Mallersdorf-Pfaffenberg ist ein Markt im niederbayerischen Landkreis Straubing-Bogen. Er entstand 1972 durch den Zusammenschluss von Mallersdorf und Pfaffenberg zum Markt Mallersdorf-Pfaffenberg.
Geographie 250px|mini|Franziskanerinnenkloster Mallersdorf Lage Mallersdorf-Pfaffenberg liegt an der Kleinen Laber im tertiären Donau-Isar-Hügelland, jeweils 30 km von Straubing, Regensburg und Dingolfing bzw. etwa 40 km von Landshut, 100 km von München und 130 km von Nürnberg entfernt.
Die raumstrukturelle Einheit des Marktes ist laut Landesentwicklungsprogramm (LEP) des Freistaats Bayern als Mittelzentrum eingeordnet, da sie für das ländlich geprägte Umland durch ihre zentralörtliche Infrastrukturausstattung eine mittelzentrale Position einnimmt.
Gemeindegliederung
Es gibt 51 Gemeindeteile:
Es gibt die Gemarkungen Grafentraubach, Holztraubach, Mallersdorf, Oberellenbach, Oberhaselbach, Oberlindhart, Pfaffenberg und Upfkofen.
Geschichte Mallersdorf mini|Der Zollhof in Pfaffenberg Die Geschichte des Ortes Mallersdorf reicht vermutlich bis in die Römerzeit zurück, da die erste Burg, die dem Ort „Madilhardisdorf“ den Namen gab, auf den Resten eines römischen Kastells errichtet worden sein soll. Diese Burg war im Besitz von Mathilde von Lupburg, der 9. Äbtissin des Reichsstifts Niedermünster in Regensburg, die hier ausgedehnte Güter besaß und von deren Name sich „Mallersdorf“ letztendlich ableitet.
Mallersdorf gehörte während der Karolingerzeit zur Gaugrafschaft Kirchberg. Die Grafen Heinrich und Ernst stifteten hier 1107 ein Kloster, welches mit der Bestätigung der Schenkung durch den späteren Kaiser Lothar III. 1129 erstmals urkundlich erwähnt wird.
Die von Benediktinermönchen geführte Lateinschule im Kloster Mallersdorf auf dem Johannisberg, die dort von 1109 bis 1803 nachweisbar ist, genoss einen vorzüglichen Ruf. Auch die bedeutende Bibliothek war Grund für die überregionale Bedeutung Mallersdorfs auf wissenschaftlichem Gebiet. Der Ehrentitel „sedes sapientiae“ (Sitz der Weisheit) bezeugt diese Stellung.
Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster zu einem Landwirtschaftsbetrieb mit Brauerei umfunktioniert; die Bibliothek sowie wertvolle sakrale Gegenstände wurden nach München gebracht. Eine Neubelebung erfuhr das Kloster 1869, als dort der Franziskanerinnen-Orden der Mallersdorfer Schwestern sein Mutterhaus errichtete.Moosauer, Donatus / Wöhrl, Jochen (1996): Große und Kleine Laber - Luftportrait der altbayerischen Zwillingsflußlandschaft. Straubing (Siehe auch: Franziskanische Orden)
Nach der Säkularisation erhielt Mallersdorf zunächst ein Landgericht, aus dem 1862 das Bezirksamt, das Notariat und später das Amtsgericht hervorgingen. Obendrein befand sich in Mallersdorf ein Rentamt. Damit war der Ort Kreissitz geworden.
Pfaffenberg Die Geschichte des Ortes Pfaffenberg reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. In einem Schutzbrief von Papst Eugen III. wird der Ort das erste Mal schriftlich erwähnt. Das seit 1429 bestehende Landgericht verlegte am 9. August 1805 seinen Gerichtssitz von Pfaffenberg nach Mallersdorf. Am 24. Juni 1840 wurde das Gericht in Landgericht Mallersdorf umbenannt.
Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden am 1. April 1971 die Gemeinden Ascholtshausen, Holztraubach, Oberellenbach und Oberlindhart in den Markt Pfaffenberg eingegliedert. Am 1. Juli 1972 erfolgte der Zusammenschluss mit Mallersdorf zur neuen Marktgemeinde Mallersdorf-Pfaffenberg. Die Gemeinden Niederlindhart, Oberhaselbach und Upfkofen kamen am 1. Januar 1978 hinzu.Gemeinde Mallersdorf-Pfaffenberg
Landratsamt Am 1. Juli 1972 verlor Mallersdorf den Sitz des Landratsamtes und wurde in den Landkreis Straubing-Bogen umgegliedert. Die Gemeinde war einer der wenigen Kreishauptorte in Deutschland, die als Sitz einer Kreisverwaltung keine Stadtrechte besaß.
Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 wuchs der Markt von 6069 auf 6950 um 881 Einwohner bzw. um 14,5 %. Die Entwicklung der Einwohnerzahl zeigt folgende Tabelle:Statistikdaten
mini|400px|Einwohnerentwicklung von Mallersdorf-Pfaffenberg von 1840 bis 2017
Stichtag Bevölkerung 01.12.1840 3185 01.12.1871 4590 01.12.1900 4462 16.06.1925 5014 17.05.1939 5101 13.09.1950 7232 06.06.1961 5964 27.05.1970 6116 25.05.1987 6091 31.12.1991 6323 31.12.1995 6564 31.12.2002 6732 31.12.2005 6592 31.12.2006 6571 31.12.2007 6583 31.12.2008 6479 31.12.2009 6476 31.12.2010 6446 31.12.2011 6367 31.12.2012 6361 31.12.2013 6488 31.12.2014 6536 31.12.2015 6683 31.12.2016 6682 31.12.2017 6849
Politik Gemeinderat Wahljahr CSU FW SPD ödp gesamt20268732202020863320 2014 9 6 3 2 20 2008 11 5 2 2 20 2002 11 6 2 1 20 1996 10 7 3 - 20 1990 12 5 3 - 20
Bürgermeister Amtszeit Name Parteiseit 1. Mai 2020Christian DobmeierCSU 2002–2020 Karl Wellenhofer CSU 1996–2002 Norbert Bauer CSU 1984–1996 Hans Daffner CSU 1976–1983 Anton Offenberger 1973–1976 Josef Feldschmidt
Gemeindepartnerschaften Paderno del Grappa, Ortsteil der Gemeinde Pieve del Grappa (Italien) Jedlicze (Polen)
Aufgrund der Verdienste zur europäischen Integration durch ihre Städtepartnerschaften wurde dem Markt am 3. November 2007 die Ehrenfahne des Europarates als Dank für deren Einsatz zugunsten eines friedlichen und freiheitlichen Europas verliehen.
Patenschaft 1985 wurde die Patenschaft für die vertriebenen Sudetendeutschen aus Gossengrün, heute Krajková, übernommen.
Wappen Mallersdorf Pfaffenbergzentriert|80x80px|Wappenzentriert|79x79px|Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Kloster Mallersdorf mini|Benediktinerabteikirche St. Johannes Das Kloster Mallersdorf, das eine Klosterrealschule betreibt, liegt auf einer Anhöhe über dem idyllischen Labertal. Der Orden der Armen Franziskanerinnen von der Heiligen Familie wurde von Paul Josef Nardini gegründet. Die dem Kloster angehörige Basilika wurde 1109 begonnen und erhielt in der Mitte des 18. Jahrhunderts ihre heutige Rokokoausstattung. In der Pfarrkirche St. Johannes befindet sich ein Hochaltar von Ignaz Günther.
Jüdisches Ehrenmal Bei Pfaffenberg befindet sich ein Ehrenmal für jüdische KZ-Opfer, die im Ortsteil Oberlindhart begraben wurden. Das Denkmal wurde 1947 errichtet und durch Spenden von jüdischen Einwohnern der Region finanziert. Es handelt sich um eine Grabstätte für 67 KZ-Häftlinge, die bei einem Todesmarsch aus dem Konzentrationslager Buchenwald im Frühjahr 1945 von SS-Männern erschossen wurden, bevor sie von den Alliierten befreit werden konnten.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 162f.
Zollhof Pfaffenberg Das jetzt schlossartige Gebäude stammt aus dem 17. oder 18. Jahrhundert. Es war Eigentum des Domkapitels des Bischofs von Regensburg und diente als Amtshaus, eine Art Propsteigebäude.Geschichte Pfaffenberg Im 20. Jahrhundert wurden von der Familie Gandorfer der Balkon über dem Eingang und die Eckerker angebaut.
Sonstige Bonifatius-Statue Westen Schloss Oberellenbach Schloss Oberhaselbach Kirche Mariä Opferung in Westen Pfarrkirche St. Peter in Pfaffenberg Die ehemalige Benediktinerkirche in Mallersdorf ist heute die Pfarrkirche St. Johannes. Die Kirche St. Johannes der Täufer Oberlindhart mit Teilen aus dem späten 10. Jahrhundert ist eine der ältesten ländlichen Sakralbauten Ostbayerns. Sie ist ein spätgotischer Bau mit Sterngewölbe und romanischem Turm.
Sport Im Gemeindeteil Mallersdorf befinden sich Sportplätze des TV Mallersdorf und eine Tennisanlage. Im Gemeindeteil Pfaffenberg sind im Sport- und Freizeitzentrum Igeltal Sportplätze des TSV Pfaffenberg und eine Kegelbahn zu finden. Ein Frei- und ein Hallenbad mit großer Liegewiese, Sportplatz, Laufbahn, Beachvolleyball-Anlage, Kiosk mit Terrasse, 50-m-Wettkampfbecken, 66 m langer Wasserrutsche mit Freizeitbecken, Sprungbecken mit zwei Türmen und ein Kinderplanschbecken mit Wasserpilz sind ebenfalls vor Ort. Angrenzend dazu befindet sich ein Skatepark mit Fun-Box, Skater-Quarter-Pipe, Skate-Rail und Trick-Box. Außerdem die Sportanlagen des Burkhart-Gymnasiums mit Dreifachturnhalle. Im Gemeindeteil Oberlindhart befinden sich die Sportplätze des SV Oberlindhart, außerdem gibt es dort angrenzend noch gepflasterte Stockbahnen.
