mini|Godfrey Kneller, Wilhelm III., um 1690, Residenzmuseum im Celler Schloss rahmenlos|rechts|Signatur
Wilhelm III. von Oranien (* in Den Haag; † im Kensington Palace in Kensington) aus dem Haus Oranien-Nassau war ab 1650 Fürst von Oranien, ab 1672 Statthalter von Holland, Zeeland und Utrecht, ab 1675 auch von Overijssel und Gelderland und ab 1698 auch von Drenthe. Er gelangte 1688/1689 nach einer gelungenen Invasion im Zuge der Glorious Revolution zusammen mit seiner Frau Maria II. auf den Thron und wurde in Personalunion König von England und Irland und als Wilhelm II. König von Schottland. Nach dem Tod seiner Frau regierte er alleine.
Wilhelm von Oranien war der entscheidende Gegenspieler des französischen „Sonnenkönigs“ Ludwig XIV. Er sah seine Hauptaufgabe darin, die protestantischen Mächte Europas zu vereinen und Frankreichs Hegemonialansprüche zurückzuweisen. Unter seiner Herrschaft führten England, die Niederlande und das römisch-deutsche Reich jahrzehntelange Kriege gegen die Übermacht Frankreichs.
Leben Jugend in den Niederlanden mini|hochkant|Gerrit van Honthorst, Wilhelms Eltern Wilhelm II. und Maria Henrietta Stuart, 1647, Rijksmuseum Amsterdam mini|hochkant|Porträt Wilhelms im Alter von zehn Jahren, vermutlich von Jan Vermeer van Utrecht, in einer von Jan Davidsz. de Heem gestalteten Kartusche, Musée des Beaux-Arts (Lyon)Christina Becela-Deller: Ruta graveolens L. Eine Heilpflanze in kunst- und kulturhistorischer Bedeutung. (Mathematisch-naturwissenschaftliche Dissertation Würzburg 1994) Königshausen & Neumann, Würzburg 1998 (= Würzburger medizinhistorische Forschungen. Band 65). ISBN 3-8260-1667-X, S. 201–203 und 211.
Wilhelm wurde als einziges Kind von Prinz Wilhelm II. von Oranien und Maria Henrietta Stuart, acht Tage nach dem frühen Tod seines Vaters geboren. Sein Großvater mütterlicherseits, König Karl I. von England, war fast zwei Jahre zuvor vom englischen Parlament hingerichtet worden. Der Hohe Rat von Holland, Zeeland und Westfriesland bestimmte als gemeinsame Vormünder für Wilhelm seine Mutter, seine Großmutter väterlicherseits Amalie zu Solms-Braunfels und seinen Onkel Friedrich Wilhelm von Brandenburg.
Die fürstliche Familie von Oranien war die bedeutendste und reichste Adelsfamilie in den Niederlanden und stellte traditionell die Statthalter von Holland und damit das mächtigste Amt in der Republik der Vereinigten Provinzen. Dieses Wahlamt war jedoch nicht erblich, und daher folgte Wilhelm nicht qua Erbrecht auf seinen Vater, außer in dem kleinen südfranzösischen Fürstentum Orange. Stattdessen übernahmen Regenten aus den Städten die Macht, darunter Cornelis de Graeff und Gillis Valckenier sowie Ratspensionär Johan de Witt. Diese hatten ein Auge auf seine Erziehung, auch wenn er am Hof seiner Mutter im Binnenhof in Den Haag aufwuchs. Die öffentliche Meinung in den Niederlanden war Maria Henrietta Stuart aber nicht sehr wohlgesonnen, da ihr während der Cromwell-Herrschaft hauptsächlich die Restauration des Hauses Stuart auf den britischen Inseln am Herzen lag und sie ihre Brüder Karl und Jakob im Haag als Exilanten aufnahm, während viele calvinistische und republikanisch gesinnte Niederländer mit der Puritanerherrschaft in England sympathisierten. Auch verlangte die verwitwete Statthalterin stets, wie eine Königin behandelt zu werden; daher verbrachte sie zwischen 1654 und 1657 die meiste Zeit außerhalb Hollands.
Wilhelm, ein kränkliches und etwas verwachsenes Einzelkind, wurde zuerst von niederländischen, englischen und schottischen Gouvernanten aufgezogen; er genoss sodann eine streng calvinistische Erziehung, zu seinen Lehrern gehörten Cornelis Trigland, ein Schüler des Theologen Gisbert Voetius, sowie Constantijn Huygens. Nach calvinistischen Grundsätzen wurde ihm vermittelt, er sei ein Instrument der göttlichen Vorsehung.
