mini|Die Fahrt mit der ASt galt nach ihrer Eröffnung als Attraktion. Ruckhaldekurve mit Blick auf die Stadt St. Gallen. mini|Gründeraktie der Appenzeller Strassenbahn-Gesellschaft von 1889 Die St. Gallen-Gais-Appenzell-Altstätten-Bahn (SGA) war eine Schweizer Bahngesellschaft, die von 1889 bis 1987 existierte. Vor der Elektrifizierung 1931 hiess die Bahn Appenzeller Strassenbahn (ASt). Im Volksmund wurde sie Gaiserbahn genannt. Sie betrieb die meterspurigen und teilweise mit Zahnstange versehenen Strecken: St. Gallen–Appenzell und ab 1947 Altstätten–Gais
Per 1. Januar 1988 fusionierte sie mit der Appenzeller Bahn (AB) zu den Appenzeller Bahnen (AB), die bis heute die obengenannten Strecken, grossteils auf Reibungsantrieb umgestellt, weiterbetreiben.
Appenzeller-Strassenbahn-Gesellschaft Durch die Appenzeller Strassenbahn (ASt) wurde am 1. Oktober 1889 die Strecke St. Gallen–Gais eröffnet. Die Fortsetzung von Gais nach Appenzell folgte am 1. Juli 1904. Obwohl die ASt in erster Linie auf den Personenverkehr ausgerichtet war und ein dichtes Stationsnetz bediente, handelte es sich nicht um eine eigentliche Trambahn, sondern um eine gemischte Adhäsions- und Zahnradbahn.
Vorgeschichte mini|Die Appenzeller Landsgemeinde erlaubte der ASt die Mitbenutzung der Strasse. Zug der ASt in Niederteufen. Als erste Eisenbahnlinie im Kanton Appenzell Ausserrhoden wurde 1875 die Schmalspurstrecke von Winkeln über Herisau nach Urnäsch eröffnet. 1886 erfolgte die Fortsetzung nach Appenzell. Im gleichen Jahr konnte die normalspurige Rorschach-Heiden-Bergbahn (RHB) ihren Betrieb aufnehmen.
Kräfte aus dem Appenzeller Mittelland machten sich für eine Bahnverbindung von St. Gallen über Teufen und Bühler nach Gais stark. Auch die Stadt St. Gallen und die normalspurigen Vereinigten Schweizerbahnen (VSB), deren Strecke von St. Gallen nach Winterthur und Chur führte, waren am Bahnbau interessiert. Die prekäre Finanzsituation führte zur Idee, die Strecke als Überlandstrassenbahn auszuführen, trotz den andauernd wechselnden Steigungen und den engen Kurven der Strasse. Adolf Klose, damals Maschineninspektor bei den VSB, entwickelte einen Lokomotivtyp für gemischten Adhäsions- und Zahnradantrieb und Radialeinstellung der Achsen im Kurvenlauf (Klose-Lenkwerk). Diese Maschinen mit 75 cm Spurweite hätten Kurven von 20 Meter Radius befahren können und wären für die geplante Strecke geeignet gewesen.
Auf Druck der Behörden wurde die Meterspur gewählt, wodurch sich der Minimalradius auf 30 Meter vergrösserte. Klose passte die Lokomotivkonstruktion der neu gewählten Spurweite an. Die Landsgemeinde Ausserrhodens bewilligte im Jahre 1884, das Bahngleis auf die Staatsstrasse zu verlegen. Allerdings musste die Strasse eine restliche Breite von 4,8 Metern aufweisen. St. Gallen untersagte die Benützung der städtischen Strassen. Deshalb führte die Strecke vom Bahnhof St. Gallen bis nach Riethüsli über ein eigenes Trassee, das den Höhenunterschied mit damals 92 Promille Steigung und 30 Meter Radius in der Ruckhaldekurve überwand.
Bahnbau mini|HG 2/3 Nr. 1 im Einsatz als Baulokomotive kurz vor der Lustmühle Nach der am 7. September 1887 erfolgten Gründung der Appenzeller-Strassenbahn-Gesellschaft (ASt) konnte mit dem Bau begonnen werden. Strecken mit über 45 Promille Steigung wurden mit Zahnstangen des Systems Riggenbach-Klose versehen. Der Oberbau bestand aus 9 Meter langen Schienen mit einer Masse von 25 kg/m. Grössere Kunstbauten waren nicht erforderlich.
Von November 1887 bis April 1888 wurden die Erdarbeiten in der wasserreichen und lehmigen Ruckhalde eingestellt, weil man Erdrutsche beim Auftauen befürchtete. Nachdem die erste Lokomotive bereits auf Weihnachten 1888 eingetroffen war, setzte man sie vorerst als Baulokomotive ein und konnte ab Frühjahr 1888 den Ruckhaldeabschnitt zügig vollenden. Am 30. September 1889 wurde die Strecke der Appenzeller Strassenbahn festlich eröffnet.
