Helvetios ( für ‹(die) Helvetier› bzw. ‹(die) Schweizer›,Kira Appelt: Special Studio Eluveitie. In: Legacy, 2012, Ausgabe Nr. 76, 01-2012, S. 178. Akkusativ Plural) ist das fünfte Studioalbum der Schweizer Folk-Metal-Band Eluveitie. Es ist das erste Konzeptalbum der Band und behandelt chronologisch die Thematik des Gallischen Krieges. Ausgearbeitet wurde das Konzept mit Hilfe von Historikern über einen Zeitraum von gut zwei Jahren. Zusammen mit den Aufnahmen und der Produktion des Albums vergingen knapp fünf Jahre, bis das Album im deutschsprachigen Raum am 10. Februar 2012 auf dem Plattenlabel Nuclear Blast erschien.
Die Musik auf Helvetios stellt eine Kombination aus Melodic Death Metal und Folk Metal dar. Es finden sich zudem Einflüsse weiterer Genres wie Black-, Thrash-, Gothic- und Symphonic-Metal, aber auch Elemente der aktuellen Popmusik und des traditionellen Folk.
Das Album konnte in mehreren europäischen und amerikanischen Ländern in die Charts einsteigen und wurde von der Fachpresse sehr gelobt. Teilweise wurde es bereits kurz nach der Veröffentlichung als «genredefinierend» oder als «Meilenstein» hervorgehoben. Die Albumpromotion fand von Januar 2012 bis Dezember 2013 im Rahmen der Helvetios World Tour statt, die sich aus mehreren Einzeltourneen zusammensetzte.
Entstehung Vorgeschichte Die Idee zu einem Konzeptalbum über den Gallischen Krieg kam Schlagzeuger Merlin Sutter bei einem Telefonat mit Chrigel Glanzmann im Jahr 2007.Enrico Ahlig: Moderne Geschichtsstunde. In: Metal Hammer. Ausgabe März 2012, Axel Springer Mediahouse Berlin GmbH, Berlin 2011, S. 42–45. Er entwarf das Konzept und den Handlungsstrang des Albums bis zum frühen Herbst 2010. Das Songwriting fand während der Everything Remains World Tour statt, und wurde erst unmittelbar vor Beginn der Aufnahmen abgeschlossen. Am 1. September 2011 wurde das Album, inklusive des endgültigen Titels Helvetios, im offiziellen Weblog der Band für 2012 angekündigt.
Aufnahmen Als Hauptproduzent wurde Tommy Vetterli verpflichtet, in dessen New Sound Studio in Pfäffikon SZ auch die Schlagzeug-, Gitarren- und Gesangsspuren aufgenommen wurden. Vetterli übernahm zudem die Produktion und die Abmischung aller Spuren. Die übrigen Instrumente spielte die Band im Anschluss in den Krienser Soundfarm Studios ein. Dort arbeiteten Anna Murphy und Marco Jencarelli als Produzenten an den Aufnahmen. Kleinere, von ihm selbst gespielte Instrumente wie Tin- & Low Whistle, Uilleann Pipes, die Bardenharfe und die Bodhrán nahm Glanzmann zusätzlich in seinem Heimstudio in Illnau-Effretikon auf.Eluveitie: Helvetios (Beiheft), Editorialangaben, S. 21 f., . Zusammen mit den Cheapaschips- und echochamber-Studios nutzte die Band insgesamt fünf Tonstudios. Dies hatte vor allem zeitliche und organisatorische Gründe, da sich durch paralleles Arbeiten die Aufnahmezeit deutlich verkürzte. Am 25. November 2011 wurde die komplette Produktion von Helvetios mit dem Mastering durch Dan Suter im Zürcher Echochamber-Studio abgeschlossen.
New Sound Studio Die Aufnahmen zum Album begannen noch am Tag der Albumankündigung. Zuerst nahm Merlin Sutter dazu die Schlagzeug-Spuren im New Sound Studio bis zum 7. September auf. Es folgten die Gitarrenspuren, die Gitarrist Ivo Henzi am 7. September einzuspielen begann. Bedingt durch anfängliche Komplikationen wurden diese Aufnahmen erst Mitte September abgeschlossen. Grund für diese Verzögerung des Zeitplans waren unter anderem die notwendige Reparatur von Henzis beschädigter Gitarre sowie die Beschaffung von fehlendem Equipment wie weiteren Gitarrenboxen.
Bei allen Instrumenten wurde bei Helvetios verstärkt darauf geachtet, einen natürlichen Klang bei den Aufnahmen zu erzielen. Bevor die eigentlichen Gitarrenaufnahmen beginnen konnten, musste daher ein passender Sound gefunden werden, was mehrere Tage in Anspruch nahm. Dazu wurden nicht nur verschiedene Verstärker, Lautsprecherboxen sowie Mikrofone und deren Positionen, sondern auch verschiedene Instrumente, Gitarrenbauweisen und Stimmungen, Saiten, Plektren und weiteres Zubehör getestet. In ähnlich aufwendiger Weise ging die Band auch bei den anderen Instrumenten vor.
