskandidaten durch Konrad von Diepholz zu ersetzen. Nikolaus von Kues äußerte sich indes vor allem gegen die Hoyas. Mit dem Fall Vredens war Walram von Moers auch die letzte Stadt im Hochstift verloren gegangen. Er hat gegenüber Nikolaus von Kues am 21. Januar 1452 die Bereitschaft erklärt, auf das Hochstift zu verzichten, vorausgesetzt, dass es gelänge, die Hoyas aus dem Hochstift zu vertreiben und Konrad von Diepholz zum Bischof zu machen.Wilhelm Kohl: Das Bistum Münster 7,1: Die Diözese. Berlin 1999, S. 178–179.
Letzterer wurde unter anderem durch seinen Onkel Bischof Rudolf von Utrecht unterstützt. Nunmehr stießen die Hoyas auf stärkeren militärischen Widerstand etwa bei der Belagerung von Ahaus. Zu Beginn des Jahres 1452 besiegte ein Söldnerheer Hoya und die münsterschen Truppen und machte zahlreiche Gefangene. Am 2. Februar erklärten die Unterstützer von Diepholz ihren Gegnern offen die Fehde. Walram verpfändete die letzten ihm verbliebenen Orte Ahaus und Ottenstein an Rudolf von Utrecht. Im Stift selber wuchs die Sympathie für Konrad von Diepholz, dessen Kandidatur schien eine Alternative zu den bisherigen Aspiranten zu sein. Die Stände suchten daher am 6. Oktober 1452 in Coesfeld einen Kompromiss, um sowohl Walram von Moers wie auch Erich von Hoya loszuwerden. Alle bischöflichen Amtshandlungen seit dem Tod Bischof Heinrichs wurden für nichtig erklärt. Allerdings scheiterten diese Friedensbemühungen. Ein Grund war vermutlich, dass Johann von Kleve weiterhin an Erich von Hoya festhielt.Wilhelm Kohl: Das Bistum Münster 7,1: Die Diözese. Berlin 1999, S. 179.
Johann von Hoya, der zuvor die Stadt verlassen hatte, kehrte nach Münster zurück. Gestützt auf die Unterschichten der Stadt Münster übertrug Johann von Hoya die Stiftsregentschaft 1453 de jure auf seinen Bruder Erich, damit dieser sich als Regent bewähren konnte. Obwohl die Bürgermeister der Städte sich dagegen wehrten, mussten sie dies schließlich unter dem Druck der Straße akzeptieren. Erich von Hoya wurde daraufhin in allen Städten gehuldigt.Wilhelm Kohl: Das Bistum Münster 7,1: Die Diözese. Berlin 1999, S. 180.
Ausweitung des Konflikts