Regelmäßige Veranstaltungen Jedes Jahr am ersten Augustwochenende findet das beliebte Pfaffenberger Volksfest an den Laaberauen statt. Veranstaltet wird das Pfaffenberger Volksfest von der im Ortsteil Pfaffenberg ansässigen Privatbrauerei Stöttner.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Durch Mallersdorf-Pfaffenberg verläuft die Staatsstraße 2142 über die Straubing, Rottenburg an der Laaber und Elsendorf (und damit die A93) erreicht werden können. Außerdem ist die Gemeinde an die B15 angebunden, die Regensburg und Landshut verbindet. Kontrovers diskutiert wurden die Planungen zum Neubau einer Umgehungsstraße mitten durch die Laaberauen, die als natürliche Retentionsfläche und Feuchtgebiet auch seit Jahren einem Weißstorchenpaar Nahrung und Lebensraum bieten. Die durch Böschungen und Betonpfeiler höhergelegte Trasse verläuft im Zentrum der Gemeinde zwischen den Gemeindeteilen Niederlindhart-Oberlindhart und Mallersdorf-Pfaffenberg. Durch das Marktgebiet verläuft die Bundesstraße 15n (Saalhaupt-Landshut), die wie eine Autobahn ausgebaut worden ist und welche die A93 mit der A92 verbindet. Die potentielle Anschlussstelle Oberhaselbach an die Kreisstraße SR58, die kontrovers diskutiert wird, gibt es aber derzeit nicht. Stattdessen wird die B15n über Neufahrn-Nord (Asenkofen) oder Schierling-Süd (Buchhausen) außerhalb des Marktgemeindegebiets erreicht.
In den Gemeindeteilen Mallersdorf-Bahnhof, Oberlindhart und Niederlindhart befindet sich jeweils ein Haltepunkt an der Bahnstrecke Neufahrn–Radldorf.
Entlang der Kleinen Laber führt der Labertalradweg an Mallersdorf-Pfaffenberg vorbei.
Ansässige Unternehmen Im Industrie- und Gewerbegebiet Ettersdorf sind unter anderem ansässig: Kautex
In Pfaffenberg befindet sich zudem die Privatbrauerei Stöttner, deren Produkte überregional vertrieben werden. Diese betreibt nicht nur das Gasthaus Stöttner-Treff in Pfaffenberg und die Markt- und Bierbar im Gewerbegebiet zwischen Ober- und Niederlindhart, sondern bewirtschaftet auch das einzige Hallertauer Hopfenfeld im Landkreis Straubing-Bogen.
Nahversorgung
Neben den Nahversorgungsangeboten für den täglichen und mittelfristigen Bedarf in den jeweiligen Ortskernen, hat sich zwischen den Ortsteilen Mallersdorf und Pfaffenberg eine Verdichtung von Einzelhandels- und Dienstleistungsstandorten entwickelt. Dieses neue Zentrum in der Mitte beider Ortsteile soll auch in Zukunft weiter ausgebaut werden. Auf einem ehemaligen Industrieareal ist das „Haus der Generationen (HDG)“ mit Bürgersaal, Bühne, Bewirtungsbereich, Vereinsräumen, Bücherei, Jugendzentrum u. a. entstanden, ein Neubau des Rathauses und ein weiteres Gebäude für Sportnutzung sollen folgen.Siegerentwurf bei competitionline.com
Öffentliche Einrichtungen Polizeistation Mallersdorf Freiwillige Feuerwehr in den Gemeindeteilen Oberhaselbach, Ascholtshausen, Holztraubach, Pfaffenberg, Mallersdorf, Oberlindhart, Niederlindhart, Oberellenbach und Upfkofen Klinik Mallersdorf Ärztehaus BRK Seniorenheim Kindergarten „Zum Schutzengel“ Kindergarten „St. Elisabeth“ Kinderkrippe Rappelkiste Rathaus und Standesamt Jugendtreff „JUMP“
Bildung Burkhart-Gymnasium St. Martin Grund- und Mittelschule Förderschule St. Benedikt Nardini-Realschule für Mädchen im Kloster Mallersdorf Fachakademie für Sozialpädagogik der Ordensgemeinschaft Arme Franziskanerinnen von der Heiligen Familie, (Mallersdorfer Schwestern) Kurse der Volkshochschule Kreismusikschule Kommunale Berufsfachschule für Pflege der Kreiskliniken Bogen-Mallersdorf in Mallersdorf-PfaffenbergEintrag zur Berufsfachschule für Pflege in der Schuldatenbank
Persönlichkeiten Ehrenbürger