Das Dorf Bittelschieß ist ein Teilort der Gemeinde Krauchenwies mit 312 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2010)Angaben nach Waltraud Weizenegger, Vorzimmer Bürgermeister der Gemeinde Krauchenwies, vom 11. Januar 2011. und liegt etwa drei Kilometer südwestlich des Hauptorts Krauchenwies im Landkreis Sigmaringen (Baden-Württemberg).
Geographie Geographische Lage Bittelschieß liegt ungefähr 15 Kilometer südlich von Sigmaringen und circa 20 Kilometer nördlich des Bodensees. Es liegt an der linken Talseite etwas südlich des Zusammenflusses des Kehlbachs in den Andelsbach im Kehlbachtal, das durch eiszeitliche Gletscher geformt worden ist.
Geologie Seit 1962 baut die Firma Nord-Moräne-Kieswerk in Bittelschieß die Moränen der Rißeiszeit in einem 53 Hektar großen, sich in Richtung Andelsbachtal öffnenden Trockenabbau ab. Von der Kiesgrube sind derzeit ein Drittel als forst- und landwirtschaftliche Flächen rekultiviert, 16 Hektar werden für den Abbau und als Betriebs- und Verkehrsfläche genutzt.Arno Möhl (mö): Interview: „Wo rekultiviert werden kann, wird das auch gemacht“. Bernd Schönebeck von Nord-Moräne-Kies erklärt das geänderte Konzept. In: Schwäbische Zeitung vom 31. Januar 2012
Ausdehnung des Gebiets Die Gesamtfläche der Gemarkung Bittelschieß 447 Hektar wird wie folgt genutzt: 8 % Siedlung, 40 % Wald und 51 % Landwirtschaft. Die landwirtschaftliche Fläche wird wie folgt genutzt: 67 % Ackerland, 31 % Dauergrünland, 2 % Sonderkulturen. In Bittelschieß sind circa 167 Hektar mit Wald bestockt. Die Waldfläche ist in Kommunalwald der Gemeinde Krauchenwies, Kleinprivatwald und Großprivatwald (Besitz der Fürsten von Hohenzollern) aufgeteilt. Der Kommunalwald und der Kleinprivatwald werden vom Forstamt in Pfullendorf betreut.LeJu 2001
Geschichte Namensherkunft Dem Namen Bittelschieß liegen zwei Deutungen zugrunde. Bittel = Büttel war ursprünglich die Bezeichnung für den jüngsten Richter des aus zwölf Richtern bestehenden Obergerichts.Nach Günter Schmitt Bittel = Beutel war ein Männername, althochdeutsch Putilo genannt.Nach Gemeinde Krauchenwies Schieß bedeutet als Flurname spitzer Winkel, Ecke oder Giebel – eine Kennzeichnung, die für die Landschaft mit dem Bergvorsprung um Bittelschieß überzeugend passt.Nach Günter Schmitt und Gemeinde Krauchenwies
Vor- und Frühgeschichte Auf Bittelschießer Markung finden sich bereits Spuren aus keltischer Zeit: Rund ein Kilometer südwestlich von Bittelschieß befanden sich zweiVgl. Oscar Paret: Württemberg in vor- und frühgeschichtlicher Zeit (= Veröffentlichungen der Kommission für Geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg. Band 17). Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1958, S. 268., nördlich ein Grabhügel. Die hier in einem Hügel durch Oberst August von Cohausen vom 13. bis 15. Juni 1881 ergrabene hallstattzeitliche Scherben gehören zu einem roten Hochhalsgefäß. Bei den in der Vor- und Frühgeschichtliche Sammlung des Schlosses Sigmaringen gelagerten Funde, die im Inventarbuch unter derselben Inventarnummer aufgeführt sind, ist es nicht sicher, ob sie ebenfalls aus diesem Hügel stammen.Vgl. Hartwig Zürn: Hallstattzeitliche Grabfunde in Württemberg und Hohenzollern. Band 1. (= Forschungen und Berichte Vor- und Frühgeschichte Baden-Württembergs. Band 25). Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1987, ISBN 3-8062-0779-8. S. 181. Dies sind unter anderem Gürtelbleche, Fibeln und Ringe. Zu den herausragenden Funde zählen ein DolchmesserVgl. Adolf Rieth, Josef Wilhelm Gilles: Die Eisentechnik der Hallstattzeit. Verlag J. A. Barth, 1942. S. 46. vom Typ Ludwigsburg, er ist in die späte Phase des HaD zu datierenVgl. Stefan Burmeister: Geschlecht, Alter und Herrschaft in der Späthallstattzeit Württembergs (= Tübinger Schriften zur ur- und frühgeschichtlichen Archäologie. Band 4). Waxmann Verlag, München/Berlin 2000, ISBN 3-89325-387-4, S. 155., sowie ein Bronzefuß- und -fingerring.Susanne Sievers: Die mitteleuropäischen Hallstattdolche (= Prähistorische Bronzefunde). C. H. Beck, München 1982, ISBN 3-406-08070-7, S. 45.
