Lanuvio (in der Antike Lanuvium, bis 1914 Civita Lavinia) ist eine italienische Gemeinde in der Metropolitanstadt Rom in der Region Latium mit Einwohnern (Stand ).

Name In der Antike hieß der Ort Lanuvium. Aber auch die Form Lanivium erschien vor allem in der Kaiserzeit in Inschriften. Die Herkunft des Namens ist unbekannt. 1358 wird der Ort erstmals seit der Antike mit dem Namen Civita Lanuvina wieder erwähnt. Später wurde Civita Lavinia der offizielle Name, bis der Ort 1914 wieder in Lanuvio umbenannt wurde.

Geographie mini|links|Lage von Lanuvio in der Provinz Rom Lanuvio liegt 34 km südöstlich von Rom und 37 km nordwestlich von Latina. Der historische Ortskern von Lanuvio liegt auf einem Hügel der Colli Lanuvini, den südlichen Ausläufern der Albaner Berge, mit einem beherrschenden Blick über die Ebene bis hin zum Meer. Das Gemeindegebiet erstreckt sich über eine Höhe von bis und reicht bis in die Pontinische Ebene. Lanuvio gehört zu den Gemeinden der Castelli Romani.

Die Gemeinde liegt in der Erdbebenzone 2 (mittel gefährdet).

Die Nachbargemeinden sind im Uhrzeigersinn Ariccia, Genzano di Roma, Velletri, Genzano di Roma und Aprilia (LT).

Verkehr Lanuvio liegt 26 km von der Auffahrt Valmontone auf die Autobahn A1 Autostrada del Sole entfernt. Die wichtigste Fernstraße ist die SS 7 Via Appia, die den Ort durchquert. An der Westgrenze der Gemeinde führt die Via Nettunense (Staatsstraße SS 207), die nach Anzio führt, vorbei. 25px|FR4 Lanuvio hat einen Bahnhof an der Regionalbahnstrecke FR4 Rom-Velletri. 23px|FR7 Der Stadtteil Campoleone hat einen Bahnhof an der Bahnstrecke Rom–Formia–Neapel. Der Bahnhof wird auch von den Regionalbahnen FR7 Rom-Formia 23px|FR8 und FR8 Rom-Nettuno bedient. 23px|airport Der nächste internationale Flughafen Rom-Fiumicino befindet sich in 50 km Entfernung.

Geschichte mini|hochkant|Statue der Juno Sospita Lanuvium, heute in der Sala Rotonda im Museo Pio-Clementino (Vatikanische Museen) Lanuvium soll der Legende nach von Diomedes nach dessen Rückkehr vom Trojanischen Krieg gegründet worden sein.Appian, Bürgerkriege 2, 20 (englische Übersetzung). Wahrscheinlicher erscheint aber eine Gründung als Kolonie des nahen Alba Longa.

Das antike Lanuvium war ein Mitglied der Latinischen Liga und blieb bis zur Eroberung durch Rom 338 v. Chr. unabhängig. Anfangs erhielt Lanuvium nicht das römische Bürgerrecht, später dann doch; noch in kaiserlicher Zeit trugen der oberste Magistrat und der Gemeinderat die Titel Diktator beziehungsweise Senat.

Lanuvium war berühmt für seinen reichen und stark frequentierten Tempel der Juno Sospita, von dem sich Octavian 31 v. Chr. Geld lieh, und für seine Besitzungen, die sich bis an die Küste erstreckten. Der Kult der Juno geht auf den archaischen Kult einer Ziegengöttin zurück. Lanuvium besaß weitere Tempel, die Antoninus Pius, der ebenso wie Commodus in der Nähe geboren wurde, restaurieren ließ.

Reste des alten Theaters und der Stadtmauern existieren noch in der modernen Stadt; nördlich der Stadtmauer gibt es ein Gebiet, das von einer Portikus in opus reticulatum umgeben ist, an deren Nordseite sich ein rechteckiges Gebäude in opus quadratum anschließt, das vielleicht mit dem Juno-Tempel verbunden war. Hier wurde bei nicht wissenschaftlich begleiteten Ausgrabungen, die der englische Botschafter in Italien, Lord Savile, vornehmen ließ, dekorative archaische Terrakotta entdeckt. Die Akropolis der ursprünglichen Stadt lag vermutlich auf dem höchsten Punkt wenig nördlich des Tempels. Die Umgebung der Stadt, die jetzt aus Weingärten besteht, enthält Reste vieler römischer Villen, von denen eine traditionell Antoninus Pius zugerechnet wird.

Mit der Schließung des Tempels der Juno Sospita, der gut ein Jahrtausend das pulsierende Herz Lanuviums gewesen war, durch die Edikte des Kaisers Theodosius I. 391, begann der Verfall der Stadt. Im Mittelalter wurde am Orte ein Benediktinerkloster gegründet. Civita Lanuvina, wie die Siedlung nun hieß, wurde 1410 von Johannes XXIII. (Gegenpapst) den Colonna übergeben. 1564 kaufte Giuliano Cesarini den Ort für 105.000 Scudi den Colonna ab. 1870 kam Lanuvio als Teil des Kirchenstaates zum Königreich Italien.

