Ubstadt-Weiher () ist eine Gemeinde im Norden von Baden-Württemberg bei Bruchsal.
Geographie Geographische Lage Ubstadt-Weiher liegt an der Grenze zwischen Rheinebene und Kraichgau im Norden des Landkreises Karlsruhe. Durch das Gemeindegebiet fließt der Kraichbach (auch „die Kraich“), der hier den Katzbach aufnimmt. Auf der Gemarkung des Ortsteils Stettfeld kurz nach der Katzbacheinmündung wird ein Kanal namens Kriegbach vom Kraichbach abgeschlagen. Der Ortsteil Weiher liegt in der Rheinebene, der Ortsteil Zeutern im Kraichgau, die Ortsteile Ubstadt und Stettfeld direkt am Kraichgaurand. Zwischen den Ortsteilen Ubstadt, Stettfeld und Weiher liegt das Naturschutzgebiet Bruch bei Stettfeld, welches einen der wenigen naturbelassenen Reste der Kinzig-Murg-Rinne darstellt.
Nachbargemeinden Benachbart sind die Gemeinden Bad Schönborn, Forst (Baden), Hambrücken sowie die Städte Bruchsal, Kraichtal und Östringen.
Gemeindegliederung Ubstadt-Weiher mit seinen 13.358 Einwohnern besteht aus vier Ortsteilen (in Klammern Einwohnerzahl vom 31. August 2025) mit den zugehörigen Kleinorten / Wohnplätzen: Ubstadt (4.484): Häuser Bahnhofsiedlung, Bahnstation Ubstadt-Weiher Weiher (3.617) Stettfeld (2.259): Höfe der Hardtsiedlung, Gewerbegebiet Sand (direkt an Weiher anschließend) Zeutern (2.998): Haus Gasthaus zur Waldmühle, Wüstung Bösingen
Ein Kuriosum ist das im Jahr 2007 geschaffene Gewerbegebiet Sand im Ortsteil Stettfeld, das wegen seiner unmittelbar an den Ortsteil Weiher angrenzenden Lage laut Beschilderung zum geschlossenen Ortschaftsbereich des Ortsteils Weiher zählt.
Flurdaten Naturschutzgebiete: 164 ha Rebflächen: 96 ha Grünland: 897 ha Ackerflächen: 1.477 ha sonstige Flächen: 211 ha
Gemarkungsflächen Ubstadt-Weiher: 3.648 ha OT Ubstadt: 992 ha OT Weiher: 955 ha OT Stettfeld: 526 ha OT Zeutern: 1.175 ha Siedlungsfläche: 456 ha Wald: 898 ha (438 ha Gemeinde; 460 ha Staat) Flur: 2.294 ha
Wasserhärte In Ubstadt-Weiher (Stand Mai 2025): weich
Calciumcarbonatgehalt (Millimol / Liter): ±1,5 mmol/l Gesamthärte (°dH = Grad Deutscher Härte): ±8 °dH
Klima Das Klima ist für die Rheinebene und die Region Karlsruhe typisch warm, an den Südhängen der Kraichgauausläufer ist Weinbau möglich, in der Rheinebene wird Spargel angebaut.
Geschichte Ubstadt-Weiher Das Gebiet von Ubstadt-Weiher war nachweislich schon in der jüngeren Stein- und Bronzezeit besiedelt.
Ubstadt-Weiher entstand im Rahmen der baden-württembergischen Gemeindereform als Vereinigung der vorher eigenständigen Gemeinden Weiher und Ubstadt am 1. April 1970. Am 1. September 1971 wurde Stettfeld und am 1. Januar 1972 Zeutern eingemeindet. Bis 1973 gehörte die Gemeinde (und zuvor die einzelnen Ortsteile) zum Landkreis Bruchsal, der dann im Landkreis Karlsruhe aufging.
Stettfeld 60px|rahmenlos|links Die frühesten Spuren menschlicher Besiedlung im heutigen Ortsteil Stettfeld sind Gefäßscherben der Linearbandkeramischen Kultur (etwa 5700–4900 v. Chr.). Auch aus der Urnenfelderkultur (etwa 1300–800 v. Chr.) sind Siedlungsspuren auf der Gemarkung nachgewiesen worden. Ab dem 5. vorchristlichen Jahrhundert lässt sich eine keltische Besiedlung ausmachen.
Im Bereich des heutigen Ortsteils Stettfeld entstand um 120 n. Chr. eine römische Siedlung, der Vicus Stettfeld, am Kreuzungspunkt der wichtigen Fernstraßen Basel–Mainz und Augsburg–Speyer. Der antike Name dieses Ortes ist nicht bekannt. Im Umfeld der Siedlung wurde unter anderem ein auf die Produktion von Ziegel und Töpferwaren spezialisierter Großbetrieb ausgegraben; zudem wurde eine große Villenanlage nordöstlich der heutigen Ortschaft nachgewiesen.
