Als Aachener Kreide bezeichnet man historisch und umgangssprachlich die Ablagerungen der südlichen Aachener-Limburger Kreidetafel. Die Sedimente der Kreidetafel wurden im Zuge eines europaweiten Meeresvorstosses aus nördlicher Richtung in der Oberkreide abgelagert. Die in einigen Horizonten eingelagerten Feuersteine waren bereits im Neolithikum, vor 5500 bis 5000 Jahren Gegenstand bergbaulicher Tätigkeit in der Gegend von Aachen und dem westlichen Südlimburg, bei Sint Pietersberg.
Begriffsbestimmung Als Aachener Kreide werden umgangssprachlich und in der älteren geologischenHans Breddin: Über die tiefsten Schichten der Aachener Kreide sowie eine senone Einebnungsfläche und Verwitterungsrinde am Nordabfall des Hohen Venn: Cbl. Mineral. Geol. Paläont., 593–613. Stuttgart 1932, S. 593ff. und paläontologischen LiteraturIgnaz Beissel: Die Foraminiferen der Aachener Kreide. Schropp’sche Hof-Landkartenhandlung (J.H. Neumann) 1891 die Sedimente im Aachener Raum bezeichnet, die in der Oberkreide abgelagert wurden. Diese Bezeichnung ist heute nicht mehr gebräuchlich, weil der Begriff „Kreide“ als Synonym für bestimmte kalkige, weiche Sedimente weit verbreitet ist. Da im Oberkreide-Schichtenprofil von Aachen neben Kreidekalksteinen auch Sande und Tone zu finden sind, wird für die Schichtenfolge heute der allgemeingültigere Begriff Ablagerungen der Aachen-Limburger Kreidetafel verwandt.Roland Walter: Aachen und nördliche Umgebung. Sammlung Geologischer Führer, Band 101, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-443-15087-7, S. 18–37
Geologische und stratigrafische Entwicklung mini|Stratigrafische Tabelle der Kreideablagerungen im Südlimburger und Aachener Raum
Nach der Heraushebung des variszischen Gebirges im Oberkarbon wurde das Gebiet der nördlichen Eifel und Ardennen von einer tiefgründigen Verwitterung erfasst und weitgehend eingeebnet. Erst in der Oberkreide, vor etwa 85 Millionen Jahren, drang das Meer aus nördlicher Richtung bis in den Aachener Raum vor. Die südlichsten Kreideablagerungen finden sich heute als Erosionsrelikt im Hohen Venn auf einer Höhe von 600 bis . Die ehemals flächendeckenden Kreideablagerungen sind im Zuge der Heraushebung der Eifel ab der Oberkreide größtenteils wieder erodiert worden.Roland Walter: Aachen und nördliche Umgebung. Sammlung Geologischer Führer, Band 101, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-443-15087-7, S. 18
Nördlich von Aachen, in Südlimburg und im angrenzenden belgischen Herver Land, liegen die oberkreidezeitlichen Ablagerungen weitgehend als eine geschlossene Kreidebedeckung bis zu einer Gesamtmächtigkeit von 160 m vor. Die Kreidetafel wurde durch die Heraushebung der Eifel leicht verstellt, so dass die Schichten heute mit 1–3° nach Norden bzw. Nordnordwesten einfallen.Roland Walter: Aachen und nördliche Umgebung. Sammlung Geologischer Führer, Band 101, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-443-15087-7, S. 19–20
Die Schichtenfolge der Aachener Kreideablagerungen umfasst einen Zeitraum von etwa 18 Millionen Jahren vom Santonium bis zum oberen Maastrichtium. Nach der Ablagerung ist die Kreidetafel durch tektonische Bewegungen, die im Zusammenhang mit dem Einsinken der Niederrheinischen Bucht stehen, in meist NNW-SSE verlaufende Schollen zerlegt worden. Die tektonischen Bewegungen dauern bis in die Gegenwart an und äußern sich durch zahlreiche Erdbeben.Karl-Heinz Ribbert: Geologie im Rheinischen Schiefergebirge. Teil 1: Nordeifel, Krefeld 2010, ISBN 978-3-86029-934-0, S. 27
