Das Nonstal (, auf Nones Val de Non) ist ein orographisch rechtes Seitental des Etschtals nördlich von Trient in Italien. Es gehört zum Großteil zum Trentino, nur im nördlichsten Abschnitt liegen drei Gemeinden auf Südtiroler Gebiet; diese werden zusammen als Deutschnonsberg bezeichnet.

Etymologie Der Name Non leitet sich von dem Wort Anauni ab, wie die Bewohner des Tales von den Römern genannt wurden.Giulia Mastrelli Anzilotti: Toponomastica trentina: i nomi delle località abitate. S. 323. Aus der spätrömischen Bezeichnung Anaunia wurde das dialektale Valdenòn, woraus durch spätere Umwandlungen das italianisierte Val di Non entstand.Antonio Pisano, Roberto Marri: La Val di Non. S. 705.

In Südtirol wird die gesamte Talschaft traditionell als Nonsberg bezeichnet. Die alte deutschsprachige Bezeichnung für den Nonsberg ist der Nons, Bewohner bzw. die Abkunft wurden schon im 14. und 15. Jahrhundert mit vom Nons oder ab dem Nons angegeben.S. die Belege bei Die moderne deutsche Bezeichnung Nonstal ist dagegen rezenten Ursprungs und lediglich eine wörtliche Übersetzung des italienischen Val di Non.

Im Italienischen wird der obere Bereich auf der orographisch linken Talseite ab Dermulo aufwärts als Alta Val di Non vom übrigen Val di Non namentlich abgegrenzt.Aldo Gorfer: Le Valli del Trentino. Trentino Occidentale. S. 672.

Geographie Lage und Umgebung Das Nonstal liegt im Nordwesten der Provinz Trient im mittleren und unteren Einzugsgebiet des Flusses Noce. Es besitzt überwiegend eine Nord-Süd-Ausrichtung und ist zwischen der Laugenspitze () im Norden bis zur Paganella () im Süden etwa 35 km lang. Zwischen Mendelpass () und Mostizzolo-Brücke () am Eingang zum Val di Sole erreicht das Tal eine maximale Breite von 15 km. Es bedeckt eine Fläche von etwas mehr als 400 km².Antonio Pisano, Roberto Marri: La Val di Non. S. 712.

Eingegrenzt wird es von mehreren Bergkämmen, die das Nonstal von den Nachbartälern abgrenzen. Zwischen dem Taldurchbruch an der Rocchetta-Schlucht im Südosten und dem Gampenjoch im Nordosten ist es der zur Nonsberggruppe gehörenden Mendelkamm, der das Nonstal vom Etschtal trennt. Im Norden trennt es der nach der Alpenvereinseinteilung der Ostalpen zu den Ortler-Alpen gehörende Ilmenkamm vom Ultental ab. Dieser im Italienischen als Catene delle Maddalene bezeichnete Kamm ist nach SOIUSA eine Untergruppe der Nonsberggruppe, da SOIUSA die Grenze zwischen Ortler-Alpen und Nonsberggruppe weiter westlich am Rabbijoch verortet.Sergio Marazzi: Atlante Orografico delle Alpi: SOIUSA. Priuli & Verlucca, Pavone Canavese 2005, ISBN 88-8068-273-3, S. 265.

Im Nordwesten grenzt das Tal bei der Mostizzolo-Brücke an das in südwestlicher Richtung verlaufende Val di Sole. Daran grenzen südlich die nördlichen Ausläufer der Brenta-Gruppe, die das Nonstal an seiner Westseite abgrenzen und aus zwei fast parallel verlaufenden Bergkämmen bestehen, in deren Mitte das Val di Tovel liegt. Der westliche dieser Kämme ist der vom Sasso Rosso () über den Monte Peller bis zur Mostizzolo Brücke abfallende Kamm, während der östliche niedrigere Kamm vom Monte Alto über den Monte Corno bis Eingang des Toveltales südwestlich von Tuenno verläuft.Paolo Ferretti, Andrea Borsato: Geologia e geomorfologia della Valle e del Lago di Tovel. . In: Basilio Borghi et al. (Hrsg.): Studio sul mancato arrossamento del Lago di Tovel. Museo tridentino di scienze naturali, Trient 2006, S. 174 (Digitalisat).

Südwestlich bildet das vom Torrente Sporeggio durchflossene Tal die Grenze zwischen den Ausläufern der Brenta-Gruppe und dem Massiv der Paganella. Letzteres fällt nördlich bis zur Rocchetta-Schlucht ab. Die bedeutendsten Seitentäler des Nonstales sind das Val di Bresimo im Norden, das Val di Tovel im Westen und das Val di Sporeggio im Süden.