Aus späterer Zeit findet sich im Kehlbachtal einer römerzeitliche Straßenverbindung von Pfullendorf nach Mengen. Die Römerstraße führte durch den heutigen Ort und am Burgstall vorbei; eine zweite mündet von Weihwang her in Bittelschieß ein. Es fanden sich zudem bei einem römischen Leichenfeld bei BittelschießVgl. Westdeutsche Zeitschrift für Geschichte und Kunst. Band 2, 1883, S. 206.Vgl. Schriften des Vereins für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung. Bände 11–12. hrsg. vom Verein für Geschichte des Bodensees und seiner Umgebung, 1882. S. 84. mit mehr als ein Dutzend wohlerhaltene Gefäße verschiedener Art aus dem Ende des 1. und Anfang des 2. Jahrhunderts n. Chr.Vgl. Neue Heidelberger Jahrbücher. Bände 8–10. hrsg. vom Historisch-Philosophischen Verein zu Heidelberg, Gesellschaft der Freunde der Universitaet, Heidelberg. 1898. S. 106. Inwieweit das Leichenfeld in Verbindung mit der Otterswanger Gefecht einer Kohorte der römischen XIV. Legion mit einem germanischen Stamm, in dessen Verlauf ein Greifensignum verloren ging, ist ungewiss. Ebenfalls könnte ein Zusammenhang zwischen dem Leichenfeld und den römischen Siedlungsspuren bei Hausen am Andelsbach bestehen.
Darüber hinaus sind weitere, keinem Hügel zuweisbare Einzelfunde zu nennen.Vgl. Ferdinand Maier: Zur Herstellungstechnik und Zierweise der späthallstattzeitlichen Gürtelbleche Südwestdeutschlands. In: Bericht der Römisch-Germanischen Kommission. 39, 1958, S. 186f., 194 u. 202. Bei ihnen handelt es sich unter anderem um hallstattzeitliche Bronzegürtelblechreste vom Typ InneringenImma Kilian-Dirlmeier: Die hallstattzeitlichen Gürtelbleche und Belchgürtel Mitteleuropas (= Prähistorische Bronzefunde. Abteilung 12, band 1). C. H. Beck, München 1972, Nr. 71. und Lederreste.
Mittelalter Auf Bittelschießer Gemarkung sind zwei sogenannte Volksburgen bekanntVgl. Fundberichte aus Schwaben. Band 2. hrsg. von der Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte im Württemberg und Hohenzollern. 1930, S. 17.: Neben der Hünaburg ist das der Burgstall Bittelschieß, dessen Geschichte und die derer Bewohner, die Herren von Bittelschieß, sowie die der Kirche eng mit der Geschichte von Bittelschieß verbunden ist. Das Geschlecht der Herren von Bittelschieß war bis zum Ende des 14. Jahrhunderts im Besitz des Ortes, danach folgten Jahrhunderte im Besitz von verschiedenen Familien des Niederadels, bis es 1786 an das Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen gelangte.
Mit Bertholdeus de Bittelschieß wurde anno 1083 bei der Stiftung Sankt Georgen im Schwarzwald Bittelschieß zuerst genannt, des Weiteren 1212 mit der Nennung von Berthold von Bittelschieß in der Stiftungsurkunde des Klosters Wald. Im Jahr 1245 wird die Burg Bittelschieß als Sitz der Herren von Bittelschieß etwa ein Kilometer nordöstlich vom Dorf an der Straße von Krauchenwies nach Pfullendorf genannt. Noch vor wenigen Jahren konnten die Spuren der Burg ermittelt werden. Zusammen mit der Burg wird 1245 in einer Urkunde des Bischofs von Konstanz dann auch das Dorf Bittelschieß erstmals schriftlich genannt – rund eineinhalb Jahrhunderte nach dem urkundlichen Auftreten der Herren von Bittelschieß.Vom bäuerlichen Ritterdorf zur bürgerlichen Wohnsiedlung. Festvortrag von Kreisarchivar Dr. Edwin Ernst Weber am 11. Juli 2008 zur urkundlichen Ersterwähnung von Bittelschieß vor 925 Jahren. In: Blättle. Mitteilungsblatt der Gemeinde Krauchenwies mit den Ortsteilen Ablach, Bittelschieß, Ettisweiler, Göggingen und Hausen. 49 Jg., Nr. 36, 5. September 2008, S. 2.
Im Jahr 1263 erfolgte die Erstnennung der Kirche. Bittelschieß war bereits früher eine eigene Pfarrei, und schon 1126 kommt ein Burkhard als Pfarrer vor. Pfarrer der Pfarrei Bittelschieß war bis 1429 Bercardus plebanus. Die Einkünfte der Pfarrei waren indes so gering, dass sie auf die Dauer für den Unterhalt des Pfarrers nicht ausreichten. Deshalb wurde am 10. September 1429 die Pfarrei Bittelschieß in die Pfarrei Hausen am Andelsbach als „Filial“ eingegliedert.
