Die Geschichte des Heilbronner Theaterlebens reicht bis in das Mittelalter. Heute unterhält das kommunal getragene Stadttheater Heilbronn eine eigene Schauspiel-Sparte und stellt regelmäßig Musiktheater in Gastspielen vor.

Ursprünge Die Theatertradition in Heilbronn reicht bis in die geistlichen und weltlichen Laienspiele des Mittelalters zurück. Im 16. Jahrhundert gab es zunftmäßig organisierte Spiele der Wilden Rotte und Bösen Buben. Ab dem Ende des Dreißigjährigen Krieges und im 18. Jahrhundert gab es viele Wanderschauspieltruppen.Uwe Jacobi: Heilbronn so wie es war. Droste, Düsseldorf 1987, ISBN 3-7700-0746-8 Nachdem das Aktien-Theater gebaut wurde, berief man im Jahre 1887 die Schwäger Richard Steng und Konrad Krauß zu gemeinsamen Theaterdirektoren. Ein ständiges Ensemble wurde gebildet.

Fischer-Theater (30. Oktober 1913 bis 24. Juni 1944) mini|links|hochkant|Fischer-Theater

1912/1913 wurde das Fischer’sche Theatergebäude am Nordende der Allee erbaut. Bei der Eröffnung des Baus wurden ein von Peter Bruckmann verfasstes Weihespiel und der dritte Aufzug von Richard Wagners Meistersinger aufgeführt. Dies stellte einen programmatischen Auftakt für eine Spielplangestaltung, die sowohl Schauspiel als auch Musiktheater (Oper und Operette) anbot. In den ersten zehn Jahren seit der Einweihung wurden Werke skandinavischer und deutscher Dramatiker gezeigt. Weiterhin waren alles klassischen Dramen vertreten. Die Oper war bis auf die Jahre 1914 bis 1916, 1926 bis 1928 und 1931 bis 1933 im Spielplan vertreten. Der Spielplan von 1913 bis 1933 zeigte auch alle wesentlichen klassischen und modernen Operetten. 1924 gab es am Heilbronner Stadttheater 80 Schauspielaufführungen und 129 Opern und OperettenJürgen Frahm: Streiflichter zur Heilbronner Theatergeschichte nach dem Jahre 1945. In: Herbert Haldy (Hrsg.): Stadttheater Heilbronn: zur Eröffnung am 16. November 1982, Heilbronn 1982, S. 65–78, dazu S. 63f.. Der Spielplan des Schauspiels und der Oper zeigte in den 1930er Jahren vor allem volkstümliche Werke. Am 27. Februar 1929 war der Landtag im Heilbronner Theater zu Besuch und prüfte eine finanzielle Hilfe bzgl. des Erhalts des Theaters. Dabei gelangte dieser zu der Einsicht, dass das Stadttheater „als Kulturanstalt für das Unterland zu erhalten“ seiJacobi, Das war das 20. Jahrhundert in Heilbronn, S. 33. So gestand am 1. April 1930 der Landtag dem Heilbronner Theater eine Finanzspritze in Höhe von 25 000 RM zu. Das Heilbronner Opernensemble bedankte sich dafür, indem sie Gastspiele in vielen Städten Württembergs gaben. In den Jahren 1923 und 1933 gab es eine „allgemeine trostlose Lage des deutschen Theaters“ mit „Schwierigkeiten und Hemnissen, Sorgen und Nöten“, wobei „viele Bühnen […] geschlossen werden“ mussten und „tausende von Künstlern […] brotlos“ wurden. Diese Situation „spiegelte sich deutlich und klar in der Heilbronner Theatergeschichte wieder“, so dass die Theaterleitung am 15. Februar 1933 erklären musste, dass ihr die Fortführung des Theaterbetriebes nicht möglich war.Ziemann, Fünfundzwanzig Jahre Stadttheater Heilbronn (1913/1938), S. 21f.

