mini|Das Symbol der koptischen Kirche ist eine Abwandlung des Jerusalemkreuzes. mini|Markuskathedrale, Kairo (1968 geweiht) mini|Schrein des Heiligen Markus in der Krypta der Kathedrale

Die Koptisch-Orthodoxe Kirche von Alexandrien (; ) oder Koptische Kirche ist die altorientalische Kirche Ägyptens mit – je nach Quelle – 5Harenberg Aktuell (von Meyers und Brockhaus herausgegeben), S. 532: 94 % Muslime gegenüber 6 % Christen insgesamt (die meisten davon Kopten) / Spiegel-dtv-Jahrbuch 2004, S. 54: 90 % Muslime gegenüber 9 % Kopten / Länderinformationen des Auswärtigen Amtes: 90 % Muslime gegenüber 6 % Kopten / CIA World Fact Book: 10 % Christen bis 11Einzig der Fischer Weltalmanach 2011, S. 48, zählt 80 % Muslime gegenüber 6 bis 15 % Kopten, führte aber 2006 noch 85 % Muslime gegenüber 12 % Kopten auf und 2003 noch 90 % Muslime gegenüber 9 bis 10 % Kopten (6 Mio. von 64 Mio.), ohne eine Erklärung für diese erhebliche Verschiebung innerhalb nur fünf Jahren zu liefern. Ebenso unerklärlich habe sich bereits zuvor innerhalb von nur zwei Jahren (vgl. Fischer WA 1996, S. 59, und Fischer WA 1998, S. 58) die Zahl der Kopten in Ägypten verdreifacht (von 2 Mio. auf 6 Mio.) und ihr Anteil damit von 4,1 % auf 10,4 % erhöht … innerhalb von nur zehn Jahren (vgl. Fischer WA 1996, S. 59, und Fischer WA 2006, S. 50) sogar vervierfacht (von 2 Mio. auf 8,1 Mio.)! Millionen Gläubigen in Ägypten. Darüber hinaus gibt es kleine koptische Gemeinden in Libyen, im Sudan und einigen anderen Ländern. Der Koptisch-Orthodoxen Kirche steht ein Papst vor, seit 2012 Tawadros II.

Name Nach der arabischen Eroberung wurde arabisch qubti/qibti (von ) die Bezeichnung für die einheimische Bevölkerung, im Gegensatz zu den Byzantinern (rum). „Koptisch“ bezeichnete also eher eine kulturelle Zugehörigkeit, während die kirchlichen Unterschiede mit den Begriffen Melchiten (unter dem Patriarchat von Konstantinopel stehend, chalcedonensisch) und Jakobiten (Konstantinopel nicht unterstellt, nicht chalcedonensisch) bezeichnet wurden. Die Selbstbezeichnung der nicht-chalcedonensischen Christen Ägyptens war Theodosianer (nach dem Patriarchen Theodosios I. von Alexandria, 535–566). Im Laufe der Zeit wurde qubti/qibti dann allgemein zur Bezeichnung der ägyptischen Christen und im 17. Jahrhundert in europäische Sprachen übernommen. Aus dieser Zeit datiert auch der Begriff Koptische Kirche. Die Selbstbezeichnung Koptisch-Orthodoxe Kirche dient der Unterscheidung von römisch-katholischen und protestantischen Kirchengründungen in Ägypten., hier S. 595.

Geschichte Die koptische Kirche geht auf das alexandrinisch-ägyptische Christentum der Spätantike (Patriarchat von Alexandrien) zurück. Die Machtkonzentration beim Bischof von Alexandria war bereits vor dem Konzil von Chalcedon eine Besonderheit der kirchlichen Hierarchie in Ägypten., hier S. 596. Als Gründer der koptischen Kirche gilt der Überlieferung nach der Evangelist Markus, der im 1. Jahrhundert in Ägypten gelebt haben soll. Nach koptischer Tradition war Markus der erste Bischof von Alexandrien, wo er 68 n. Chr. als Märtyrer starb. Deswegen wird die Kirche auch als alexandrinische Kirche bezeichnet. Ägypten wurde von der Christenverfolgung unter Diokletian (303 bis 311) besonders schwer getroffen. Die koptische Kirche, die sich von daher als Märtyrerkirche versteht, beginnt ihre Zeitrechnung nicht mit Christi Geburt, sondern mit dem Herrschaftsantritt Diokletians (Ära der Märtyrer, 29. August 284)., hier Sp. 1671.Paul Verghese: Gottesdienst und Disziplin in der koptischen Kirche. In: Ders. Koptisches Christentum (= Die Kirchen der Welt. Band 12). Evangelisches Verlagswerk, Stuttgart 1973, S. 40–48, hier S. 47.

