Hardstyle ist ein Subgenre der elektronischen Musik, das sich aus einer Kombination von Hard Trance mit Hardcore-Techno-Elementen entwickelte.
Merkmale Hardstyle ist mittlerweile eigenständig und hat auch mit seiner ursprünglichen Form nur noch wenig gemeinsam. Hardstyle liegt bei etwa 150 bpm. Es ist zwischen dem klassischen Hardstyle (in der Szene stark populär bis etwa 2009) und dem moderneren Hardstyle zu unterscheiden. Einige typische Sounds wie der „Reverse Bass“ wurden abgelegt und die Liedstruktur verändert.
Der typische Aufbau des klassischen Hardstyles verläuft ungefähr nach folgendem Muster:
Das klassische Intro, das meist nur aus wenigen Hi-Hats und Beats besteht. Abstrahiertes, meist nur mehr mit wenigen Tönen gespieltes, chaotisches Motiv (z. B. können zwei unterschiedliche Motive übereinandergelegt werden.) Melodisches, meist mit wenigen Samples bearbeitetes Motiv Das „Out-Going“ verläuft fast identisch wie das Intro.
Der moderne Aufbau orientiert sich meist am folgenden Muster; Abweichungen zwischen Intro und Outro sind jedoch nicht ungewöhnlich:
Ebenfalls das klassische Intro, das hier aus einer verkürzten Hardstyle-Kick, dem sogenannten „Tok“ und Hi-Hats besteht und sich progressiv aufbaut. Die erste Anti-Climax, die einem „Build-Up“ folgt und meist aus einem chaotischen Motiv mit Screech-Sounds besteht. Melodisches Motiv, das über ein „Build-Up“ in die Climax übergeht und dort mit der Hardstyle-Kick harmonisch begleitet wird (findet im Subgenre Rawstyle nicht statt). Eine weitere Anti-Climax (gelegentlich aggressiver oder chaotischer als die vorangegangene Anti-Climax) Das „Outro“ verläuft fast identisch wie das Intro.
Das Typische am klassischen Hardstyle ist der Grundrhythmus, der two-step, bei dem die ursprüngliche Soundarchitektur eines klassischen Technosongs (Bassdrum, Hi-Hat, Snaredrum, Hi-Hat) benutzt wird, jedoch die Snaredrum klanglich beispielsweise an eine Reflexion von großen Hallenwänden erinnert. Dieser Trick verursacht beim Zuhörer den Eindruck, dass die Musik eine besondere Durchschlagskraft besitzt. Häufig werden auch Claps, Hi-Hats und Snaredrum gemeinsam auf die Bassdrum gelegt, wie man es schon im Hardcore Techno/Gabber kannte, was den „verhärtenden“ Effekt noch steigert. Aus diesem Grund kann Hardstyle in einigen Fällen im Gegensatz zu Hardcore Techno auf Übersteuerung verzichten.
Auch das verspielte Hantieren mit Beats, Bassline (Offbeat), Snaredrums und Co. ist für diese klassische Form charakteristisch, aber nicht zwingend. Zusätzlich sind in späteren Werken die Kicks und der Bass an die Melodie angepasst und haben somit auch den Zweck einer sekundären Begleitung. Ein weiteres Merkmal sind die abrupten Aussetzer des Rhythmus (Break) und dessen ebenso abrupte „Rückkehr“; auch müssen Rhythmus und Motiv nicht im selben Tempo sein.
Im modernen Hardstyle wurde, wie oben erwähnt, der „Reverse-Bass“ nicht mehr benutzt. Dies wurde damit ausgeglichen, dass die Kick einen sehr viel längeren und voluminöseren Klang bekam, der in der Tonhöhe variieren kann. Es gibt allerdings noch moderne Formen des Reverse-Bass-Hardstyles, die auch regelmäßig auf Festivals wie Defqon.1 und Qlimax gespielt werden. Einige Hardstyle-Produzenten und -Fans lehnen die moderne Form ab und sehen nur den „Reverse-Bass“ als richtigen Hardstyle an.
Die Samples sind von Beginn an typisch aus Filmen oder populären genrefremden Musikstücken entnommen und werden je nach Künstler entweder sinnbezogen eingesetzt oder dienen zur weiteren musikalischen und stimmungsunterstreichenden Untermalung ohne textlich logischen Zusammenhang. Zunehmend werden vor allem im Euphoric Hardstyle die Liedtexte direkt von Vocalists oder dem Künstler selbst eingesungen. Auch diese vermitteln überwiegend lediglich Inhalt durch Stichworte ohne Kohärenz im Kontext, wie im Sampling üblich.