Damaliger Streckenverlauf mini|Der erste Bahnhof der Appenzeller Strassenbahn in St. Gallen Die ASt hatte ihren damaligen Ausgangspunkt in St. Gallen auf dem Bahnhofplatz vor der heutigen Hauptpost. Dort stand zwar kein eigentliches Bahnhofgebäude, aber eine bescheidene «Abfahrtshalle» samt Drehscheibe. Die nötigen Diensträume wurden gemietet. Nach der Leonhardstrasse, die damals die Gleise noch mit einem Bahnübergang kreuzte, befanden sich an Stelle des SBB-Güterbahnhofes die viergleisigen Umladanlagen und Abstellgleise für die Schmalspurbahn. Bis 1901 fuhr die ASt entlang des damals einzigen VSB-Streckengleises in Richtung Bruggen und schwenkte erst vor der Kirche St. Otmar in das bis 2018 benutzte Trassee. Von dort führte der mit Zahnstange versehene Abschnitt mit der Ruckhaldekurve rund 80 Meter in die Höhe. Er erlaubte eine schöne Aussicht auf die westlichen Stadtteile und galt früher bei Eisenbahnfachleuten und Touristen als Attraktion. Bei Riethüsli überquerte die Bahn die Teufenerstrasse und blieb von hier an bis nach Gais mehrheitlich links der Strasse.
Kurz vor der Lustmühle begann ein weiterer Zahnstangenabschnitt bis nach Niederteufen. Sternen ist ein weiterer Haltepunkt, bevor der Bahnhof Teufen erreicht wird. Die in den Haltestellen einsteigenden Fahrgäste konnten ihre Billette jeweils in der benachbarten Wirtschaft kaufen. Damit das Zugspersonal bemerkte, dass jemand einsteigen wollte, wurden an den Fassaden rote Wendescheiben, später Lampen befestigt. Vor dem Bahnhof Teufen befand sich bis 1909 ein kurzer Zahnstangenabschnitt. Bis dahin lag der Bahnhof Teufen gegenüber der Kirche. Die Diensträume waren im einstigen «Hôtel des Alpes», wo sich heute die Dorfbibliothek befindet, angemietet. Am Dorfausgang nach der seinerzeitigen Haltestelle Linde folgt vor der Goldibachbrücke ein Gefälle, das damals mittels Zahnstange bewältigt wurde. Unweit der früheren Haltestelle Rose, wo im gleichnamigen Restaurant die Billette verkauft wurden, befindet sich seit 1993 die Kreuzungsstation Steigbach.
Die Station Bühler liegt auf der rechten Strassenseite, so dass die Bahn vor und nach dem Dorf die Strasse queren muss. Bis 1968 war Bühler ein Inselbahnhof; das Hauptgleis lag auf der Strassenseite, das Kreuzungs- und Gütergleis auf der Südseite. Das Stationsgebäude diente, wie jenes von Gais und später auch Bühler, gleichzeitig für die Post und als Ortszentrale für die Telefonbetriebe. Ein letzter Zahnradabschnitt diente zur Überwindung der Steigung zwischen Bühler und Zweibrücken im Strahlholz. Das letzte Teilstück bis zum damaligen Endbahnhof Gais legt die Bahn wieder auf eigenem Trassee zurück.
Siehe auch:Die heutige Streckenführung ist im Abschnitt Streckenbeschreibung des Artikels Bahnstrecke Appenzell–St. Gallen–Trogen beschrieben.
Zahnstangenabschnitte mini|links|Streckenführung in Teufen. Der Fussweg links war von 1889 bis 1909 das Trassee der Zahnradstrecke zum alten Bahnhof (Gebäude in Bildmitte, ehemals Hôtel des Alpes, heute Grubenmann-Museum)
Beim Bau der Strecke hatte der leitende Ingenieur Adolf Klose erstmals das von ihm entwickelte Zahnstangensystem Riggenbach-Klose auf sechs Abschnitten mit einer Gesamtlänge von 3,2 Kilometern einsetzen lassen. Mit der Streckenverlängerung nach Appenzell, welche den siebten und längsten Zahnstangenabschnitt enthielt, wuchs die Gesamtlänge 1904 auf 4,9 Kilometer an. Aber bereits 1909 wurde der kürzeste Abschnitt in Teufen durch eine Neutrassierung überflüssig.
Zwischen 1978 und 1983 wurden schliesslich fünf der sechs Zahnstangenabschnitte durch Neutrassierungen systematisch beseitigt. Es verblieb vorerst nur ein knapp einen Kilometer langer Zahnstangenabschnitt auf St. Galler Stadtgebiet zwischen Bahnhof und Riethüsli. Er wies eine 180°-Kehre mit einem Radius von 30 m auf. Für dessen Ersatz durch einen Tunnel, für den 1976 ein ausführungsreifes Projekt vorlag, reichte damals das Geld nicht. Bei der Erneuerung des Abschnitts kamen Zahnstangen der Systeme Riggenbach-Klose (ursprüngliche Variante, neu hergestellt für den 30-Meter-Radius), Strub (neuwertige Zahnstangen ex Bergbahn Luchon–Superbagnères) und Von Roll (oberster Abschnitt, 234 m) zum Einbau, die untereinander kompatibel sind. Bis 1988 war die Modernisierung abgeschlossen.Josef Hardegger: Tradition & Fortschritt der Appenzeller Bahnen AB/SGA. Verlag Appenzeller Bahnen AB/SGA, Herisau 1981, S. 13–17.