In der Spätantike brachte die Theologenschule von Alexandria eine Reihe bedeutender Gelehrter hervor: Clemens von Alexandria, Origenes, Didymus der Blinde und Athanasius der Große. Das christliche Mönchtum (sowohl Anachoreten als auch Koinobiten) hat seinen Ursprung bei den Kopten und in dieser Kirche eine reiche Tradition, es wurde durch die hll. Antonius (um 251–356) und Pachomios (um 292–346) begründet. Die koptische Kirche ist als ganze ungewöhnlich stark vom Mönchtum geprägt. mini|Psalter von al-Mudil, 4./5. Jahrhundert (Koptisches Museum Kairo) Die formative Zeit der koptischen Kirche war das 5. bis 7. Jahrhundert. Aufgrund der Auseinandersetzungen um das Konzil von Chalcedon 451 erfolgte die Spaltung der nicht-chalcedonischen oder altorientalischen Kirchen (u. a. Syrer, Armenier, Kopten, Äthiopier) und der chalcedonischen Kirchen (orthodoxe Kirchen, katholische Kirche) über die Frage der Zweinaturenlehre. Von den chalcedonischen Kirchen als Monophysiten bezeichnet, ziehen die altorientalischen Kirchen die Bezeichnung Miaphysiten vor und sehen sich in Ablehnung der von ihnen verurteilten eigentlichen monophysitischen Lehre. Um sich von den chalcedonischen Kirchen abzugrenzen, bezeichnet sie jene als Dyophysiten. Die ägyptischen Christen lehnten die Glaubensformel von Chalcedon (Jesus Christus habe zwei Naturen gehabt, die aber „unvermischt, unverwandelt und ungetrennt“ gewesen seien) mehrheitlich ab; Aufstände wurden mit byzantinischer Repression beantwortet. Es war einerseits die Politik Kaiser Justinians, andererseits die Organisationstätigkeit des Jakob Baradäus, die eine eigenständige koptische Kirche begründeten, hier S. 597. – wenn auch noch nicht unter diesem Namen. Die großen Klöster Ägyptens mussten die kaiserliche Religionspolitik mittragen, aber Gründergestalten des koptischen Mönchtums (Abraham, Apollo, Manasse) gründeten neue Klöster, die sich zu Zentren des Widerstands gegen die Glaubensformel von Chalcedon entwickelten. Koptisch wurde Literatursprache (Pisenius von Keft, Konstantin von Siut, Johannes von Parallus, Rufus von Sotep), wobei die Gebildeten sowohl Griechisch als auch Koptisch beherrschten., hier S. 598.

Der Persereinfall (616–628) ging anfangs mit Repression sowie Kirchen- und Klosterzerstörungen einher, später stützten sich die Perser aber auf die koptische Kirche, da diese keinen Grund hatte, einen Anschluss an das Byzantinische Reich zu wünschen. Nach Abzug der Perser erhielt Bischof Kyrus, genannt Kauchius (arabisch al-Muqauqis) von Kaiser Heraklios den Auftrag, die theologische Einigung mit der Ägyptischen Kirche durch die Kompromissformel des Monotheletismus zu erreichen. Nachdem dies auf Widerstand stieß, griff Kyrus zu Repression, was die ägyptische Bevölkerung dem byzantinischen Reich vollends entfremdete. In nur etwa zwei Jahren konnte ʿAmr ibn al-ʿĀs zunächst Ägypten und dann Alexandria erobern., hier S. 599.

Die islamische Eroberung Ägyptens im Jahr 642 beendete zunächst die byzantinischen Verfolgungsmaßnahmen, so konnte der koptische Patriarch Benjamin I. aus dem Exil in Oberägypten nach Alexandria zurückkehren, und die Kirche erhielt Gebäude und Landbesitz zurück., hier Sp. 1672. Die Araber behielten die byzantinische Verwaltung Ägyptens bei, die personell von Kopten geleistet wurde. Dieser Verwaltungsapparat blieb konstant, während die arabischen Spitzenfunktionäre (Amir, Kadi, Schatzmeister) ständig ausgewechselt wurden., hier S. 600. Durch die hohe Steuer- und Abgabenlast kam es seit 725 zu Aufständen der christlichen Ägypter, die ihren Gipfel in der baschmurischen Erhebung 829/30 erreichten. Auf eine Phase relativer Toleranz unter den Fatimiden (mit Ausnahme des Kalifen al-Hakim) folgte verstärkte Repression in der Mamlukenzeit. Seit dem 12. Jahrhundert, kam es auch zu Massenkonversionen von Kopten zum Islam. Ungeachtet der repressiven Politik gegen die christliche Bevölkerung, stellten die Kopten immer noch Amtsträger in der Verwaltung, speziell im Finanzwesen. Deren persönliche Lage war sehr heikel., hier S. 602. Das 13. Jahrhundert brachte eine Blütezeit der koptischen Literatur in arabischer Sprache: Unter anderem Abu 'l Hair ibn al Tajjib, Petros al Sadamanti und Jusab von Achmim verfassten theologische Werke, Al Makin Girgis ein Geschichtswerk, das der muslimische Historiker al Maqrisi als Quelle nutzte. Herausragend als theologische Autoren waren drei Brüder al Safi, Hibat Allah und Abu Ishag. Abu 'l Barakat verfasste eine theologische Enzyklopädie in 24 Bänden mit dem Titel „Lampe der Finsternis und Darlegung des Dienstes.“, hier S. 604. 1321 brannten muslimische Verschwörer zahlreiche Kirchen und Klöster nieder.