Geschichte Die Auslegung von Begriffen zur Kategorisierung eines Musik-Subgenres ist oft regional unterschiedlich und kann von der örtlichen Szene stark geprägt werden. Deshalb kann es auch verschiedene Varianten zur Entstehungsgeschichte geben.
Die Ursprünge des Hardstyles liegen unverkennbar im Hard Trance zur Zeit der Jahrtausendwende. Einige deutsche, italienische und niederländische DJs produzierten zunehmend Tracks mit wesentlich stärker verzerrten Beats als im Hard Trance üblich, wobei die Bassdrum nahezu unmoduliert war. Zudem verschwanden die Hi-Hats im Off-Beat, und Screeches orientierten sich am Hardcore Techno. Der Synthesizer-Wellenform der SuperSaw wurde beibehalten, ebenso wie das Konzept der Überlagerung von Snares und Claps auf den Kicks. Die ersten Tracks waren sehr repetitiv und einfach gehalten ohne melodischen Motive. Einflüsse aus dem Hardcore Techno und dem Acid House sind bei den frühen Tracks noch gut erkennbar.
Während Hardstyle um das Jahr 2000 noch in Szeneclubs Beliebtheit erfuhr, gewann er zunehmend an Popularität und spaltete sich vom Hard Trance mit der Zeit immer mehr ab. Labels wie Q-Dance wurden gegründet und jährlich stattfindende Festivals organisiert wie die Qlimax, Defqon.1 und X-Qlusive.
Um 2005 hatte sich der Hardstyle vollständig etabliert, melodische Elemente waren der Standard und stark verzerrte Kicks mit lang klingendem Ausläufer lösten den Reverse-Bass zunehmend ab. Produzenten wie Showtek und Headhunterz waren einem breiten Publikum bekannt und machten den Nu-Style massentauglich. Melodien waren typisch einfach gestrickt, im Vergleich zu früher aber aufwendiger und weniger dunkel.
In den folgenden Jahren begannen einige Produzenten wieder auf die rohe Eigenschaft des frühen Hardstyles zu setzen. Der Anti-Climax war beliebt, und Screeches fanden wieder häufiger Verwendung. Die zunehmende Popularität dieser harten Charakteristik spaltete das Genre in den Rawstyle und den Euphoric Hardstyle.
Um 2011 waren die beiden Lager nun soweit getrennt, dass sich Labels nun gänzlich auf eines dieser Subgenres fokussierten und Festivals die Stages dahingehend aufteilten. Auf der einen Seite stand der kitschig-melodische Euphoric Hardstyle, auf der anderen der am Early Hardstyle orientierte Rawstyle.
Die Produzenten des Hardstyles stammen nach wie vor überwiegend aus den Niederlanden und Italien; es ist zu beobachten, dass zunehmend internationale Produzenten in den Fokus rücken. Populäre Festival-DJs bauen immer häufiger Hardstyle-Tracks in ihre Sets ein und machen diesen damit einem immer breiterem Publikum zugänglich.
Seit 2014 macht sich eine Rawstyle-Welle bemerkbar, bei der die Produzenten aufgrund ihrer unkreativen Gestaltung der Tracks kritisiert werden. Hauptkritik liegt auf der immer gleichen Verwendung von Screeches, Kickrolls und erzwungenen Konkurrenz, möglichst am härtesten zu klingen. Die Unterschiede zum Hardcore Techno lägen teilweise lediglich im Tempo.
Um 2017 herum fand die Bassline aus dem Psytrance Einzug in die Hardstyle-Szene. Hauptsächlich propagiert von dem Lied The Project von Sub Zero Project wurde sie immer beliebter, und immer mehr Produzenten verwenden eine harte Psy-Bassline im Midintro. Diese Art von Hardstyle wird auch Psystyle oder Hardpsy genannt.
Sub Genres Early-Hardstyle Charakteristisch für Hardstyle in seiner ursprünglichen Form (umgangssprachlich inzwischen „Early-Hardstyle“, seltener auch „Old-School-Hardstyle“ genannt) sind harte Beats und in den meisten Fällen der hardstyle-typische Reverse-Synth, ein monotones, meist effektiertes Synthesizergeräusch im Off-Beat mittlerer bis tiefer Frequenz, das rückwärts gespielt der Bassdrum angehängt wird. Beide Klänge werden technisch meistens so bearbeitet, dass sie akustisch miteinander verschmelzen und dieser sogenannte „Reverse-Bass“ beim Hörer einen harten, druckvollen und meist rhythmischen Klangeindruck erzeugt. Nicht selten kommt beim Early-Hardstyle der bereits in den 1990er Jahren, vorwiegend beim Hardcore Techno verwendete Hoover-Sound in unterschiedlichen Modulationen zum Einsatz. Diese ursprüngliche Form des Hardstyles ist aufgrund des monotonen Reverse-Basses zum Spielen von Noten weniger geeignet. Melodien spielen deshalb nur eine untergeordnete Rolle.