Der heutige Ort Stettfeld ist erstmals für das Jahr 1241 bezeugt, als Bischof Konrad V. für das Hochstift Speyer die Güter des Rudolph von Kislau im Ort aufkaufte. Wie das gesamte Gebiet kam auch Stettfeld durch die Mediatisierung aufgrund des Reichsdeputationshauptschlusses 1803 an das Großherzogtum Baden. Ganz langsam vergrößerte sich der Ort, die Lebensbedingungen besserten sich und eine der ersten deutschen Eisenbahnlinien durchquerte die Gemarkung. Die industrielle Entwicklung in Bruchsal, die Errichtung einer Zigarrenfabrik im Ort und der Bau der Nebenbahn Bruchsal–Hilsbach im Jahre 1897 brachten gute Verdienstmöglichkeiten und einen gewissen Wohlstand. Durch die Randlage zwischen Kraichgau und Oberrheinischer Tiefebene können auf Stettfelder Gemarkung zwei Sonderkulturen angebaut werden. Neben dem Wein des Kraichgau findet man auch die Spargel der Hardt. Am 1. September 1971 gab die Gemeinde Stettfeld im Zuge der Gemeindereform ihre Selbständigkeit auf und kam als kleinster, wohl aber ältester Ortsteil zu der Gemeinde Ubstadt-Weiher.
Ubstadt 60px|links Bereits 769 wird im Lorscher Codex Ubstadt erstmals als Hubestat erwähnt. 46 Jahre später erscheint es dann als in „pago Greichgowe“ gelegen. Über Obestat (1161), Hubestat (1294) fand der Ortsname im Jahr 1705 zu seiner heutigen Schreibweise. Das ganze Mittelalter hindurch, bis zum Jahr 1802, gehörte Ubstadt zum Hochstift Speyer und war damit unter fürstbischöflicher Herrschaft, bevor es durch die Regelungen des Reichsdeputationshauptschlusses zur damaligen Markgrafschaft Baden kam. Am 23. Juni 1849 lieferten während der Badischen Revolution nach dem verlorenen Gefecht bei Waghäusel hier badische Truppen ihren preußischen Verfolgern ein erfolgreiches Rückzugsgefecht.Zum Gefecht bei Ubstadt siehe Wilhelm Blos: Die Deutsche Revolution. Geschichte der Deutschen Bewegung von 1848 und 1849. Dietz, Stuttgart 1893, S. 584f., Abb. S. 583 Den Gefallenen sind ein Freischärler-Gedenkstein und die Preußensäule an der B 3 gewidmet.Gemeinde Ubstadt-Weiher (Hrsg.): Historischer Rundgang durch Ubstadt (PDF). Informationen 10a und 10b. Im 19. und 20. Jahrhundert entwickelte sich das Dorf, dessen Bevölkerung um 1.200 Personen schwankte, bedingt durch den allgemeinen Strukturwandel vom reinen Bauerndorf mehr und mehr zum Arbeiterdorf. Drei Auswanderungswellen in Notzeiten brachten Einbrüche in der Bevölkerungszahl, bevor sie sich auch durch den Zuzug von zahlreichen Heimatvertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg zunehmend stabilisierte und gleichmäßig zunahm. Im Jahre 1970, zum Zeitpunkt der Fusion mit Weiher, stellte sich Ubstadt als fast 3.000 Einwohner zählende Gemeinde mit mehreren Klein- und Mittelbetrieben dar.
Weiher 60px|links Für das Gebiet des Dorfes Weiher lassen sich mit ziemlicher Sicherheit drei Siedlungszeiträume benennen. Aufgrund von Funden aus der mittleren bis späten Bronzezeit in Sand- und Kiesgruben im Gewann Öläcker (zwischen Weiher und Stettfeld gelegen) in den 1920er bis 1950er Jahren ist der erste Siedlungszeitraum protokeltischen Ursprungs (in diesem Bereich lassen sich Bestattungen von ca. 1600 bis ca. 750 v. Chr. nachweisen). Der zweite Siedlungszeitraum geht zurück auf römische Gutshöfe entlang einer alten Römerstraße auf Stettfelder Gemarkung. Laut archäologischen Funden im 19. und 20. Jahrhundert etwa um 75 n. Chr. bis spätestens ca. 260 n. Chr. Der dritte Siedlungszeitraum schließlich beginnt mit der Entstehung eines Weilers auf Ubstadter Gemarkung, vermutlich im 8. oder frühen 9. Jahrhundert. Im Lorscher Codex (Codex Laureshamensis) ist zum 8. Januar 863 eine Schenkung beurkundet. Auf der Gemarkung Ubstadt („villa Hubestat in Creichgowe“) schenkt Berhtrat dem Kloster Lorsch (St. Nazarius) einen „Weiler und alles, was ich dem Abgesandten [...] gezeigt habe.“
Es wird vermutet, dass dieser Weiler „Weiher“ im Laufe des späten 11. Jahrhunderts zunächst an die Grafen von Calw und dann an die Herren von Kislau (ein 1237 ausgestorbenes Adelsgeschlecht) gefallen ist. Im 13. Jahrhundert lassen sich durch zeitgenössische Urkunden (die Herren von Wilre wurden erstmals 1194 erwähnt) Markward von Wilre und dessen Nachkommen als Besitzer der Burg und des Dorfes Weiher bestimmen. Zentrum des Weilers war damals ein burgartig angelegter Gutshof, von dem heute noch Reste beim Pfarrberg im Südwesten des Dorfes unweit der Pfarrkirche St. Nikolaus zeugen. Mit dem Verkauf Weihers an das Fürstbistum Speyer am Fronleichnamstag, dem 4. Juni 1282, beginnt die gut 520 Jahre dauernde Geschichte der Zugehörigkeit der Pfarrei Weiher zum Fürstbistum Speyer. Am 27. Februar 1548 verkaufte der damalige Speyerer Fürstbischof Philipp von Flersheim (1481–1552) der Gemeinde Weiher „sein Schloß oder Haygüter zu Weiher, Wiesen, Äcker und Gärten“. Von dem „Schloß“ hieß es in dem Vertrag u. a.: „Und wenn es auch zerstört ist, so steht es dennoch…“.
