Johann Tobias Turley, auch Thurley (* 4. August 1773 in Treuenbrietzen; † 9. April 1829 in Treuenbrietzen) war ein brandenburgischer Orgelbauer. mini|Vermutliches Portrait von Johann Tobias Turley.

Leben Johann Tobias Turley wurde als Sohn des Weißbäckers Johann Friedrich Turley (1728–1783) geboren. Nach dem frühen Tod des Vaters erlernte er auf Wunsch der Mutter dasselbe Handwerk. 1793 wurde er in Treuenbrietzen Bürger und Bäckermeister. Im Orgelbau war Turley Autodidakt und schuf im Jahr 1796 eine erste Orgel in der Dorfkirche in Brachwitz.

1814 gab er das Bäckerhandwerk auf und wandte sich ganz dem Orgelbau zu. Ab 1816 erhielt er die ersten Aufträge von der Potsdamer Regierung, so für Hohenbruch.Nekrolog in: Allgemeine musikalische Zeitung. Nr. 33, 1829, S. 551 f., Der Orgelsachverständige und Organist in Neuruppin Friedrich Wilke erteilte ihm den Rat, den Metallplatten für die Orgelpfeifen durch eine zu entwickelnde Walz- und Streckmaschine gleiche Flächen zu geben. Für die Pfeifenproduktion erfand Turley eine entsprechende Walzmaschine und ließ sie von der Königlich-Preußischen Eisengießerei in Berlin herstellen. Er setzte die Erfindung zum ersten Mal bei seinen Orgelbauten in der Kreuzkirche in Joachimsthal und in Blankenburg (1817) ein.Institut für Orgelforschung Brandenburg: Johann Tobias Turley; abgerufen am 4. März 2022.

Johann Tobias Turley war zweimal verheiratet. Am 31. Oktober 1793 heiratete er Maria Louise Bergmann aus Treuenbrietzen, die 1808 starb. Seine zweite Frau war Marie Elisabeth Plötz, eine geschiedene Schneiderstochter aus Wittbrietzen, die er am 4. Mai 1809 heiratete. Der Sohn Johann Friedrich Turley II. erlernte von seinem Vater den Orgelbau und ging ihm in dessen letzten Lebensjahren zur Hand.

Werk (Auswahl) Johann Tobias Turley soll 20 Orgeln gebaut und 30 Reparaturen durchgeführt haben. Einige Neubauten sind erhalten. Nicht mehr vorhandene Instrumente sind kursiv gesetzt.

Jahr Ort Gebäude Bild Manuale Register Bemerkungen 1796 Brachwitz Dorfkirche zentriert|160x160px erster Orgelneubau 1813 Päwesin Dorfkirche zentriert|160x160px I/P 8 basierend auf Prinzipal 4', 1854 erweitert von Gesell auf I/P, 9, 1983 restauriert von FahlbergOrgel in Päwesin mit Disposition (niederländisch)Wolf Bergelt: Die Mark Brandenburg: Eine wiederentdeckte Orgellandschaft. Pape, München 1988, ISBN 3-921140-32-3, S. 36 f. → Orgel 1814 Beelitz St. Marien und St. Nikolai I/P 12 erbaut mit Teilen der Vorgängerorgel, 1847 erweitert von Baer auf II/P, 18, 1886 ersetzt durch Adam EifertOrgel in Beelitz. 1815 Berge bei Nauen Dorfkirche St. Peter und Paul 160x160px I/P ? Neubau um 1815. In der Chronik vermerkt als „mehr schlecht als recht“, 1914 durch Holzwurmbefall unspielbar geworden, Abgabe der Zinnprospektpfeifen im Irsten Weltkrieg, ersetzt durch aufgemalte Pfeifen auf Sperrholz, 1938 durch Neubau von Schuke aus Potsdam ersetzt, nur der Prospekt ist erhalten, allerdings 2001 farblich neu gestaltet 1817 Hohenbruch bei Kremmen Dorfkirche I/P 10 Auftrag der Potsdamer Regierung, erhaltenOrgel in Hohenbruch, Orgeldatabase (niederländisch). 1824 Kaltenborn Dorfkirche Kaltenborn I 6 ohne Pedal, kleinste erhaltene Orgel, Zeitungsblatt Mai 1824 in Windlade, mehrmals umgebaut, 2006 und 2011 Restaurierung durch Karl Schuke Berliner Orgelbauwerkstatt, ein Register Flöte 4′ nicht vorhandenOrgel in Kaltenborn mit Disposition (niederländisch). 1824 Altlüdersdorf bei Gransee Dorfkirche Altlüdersdorf I 8 ohne Pedal, mit Sohn Johann Friedrich, laut einer Inschrift in der Orgel, erhaltenOrgel in Altlüdersdorf, Orgeldatabase. --> 1827 Lichterfelde, Uckermark Dorfkirche I 4 Kauf einer Orgel für 429 Taler am 30. August 1827, 1857 ersetzt durch Lang & DinseOrgel und Geschichte des Ortes LichterfeldeOrgel in Lichterfelde, Institut für Orgelforschung, mit falscher Jahreszahl 1837. 1828 Nackel Dorfkirche I/P 12 (9) Zuschreibung, erhaltenOrgel in Nackel, Orgeldatabase (niederländisch). 1828 Joachimsthal Kreuzkirche zentriert|160x160px I/P 14 1825 Dispositionsentwurf, 1909 umfassender Umbau/Neubau im alten Gehäuse mit einigen alten Pfeifen durch Albert KienscherfJoachimsthal Kreuzkirche Institut für Orgelforschung Brandenburg, mit Geschichte und Disposition. 1829 Wildberg Prignitz Kirche I/P 19 (16) fertiggestellt von Sohn Johann Friedrich TurleyOrgel in Wildberg, Orgeldatabase (niederländisch).

Literatur Wolf Bergelt: Die Mark Brandenburg. Eine wiederentdeckte Orgellandschaft. Pape, München 1988, ISBN 3-921140-32-3, S. 35–37, 103 f. Arthur Jaenicke: Tobias Thurley bäckt Semmeln und baut Orgeln. Berlin 1960 (biographischer Roman).

Weblinks Institut für Orgelforschung Brandenburg: Johann Tobias Turley Kurzbiografie auf kirche-niedergoersdorf.de Nekrolog in: Allgemeine musikalische Zeitung. Nr. 33, 1829, S. 551 f.,

Einzelnachweise

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