Cheapaschips Studios Am 23. September nahm der schottische Schauspieler Alexander „Sandy“ Morton für die Lieder Prologue, Meet the Enemy und Epilogue in den Londoner Cheapaschips Studios drei Spoken-Word-Passagen auf. Eluveitie-Frontmann Chrigel Glanzmann wurde auf Morton durch den Film Walhalla Rising aufmerksam, und legte seine Beweggründe zur Verpflichtung des Schauspielers gegenüber der Presse dar: «Die Idee des Textes [der von Morton gesprochen wird] ist, dass ein alter Mann, der in seiner Jugend die Schrecken des Gallischen Krieges auf dem Schlachtfeld hautnah miterlebte, aber all die Kriegsjahre überlebte, an seinem Lebensabend zurückblickt… und erzählt.» Er kommentierte die Aufnahmen zudem wie folgt:
Soundfarm Studios Die Folk-Instrumente (Drehleier, Geige, Mandola, Dulcimer, Zugerörgeli und Blockflöte), die Akustikgitarre sowie der Bass und die Gesangsspuren von Anna Murphy wurden in den Soundfarm Studios aufgenommen.
Am 1. Oktober 2011 begannen die Drehleier-Aufnahmen in den Soundfarm Studios, die am 5. Oktober abgeschlossen werden konnten. Anna Murphy merkte im Eluveitie-Blog an, „dass [sie] musikalisch noch nie so gefordert war wie bei diesem Album“, und betonte die Komplexität der Kompositionen. Im Anschluss spielte Meri Tadic bis zum 12. Oktober die Geigenstimmen ein. Es folgten die Mandola-Aufnahmen durch Sime Koch, nicht wie üblich durch Chrigel Glanzmann, da dieser die Stimmen aufgrund von Zeitmangel nicht einspielen konnte. Am selben Tag spielte Koch auch die gesamten Akustikgitarrenspuren ein.
Mit dem Einspielen des Basses durch Ivo Henzi in den Soundfarm Studios wurden Mitte November die Aufnahmen zu Helvetios abgeschlossen. Aus nicht bekannten Gründen übernahm Kay Brem, der reguläre Bassist von Eluveitie, diese Aufgabe nicht. Dennoch wird Brem im Beiheft des Albums als Bassspieler gelistet. Da sich die Aufnahmen in ihrer Gesamtheit länger hinausgezögert hatten als geplant, konnte die Produktion des Albums nicht bis zum Beginn der Neckbreaker’s-Ball-Tour am 28. Oktober 2011 abgeschlossen werden. Um den Zeitplan bis zur Veröffentlichung dennoch in etwa einhalten zu können, wurde in der Backlounge des Tourbusses der Band ein mobiles Aufnahmestudio eingerichtet, in dem die Musiker täglich vor den Konzerten noch mehrere Stunden an dem Album arbeiteten,Björn Springorum: Nur nichts dem Zufall überlassen. In: Metal Hammer. Ausgabe Dezember 2011. Axel Springer Mediahouse Berlin GmbH, Berlin 2011, S. 18 (metal-hammer.de zugangsbeschränkt). wobei Anna Murphy die Tontechnik übernahm.
Weitere Entwicklung Promotion-Phase Zwei Tage nach dem Ende der Neckbreaker’s-Ball-Tour reiste die Band am 21. November 2011 nach Warschau, um dort am 21. und 22. November zu den Liedern A Rose for Epona und Havoc zwei Musikvideos mit der renommierten Filmcrew Groupa 13 zu drehen. Die erste Prelistening-Veranstaltung für ausgewählte Vertreter der Metal-Presse fand am 26. November 2011 in Anwesenheit von Glanzmann und Murphy bei Nuclear Blast in Donzdorf statt.
Den ersten Albumtrailer, in dem das lyrische und musikalische Konzept des Albums vorgestellt wurde, veröffentlichte die Band am 16. Dezember 2011. Als erste Online-Single erschien am 24. Dezember 2011 das Lied Meet the Enemy über das Facebook- und das YouTube-Profil der Band. Erstmals live aufgeführt wurde das Lied am 30. Dezember 2011 beim Festival Eluveitie & Friends im Zürcher Volkshaus zusammen mit Coroner, Korpiklaani, Powerwolf, Excelsis und Blutmond.