Eine anlässlich des Konzils von Florenz am 4. Februar 1442 gemäß der Bulle Cantate Domino zwischen der römisch-katholischen Kirche und der koptischen Kirche geschlossene Union blieb folgenlos. 1741, 1895 und 1947 gab es weitere Unionsversuche einiger Kopten mit der römischen Kirche, in deren Folge es zur Etablierung einer konkurrierenden, rom-unierten koptisch-katholischen Kirche kam. Diese ist jedoch mit nur etwa 200.000 Gläubigen und von ihrer Bedeutung her nicht mit der koptischen Kirche vergleichbar.

hochkant|mini|Kirellos IV. Die moderne Geschichte der koptischen Kirche beginnt mit dem französischen Ägyptenfeldzug 1798/99. In der Amtszeit von Patriarch Kirellos IV. (1854–1861) fanden wichtige Veränderungen statt. Kirellos IV. gründete öffentliche Schulen für Jungen und Mädchen. Er veranlasste die Gründung einer Druckerei und gab so den Anstoß zur Abfassung koptischer Literatur in arabischer Sprache. Die Sondersteuer für Christen wurde während seiner Amtszeit abgeschafft, die Kopten zum Militärdienst eingezogen., hier S. 604f.

mini|Mönch in seiner Zelle, Pauluskloster (1930/31) Die ägyptische Verfassung von 1923 stellte Christen und Muslime formell gleich. 1954 trat die Koptisch-orthodoxe Kirche dem Ökumenischen Rat der Kirchen bei. Die Amtszeit des Patriarchen Kirellos VI. (1959–1971) war gekennzeichnet durch ein Aufblühen der Klöster; es kam auch zu Neugründungen. Seit 1964 kam es, gefördert durch den Ökumenischen Rat der Kirchen, zu Konsultationen zwischen orthodoxen und altorientalischen Kirchen (darunter die koptisch-orthodoxe Kirche), die in den kommenden Jahrzehnten eine erhebliche Annäherung erreichten.

hochkant|mini|Papst Kirellos VI. und Präsident Nasser (1967) Anlässlich der 1900-Jahr-Feier des legendären Märtyrertods des heiligen Markus weihte die Koptisch-orthodoxe Kirche im Juni 1968 ihre Neue Kathedrale in Kairo in Anwesenheit nationaler und internationaler Würdenträger ein, darunter der ägyptische Staatspräsident Gamal Abdel Nasser, Kaiser Haile Selassie, der syrisch-orthodoxe Patriarch Mar Ignatius Jakob III., Kardinal Léon-Étienne Duval als Repräsentant der römisch-katholischen Kirche, Eugene C. Blake, der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen.Bischof Anba Athanasius: Die koptische Kirche heute. In: Paul Verghese: Koptisches Christentum (= Die Kirchen der Welt. Band 12). Evangelisches Verlagswerk, Stuttgart 1973, S. 74–86, hier S. 85f. Bei diesem Anlass übergab die römisch-katholische Kirche 1968 als Geste guten Willens einen Teil der venezianischen Reliquien des heiligen Markus an die Kopten. Sie werden seitdem in der Krypta unter dem Hochaltar der Neuen Kathedrale in Kairo verwahrt. Die beiden Kirchen sahen darin einen Beginn von vertieften Beziehungen.Gemeinsame Erklärung von Papst Schenuda III. und Papst Paul VI. (1973) Papst Schenuda III. nahm 1971 an einem informellen Treffen mit Repräsentanten der römisch-katholischen Kirche in Wien teil. 1988 haben beide Kirchen eine Formulierung angenommen, durch die die in Chalcedon manifestierten theologischen Meinungsverschiedenheiten nach über 1500 Jahren weitgehend ausgeräumt wurden. Im Middle East Council of Churches nimmt die Koptisch-orthodoxe Kirche eine führende Stellung ein. Der koptische Papst steht einem Rat aller christlichen Kirchen Ägyptens vor, der sich mit alltäglichen Problemen der christlichen Minderheit befasst., hier Sp. 1673.

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