Aachen-Formation miniatur|Übergang von den Hergenrath-Tonen zu den Aachener Sanden in einer Baugrube in Aachen
Hergenrath-Member In der Umgebung von Aachen beginnt die Oberkreide-Sedimentation mit der Ablagerung von dunkelgrauen Tonen, hellgrauen Schluffen und Sanden.Karl-Heinz Ribbert: Geologie im Rheinischen Schiefergebirge. Teil 1: Nordeifel, Krefeld 2010, ISBN 978-3-86029-934-0, S. 76 Die bis zu 25 m mächtigen Hergenrath-Schichten wurden in einem flachen, limnisch-terrestrischen Milieu abgelagert. Sie sind durch das gehäufte Auftreten von verkieselten Hölzern, Braunkohlestückchen und Markasitknollen gekennzeichnet. Der Hergenrather Ton war jahrhundertelang Grundlage für die überregional bedeutende Töpferindustrie im Raum Aachen und Raeren. Die Hergenrath-Schichten stellen in der Umgebung von Aachen gleichzeitig einen der wichtigsten wasserstauenden Horizonte dar, so dass seine obere Grenze einen der wichtigsten Quellhorizonte im Aachener Wald und Umgebung bildet.Roland Walter: Aachen und nördliche Umgebung. Sammlung Geologischer Führer, Band 101, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-443-15087-7, S. 20
Nach der neuesten stratigrafischen Gliederung der Kreide werden die im Santonium abgelagerten Hergenrath-Schichten heute als Hergenrath-Member der Aachen-Formation bezeichnet., aufgerufen am 23. Mai 2012
In südöstlicher Richtung, am Rand des Hohen Venns und in der Umgebung von Eupen gehen die tonig-sandigen Sedimente der Hergenrath-Schichten in fluviatil abgelagerte Grobsande und Kiese der so genannten Mospert-Schichten über.
Aachen-Member Über den vorwiegend tonigen Hergenrath-Schichten wurden 20–50 m mächtige Feinsande in einem flachmarinen Ablagerungsmilieu sedimentiert. Die sandige Abfolge lässt sich in zwei Abschnitte – den Sand von Aachen (auch: Aachener Sand) und den Sand von Hauset (auch: Hauseter Sand) – gliedern. Die Sande sind durch eine ausgeprägte Parallel- und Schrägschichtung gekennzeichnet. Sie werden als strandnahe Bildungen in einem flachen Meer mit starker Strömung gedeutet.
Einzelne Partien der Schichtenfolge weisen eine intensive Verkieselung auf und bilden aufgrund der Resistenz gegenüber der Verwitterung große Blöcke, die im Aachener Wald als Zyklopensteine bezeichnet werden.Manfred Vigener: Schneeberg und Zyklopensteine – Ein geologischer Reiseführer. Eupen 2003, ISBN 90-5433-167-4, S. 90f. Die Sande sind durch das Auftreten von zahlreichen marinen Fossilien, wie Schnecken, Muscheln und Foraminiferen sowie von Blattabdrücken und verkieselten Hölzern gekennzeichnet.Ignaz Beissel: Die Foraminiferen der Aachener Kreide. Schropp’sche Hof-Landkartenhandlung (J.H. Neumann), 1891Eduard Holzapfel: Ueber einige wichtige Mollusken der Aachener Kreide. Arbeit. Zeitschrift der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften ZDGG, Band 36, Heft 3, 1884.
Entsprechend der aktuellen stratigrafischen Klassifikation der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe werden die Sande als Aachen-Member innerhalb der Aachen-Formation definiert. Aufgrund des Fehlens von Leitfossilien ist nur eine indirekte Alterseinstufung der Ablagerungen ins obere Santonium möglich., aufgerufen am 23. Mai 2012
Vaals-Formation Nach einer Sedimentationsunterbrechung, die sich durch eine Erosionsdiskordanz zeigt, beginnt die Sedimentation der Vaals-Schichten mit einem Basiskonglomerat, das aus Quarz und paläozoischen Gesteinen der Umgebung, wie Sandstein, Kalkstein, Quarzit und Tonstein zusammengesetzt ist.