Während des Zweiten Weltkriegs erlitt Lanuvio am 17. Februar 1944 durch einen Bombenangriff beim Vormarsch der Alliierten starke Zerstörungen.

Bevölkerungsentwicklung Jahr 1881 1901 1921 1936 1951 1971 1991 2001 2011 Einwohner 926 1.481 2.204 2.636 3.846 5.228 8.177 9.994 13.006 Quelle: ISTAT

Politik Luigi Galieti (Lista Civica: Lanuvio Per La Democrazia) wurde im Mai 2012 zum Bürgermeister gewählt. Er gewann die Wahl mit 48,81 % der Stimmen gegen seinen Vorgänger Umberto Leoni vom Mitte-links-Bündnis L’Unione, gegen den er noch 2007 knapp unterlegen war. Seine Bürgerliste Galieti Sindaco stellte damals 7 der 10 Gemeinderäte.Wahlseite des Innenministeriums Am 11. Juni 2017 wurde Galieti wiedergewählt.

Bürgermeister von Lanuvio: 2002–2007: Rossano De Santis 2007–2012: Umberto Leoni seit 2012: Luigi Galieti

Wappen Das Wappen stellt die antike Göttin Juno Sospita Mater Regina zusammen mit ihrer Schlange dar, der im antiken Lanuvium ein Tempel geweiht war. pdf. (italienisch), abgerufen am 27. Juli 2013

Partnergemeinde Centuripe auf Sizilien, seit 1974.

Religion Die Einwohner von Lanuvio gehören mehrheitlich der römisch-katholischen Glaubensgemeinschaft an. Die Gemeinde gehört zum Bistum Albano und hat drei Pfarrgemeinden.Diözese Albano (italienisch), abgerufen am 20. Dezember 2015 Die östlichen Ortsteile Pietrara und Presciano sind dagegen Teil der Diözese Velletri-Segni.

Sehenswürdigkeiten mini|Ponte Loreto Die umfassende mittelalterliche Stadtmauer mit fünf Rundtürmen geht auf die Zeit nach 1347 zurück. Sie schließt Teile der antiken Mauer ein. Auf dem Colle di San Lorenzo wurden 1914 die antike Arx, der Tempel der Juno Sospita und ein Theater aus römischer Zeit ausgegraben. Ein kleiner Teil der Portikus des Tempelareals wurde restauriert. (italienisch) Moderne Ausgrabungen erbringen weitere Erkenntnis über die antike Ortsgeschichte. Im öffentlich zugänglichen Park der Villa Sforza Cesarini ist die Portikus aus der Zeit des Antoninus Pius zu sehen.Beschreibung der Ausgrabungen (italienisch) Der Palazzo Colonna blieb nach dem Verkauf an Giuliano Cesarini 1564 unvollendet und zeigt deshalb ein steinansichtiges Aussehen. Ihm gegenüber steht die Collegiata Santa Maria Maggiore mit barocker Außen- wie Innengestaltung mit dem Grabdenkmal von Prospero Colonna, Herzog des Marserlandes. Im Rathaus ist das Stadtmuseum untergebracht. Es zeigt viele Fundstücke aus den modernen Ausgrabungen, darunter ein Depot von Terrakottafigurinen aus einer illegalen Grabung, das von der Finanzpolizei sichergestellt wurde. Die kleine Kirche Santa Maria delle Grazie an der Via Delle Grazie südlich des Stadtzentrums, einst Teil eines Franziskanerkonventes, wurde im Jahre 1523 in Renaissanceformen errichtet und enthält ein Bild der namengebenden Maria mit Kind. Merklich südlich der Altstadt befindet sich an der Via Astura die einbogige antike Brücke Ponte Loreto mit einem Stück der genannten Straße, die nach Antium führte.Blog aus Rom, Beschreibung des Ponte Loreto mit Fotos (deutsch)

Kulinarische Spezialitäten In Lanuvio werden die DOC Weine Colli Lanuvini und Colli Lanuvini superiore in Rot- und Weißweinform produziert.

Söhne und Töchter der Stadt Antoninus Pius (86–161), römischer Kaiser Commodus (161–192), römischer Kaiser Prospero Colonna (1452–1523), Condottiere und Herzog des Marserlandes Marcantonio Colonna (1535–1584), Fürst und Herzog von Paliano, Admiral der päpstlichen Flottenabteilung in der Seeschlacht von Lepanto Anfang Oktober 1571 Luigi Frezza (1783–1837), Kurienkardinal der römisch-katholischen Kirche Giacomo Lauri-Volpi (1892–1979), Tenor Sandro Bellucci (* 1955), Leichtathlet

Weblinks

romeartlover (italienisch, englisch) Lanuvio auf www.comuni-italiani.it (italienisch)

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Latium Kategorie:Römische Stadt in Italien