Ceuta (, ; ) ist eine spanische Stadt an der nordafrikanischen Küste und der Straße von Gibraltar mit 83.595 Einwohnern (Stand: 2025). Seit 1995 haben Ceuta und Melilla innerhalb des spanischen Staates den Status einer autonomen Stadt (ciudad autónoma), der ihnen einige der Befugnisse einer autonomen Gemeinschaft verleiht.

Ceuta gehört als spanische Exklave zur Europäischen Union, nicht aber zur NATO und ist Gegenstand weiterer Sonderregelungen. Insbesondere ist es gemäß dem Unionszollkodex vom Zollgebiet der Union ausgenommen.Art. 4 Abs. 1, Spiegelstrich 8 der . In: Amtsblatt der Europäischen Union. L 269, 9. Oktober 2013, S. 11. In Ceuta als Exklave gelten außerdem nicht die Regelungen des Schengen-Raums. Ceuta hat seit 1993 einen Grenzzaun zu Marokko, um illegale Einwanderung in die EU zu verhindern. Laut Artikel 41 des Schengener Grenzkodex besteht eine Sonderregelung: Bei der Ausreise in Richtung des spanischen Festlands oder in andere Schengen-Staaten auf den einzigen möglichen Wegen, dem See- oder Luftweg, werden Identitäts- und Dokumentenkontrollen durchgeführt. Eine eventuelle illegale Einreise in Ceuta ermöglicht also keine Weiterreise in den Schengen-Raum. Marokkanische Staatsangehörige, die nicht in den Provinzen Tétouan oder Nador wohnhaft sind und sich ausschließlich nach Ceuta begeben möchten, benötigen ein Visum, das auf das Gebiet der Stadt beschränkt ist und zu mehreren Ein- und Ausreisen berechtigen kann. Für die Exklave Melilla gelten vergleichbare Regeln.

Ceuta war seit dem Jahr 1415 zunächst in portugiesischem und später in spanischem Besitz; auch nach der Unabhängigkeit Marokkos 1956 blieb Ceuta (ebenso wie Melilla) spanisch. Von marokkanischer Seite wird der Gebietsanspruch auf die beiden Städte grundsätzlich betont, konkrete Schritte zu dessen Durchsetzung wurden aber nicht unternommen.

Lage Die 18,5 Quadratkilometer große spanische Exklave liegt auf der Spitze einer Halbinsel der westlichen Mittelmeerküste Marokkos. Das Gebiet hat eine Landgrenze mit Marokko und ist etwa 21 Kilometer von der Iberischen Halbinsel entfernt. Die Fährverbindung nach Algeciras dauert ca. eine Stunde. Die nächste größere Stadt auf marokkanischem Boden ist das etwa 40 Kilometer südlich gelegene Tétouan.

Bevölkerung Jahr Einwohner 1877 ca. 10.500 1910 ca. 24.000 1940 ca. 59.000 1960 73.182 1970 67.187 1981 70.864 1991 73.208 2001 75.694 2011 82.376 2016 84.519202583.595

Die erste Volkszählung fand 1877 statt.

Im Jahr 2006 war eine Hälfte der Einwohner christlichen, die andere Hälfte muslimischen Glaubens.

Geschichte mini|Straße von Gibraltar (von Westen); Ceuta: rechts im Hintergrund; Kombination von Satelliten- und topografischen Radarbildern der NASA, dreifach überhöht Etymologie „Sieben Brüder“ war der antike Name des Bergmassivs Jebel Musa. Aus der Ortsbezeichnung „Zu den sieben Brüdern“ entstand als romanische Lehnübersetzung Ad Septem Fratres und daraus die Kurzformen Septem und später Septa. Daran angelehnt lautet der Name im Arabischen Sabta.

Antike und Mittelalter mini|Merinidische Stadtmauer, erbaut im 14. Jh. Die Geschichte der Stadt begann mit den Griechen. Es ist aber nicht gesichert, ob an der Stelle des heutigen Ceuta dauerhaft Siedlungen bestanden. Die Griechen nannten den Ort , was sich auf sieben Berge der Umgebung bezieht. Im Jahr 319 v. Chr. übernahmen die Karthager die Stadt.