Als zweiter Teaser wurde am 4. Januar 2012 das Lied A Rose for Epona veröffentlicht. Bereits kurz nach der Veröffentlichung kursierte im Internet das Gerücht, es handle sich bei diesem Lied um ein Cover- oder Tribute-Lied oder gar um ein Plagiat von Blood Stain Childs Metropolice. Im offiziellen Forum der Band äußerten sich Anna Murphy und Chrigel Glanzmann zu den Hintergründen von A Rose for Epona und der vermeintlichen Ähnlichkeit der beiden Lieder. Laut Glanzmann entstand die Ähnlichkeit durch den simplen Aufbau der beiden Melodiebögen, da es sich nur um einen Vierklang mit sich verändernden Grundtönen und leichter rhythmischer Verschiebung handelt.
Knapp zwei Wochen nach Veröffentlichung des Liedes, wurde am 17. Januar 2012 der Videoclip zu A Rose for Epona, der im November 2011 auf Burg Świny gedreht worden war, erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Zuvor wurden bereits zu Meet the Enemy (9. Januar) und A Rose for Epona (13. Januar) zwei Videos veröffentlicht, die mit Impressionen aus dem Albumartwork und dem jeweiligen Liedtext unterlegt waren. Als weiterer Teaser wurde am 1. Februar 2012 ein Making-of-Video vom Musikclip zu A Rose for Epona veröffentlicht. Das zweite und letzte Musikvideo (zu Havoc) wurde am 6. Februar 2012 veröffentlicht.
Veröffentlichung Inhalt der Bonus-DVD A Rose for Epona (video clip) – 4:29 Havoc (video clip) – 4:08 Making of A Rose for Epona – 4:29 Making of Havoc – 6:08 A Closer Look @ the Lyrics (interview) – 55:18 Live @ Feuertanz 2010 (4 songs live) – 18:12 Otherworld/Nil – 5:11 Thousendfold – 4:02 Bloodstained Ground – 3:29 Gray Sublime Archon – 5:25
In der Dezember-2011-Ausgabe des Metal Hammers wurde Helvetios für den 24. Februar 2012 angekündigt.Neuerscheinungen. In: Metal Hammer. Ausgabe Dezember 2011, Axel Springer Mediahouse Berlin GmbH, Berlin 2011, S. 20 (metal-hammer.de zugangsbeschränkt). Wenig später gab die Band am 4. Dezember 2011 bekannt, dass das Album im deutschsprachigen Raum am 10. Februar 2012 erscheinen soll, und veröffentlichte auch das Albumcover und die Titelliste. In Japan erschien es am 22. Februar über Columbia, in den USA und dem Rest der Welt am 28. Februar über Nuclear Blast USA. Veröffentlicht wurde Helvetios in folgenden Versionen: Reguläre Version – nur das Album im Jewelcase Digital-Download-Version – enthält neben den Liedern der regulären Version zusätzlich noch eine Akustikversion von A Rose for Epona, den Videoclip zum selbigen Lied und eine digitale Version des Beihefts. Diese Version wird exklusiv über den iTunes Store vertrieben. Helvetios Digipak – Digipak bestehend aus dem Album inklusive der Akustikversion von A Rose for Epona als Bonustitel sowie einer Bonus-DVD. Helvetios Digipak – CeDe.ch-Version – dem regulären Digipak identisch, jedoch mit Eluveitie-Gitarrenplektrum und nur erhältlich in limitierter Auflage über den Webshop CeDe.ch – inzwischen vergriffen. Helvetios Mailorder Edition – Exklusiv über Nuclear Blast vertriebene Boxset-Edition, bestehend aus dem Album inklusive eines Bonustitels, einer Bonus-DVD, einer Flagge mit abgebildetem Albumcover und nummeriertem Echtheitszertifikat, limitiert auf 500 Kopien – inzwischen vergriffen. Helvetios Amazon Edition – exklusiv über Amazon vertriebene Boxset-Edition bestehend aus dem Album inklusive eines Bonustitels, einer Bonus-DVD und eines Patches – inzwischen vergriffen. Helvetios Black Vinyl – 2-LP-Version bestehend aus zwei 180 Gramm schweren schwarzen LPs im Gatefold mit DIN-A2-Poster. Helvetios Grey Vinyl – Exklusiv über Nuclear Blast vertriebene 2-LP-Version bestehend aus zwei 180 Gramm schweren grauen LPs im Gatefold mit DIN-A2-Poster. Streng limitiert auf 150 handnummerierte Exemplare – inzwischen vergriffen.
Regionale Sondereditionen Helvetios CD + Shirt – reguläre Jewelcase-Version, kam zusammen mit einem T-Shirt im Albumcoverdesign sowie einem 290 mm × 430 mm großen signierten Poster. Diese Version war nur für den US-amerikanischen Markt erhältlich und musste vorbestellt werden. Helvetios (Japan Version) der regulären Jewelcase-Version identisch, kommt aber mit japanischem Booklet – erhältlich nur für den japanischen Markt.