mini|330px|Abstammung des Dareios III. Dareios III. (altgriechisch Δαρεῖος; Dāriyūsch []; altpersisch Dārayavahusch, Dārayavausch; lateinisch Darius, im Schahname Dārā; * um 380 v. Chr.; † Juli 330 v. Chr. bei Hekatompylos (beim heutigen Damghan, Iran), mit dem Beinamen Kodomannos) war als Nachfolger des Arses (Artaxerxes IV.) von 336 bis 330 v. Chr. der letzte persische König des Achämenidenreichs. Er war seinem Gegenspieler Alexander dem Großen, der das persische Reich ab 334 v. Chr. eroberte, letztlich nicht gewachsen. Auf der Flucht vor dem Makedonenkönig wurde Dareios von einer Gruppe Adliger um den Satrapen Bessos ermordet.

Quellen Es sind keinerlei über Dareios III. informierende persische Quellen wie etwa königliche Inschriften vorhanden. An Primärtexten gibt es nur einige babylonische Urkunden, so eine Liste der Könige von Uruk und Dokumente astronomischen Inhalts. Die wichtigsten erhaltenen geschichtlichen Darstellungen zu Dareios III. sind die Anabasis Arrians, das 17. Buch der Historischen Bibliothek Diodors (mit großer Textlücke), die Alexandergeschichte des Curtius Rufus (erhalten erst ab dem 3. Buch), die Alexanderbiographie Plutarchs sowie das 11. und 12. Buch von Marcus Iunianus Iustinus’ Auszug aus der Philippischen Geschichte des Pompeius Trogus. Alle diese Werke wurden erst Jahrhunderte nach Dareios’ Tod verfasst und beruhen auf aus makedonischer bzw. griechischer Sicht berichtenden (heute verlorenen) hellenistischen Alexanderhistorikern wie Ptolemaios, Aristobulos und Kleitarchos.

Herkunft, Familie und frühes Leben Dareios III., ein Neffe von Artaxerxes II., entstammte einer Nebenlinie der Dynastie der Achämeniden. Er war ein Urenkel von Dareios II., Enkel des Ostanes (Namensvariante Artostes) sowie Sohn des Arsames (oder Arsanes) und der Sisygambis.Diodor, Bibliothéke historiké 17, 5, 5; Plutarch, Artaxerxes 1, 1; 5, 8; 22, 6. Laut babylonischen Quellen hieß er ursprünglich Artaschata (Artašata, auch Artashata) und nahm nach seiner Machtergreifung als dritter achämenidischer König den Thronnamen Dareios an.Ernst Badian: Encyclopædia Iranica. Band 7, S. 52. Die Glaubwürdigkeit der nur von Iustinus überlieferten Nachricht, dass Dareios III. den Beinamen Kodomannos geführt habe,Iustinus, Historiarum Philippicarum libri XLIV 10, 3, 3. ist umstritten. Er war mit seiner Schwestergemahlin Stateira verheiratet und hatte einen Bruder namens Oxyathres. Von seinen Kindern sind zwei Töchter namens Stateira und Drypetis bekannt sowie eine weitere, namentlich nicht genannte, mit einem Mithridates verheiratete Tochter, ferner zwei Söhne namens Ochos und Ariobarzanes.Vgl. Stammbaum der Achämeniden bei Alexander Demandt: Alexander der Große. Leben und Legende. Beck, München 2009, ISBN 978-3-406-59085-6, S. 591.

Über das Leben Dareios’ III. vor seiner Thronbesteigung liegen nur spärliche Informationen vor. Plutarch zufolge sei er zuerst ein königlicher Kurier gewesen.Plutarch, Moralia 326F. Er wird als mutiger Krieger beschrieben und zeichnete sich unter Artaxerxes III. in einem Feldzug gegen aufständische Kadusier in Aserbaidschan aus, bei dem er einen ihn herausfordernden Gegner im Zweikampf bezwang. Für diese Tat wurde er zum Satrapen Armeniens erhoben.Diodor, Bibliothéke historiké 17, 6, 1; Iustinus, