Rjabinowka (, deutsch Schmoditten) ist eine Siedlung im Rajon Bagrationowsk (Kreis Preußisch Eylau) der Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)) in Russland und gehört zur Gwardeiskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Gwardeiskoje (Mühlhausen)).

Geographische Lage Das Dorf liegt in der historischen Region Ostpreußen, etwa 37 Kilometer südsüdöstlich der Stadtmitte von Kaliningrad (Königsberg) und vier Kilometer nördlich von Bagrationowsk (Preußisch Eylau).

Geschichte mini|Schmoditten (Gr. Schmoditten), südsüdöstlich von Königsberg und nördlich der Stadt Preußisch Eylau, auf einer Landkarte von 1910 Am Anfang des 16. Jahrhunderts hieß die Ortschaft Schmeditten, bis 1946 dann Schmoditten.http://www.ostpreussen.net/ostpreussen/orte.php?bericht=1120

Im Jahr 1785 wird Schmoditten als ein königliches Dorf mit einer Kirche und 25 Feuerstellen (Haushaltungen) bezeichnet.Johann Friedrich Goldbeck: Volständige Topographie des Königreichs Preußen. Teil I: Topographie von Ost-Preußen. Marienwerder 1785, S. 117 (Google Books). 1814 wurde in Schmoditten ein kölmisches Gut, zu dem auch das Vorwerk Klein-Schmoditten (früher Sollsein genannt), ein Krug und zusammen über 458 Morgen Land gehörten und dessen Wert gerichtlich auf 5659 Taler geschätzt worden war, öffentlich zum Kauf angeboten.Leopold Krug: Die Preussische Monarchie. Teil 1: Provinz Ostpreussen, Berlin 1833, S. 588, Ziffer 18 (Google Books).

Ab 1874 war die Landgemeinde in den Amtsbezirk HenriettenhofRolf Jehke, Amtsbezirk Henriettenhof/Althof eingegliedert, der 1928 in „Amtsbezirk Althof“ umbenannt wurde.

Im Jahre 1910 zählte Schmoditten 292 Einwohner. Am 1. Oktober 1928 wurde die Landgemeinde Leidtkeim (heute russische: Bolschakowskoje) nach Schmoditten eingemeindet, und am 1. April 1929 folgte die Landgemeinde Schloditten (Sagorodnoje). Die Einwohnerzahl stieg bis 1933 auf 503 und betrug 1939 507.

Im Jahr 1945 gehörte Schmoditten zum Landkreis Preußisch Eylau im Regierungsbezirk Königsberg der Provinz Ostpreußen des Deutschen Reichs.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs besetzte im Frühjahr 1945 die Rote Armee die Region. Nach Einstellung der Kampfhandlungen wurde Schmoditten zusammen mit der nördlichen Hälfte Ostpreußens von der Sowjetunion besatzungsrechtlich in eigene Verwaltung genommen. Das Dorf erhielt 1946 die russische Bezeichnung „Rjabinowka“.

Bis 2009 war der Ort in den Orechowski sowjet (Dorfsowjet Orechowo (Althof)) eingegliedert und ist seither – aufgrund einer Struktur- und VerwaltungsreformNach dem Gesetz über die Zusammensetzung und Territorien der munizipalen Gebilde der Oblast Kaliningrad vom 25. Juni/1. Juli 2009, nebst Gesetz Nr. 253 vom 30. Juni 2008, präzisiert durch Gesetz Nr. 370 vom 1. Juli 2009 – eine als „Siedlung“ qualifizierte Ortschaft innerhalb der Gwardeiskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Gwardeiskoje (Mühlhausen)) im Rajon Bagrationowsk.

Kirche mini|Gotischer Turm der Dorfkirche, um ca. 1895Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Band 2: Die Bau- und Kunstdenkmäler in Natangen. 1898, S. 155–157 (Google Books). Die Kirche in Schmoditten wurde im 14. Jahrhundert – etwa 1330 bis 1360 – errichtet und 1380 vollendet. 1843 wurde sie erneuert, jedoch blieb nur der Turm gotisch, während das Kirchenschiff durch einen niedrigen, architektonisch wenig überzeugenden Zweckbau ersetzt wurde.Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Nipkow, Neidenburg 1890, S. 62–63 (Google Books). Das Gebäude überlebte den Zweiten Weltkrieg nahezu unbeschadet, wurde jedoch nach 1945 ausgeräumt und verfiel. Im Jahre 1970 sprengte das sowjetische Militär die noch verbliebenen Kirchenwände und nutzte den Schutt für Straßenreparaturarbeiten.

Kirchengemeinde Schmoditten war bereits in vorreformatorischer Zeit ein Kirchdorf. Der Einzug der Reformation erfolgte relativ früh. Schmoditten war dann der Inspektion des Königsberger Oberhofpredigers zugeordnet, gehörte zuletzt mit seinem großen Kirchspiel zum Kirchenkreis Preußisch Eylau (heute russisch: Bagrationowsk) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Während der Zeit der Sowjetunion war kirchliches Leben so gut wie unmöglich. Erst in den 1990er Jahren entstanden in der Oblast Kaliningrad wieder evangelische Gemeinden, von denen die in Gwardeiskoje (Mühlhausen) Rjabinowka am nächsten liegt. Sie ist eine Filialgemeinde der Auferstehungskirche in Kaliningrad (Königsberg) innerhalb der Propstei Kaliningrad der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäisches Russland (ELKER).

Kirchspielorte (bis 1945)

Zum Kirchspiel Schmoditten gehörten bis 1945 der Pfarrort und die Dörfer:Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußen, Band 3 Dokumente, Göttingen 1968, S. 470 Deutscher Name Russischer Name Deutscher Name Russischer NameAlthof Prechowo Lampasch Nadeschdino Auklappen Maloje Osjornoje Leidtkeim Bolschakowskoje Bekarten Borowoje Melonkeim Borowoje Boggentin Lermontowo Naunienen Berjosowka Drangsitten Awgustowka Neucken Dubki Ellermühle NN.kein russischer Name bekannt Palpasch Pessotschnoje Graventhien Awgustowka Pieskeim Berjosowka Groß Sausgarten Berjosowka Rappeln Rakitnoje Johnken Awgustowka Rohrmühle Borowoje Karlshöfchen NN. Schloditten Sagorodnoje Klein Sausgarten Bolschoje Sossehnen Solnzewo,jetzt: Berjosowka Kniepitten Kusnetschnoje, jetzt: Berjosowka Tollkeim Solnzewojetzt: Berjosowka Kutschitten Snamenskoje Wogau Lermontowo

Pfarrer In den Jahren nach Einführung der Reformation waren in Schmoditten zwei Geistliche tätig. Bis 1945 taten hier 26 evangelische Pfarrer DienstFriedwald Moeller, Altpreußisches Evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, Seite 135: Urban Klinckicht, bis 1575 Paul Streit, ab 1575 Sigismund Weier, bis 1583 Matthias Cocus, 1588–1598 Michael Guderus, bis 1598 Matthias Lindewald, ab 1598 Valentin Salbert, 1610–1633 Michael Schmauserus, 1633–1662 Johann Gerhard Dammler, 1662–1675 Tobias Schweichel, 1675–1693 Johann Pancratius Buck, 1693–1738 Bernhard Benedict Walther, 1725–1733 Friedrich John, 1735–1778 Johann Gottfried Moeller, 1778–1802 Johann Friedrich Brandt, 1802–1807 Johann Gottfried Fröhloff, 1807–1832 Johann Carl Friedrich Borck, 1832–1833 Johann Carl Buske, ab 1833 Johann Friedrich August Schröder, 1853–1868 Anton Ludwig Lehmann, 1868–1879 Theophil Tribukait, 1880–1899Tribukait (1832–1907) war Angehöriger des Corps Masovia. Julius Hildebrandt, 1899–1911 Georg Lindnau, 1911–1912 Ernst Wedemann, 1912–1915 Georg G. Wilhelm Heynacher, 1915–1935 Max Kuehnert, 1935–1945

Söhne des Ortes Sigismund Weier (* 28. Februar 1579 in Schmoditten; † 1661), Pfarrersohn, Mathematiker, Bibliothekar und Historiker Georg Friedrich John (1742–1800), Pfarrersohn, Dichter und Theaterkritiker

Verkehr Zu erreichen ist der Ort über die russische Fernstraße A 195 (ehemalige deutsche Reichsstraße 128) zwischen der alten und der neuen (Umfahrung Bagrationowsk) Straßenführung.

Am westlichen Ortsrand verläuft die Bahnlinie Kaliningrad (Königsberg) – Bagrationowsk, ein Teilstück der früheren Ostpreußischen Südbahn.

Literatur Schmoditten, Dorf, Kreis Preußisch Eylau, Regierungsbezirk Königsberg, Provinz Ostpreußen, mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie einer historischen Landkarte der Umgebung von Schmoditten (meyersgaz.org) Adolf Boetticher: Die Bau- und Kunstdenkmäler der Provinz Ostpreußen. Band 2: Die Bau- und Kunstdenkmäler in Natangen. 1898, S. 155–157 (Google Books). Agathon Harnoch: Chronik und Statistik der evangelischen Kirchen in den Provinzen Ost- und Westpreußen, Nipkow, Neidenburg 1890, S. 62–63 (Google Books). Daniel Heinrich Arnoldt: Kurzgefaßte Nachrichten von allen seit der Reformation an den lutherischen Kirchen in Ostpreußen gestandnen Predigern. Königsberg 1777, S. 196–197 (Google Books). Ludwig Fedemir Rhesa: Kurzgefasste Nachrichten von allen seit 1775 an den evangelischen Kirchen in Ostpreußen angestellten Predigern, Königsberg 1834, S. 45 (Google Books).

Weblinks Amtsbezirk Althof (Territorial.de)

Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Ort im Rajon Bagrationowsk