Gewässer Der Noce ist das größte Fließgewässer des Nonstales, der das Tal in seinem Mittellauf und in Teilen seines Unterlaufes durchquert. Er wird von zahlreichen Nebenflüssen, insbesondere im Nordosten des Tales, gespeist, die meist die Eigenschaften von Sturzbächen (ital. Torrente) besitzen. Südlich von Cles wird der Noce durch die 1951 errichtete Santa-Giustina-Talsperre zum gleichnamigen Santa-Giustina-See aufgestaut, der das Aussehen des Tales wesentlich verändert hat. In den Noce entwässern alle anderen Gewässer des Tales.

Der bedeutendste Nebenfluss des Noce, der in den Santa-Giustina-See mündet ist der Torrente Novella. Letzterer fließt in Nord-Süd-Richtung durch den nordöstlichen Teil des Nonstales und teilt diesen Talbereich in zwei Hälften auf.Antonio Pisano, Roberto Marri: La Val di Non. S. 716. Der nordöstliche Talbereich ist der wasserreichste des Nonstales. Neben dem Torrente Novella finden sich auf dieser Talseite mit dem Torrente Barnes, Torrente Pescara, dem Rio San Romedio, dem Rio Pongaiola und dem Rio Rinassico eine Reihe von weiteren linken Nebenflüssen des Noce. Die orographisch rechte Talseite ist wesentlich wasserärmer, sowohl was die Anzahl der Nebenflüsse in den Noce als auch ihre Durchflussmenge und Länge anbelangt. Zu den rechten Nebenflüssen des Noce im Nonstal zählen der Torrente Tresenica, dem Abfluss des Tovelsees, der in Teilen unterirdisch verläuft sowie der Torrente Sporeggio, der das gleichnamige Seitental im Südwesten des Nonstales entwässert.Antonio Pisano, Roberto Marri: La Val di Non. S. 733–744.

Das Nonstal weist mehrere kleinere natürliche Seen auf, die infolge von Bergstürzen entstanden oder sich hinter Moränenablagerungen aufstauten. Des Weiteren gibt es neben dem Santa-Giustina-Stausee noch weitere künstlich angelegte Seen wie den Mollaro-Stausee oder die Seen von Coredo und Tavon.

Geomorphologie und Geologie Das Nonstal hat die Form einer weitläufigen Senke und liegt im Durchschnitt auf einer Höhe im Vergleich zum östlich liegenden tieferen Etschtal. Es unterscheidet sich in seiner Geomorphologie wesentlich von den Nachbartälern und besitzt die Charakteristiken einer Rumpffläche, die stellenweise von relativ tiefen Einschnitten durchzogen ist, die in einigen Fällen aufgrund der Erosion bis zu hundert Meter tiefe Schluchten bilden.Antonio Pisano, Roberto Marri: La Val di Non. S. 714.

Das Val di Non hat das U-förmige Querprofil eines Trogtales, das während der letzten Kaltzeit vom Noce- und vom Etschgletscher geformt wurde. Letzterer floss im Norden über den Rand des Etschtales und nahm im Bereich des Nonstales den Nocegletscher auf. Moränenablagerungen, auch in Form von Moränenterrassen, und Findlinge sind geologische Zeugnisse dieser Epoche.

Petrographisch gesehen kommen im Nonstal vor allem Kalkstein und Dolomit vor, es sind aber auch andere Formationen vorhanden. Die geologische Zeitskala kann anhand der Stratigraphie des Tales zwischen Perm und Quartär festgelegt werden. Die dem Perm zuzuordnenden Schichten, bestehend aus Quarzporphyr der Etschtaler Vulkanit-Gruppe, finden sich ausschließlich im nördlichen Bereich des Tales um die Laugenspitze östlich des Hofmahdjochs.Provincia Autonoma di Trento – Servizio geologico (Hrsg.): Carta geologica scala 1:25.000 Tavola 26 III Fondo. S.E.L.C.A., Florenz 2001 (PDF). Es ist davon auszugehen, dass diese Schicht eine Plattform bildet, auf der die jüngeren Sedimentschichten des Nonstales ruhen.Antonio Pisano, Roberto Marri: La Val di Non. S. 717.

Tektonisch gesehen besteht das Nonstal aus einer asymmetrischen Synklinale, deren östlicher Rand weitläufiger und weniger steil ist als der westliche Rand. Die Achse der Synklinale verläuft in nordnordöstlicher- südsüdwestlicher Richtung, praktisch entlang des Talgrundes etwas westlich des Flusslaufes des Noce. Sie setzt sich im Süden des Tales mit der zwischen Cavedago und Molveno liegenden Synklinale fort. Die im Nonstal liegenden tektonische Störungslinien können der Judikarien-Linie zugeordnet werden.Antonio Pisano, Roberto Marri: La Val di Non. S. 720.