Nach der Machtergreifung erlebte das Heilbronner Theaterleben eine „entscheidende Wendung“, als durch „die Neugestaltung des deutschen Theaters durch Reichsminister Dr. Goebbels … sich sogleich und entscheidend auch auf die Heilbronner Theaterverhältnisse“ auswirkte. Oberbürgermeister Gültig übernahm nun in „Erfüllung der nationalsozialistischen Kulturpolitik“ die Leitung des Theaters und machte aus „einer Privatbühne mit städtischem Zuschuss“ ein Stadttheater. Das Heilbronner Theater musste sich den kulturpolitischen Zielsetzungen des NS-Regimes unterordnen, zeigte (bei vollständiger Übernahme in städtische Regie) in den Kriegsjahren zunehmend die „leichte Muse“.Hans Ulrich Eberle: Literatur und Theater. In: Stadt- und Landkreis Heilbronn. Theiss, Stuttgart und Aalen 1974, ISBN 3-8062-0121-8, S. 164–172, dazu S. 170. Intendanten waren Richard Krauß (1933 bis 1936), Hans Gerhard Bartels (1936) sowie Franz-Joseph Delius (ab 1937). Noch im Jahre 1940 gab es am Heilbronner Stadttheater 349 Aufführungen. Außerdem bespielte das Heilbronner Ensemble in den Sommermonaten das Theater in Bad Wildbad. Am 24. Juni 1944 endete der Spielbetrieb mit der Einberufung der Theatermitarbeiter zum Militär bzw. zu Rüstungsbetrieben. Delius kam als Intendant nach Allenstein, von wo aus Theateraufführungen für Fronttruppen organisiert wurden. Der Fischer’sche Theaterbau wurde mit dem Luftangriff auf Heilbronn für den Theaterbetrieb unbrauchbar.

Heilbronner Künstler-Theater e. V. (1945–1946) In der Nachkriegszeit erfolgt der Theaterbetrieb in verschiedenen Spielstätten. So begann am 1. November 1945 der Theaterbetrieb in dem 350 Besucher fassenden Festsaal der Trappenseegaststätte mit Wir machen Musik. Ernst Köneke leitete den Theaterbetrieb des Heilbronner Künstlertheaters. Die nächste Premiere war Ingeborg von Curt Goetz. Ein Opern-Konzert und weitere Schauspielaufführungen wurden gezeigt. Das Heilbronner Künstlertheater gab auch Gastspiele in Obereisesheim, Frankenbach, Großgartach, Weinsberg und Flein. Als der Trappensee-Saal ebenso für den Schulbetrieb und für Kino-Veranstaltung genutzt wurde, mussten neue Räumlichkeiten gesucht werden.Jürgen Frahm: Streiflichter zur Heilbronner Theatergeschichte nach dem Jahre 1945. In: Herbert Haldy (Hrsg.): Stadttheater Heilbronn: zur Eröffnung am 16. November 1982, Heilbronn 1982, S. 65–78, dazu S. 65.

Theater Heilbronn e. V. und Neues Theater Heilbronn e. V. (1946–1949) Am 6. Februar 1946 wurden mit Franz Lehárs Operette Das Land des Lächelns unter der musikalischen Leitung von Robert Edler die neue Spielstätte in der Gaststätte Sonne in Sontheim eröffnet. Das Motto lautete dabei „Und neues Leben blüht aus den Ruinen“. Ernst Köneke leitete bis August 1946 das Heilbronner Künstler-Theater in Sontheim, wobei Sprech- und Musiktheater dargestellt wurden. Das Sontheimer Heilbronner Künstler-Theater wurde später in Theater Heilbronn umbenannt und von Dr. Erich Weidner, danach von Eberhard Schmohl bis Ende 1947 geleitet. Theaterleiter wurde Fritz Wilde, und das Theater Heilbronn wurde in Neues Theater Heilbronn umbenannt, dabei wurden Operetten- und Schauspielaufführen geboten. Fritz Wilde (1902–1989) hatte zuvor im Schießhaus in Heilbronn Konzerte veranstaltet. Wilde wurde selbst als Schauspieler tätig und spielte 50-mal den General Harras in Des Teufels General, ein 1945 vollendetes Drama Carl Zuckmayers. Am 2. April 1949 wurde der Theaterbetrieb in Sontheim beendet.Jürgen Frahm: Streiflichter zur Heilbronner Theatergeschichte nach dem Jahre 1945. In: Herbert Haldy (Hrsg.): Stadttheater Heilbronn: zur Eröffnung am 16. November 1982, Heilbronn 1982, S. 65–78, dazu S. 65.Stadtarchiv Heilbronn, Signatur ZS-3076.

