mini|St. Maria Magdalena und Lucia Bruchhausen Die katholische Pfarrkirche St. Maria Magdalena und Lucia ist ein denkmalgeschütztes Kirchengebäude in Bruchhausen, einem Stadtteil von Arnsberg im Hochsauerlandkreis (Nordrhein-Westfalen). Die Gemeinde gehört zur Pfarrei St. Petri Hüsten im Erzbistum Paderborn.

Geschichte Als Folge der Industrialisierung des Ortes vor allem durch die Hüstener Gewerkschaft und die Holzverkohlungsindustrie AG (nachmals Degussa) hatte die Bevölkerung des Ortes stark zugenommen. Die bisher als Pfarrkirche genutzte Rodentelgenkapelle wurde daher zu klein. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg wurde Geld zum Neubau einer größeren Kirche gesammelt. Dieses Kapital wurde durch die Inflation entwertet.

Im Jahr 1923 wurde ein Ausschuss für den Neubau einer Kirche gebildet, über den Bauplatz wurde vorerst keine Einigkeit erzielt. Ein Gelände hinter der Schule an der Gartenstraße und der heutige Standort standen zur Auswahl. Architekt Lehmenkühler aus Köln wurde mit der Planung beauftragt. Nachdem der Plan von Paderborn genehmigt wurde, stellte sich heraus, dass die Kirche für die mittlerweile weiter angewachsene Gemeinde zu klein wäre. Der Architekt Karl Freckmann bekam den Auftrag für eine Neuplanung. Der Kirchenvorstand befürwortete den neuen Bauplan, nach dem sich der Kostenvoranschlag auf 220.000 Mark belief. Da nur 40.000 Mark zur Verfügung standen konnte er nicht zur Ausführung kommen. Einen überarbeiteten Plan in einfacherer Ausführung verwarf der Vorstand. Nun vereinfachte Freckmann den ersten Entwurf, dem Paderborn nicht zustimmte. Die Größe des Turmes und die reiche Ausstattung der Kirche fand keine Zustimmung. Daraufhin wurde der erste Entwurf vereinfacht. Außerdem beschloss man, den Bau ohne Turm auszuführen. Doch der Plan stieß auf scharfe Kritik der kirchlichen Behörde. Es wurde vor allem die Größe, Ausführung des Turmes und die reiche Ausstattung beanstandet. Freckmann äußerte scharfe Kritik, was zu Schwierigkeiten bei der Bewilligung der geplanten Kollekte im Jahr 1924 führte.

Die Gemeindemitglieder begannen in Eigenleistung mit den Bauarbeiten, der erste Spatenstich fand am 29. März 1925 statt. Etwa 80 Freiwillige sowie Landwirte stellten ihre Arbeitskraft und Spanndienste zur Verfügung. Die Firma Johannes Becker aus Menden übernahm zu einem günstigen Preis die Maurerarbeiten, mit denen Ende Mai begonnen wurde. Eine Haussammlung im Erzbistum und Spenden von Gemeindemitgliedern schlossen die vorhandenen Finanzierungslücken. Den Grundstein legte der geistliche Rat Meckel am 29. Juni, er ist an der linken Chorseite eingemauert. In ihm befindet sich eine mit einem getriebenen Kelch verziertes, kleines Kupferkästchen, mit je einer Urkunde in lateinischer und in deutscher Sprache, sowie einem Exemplar der Ruhr-Möhne-Zeitung und des Zentralvolksblattes. Ferner sind alle gültigen Kursmünzen bis 3 Mark und Abbildungen der alten Kapelle beigegeben.

Der Text der Urkunde lautet: Im Namen und zu Ehren der Allerheiligsten Dreifaltigkeit, unter Anrufung der Verdienste des göttlichen Erlösers Jesus Christus und der allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria und aller Heiligen, besonders unter flehentlichen Bitten an die seit Jahrhunderten hochverehrte Patronin der Kapelle Rodentelgen, Maria-Magdalena, der auch dieses Gotteshaus geweiht werden soll, ist am 29. Juni, dem Feste der Apostelfürsten Petrus und Paulus, im Jubeljahr 1925, im 4. Jahre der glorreichen Regierung des Papstes Pius XI. während Dr. Caspar Klein Bischof von Paderborn war, im 7. Jahre nach Beendigung des großen Weltkrieges, als Paul von Hindenburg, der größte Heerführer in jenem Kriege, Präsident der deutschen Republik war, ist der Grundstein dieser Kirche vom Dechant und Geistl. Rat Dr. Meckel, Pfarrer in Hüsten, gelegt worden mit der Bitte, daß der Bau errichtet und vollendet werde zu Ehre des allmächtigen Gottes und zum Heil aller, die hier seelische Erhebung suchen und fromme Gebete verrichten..... Es folgen die Aufzählung von verschiedenen Lehrern, Geistlichen und Politikern, sowie Daten zur Gemeinde.Hermann Reuther (Rath) und Rudolf Brüschke: Bruchhausen/Ruhr. Strobel Druck, Arnsberg 1984. S. 127, 128.