Sprache Sprachlich stellt sich das Nonstal als uneinheitliches Gebiet dar.

In den nördlichsten, zu Südtirol gehörenden Gemeinden wird deutsch gesprochen. Diese Gegend wird zur Unterscheidung vom romanischsprachigen Gebiet Deutschnonsberg genannt. Da der romanischsprachige Nonsberg direkt an der deutschen Sprachgrenze liegt, aber auch wegen des bis ins 18. Jahrhundert auch dort verhältnismäßig großen deutschen Bevölkerungsanteils, sind zahlreiche deutsche Wörter in die lokale romanische Sprache aufgenommen worden. E. Quaresima führt in seinem Wörterbuch der anaunischen Mundart (1964) etliche Wörter deutscher Herkunft an, zum Beispiel: smuzzec (schmutzig), rom (Rahmen) oder stol (Stollen).

Diskussionen bezüglich der sprachwissenschaftlichen Einordnung der lokalen romanischen Dialekte waren Gegenstand der Questione Ladina. Die Romanisten Graziadio Ascoli und Theodor Gartner behandelten die Sprache der welschen Nonsberger (Nones [betont: Nònes], auch: Anaunisch) als Ladinisch und somit Teil der rätoromanischen Sprachen.

Der Chronist des Konzils von Trient, Michelangelo Mariani, vermerkte 1673 die ihm fremd klingende Sprache am Nonsberg, die er aber nicht zu benennen wusste und als „altes Gallisch“ deutete.

Andere Linguisten betrachteten die lokalen Idiome als Teil eines norditalienischen Dialektkontinuums. Mastrelli Anzilotti sieht dagegen deutliche Unterschiede zwischen dem romanischsprachigen oberen und unteren Nonstal. Während sie die Sprache des oberen Nonstals dem Halbladinischen zuordnet, ähnelt sie nach Mastrelli Anzilotti im unteren Teil des Tales den Dialekten des Etschtales.Giulia Mastrelli Anzilotti: Toponomastica trentina: i nomi delle località abitate. S. 322.

Seit der Volkszählung 2001 haben die Bewohner der Talgemeinschaft die Möglichkeit, sich als Ladiner zu erklären. Bei der Volkszählung 2011 erklärten sich 26,4 Prozent der Bewohner der Talgemeinschaft als Ladiner.

Gemeinden Provinz Bozen – Südtirol Proveis (1420 m) Laurein (1150 m) Unsere Liebe Frau im Walde-St. Felix, bestehend aus den Ortschaften: Unsere Liebe Frau im Walde (1350 m) St. Felix (1250 m)

Provinz Trient Die zur Provinz Trient gehörenden Gemeinden bilden die Talgemeinschaft (italienisch Comunità di valle) Comunità della Val di Non. Amblar-Don Borgo d’Anaunia Bresimo Campodenno Cavareno Cis Cles Contà Dambel Denno Livo Novella Predaia Romeno Ronzone Ruffrè-Mendola Rumo Sanzeno Sarnonico Sfruz Sporminore Ton Ville d’Anaunia

Wirtschaft Geschichtlicher Abriss Die ersten schriftlichen Aufzeichnungen, die sich mit wirtschaftlichen Aspekten des Nonstales befassen, stammen aus dem 16. Jahrhundert. Zu Beginn des 16. Jahrhunderts wurde das Tal als Kornkammer des Trentino bezeichnet. Abraham Ortelius unterlegte den wirtschaftlichen Wohlstand in seinem 1595 veröffentlichten Atlas Theatrum Orbis Terrarum mit Zahlen und führte als Beweis an, dass es im „Nansberg“ (sic) 350 Kirchen und 32 Burgen gebe. Wenig später war es der Chronist Marx Sittich von Wolkenstein, der 1613 in seinem Werk Landesbeschreibung von Südtirol das Tal blumenreich beschrieb und meinte, dass das Tal so viele Dörfer wie das Jahr Tage habe. Neben 140 kleineren und größeren Ortschaften zählte er über 30 Burgen auf.Alberto Mosca: Economia in Anaunia: Uno sguardo storico. S. 7–11.

Neben dem Obst-, Getreide- und Gemüseanbau, der Viehzucht, dem Fischfang und der Jagd verwies von Wolkenstein auch ausdrücklich auf die Bergwerke im Tal. So wurde seit dem 13. Jahrhundert Silber, ab dem 16. Jahrhundert Salpeter für die Herstellung von Schießpulver und ab dem 17. Jahrhundert Pech in verschiedenen Minen abgebaut.Alberto Mosca: Economia in Anaunia: Uno sguardo storico. S. 11.