1660 verstarb die Mutter des Zehnjährigen bei einem Besuch in London, wo ihr Bruder Karl II. soeben, nach dem Ende der Cromwell-Herrschaft, auf den Thron gekommen war. Nun kümmerte sich weiterhin seine Großmutter um ihn, sowie Frederick Nassau de Zuylestein, ein illegitimer Halbbruder seines Vaters. Er besuchte auch den brandenburgischen Hof in Berlin und Potsdam, wo seine Tante Luise Henriette von Oranien mit dem „Großen Kurfürsten“ Friedrich Wilhelm, seinem Co-Vormund, verheiratet war. Ab 1659 studierte er sieben Jahre an der Universität Leiden. Dorthin begleitete ihn sein engster Freund, der ein Jahr ältere Johann Wilhelm Bentinck, der gemeinsam mit ihm am Hof in Den Haag aufgewachsen war.
Auf Betreiben von De Graeff hin bildete sich eine Kommission der Generalstaaten, welche die Ausbildung von Wilhelm zum Inhalt hatte, und auch eine Versöhnung zwischen den Staatsgesinnten und den Oraniern vorantreiben sollte. Vorsitzender Dieser Kommission war neben De Graeff auch De Witt. In den Sommern spielte der junge Prinz mit De Graeffs Söhnen Pieter und Jacob de Graeff im Park des Landhauses in Soestdijk. Im Jahr 1674 kaufte Wilhelm das Gut von Jacob de Graeff, welches in späteren Zeiten zum Palais Soestdijk umgebaut wurde. 1666 erklärte ihn das Parlament zum „Kind des Staates“ und De Witt übernahm die Erziehung; er entfernte Frederick Nassau und dessen pro-englische Freunde aus der Umgebung des Prinzen.Wouter Troost: William III, The Stadholder-king: A Political Biography. 2004, ISBN 978-0-7546-5071-3, S. 49.
Im November 1670 erhielt Wilhelm allerdings die Erlaubnis, seinen Onkel Karl II. in London zu besuchen, hauptsächlich um Kredite der Republik einzutreiben.Wouter Troost: William III, The Stadholder-king: A Political Biography. 2004, ISBN 978-0-7546-5071-3, S. 62–64 Karl erlebte seinen Neffen als niederländischen Patrioten und überzeugten Calvinisten; daher scheute er davor zurück, ihm den kürzlich geschlossenen, streng geheimen Vertrag von Dover zu offenbaren, der eine Aufteilung der Niederländischen Republik in Interessenzonen zwischen England und Frankreich, die Konversion Karls II. zum Katholizismus sowie die Installierung Wilhelms als Fürst eines holländischen Rumpfstaats beabsichtigte. Wilhelm wiederum erlebte seinen Onkel Karl und dessen Bruder Jakob, seinen künftigen Schwiegervater, als überwiegend mit Trinken, Spielen und ihren Mätressen beschäftigt.
Statthalter in den Niederlanden mini|hochkant|Wilhelm III. von Oranien im Jahre 1677 Im Jahr 1672, dem rampjaar, in dem die Niederlande durch Öffnung der Deiche gerade noch einmal eine vollständige Eroberung nach der Invasion der Franzosen verhindern konnten, kam es zum Sturz Johan de Witts (und dessen Onkels, des Amsterdamer Regenten Andries de Graeff). Wilhelm III. wurde zum Statthalter, Generalkapitän und Admiral der Republik der Sieben Vereinigten Provinzen gewählt, wobei ihn formell nur fünf der sieben Provinzen wählten. Damit setzten sich die Orangisten im Machtkampf mit den strengen Republikanern durch. Wilhelm gilt als einer der Verantwortlichen für die Ermordung der Gebrüder Johan und Cornelis de Witt am 20. August 1672 in Den Haag. Er soll vorab von dem Komplott gewusst haben, fest steht, dass er Teilnehmer der Verschwörung anschließend belohnteRonald Prud’Homme van Reine: Mordenaars van Jan de Witt, De zwartste bladzijde van de Gouden Eeuw. Amsterdam 2013, ISBN 978-90-295-8741-9. (siehe auch Willem Tichelaar#Ermordung der Brüder de Witt).
Im Niederländisch-Französischen Krieg (1672–1678/1679) wehrte Wilhelm entschlossen und erfolgreich die Truppen des französischen Königs Ludwig XIV. ab und konnte die Unabhängigkeit des Landes erhalten. Im Verlauf des Krieges errang er verschiedene Siege, erlitt aber wie bei Cassel auch schwere Niederlagen.