Erneut kam in dieser Zeit wieder eine Diskussion über den Bau eines Kirchturmes auf, mit dem Ergebnis, dass der Turm hochgezogen werden sollte. Im Winter 1925/1926 mussten die Arbeiten am Bau zeitweise wegen Schneefalles und schlechter Witterung eingestellt werden. Freiwillige Helfer bauten in den Fußboden etwa 1.000 m3 Erde ein. Die Firma Zotz aus Münster fertigte zu einem sehr günstigen Preis die Stuckarbeiten an. Die Fenster konnten aus gestifteten Mitteln angekauft werden. Bischof Caspar Klein konsekrierte die Kirche am 12. September 1926.

Im Zweiten Weltkrieg fiel unmittelbar am Chor eine Bombe, sie zerstörte alle Fenster und beschädigte den Chor, das Dach, das Gesims, den Hochaltar und die Figuren. Die notwendigen Renovierungsarbeiten zogen sich bis 1949 hin. Im Jahr 1976 wurde der Bau Innen und Außen umfangreich renoviert, bei gleichzeitiger Vergrößerung des Chorraumes konnte der Altar, gemäß den Vorgaben des Zweiten Vatikanischen Konzils umgestellt werden.

Die letzte umfangreiche Renovierung erfolgte 2003/2004 unter der Leitung des Architekturbüros Ringelhan. Dabei wurde der Putz teilweise erneuert und gereinigt. Die Gewölbe und Wände bekamen in drei Arbeitsschritten einen stark lasierenden Anstrich aus Silikatfarbe, bei dem graue und ockerfarbene Töne vorherrschen. Die alten Bronzierungen wurden durch Mattvergoldungen ersetzt und die Schalen in den Deckengewölben ausgemalt.

Die Ausschreibung für die Gestaltung der Medaillons fand als Künstlerwettbewerb statt, den Stefan Pietryga gewann, er schuf die Bemalung der Kuppel in der Vierung. Vier Gewandtücher wurden in der Kuppel vorgezeichnet und dann lasierend in den Farben Grün, Gelb, Blau und Rot gemalt. Das Medaillon im Chor zeigt den Nachthimmel mit kosmischen Elementen, es ist überwiegend in Blautönen gehalten. Das Medaillon über der Orgelempore ist mit einem üppigen Blumenschmuck ausgemalt, bei dem Grün- und Erdtöne überwiegen. Das Medaillon im Langhaus wirkt wie ein loderndes Feuer, der Untergrund ist bläulich lasiert. Das kleinste Medaillon ist das an der Brüstung der Empore. Hier sind etliche menschliche Körper in ultramarinblau zu sehen, die das Volk Gottes symbolisieren sollen. Im Zentrum steht eine Person mit ausgebreiteten Armen.´

Baubeschreibung miniatur|Gesamtansicht Die neubarocke Saalkirche mit halbhohen Anräumen, einem Querhaus und einer Apsis wurde von 1925 bis 1926 von Karl Freckmann, Kreisbaumeister des Kreises Arnsberg, errichtet. Die konvex vorgewölbte Fassade besteht im unteren Teil aus Bossenquadern. Die Pilasterordnung im Inneren ist ionisch. Das eingezogene Flachtonnengewölbe ist stuckiert. Die Langhausanordnung mit rhythmischer Travée wurde nach dem Vorbild des Fuldaer Domes gebaut. Die Vierungskuppel wirkt mächtig, die Decke des Langhauses ist tonnengewölbt. In beide Seitenschiffe wurde Quertonnen eingezogen. Verputzt wurde der Bau im Jahr 1937. Der Innenraum ist 681 m² groß. Er bietet 480 Sitz- und 1050 Stehplätze. Eine umfangreiche Innenrenovierung wurde 2004 durchgeführt.Ursula Quednau (Bearb.): Dehio-Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler, Nordrhein-Westfalen, Band II: Westfalen. Deutscher Kunstverlag, Berlin / München 2011, ISBN 978-3-422-03114-2, S. 26.Uwe Haltaufderheide: Die Baudenkmäler der Stadt Arnsberg. (Erfassungszeitraum 1980–1990) Stadt Arnsberg, Arnsberg 1990, ISBN 3-928394-01-0, S. 175 f.