Nach dem Aussterben der Herren von Bittelschieß kam der Ort an die Herren von Bodman, welche ihn 1429 an Hans Gremlich von Jungingen verkauften, von dem er 1465 vorübergehend an die Herren von Reischach fiel, um wieder an die Gremlich von Jungingen zurückzufallen.
Auseinandersetzungen, Schlaghändel und andere Tätlichkeiten verursachte der Dreißigjährige Krieg zwischen den Nachbardörfern Göggingen und Bittelschieß. Es ging um den Mittrieb in den zwischen beiden Gemeinden liegenden Wäldern, das heißt das Recht, sein Vieh mit dem anderen gemeinschaftlich auf dessen Grund und Boden treiben und dort weiden zu lassen.Der Streit um den Bittelschießer Mittrieb 1658–1663. In: Gustav Kempf: Das Gögginger Dorfbuch. Gemeinde Göggingen. Göggingen 1971. S. 84–87
Weiterhin ist ein Eberhard Gremlich von Jungingen, Herr auf Bittelschieß, bekannt.Ernst Heinrich Kneschke: Gremlich v. Jungingen. In: Ders.: Neues allgemeines deutsches Adels-Lexicon. Band 4, 1863, S. 30.
Im 16. Jahrhundert wird Bittelschieß gleich mehrfach Streitobjekt in innerfamiliären Erbkonflikten der Gremlich, die am Ende die halbe Ortsherrschaft an den Bischof von Konstanz, seit 1245 bereits Lehnsherr von Burg und Bittelschieß, verlieren. 1658 gehörte das Dorf Bittelschieß zur fürstlichen Herrschaft des Bischofs von Konstanz und war als Lehen im Besitz des kurfürstlich bayrischen Obristleutnants Johann Häffner zu Pfullendorf. Der Oberlehensherr von Bittelschieß war 1660 der Bischof Franziskus Johannes von Konstanz und ebenfalls Lehensinhaber von Bittelschieß wird ein gewisser Junker Fenkher genannt. Die Forstobrigkeit in den strittigen Ländern zwischen Göggingen und Bittelschieß hatte die Grafschaft Sigmaringen. 1667 verkauften die Gremlich von Jungingen das Dorf an Häffner von und zu Bittelschieß. Johann Baptist von Stader, Edler von Adelsheim, (Herr von Bittelschieß) erwarb 1751 das Dorf für 32.000 Gulden von der Familie Häffner. Er war darum bemüht, dass Bittelschieß wieder eine eigenständige Pfarrei wurde. Seine Bemühungen (1751–1766) blieben ohne Erfolg, hauptsächlich deshalb, weil er kein Geld aufbringen konnte. Zu dieser Zeit hatte Bittelschieß nicht mehr als 100 Einwohner.
Moderne In der Pfarrchronik von Hausen am Andelsbach wird 1754 die „Burgkapelle Bittelschieß“ genannt.Alfons Kasper: Kunstwanderungen Kreuz und quer der Donau. 1964. S. 157 1758Schlussstein beim Eingangsportal trägt die eingemeißelte Inschrift „A[NN]O 1758“ ließ Herr von Stader anstelle der alten eine größere Kirche von Baumeister Martin Ilg aus Dornbirn erbauen: zehn Schuh länger und sieben Schuh breiter. Die Bittelschießer Kirche wurde zur selben Zeit wie die Stadtkirche in Sigmaringen (ebenfalls von Ilg) erbaut. Dank dieser Beziehung kam ein Baumeister nach Bittelschieß, der aus der ruinösen Kirche ein reizvolles Barock-Kirchlein baute.
1764 starb Johann Baptist von Stader. Aus der Hand des letzten Besitzers, es war der Sigmaringer Hofkanzler Stader von Adelsheim, erwarb Fürstin Johanna, Gemahlin des Fürsten Karl Friedrich von Hohenzollern-Sigmaringen 1786 das Dorf für 59.000 Gulden als Staders Erben Bittelschieß an die Sigmaringer Fürstwitwe Johanna verkauften. Die Ortschaft gelangte dauerhaft in hohenzollerische Hand.
Bittelschieß war ab 1820 eine selbständige Gemeinde. Am 1. Juli 1974 wurde diese in die Gemeinde Krauchenwies eingegliedert.
Religionen Die katholische Filialkirche St. Kilian gehört zur Pfarrgemeinde St. Odilia in Hausen am Andelsbach.
Politik Ortsvorsteher 2009–2014: Egon Demmer seit 2014: Robert Stumpp
Wappen Das Ortswappen von Bittelschieß, ein geteiltes Schild oben in Silber eine rote Bütte, unten in Rot ein stehender goldener Hirsch, erinnert an die einstigen Herren von Bittelschieß. Die Bütte wurde dem Siegel eines Herrn von Bittelschieß aus dem Jahre 1367 entnommen und soll die Erinnerung an den ehemaligen Ortsadel festhalten. Der goldene Hirsch in rotem Feld deutet auf den einstige Zugehörigkeit des Ortes zur Grafschaft Sigmaringen.