Nu-Hardstyle (Euphoric Hardstyle) Seit etwa 2005 tritt in Hardstyle-Tracks häufig eine neue Variante von Beats auf. Dabei wird dem eigentlich kurzen Beat ein Offbeat direkt angehängt, der (meist erzeugt durch einen simplen Synthesizer mit Effektierung) in der Lage ist, Noten zu spielen. Dadurch wirkt es, als würde der Beat selbst die Tonlage ändern, wobei dieser die Tonlage gar nicht ändert. Aus dem Klang entwickelte sich auch die heute gewöhnliche und charakteristische Hardstyle-Kick. Durch diese Technik ist es möglich, in Tracks mehr Harmonien unterzubringen, wie es beispielsweise im Hard Trance üblich ist (Bassline). Dies blieb, wie oben beschrieben, im ursprünglichen Hardstyle meist aus. Die Technik, diesen Subbass einzusetzen, bezeichnet man mittlerweile als „Nu-Hardstyle“, „Nu-Style“, die modernere Form, in der der Subbass weggelassen wird und nur die Kick in der Tonhöhe variiert und begleitet, nennt sich Euphoric Hardstyle. Einige Hardstyle-Fans lehnen diesen Stil ab, da er ihrer Meinung nach das Genre zu „weich“ und kommerziell macht. Einige der bekanntesten Vertreter des Nu-Style sind Headhunterz (seine frühen Werke), Wasted Penguinz, Brennan Heart und Coone, die diese Technik in fast allen ihrer Tracks einsetzten, jedoch heute mit der modernen Hardstyle-Kick arbeiten. Derzeit werden hauptsächlich Euphoric-Hardstyle-Tracks publiziert, der klassische Hardstyle wurde seit 2008 nahezu komplett von der Bildfläche verdrängt und wird kaum noch produziert.
Raw-Hardstyle Raw-Hardstyle oder Rawstyle ist eine Stilrichtung des Hardstyles, die sich dadurch auszeichnet, dass sie härter und wesentlich weniger melodisch ist als Nu-Hardstyle. Die Geschwindigkeit liegt wie beim Early und Nu-Style gewöhnlich um 150 bpm und der Aufbau eines Tracks ist ebenfalls ähnlich. Der Unterschied zu den alternativen Stilen besteht in der Verwendung von „harten“ Elementen, wie kreischenden und quietschenden Synths (u. a. sog. Screeches) und Industrial-Elementen.
Die härtere Charakteristik wird vor allem erreicht durch eine starke Hervorhebung der Bassdrum, die in den meisten Tracks sehr dominant heraussticht und in der Regel einen betont kräftigen Punch, tiefe verzerrte Bassresonanzen und einen ebenfalls sehr dunklen, flatternden Ausläufer (tail) hat. Der wesentliche Unterschied zur Hardstyle-Kick im Nu-Style ist, dass die Kick selten über eine bestimmbare Tonhöhe verfügt. Über die Kick können zusätzlich die Snaredrum, Hi-Hats und Claps gelegt werden, die diese nochmals voller und massiver klingen lassen; auch stark verzerrte Kicks, die typisch für den Hardcore Techno sind, finden Einsatz. In früheren Rawstyle-Tracks fand wie im Early Hardstyle hauptsächlich der Reverse-Bass Verwendung.
Ein weiteres Charakteristikum für den Rawstyle ist der kreischende oder quietschende Lead-Synth, der entweder passend zur Kick niedrige Frequenzen hervorhebt, oder als Kontrast zu diesem mittlere und höhere. Eine starke Modulation lässt den Lead beabsichtigt oft sehr misstönig klingen. Zudem wird der Synth des Öfteren nur als begleitendes Element zur Kick genutzt, im Gegensatz zum Nu-Style, bei dem die Gewichtungen vertauscht sind. Der Synth spielt meist keine großen melodischen Motive; melodiegebende Instrumente sind in einigen Tracks vorwiegend Screeches, kürzere dissonant quietschende Geräusche. In dieser Hinsicht entfernt sich der Rawstyle von seiner Ursprungsform, indem vermehrt auf diese rohe Eigenschaft gesetzt wird, auch sind heutige Tracks sehr Industrial-lastig. Weiterhin ist für viele Rawstyle-Tracks die Anti-Climax typisch. Auf dieser wird wie auf den normalen Höhepunkt, die Climax, langsam steigernd aufbauend hingeleitet, diese ist jedoch im Gegensatz dazu nach dem Drop stark abstrahiert und enthält in der Regel bis auf die Kick, Screeches und begleitende Elemente keine klimaktische Melodie und Begleitung.