Kulturring Heilbronn e. V. (1949) Im Jahre 1949 wurde der Kulturring Heilbronn e.V. unter Vorsitz von Carl Frühsorger gegründet und wurde Träger der Freilichtaufführungen im Rahmen der Kätchen-Festspiele, die erstmals vom 3. bis 14. September 1952 im Deutschordenshof stattfanden. Der Kulturring knüpfte damit an die Tradition der Laienspielschar an, die 1929 zum ersten Mal im Deutschhof Das Käthchen von Heilbronn gespielt hatte.Uwe Jacobi: Das war das 20. Jahrhundert in Heilbronn. Wartberg-Verlag, Gudensberg-Gleichen 2001, ISBN 3-86134-703-2. S. 59 [Deutschhof-Festspiele]Werner Föll, Stadtarchiv Heilbronn (Hrsg.): Chronik der Stadt Heilbronn: 1952–1957, Heilbronn Stadtarchiv, 1995, S. 17, 27, 52, 126, 128, 208, 212, 214, 216, 222, 255, 269, 277, 299, 350, 360, 435 [Deutschhof-Festspiele].Brigitte Fritz-Kador und Johannes Altincioglu: Carlo - Die Kunst zu Leben. Mit den Augen der Freundschaft: Dr. Carl Frühsorger. Verlag Balzek und Bergmann, ISBN 3-9806536-8-4. 3.–15. September 1952: Das Käthchen von Heilbronn von Heinrich von Kleist mit Dorothea Mayer vom Schauspielhaus HamburgGünther Emig (Hrsg.): Die Käthchen-Festspiele 1952 im Deutschhof. Eine Dokumentation, Kleist-Archiv Sembdner 2005, S. 89 [Dorothea Mayer (1927–2000) - Das Käthchen von 1952]. in der Titelrolle anstelle der erkrankten Ruth NiehausGünther Emig (Hrsg.): Die Käthchen-Festspiele 1952 im Deutschhof. Eine Dokumentation, Kleist-Archiv Sembdner 2005, S. 37, Waldemar Leitgeb vom Badischen Landestheater Karlsruhe den Grafen Wetter vom Strahl.Beteiligte nach Stadtarchiv Heilbronn, ZS:Dorothea Mayer; Wilhelm Speidel; Waldemar Leitgeb; Frühsorger, Weller; Edith Frölich; Kurt CondeWerner Föll, Stadtarchiv Heilbronn (Hrsg.): Chronik der Stadt Heilbronn: 1952–1957, Heilbronn Stadtarchiv, 1995, S. 52[Deutschhof-Festspiele]. Ein 1952 herausgegebenes Merian-Heft zeigt auf dem Titelblatt die Schauspielerin Niehaus, die im großen Deutschhof Heilbronn steht – ein Bild, das immer wieder zur irrigen Annahme führt, Ruth Niehaus habe in der Aufführung gespielt:

1.–12. Juli 1953: Das Käthchen von Heilbronn von Heinrich von Kleist mit Dorothea Mayer vom Schauspielhaus Hamburg.Werner Föll, Stadtarchiv Heilbronn (Hrsg.): Chronik der Stadt Heilbronn: 1952–1957, Heilbronn Stadtarchiv, 1995, S. 126 [Deutschhof-Festspiele]. 17. Juli – 7. August 1954 Urfaust mit Ruth Niehaus als Gretchen, Richard Lauffen als Faust, Alexander Golling als Mephisto.Werner Föll, Stadtarchiv Heilbronn (Hrsg.): Chronik der Stadt Heilbronn: 1952–1957, Heilbronn Stadtarchiv, 1995, S. 208 Die Aufführung bildete den ersten Teil der jährlichen Deutschhof-Festspiele mit 8500 Besuchern.Werner Föll, Stadtarchiv Heilbronn (Hrsg.): Chronik der Stadt Heilbronn: 1952–1957, Heilbronn Stadtarchiv, 1995, S. 212 [Deutschhof-Festspiele]. 19. August – 3. September 1954 Anna Susanna von Georg Weitbrecht. Am 28. August 1954 besuchen der Bundespräsident Heuss und Innenminister Fritz Ulrich die Aufführung, auch der Autor Weitbrecht war anwesend.Werner Föll, Stadtarchiv Heilbronn (Hrsg.): Chronik der Stadt Heilbronn: 1952–1957, Heilbronn Stadtarchiv, 1995, S. 214, 216.

1.–12. Juli 1955 Die Räuber von Schiller unter der künstlerischen Leitung von Wilhelm Speidel in Anwesenheit von Innenminister Fritz Ulrich.Werner Föll, Stadtarchiv Heilbronn (Hrsg.): Chronik der Stadt Heilbronn: 1952–1957, Heilbronn Stadtarchiv, 1995, S. 277.

29. Juni – 19. August 1956 Wilhelm Tell unter der Regie von Wilhelm Speidel. Die Veranstaltung des Kulturrings erfreute sich großer Beliebtheit: „Der Zulauf ist so groß, daß zusätzliche Aufführungen durchgeführt werden müssen.“.Werner Föll, Stadtarchiv Heilbronn (Hrsg.): Chronik der Stadt Heilbronn: 1952–1957, Heilbronn Stadtarchiv, 1995, S. 360.

25. Juni – 15. August 1957 Der Widerspenstigen Zähmung unter der Regie von Wilhelm Speidel.Werner Föll, Stadtarchiv Heilbronn (Hrsg.): Chronik der Stadt Heilbronn: 1952–1957, Heilbronn Stadtarchiv, 1995, S. 435.

Kleines Theater Heilbronn e. V. (1951–1968)