Nach dem Zweiten Punischen Krieg wurde Ceuta als Septem Fratres römisch, und die Einwohner erhielten das römische Bürgerrecht. Ceutas strategische und wirtschaftliche Bedeutung wuchs, und die Stadt wurde – neben dem konkurrierenden Tingis (= Tanger) – zur bedeutendsten der römischen Provinz Mauretania Tingitana.

Im Jahre 429 eroberten Vandalen die Stadt. 534 fiel sie an das Byzantinische Reich als Nachfolger des Römischen Reiches. 616 wurde sie von den Westgoten erobert. Im frühen 8. Jahrhundert soll in Ceuta möglicherweise noch ein byzantinischer Statthalter fungiert haben (siehe Julian), doch nahmen schließlich die Araber und die mit ihnen verbündeten Berberstämme die Stadt ein. In der Folgezeit (ca. 9.–11. Jahrhundert) unterstand Ceuta den spanischen Umayyaden als Teil des iberischen Al-Andalus sowie den berberischen Almoraviden, Almohaden und Meriniden (kurzzeitig auch den tunesischen Hafsiden).

Portugal und Spanien (1415–1668) Am 21. August 1415 eroberten die Truppen des portugiesischen Königs Johann I. in einer großangelegten Militäraktion die Stadt im Rahmen der Reconquistasiehe auch: Belagerung von Ceuta (1419). Für Portugals Ambitionen, den Seeweg nach Indien zu finden, war der Ort strategisch eher unbedeutend.

1578 starb der junge König Sebastian I. von Portugal in der Schlacht von Alcácer-Quibir und blieb ohne direkte Nachkommen. Durch die damit verbundene Änderung der Erbfolge fiel Ceuta 1580 zusammen mit dem Mutterland an die spanische Krone (Personalunion).

1640 erklärte sich Portugal wieder für unabhängig, was heftigen politischen Streit auslöste. Nach zwei militärischen Niederlagen im Restaurationskrieg erkannte Spanien im Frieden von Lissabon (1668) die Unabhängigkeit Portugals an.

Spanien (ab 1668) 1668 wurden Ceuta und die Isla Perejil im Rahmen des Friedensvertrages von Lissabon von Portugal an Spanien abgetreten. Das Stadtwappen Ceutas blieb jedoch bis auf den heutigen Tag identisch mit dem Staatswappen Portugals.

Die heutigen Grenzen wurden 1860 nach dem Spanisch-Marokkanischen Krieg im Friedensvertrag von Tétouan festgelegt. Daher wurde Ceuta 1912 auch nicht Teil des spanischen Protektorats in Marokko, sondern blieb als Plaza de soberanía direkt der spanischen Regierung unterstellt. Da die Stadt nicht Teil des Protektorats war, blieb sie auch nach der marokkanischen Unabhängigkeit (1956) Teil von Spanien. Bis zum 14. März 1995 gehörte Ceuta zur Provinz Cádiz. Seither ist sie eine „autonome Stadt“ (Ciudad autónoma) und genießt ähnliche Rechte wie die autonomen Gemeinschaften des Mutterlandes. Letzteres gilt auch für Melilla.

Migration und Grenzzaun

mini|hochkant|Grenzzaun – links Ceuta, rechts Marokko (2017) Ceuta hat seit 1993 einen Grenzzaun zu Marokko, um Einwanderung in die EU zu verhindern. 1995 wurde die Grenzanlage erweitert und 2005 der Zaun von drei auf sechs Meter erhöht. Die gesamte Anlage ist (Stand 2008) 24 km lang. Seit 2005 kam es immer wieder zu kritischen Situationen, bei denen große Menschengruppen versuchten, den Zaun zu überwinden. Mehrfach konnten dabei Hunderte bis Tausende Flüchtlinge die Grenzanlagen überwinden, wobei zumeist anschließend eine Abschiebung der Migranten zurück nach Marokko erfolgte. 2005 wurden fünf Menschen beim Versuch, die Absperrung zu überwinden, erschossen. Hierfür wiesen sich Marokko und Spanien gegenseitig die Verantwortung zu.

Am 6. Februar 2014 schoss die Guardia Civil mit Gummigeschossen auf Menschen aus Subsahara-Afrika, als sie schwimmend den Strand von Tarajal zu erreichen versuchten. Infolgedessen ertranken 14 Personen. Die spanische Regierung räumte zwar ein, dass Gummigeschosse eingesetzt worden seien, bestritt aber einen Zusammenhang mit den Todesfällen. Im Zuge der Flüchtlingskrise in Europa ab 2015 geriet Ceuta zunehmend in den Fokus der internationalen Politik, da Migranten aus Afrika in großer Zahl versuchten, die Grenzzäune um die Stadt zu überwinden, um ein Aufenthaltsrecht in der Europäischen Union zu erlangen.Thomas Urban: Nicht mehr willkommen. In: Süddeutsche Zeitung, 24. August 2018.

Im Mai 2021 gelangten Tausende Flüchtlinge nach Ceuta, indem sie durch das Meer schwammen. Zuvor hatten stets marokkanische Polizisten die Wassergrenze bewacht. Der Rückzug der marokkanischen Sicherheitskräfte wurde offenbar von Marokkos König Mohammed VI. angeordnet, der die Migrationspolitik offenbar regelmäßig benutzt, um Druck auf Spanien und Europa auszuüben.Ralph Schulze: Flüchtlingssturm – Marokkos König rächt sich mit 6000 Migranten an den Spaniern. In: Luzerner Zeitung, 18. Mai 2021.

2021 wurden rund 55 marokkanische Minderjährige ohne individuelles Asylverfahren direkt nach Marokko zurückgeschickt. Dieses Verfahren war nach Auffassung eines spanischen Gerichts illegal, das daraufhin die Verantwortlichen der Regionalregierung mit einer mehrjährigen Ämtersperre belegte.Frankfurt Allgemeine Zeitung vom 21. August 2026 (Nr. 193), Seite 5

Ende Juli 2026 schwammen erneut innerhalb weniger Tage zahlreiche Migranten von der marokkanischen Seite nach Ceuta. Die meisten kamen am 30. Juli. Der Regionalpräsident Juan Jesús Vivas erklärte am 31. Juli mittags, es seien inzwischen 60.000 Menschen von Marokko nach Ceuta gelangt. Das spanische Innenministerium nannte später eine etwas niedrigere Zahl von etwa 50.000. Zeitweise brach die Grenzkontrolle wegen Überlastung zusammen, die Aufnahmezentren waren überfüllt. Regionalpräsident Vivas hatte nach eigenen Angaben bereits mehrere Tage zuvor die Zentralregierung vor einem Einreisestrom nach Ceuta gewarnt und sie aufgerufen, aus Gründen der nationalen Sicherheit den Notstand zu verhängen.Ceuta alerta que la situación de los menores migrantes es “insostenible” ultimahora.com, 5. August 2026, abgerufen am 7. August 2026 (spanisch) Außerdem bat er um die Entsendung zusätzlicher Polizeikräfte und der Armee. Die Ausrufung eines nationalen Notstands lehnte Madrid ab, entsandte aber Armeeeinheiten nach Ceuta. Auch Spezialeinheiten der Polizei wurden aufgestockt, um der Guardia Civil zu helfen, die Sicherheit in der Stadt aufrechtzuerhalten. EU-Migrationskommissar Magnus Brunner erklärte ebenfalls die Bereitschaft, Spanien unter anderem durch Frontex zu unterstützen.

Eine mögliche Erklärung für die Entwicklung im Sommer 2026 war ein Urteil des spanischen Obersten Gerichtshofs von Anfang Juli. Wer beim Versuch, Ceuta schwimmend zu erreichen, im Meer aufgegriffen wird, darf demnach nicht unmittelbar nach Marokko zurückgewiesen werden, sondern es muss ein reguläres ausländerrechtliches Verfahren erfolgen. Unmittelbare Abschiebungen ohne Verfahren sind nur erlaubt, wenn Migranten Absperrungen an der Grenze überwunden haben. Das spanische Innenministerium warf Schleusernetzwerken vor, das Urteil auszunutzen. Politische Beobachter vermuteten, Marokko habe die Situation mehr oder weniger absichtlich herbeigeführt als Reaktion auf einen Staatsbesuch des spanischen Ministerpräsidenten Sánchez im mit Marokko verfeindeten Algerien am 20. Juli 2026.