Über dem Geröllhorizont wurden 45–70 m, in den Niederlanden bis zu 150 m,Werner M. Felder, Peter W. Bosch: Krijt van Zuid-Limburg. Delft/Utrecht 2000, ISBN 90-6743-710-7, S. 30. feinkörnige Sande und Schluffe abgelagert. Die charakteristische grüne Farbe, die den früheren Namen Vaalser GrünsandIgnaz Beissel: Der Aachener Sattel und die aus demselben vorbrecheneden Thermalquellen. Aachen 1886, S. 99–101. begründete, ist auf das Auftreten von feinverteiltem Glaukonit, einem eisenhaltigen Mineral zurückzuführen, das sich unter reduzierenden Bedingungen im flachen Meerwasser aus anderen Mineralen, wie Glimmern und Tonmineralen bildet. Grünsande sind in der Oberkreide am Nordrand des Rheinischen Schiefergebirges weit verbreitet und sind ein Anzeiger für eine überregionale Transgression des Kreidemeeres aus dem Bereich der heutigen Nordsee.Werner M. Felder, Peter W. Bosch: Krijt van Zuid-Limburg. Delft/Utrecht 2000, ISBN 90-6743-710-7, S. 30ff. Im östlichen Verbreitungsgebiet lässt sich die Vaals-Formation auf der Aachen-Limburger-Kreidetafel in sieben unterschiedliche Sandhorizonte gliedern, die durch schluffige Ablagerungen voneinander getrennt werden.Hans J. Albers: Feinstratigrafie, Faziesanalyse und Zyklen des Untercampans (Vaalser Grünsand = Hervien) von Aachen und dem niederländisch-belgischen Limburg. Geolog. Jahrbuch, A 34, Hannover 1976, S. 3–68 Generell lässt sich feststellen, dass der Glaukonikgehalt in den jüngeren Ablagerungen allmählich zurückgeht.Roland Walter: Aachen und nördliche Umgebung. Sammlung Geologischer Führer, Band 101, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-443-15087-7, S. 22
Die stratigrafische Einstufung der Schichtenfolge erfolgt mit Hilfe von Belemniten in das Untercampanium.
Gulpen-Formation Nach einer erneuten Sedimentationsunterbrechung ist ein deutlicher Wechsel in der petrografischen Ausbildung der Gesteine zu beobachten. Sandige Ablagerungen treten völlig zurück und es dominieren weiße bis hellgraue, feinkörnige Kalksteine. Während die jüngeren Oberkreide-Gesteine im Aachener Raum nur lückenhaft verbreitet sind, erreicht die Gulpen-Formation im niederländischen Teil der Aachen-Limburger Kreidetafel eine Mächtigkeit von bis zu 175 m und lässt sich petrografisch in sieben verschiedene Kalksteinhorizonte gliedern.Werner M. Felder, Peter W. Bosch: Krijt van Zuid-Limburg. Delft/Utrecht 2000, ISBN 90-6743-710-7, S. 50.
Die Kalksteine sind aus einem Kalkschlamm entstanden, der sich in einem warmen Flachmeer aus abgestorbenen Resten von Mikrofossilien gebildet hat, besonders aus so genannten Coccolithen. Häufig sind in den Kalksteinen fossilreiche Lagen, vorwiegend bestehend aus zerbrochenen Schalen von Schnecken, Brachiopoden, Muscheln und Seeigel eingelagert.Karl-Heinz Ribbert: Geologie im Rheinischen Schiefergebirge. Teil 1: Nordeifel, Krefeld 2010, ISBN 978-3-86029-934-0, S. 77 Die Alterseinstufung der kalkigen Ablagerungen der Gulpen-Formation erfolgt mit Hilfe von Belemniten, Ammoniten und Foraminiferen. Der Zevenwegen-Kalk wurde im Obercampanium, der Vylen-Kalk in Untermaastrichtium und die Orsbacher Feuersteinkreide im unteren Obermaastrichtium abgelagert.
Zevenwegen-Member Der Zevenwegen-Kalk wurde im Aachener Raum zusammen mit dem Vylen-Kalk in der früheren Literatur als Gulpenmergel bezeichnet.Hans Breddin u. a.: Das Blatt Aachen-NW der praktisch-geologischen Grundkarte 1 : 5 000. – Geol. Mitt., Heft 1, Aachen 1963, S. 251–428 Der Zevenwegen-Kalk, der im Aachener Raum bis zu 30 m mächtig werden kann,Roland Walter: Aachen und nördliche Umgebung. Sammlung Geologischer Führer, Band 101, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-443-15087-7, S. 24 beginnt an der Basis meist mit einem 0,5 bis 1,5 m mächtigen, sandigen, glaukonitführenden Konglomerat, das vorwiegend aus umgelagerten Geröllen der Vaals-Formation zusammengesetzt ist. Über dem Geröllhorizont folgt ein weicher, nur wenig verfestigter Kalk- und Mergelstein. Für diese weichen, weißen Kalksteine wird in der Literatur auch häufig der Begriff Schreibkreide verwandt.Werner M. Felder, Peter W. Bosch: Krijt van Zuid-Limburg. Delft/Utrecht 2000, ISBN 90-6743-710-7, S. 52. Der Zevenwegen-Kalk ist lokal reich an Fossilien, insbesondere lassen sich zahlreiche Reste von Seeigeln beobachten.
Vylen-Member