Ausstattung mini|Innenraum (2021) mini|Innenraum, Blick zur Orgel Altäre Barockaltar Ein Altarretabel aus Eichenholz mit Knorpelwerkdekor und Weinrankensäulen von der Mitte des 17. Jahrhunderts wurde in der Werkstatt Johann Sasse gebaut. Es stand vorher in der Kapelle in Rodentelgen und wurde 1978 umfangreich restauriert. Die gedrehten Säulen und die Putten, wie sie auch an der Kanzel zu sehen sind, erinnern stark an die Altäre im Kloster Corvey. Die Säulen, Profile und Ornamente sind aus Weichholz gearbeitet. Im Mittelteil steht die Pietà, vermutlich war hier früher ein Altarbild mit Jesus als gutem Hirten angebracht. In den Muschelnischen daneben stehen die Figuren der Luzia und der Magdalena, die Nischen sind von Säulen begrenzt und von Weinreben umrankt. Eine ältere Luziafigur ging verloren. Die Figur der Magdalena schnitzte vermutlich Johann Nikolaus Düringer aus Hadamar, sie ist etwa 66 cm groß. Das Unterkleid ist versilbert, das Oberkleid ist golden besäumt. In den Medaillons darüber sind die Heiligen Antonius Einsiedler, Petrus und Paulus zu sehen.

Zelebrationsaltar Den neuen Zelebrationsaltar baute Josef Schnitzer aus Buching 1954, das Altarbild ist eine Arbeit des Magnus Hutter aus Marktoberdorf, es stellt die Kreuzigungsszene dar. Zu Füßen des Jesus stehen Maria und Maria Magdalena. Der Altar ist 9,50 Meter hoch und 5,50 Meter breit. Der halbrunde Sockel ist in buntem Stuckmarmor gehalten, darüber erheben sich vier schlanke Säulen aus Marmor. Sie sind von korinthischen Säulen, die vergoldet wurden, bekrönt. Der wuchtige Aufbau des Giebels löst sich in barocken Formen auf. Die Weihe des Altares nahm der Weihbischof Paul-Werner Scheele vor.Hermann Reuther (Rath) und Rudolf Brüschke, Bruchhausen/Ruhr, Strobel Druck Arnsberg 1984 Seite 142

Seitenaltäre Die beiden Seitenaltäre sind im Stil des Hochaltares ausgeführt. Der Josefsaltar steht im rechten Teil des Querschiffes und der Marienaltar an der linken Seite. Sie wurden ebenso wie der Hochaltar von Schnitzer aus Buching und die Altarbilder malte Hotter. Im Bild des Josefsaltares werden das ehemalige Degussawerk, die hiesige Pfarrkirche und der Hof Böstering gezeigt, sie sollen die Gemeinde versinnbildlichen. Das Bild im Marienaltar zeigt in der Mitte den Petersdom und an den Seiten Fatima und Lourdes als Stätten der Marienverehrung.

Herausragende Stücke der Ausstattung Romanisches Kreuz mini|Romanisches Kreuz Ein romanisches Kruzifix aus Holz stammt aus der Zeit um 1230 stellt Christus als den siegreichen König über Leben und Tod dar. Das Kreuz ist in lateinischer Form gehalten, der Balken nach unten ist verlängert.Hermann Reuther (Rath) und Rudolf Brüschke, Bruchhausen/Ruhr, Strobel Druck Arnsberg 1984 Seite 141 Der Korpus entstand vermutlich während der Zeit der Kreuzzüge, er gehörte wohl zu einem Vortragekreuz. Die Kreuzbalken mit den Abschlussquadraten und den Darstellungen der vier Evangelisten wurden in jüngerer Zeit beigefügt. Die goldene Krone des Gekreuzigten ist ebenfalls eine Arbeit aus jüngerer Zeit, die Fassung und die Krone wurden später erneuert. Figur der Maria Magdalena mini|Figur der Maria Magdalena Eine hl. Maria Magdalena aus Holz vom Ende des 17. Jahrhunderts ist etwa 90 cm groß, als Attribut hält sie ein Salbgefäß in den schlanken Händen, deswegen wurde sie fälschlicherweise auch schon als Barbara bezeichnet. Der Körper ist mit einem faltigen Gewand bedeckt. Diese Arbeit von Johann Nikolaus Düringer aus Olpe wirkt in der Darstellung zeitlos. Hände und Gesicht sind eher grob ausgeformt.Hermann Reuther (Rath) und Rudolf Brüschke, Bruchhausen/Ruhr, Strobel Druck Arnsberg 1984 Seite 141 Sonstige Ausstattung Eine Sammlung für eine neue Orgel, die 1943 aufgebaut werden konnte, fand 1930 statt. Im Jahr 1996 erfolgte ein Neubau durch Siegfried Sauer in einem neuen Gehäuse. Integriert wurden alte Bestände der Vorgängerorgel von Randebrock aus dem Jahr 1873. Die Orgel verfügt über 16 Register, die auf zwei Manuale verteilt sind.