Der nach 1985 einzige verbliebene Zahnstangenabschnitt wurde im Zuge des Baus der Durchmesserlinie Appenzell–St. Gallen–Trogen am Ostermontag 2018 zum letzten Mal befahren und anschliessend rückgebaut. Ab Oktober 2018 wurde er durch eine Adhäsionsstrecke im neu gebauten Ruckhaldetunnel ersetzt.
Eine Übersicht über Länge und Steigung der Zahnstangenabschnitte bietet folgende Übersicht:
Nr. Abschnitt Länge Neigung¹ Aufhebung Massnahme Neigung neu1 Ruckhalde, St. Gallen–Riethüsli 978 m² +92 ‰ 2. April 2018 Modernisierung 1980/81, Zahnradabschnitt neu 946 m, Zahnstangen Riggenbach, Strub und Lamelle gemischt +100 ‰2 Watt–Lustmühle 319 m +52 ‰ 1932 Entfernung der Zahnstange nach Elektrifikation +52 ‰3 Lustmühle–Niederteufen 768 m734 m³ +69 ‰ 25. September 1985 Entfernung der Zahnstange +69 ‰4 Alter Bahnhof Teufen 86 m +90 ‰ 1909 Verlegung des Bahnhofs, Gleis entlang Strasse +38 ‰5 Lindenstich, Teufen–Goldibachbrücke 360 m⁴ −86 ‰ 22. Juni 1976 Neubau einer höher gelegenen Brücke für Bahn und Strasse −63 ‰6 Strahlholz, Bühler–Zweibrücken 719 m +87 ‰ 23. April 1983 Neue Linienführung oberhalb statt entlang der Strasse +60 ‰7a Rössli–Hirschberg 1214 m −63 ‰ 1977/78 Entfernung der Zahnstange −63 ‰⁵7b Hirschberg–Sitterbrücke Appenzell 444 m −82 ‰ 27. Mai 1978 Neubaustrecke, 572 m länger −50 ‰ ¹Positiver Wert = Steigung in Richtung Appenzell, negativer Wert = Steigung in Richtung St. Gallen ²Wert nach Quelle , S. 21, laut Quelle vor Aufhebung 997 m ³Wert gültig ab 1973 nach Streckenverlegung mit Zahnstange Strub im Zuge der Strassenverbreiterung ⁴Wert nach Quelle , S. 21, laut Quelle vor Aufhebung noch 250 m ⁵Laut Quelle heute 65 ‰
Rollmaterial mini|links|Die HG 2/3 waren die ersten Vierzylinder-Verbundlokomotiven der Welt mini|Dreiachsiger, von Klose konstruierter Drittklasswagen Nr. 70 der ASt Die von Klose konstruierten und von der Schweizerischen Lokomotiv- und Maschinenfabrik (SLM) gelieferten Stütztenderlokomotiven HG 2/3 1–4 mit radial einstellbaren Achsen waren die ersten Vierzylinder-Verbundlokomotiven der Welt. Die Ausführung gestaltete sich wegen der neuartigen Klose-Lenkachsen schwierig. Die ersten drei Lokomotiven erhielten die Namen Gais, Teufen und Bühler. Der wegen der guten Frequenzen 1890 gelieferte Nachzügler Nr. 4 erhielt den Namen St. Gallen. Die komplizierten Lokomotiven bewährten sich nur zum Teil. Sie wurden stark beansprucht, was sich im aufwendigen Unterhalt und in den vielen Störungen zeigte.
Die von Klose konstruierten Wagen wurden von der VSB-Werkstätte Chur gebaut. Alle Wagen besassen Druckluftbremsen des Systems Klose und waren dreiachsig. Die mittlere Achse war mit einer Zahnradbremse, die beiden Endachsen mit einer Adhäsionsbremse ausgerüstet.
Fortsetzung nach Appenzell mini|links|Sitterviadukt bei Appenzell kurz vor der Vollendung. Es fehlt noch das Verbindungsstück über die Sitter. mini|Längenprofil der Strecke St. Gallen–Gais–Appenzell. Der kurze Zahnstangenabschnitt vor Teufen wurde bereits 1909 aufgehoben. mini|Drehscheibe, Remise und Wagenschuppen der ASt mussten auf der Ostseite (rechts) des Bahnhofs Appenzell erstellt werden 1898 wurde ein elektrisches Tram von Gais nach Appenzell und weiter in Richtung Alpstein geplant. Die Konzession dazu lief 1902 aus. So ergriff die Appenzeller Strassenbahn die Initiative zum Bahnbau nach Appenzell, wiederum unter Mitbenutzung der Strasse.