Johann Friedrich Turley (* 23. Juni 1804 in Treuenbrietzen; † 2. Mai 1855 in Coswig (Anhalt)) war ein Orgelbauer, der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Brandenburg wirkte.

Leben Turley erlernte von seinem Vater Johann Tobias Turley den Orgelbau und war in dessen letzten Lebensjahren sein Mitarbeiter. Verschiedene Orgelneubauten wurden von beiden zusammen erstellt. Nach dem Tod des Vaters übernahm er die Werkstatt und zog mit dem Unternehmen nach Brandenburg an der Havel, wo er nach 1844 zusammen mit seinem Halbbruder Albert Turley tätig war.orgellandschaftbrandenburg.de, abgerufen am 13. September 2019. Er trug den Titel „Königlich-Preußischer Orgelbaumeister“. Am 28. Dezember 1827 heiratete er Theresia Meyer aus Wendhausen, von der er sich vor 1844 scheiden ließ. Johann Friedrich Turley verstarb in Coswig (Anhalt). Die Eintragung im Kirchenbuch Coswig, St. Nikolai, Begräbnisse 1851–1870 lautet: „Herr Friedrich Turley, Orgelbaumeister aus Treuenbrietzen, starb an Entkräftung im hiesigen Armenhause den zweiten Mai 1855, nachts ½ 12 Uhr und ward den 6.d.M. früh begraben.“

Werk (Auswahl) Von Johann Friedrich Turley sind einige Orgelneubauten – die meisten in der westlichen Mark Brandenburg – bekannt. Charakteristisch sind seit den 1830er Jahren die „kernlosen Labialpfeifen“ mit tief sitzenden Kernen und die elfenbeinernen Mundstücke bei Zungenstimmen. Einige Instrumente sind erhalten. Nicht mehr vorhandene Instrumente sind kursiv gesetzt.

Orgelneubauten Jahr Ort Gebäude Bild Manuale Register Bemerkungen 1824 Altlüdersdorf bei Gransee Dorfkirche I 8 mit dem Vater Johann Tobias Turley, laut Inschrift in der Orgel, kein Pedal, erhalten 1824 Kaltenborn Dorfkirche ? Vermutung, dass er dem Vater half 1824 Frankenfelde bei Luckenwalde Dorfkirche I/P 15 erste eigene Orgel, Register Posaune 16′; 2019 umfangreiche Rekonstruktion der Originaldisposition durch Schuke 1826 Wölmsdorf Dorfkirche I/P 9 alleine gebaut; seit 1969 in der Alten Kapelle des Evang. Krankenhauses Königin Elisabeth Herzberge in Berlin-Lichtenberg (Bild), 2015 restauriert.Berlin/Lichtenberg, KEH, Alte Kapelle, auf organindex.de um 1827 Blankenburg (Uckermark) Dorfkirche I/P 15 (11) mit dem Vater (?)Orgel in Blankenburg, Orgeldatabase (niederländisch). 1829 Wildberg St.-Nikolai-Kirche I/P 16 (12) Fertigstellung der Orgel des Vaters 1829 Mützlitz (Nennhausen) Dorfkirche I/P 6erbaut als Interimsorgel (ursprünglich nur 4 Reg.) für Perleberg, 1831–1833 im dortigen Lehrerseminar, dann in Mützlitz aufgestellt; mehrfach erweitert und umgebaut. Uwe Pape: Friedrich Hermann Lütkemüller. Berlin 1999. S. 211. 1831 Perleberg St. Jacobi 160x160px|zentriert II/P 36 1913 Neubau durch Fa. Faber & Greve, Salzhemmendorf; 1958 Neubau durch Fa. Gebr. Jehmlich, Dresden. Ein neuer Geist auf neuen Wegen mit zeitgenössischer Entwurfszeichnung, abgerufen am 13. September 2019. 1834 Teschendorf Dorfkirche II/P 12 1836–1838 Salzwedel Katharinenkirche 42 Neue Zeitschrift für Musik, S. 150, abgerufen am 13. September 2019. 1836 Buko St. Johannes zentriert|160x160px I/P 10 überholt um 2017 → Orgel 1837 Berlin-Wannsee (Nikolskoe) St. Peter und Paul II/P 19 Gehäuse erhalten; 1937 neues Werk durch Fa. Schuke, Potsdam.Orgel in Berlin-Wannsee, Orgeldatabase (niederländisch). 1838 Eckmannsdorf Dorfkirche zentriert|160x160px I/P 8 überholt 2017 → Orgel 1847 Ortrand Stadtkirche St. Barbara zentriert|160x160px II/P 19 Orgel von Johann Friedrich Turley aus dem Jahr 1847 restauriert und rekonstruiert durch den Hermann Eule Orgelbau im Jahr 2023.Orgel Ortrand, St. Barbara, auf organindex.de

Weitere Arbeiten Jahr Ort Gebäude Bild Manuale Register Bemerkungen 1833 Treuenbrietzen St. Marien zentriert|160x160px Reparatur der Wagner-Orgel 1836 Bochow Dorfkirchezentriert|160x160px Reparatur der Wagner-Orgel 1838 Treuenbrietzen St. Nikolai Reparatur der Wagner-Orgel 1844 Rühstädt Kirchezentriert|160x160px Reparatur der Wagner-OrgelOrgel in Rühstädt, Nomine e. V., abgerufen am 13. September 2019. 1849 Hordorf St. Stephan Arbeiten

Schüler Turley gab sein Wissen an seinen Halbbruder Albert Turley weiter.Winfried Topp, Uwe Pape: Norddeutsche Orgelbauer und ihre Werke. Friedrich Hermann Lütkemüller, Pape, 2001, S. 319. Von 1830 bis 1833 lernte bei ihm Friedrich Hermann Lütkemüller.Uwe Pape: Friedrich Hermann Lütkemüller. Berlin 1999. S. 14; Bergelt: Die Mark Brandenburg. 1988, S. 44. Vermutlich war auch Wilhelm Baer bei ihm tätig.

Literatur Wolf Bergelt: Die Mark Brandenburg: Eine wiederentdeckte Orgellandschaft. Pape, München 1988, ISBN 3-921140-32-3. Arthur Jaenicke: Tobias Thurley bäckt Semmeln und baut Orgeln. Berlin 1960 (biographischer Roman).

Einzelnachweise

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