Nach dem Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 fielen die rechts-rheinischen Gebiete des Fürstbistums Speyer zur Entschädigung für die verlorenen links-rheinischen Gebiete an die Markgrafschaft Baden. So ging mit dem rechts-rheinischen Teil des Fürstbistums Speyer auch Weiher nach etwas mehr als 520-jähriger Zugehörigkeit zum Speyerer Bistum an das ebenfalls 1803 entstandene Kurfürstentum Baden (ab 1806 Großherzogtum Baden).
Die Einwohnerzahl stieg im 19. und 20. Jahrhundert von 580 Einwohnern im Jahre 1809 auf nahezu 3000 im Jahr 1970. Zwangsläufig musste im Laufe dieser Zeit die Infrastruktur angepasst werden. Neben einer regen privaten Bautätigkeit waren mehrere Schulhausnebenbauten sowie die Vergrößerung der Pfarrkirche (1870–72) notwendig. Weitere Stichworte in dieser Entwicklung sind der Bau der Eisenbahnlinie Heidelberg-Karlsruhe (am 10. April 1843 eröffnet), der Aufbau der Wasserversorgung und der Elektrifizierung des Ortes. Die starke Veränderung der Bevölkerungszahl zog auch zwangsläufig eine Wandlung der wirtschaftlichen Grundlage nach sich. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Landwirtschaft modernisiert und vor allem auf den Anbau von Sonderkulturen, für die der sandige Weiherer Boden besonders geeignet ist, umgestellt. Zunächst wurde in den Jahren 1830 bis 1935 in starkem Maße der Hopfenbau betrieben. Es folgte dann der Tabakanbau und schließlich bis heute die Kultur der Spargelpflanze. Mit dem Niedergang der Haupterwerbslandwirtschaft wandelte sich auch Weiher vom Bauerndorf zur Wohn- und Arbeitergemeinde. Ein großer Teil der Arbeitskräfte drängte aus der Landwirtschaft hinaus in das Gewerbe und in die Industrie. Diese hielt gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Gestalt einiger Zigarrenfabriken selbst Einzug in das Dorf. Doch brachte eine Krise dieses Industriezweiges die Tabakfabriken in Weiher um das Jahr 1930 zum Erliegen. So stellen heute die Auspendler den größten Bevölkerungsanteil. Weiher ist mit 3.609 Einwohnern (Stand 30. Juni 2026) der zweitgrößte Ortsteil von Ubstadt-Weiher.
Zeutern 60px|links mini|Alte Sankt-Martins-Kirche in Zeutern Zeutern wurde erstmals 769/770 als Ziuterna im Lorscher Codex urkundlich erwähnt. Zunächst im Besitz des Klosters Odenheim, kam der Ort 1225 an die Herren von Kislau und 1241 an das Hochstift Speyer. Das örtliche Adelsgeschlecht von Zeutern lässt sich ebenfalls bis ins 13. Jahrhundert zurückverfolgen, möglicherweise ist ihm auch Rainmar von Zweter zuzurechnen.
Im Jahr 1286 erhielt Zeutern durch eine Urkunde König Rudolfs von Habsburg Stadtrechte. In dieser Urkunde vom 13. Juni 1286 sicherte König Rudolf den Zeuterern Schutz und Freiheit zu. Mit dieser bevorzugten Behandlung hoffte der König die tatkräftige und fleißige Einwohnerschaft würde ihr Dorf zu einem Bollwerk gegen die vielen Feinde des Reiches ausbauen. Der alte Dorfkern war bisher lediglich durch eine notdürftige Mauer und einen Graben gesichert. Zeutern entwickelte sich jedoch nicht entsprechend den Vorstellungen König Rudolfs. Seine Lage erlaubte keine städtische Entwicklung und das Dorf Zeutern blieb ein Dorf.