1677 heiratete er seine Cousine, Prinzessin Maria von England, die protestantische Tochter seines Onkels, des Herzogs von York und späteren englischen Königs Jakob II. und dessen erster Ehefrau Anne Hyde. Bereits seit Annes Tod im März 1671 und dem Tod ihres Sohnes Edgar drei Monate später hatte sich die britische Öffentlichkeit auf eine künftige Thronfolge Marias eingestellt, da die Ehe von Jakobs Bruder, dem König Karl II., seit vielen Jahren kinderlos geblieben war und nicht zu erwarten war, dass sich daran noch etwas änderte. Marias Ehe mit einem der Anführer des europäischen Protestantismus wurde allgemein willkommen geheißen, weil ihr Vater bereits acht Jahre zuvor zum Katholizismus konvertiert war. Mit der Thronbesteigung ihres Vaters im Jahre 1685 wurde Maria auch offiziell Thronfolgerin. 1686 erwarb Wilhelm das Huis ten Bosch in Den Haag von den Schwestern seines Vaters, welches das Ehepaar nun als Hauptwohnsitz bezog. Von 1685 bis 1692 ließen William und Mary den Palast Het Loo als Sommersitz erbauen, der zum architektonischen Vorbild für viele barocke Landsitze in England und Norddeutschland wurde.
Religiöse Auseinandersetzungen in England mini|hochkant|Karl II. mini|hochkant|Jakob, Herzog von York, Schwiegervater Wilhelms, ab 1685 Jakob II.
In England bahnten sich derweil Probleme an: Wilhelms Onkel, König Karl II., hatte keine legitimen Kinder und Karls jüngerer Bruder Jakob, Herzog von York und Wilhelms Schwiegervater, war – geprägt von seiner Jugend im französischen Exil – bereits 1668/69 zum Katholizismus konvertiert, was Karl II. zwar selbst ursprünglich auch geplant, aus Sorge vor der öffentlichen Meinung aber nicht umgesetzt hatte. Jakobs Konversion löste umgehend politische Widerstände gegen sein Recht auf die Nachfolge seines Bruders aus, die jedoch zunächst keine Folgen hatten, weil eine weitere Nachfolge durch Jakobs Töchter – allen voran Maria – zu erwarten war, die anglikanisch getauft waren und auf Karls Anordnung auch so erzogen wurden.
Trotz alledem erlaubte der König seinem Bruder, der 1671 Witwer geworden war, 1673 die katholische Maria Beatrice d’Este, Prinzessin von Modena zu heiraten. Viele Engländer misstrauten folglich der neuen Herzogin von York und betrachteten sie als eine Agentin des Papstes. Auch um die Öffentlichkeit zu beruhigen, stimmte Jakob 1677 der Ehe seiner älteren Tochter Maria mit seinem Neffen Wilhelm von Oranien zu. Als aber weiter wilde Verschwörungstheorien um sich griffen, setzte sich Jakob zunächst nach Brüssel ab. Das Parlament war 1679 im Begriff, die Exclusion Bill zu verabschieden, durch die Jakob von der Thronfolge ausgeschlossen werden sollte, doch Karl II. löste das Parlament auf, bevor es zur Abstimmung kam. 1680 schickte er seinen Bruder als Lord High Commissioner nach Schottland. Die Popularität Karls II. war zu jener Zeit aber hinreichend groß, dass er seinem Bruder 1682 die Rückkehr nach England erlauben konnte. 1683 scheiterte eine protestantische Verschwörung (Rye House Plot) mit dem Ziel, den König und seinen Bruder zu ermorden.
Karl II. starb 1685 ohne legitime Nachkommen und trat auf dem Sterbebett zum katholischen Glauben über, wie er es immer beabsichtigt hatte. Sein Bruder folgte ihm auf dem Thron. Er musste sich jedoch mit der Monmouth-Rebellion des illegitimen Sohnes von Karl II., James Scott, Herzog von Monmouth, auseinandersetzen, der sich selbst am 20. Juni 1685 zum König erklärte. Die Rebellion endete mit der Niederlage der Rebellen in der Schlacht von Sedgemoor. George Jeffreys, den man den „Hängerichter“ nannte, bestrafte im Auftrag Jakobs II. die Rebellen hart. Um sich selbst vor weiteren Rebellionen zu schützen, versuchte Jakob eine große stehende Armee aufzubauen und als er Katholiken als Führer mehrerer Regimenter einsetzte, geriet er in Konflikt mit dem Parlament. Dieses suspendierte er im November 1685, es sollte während seiner Herrschaft nie wieder zusammentreten.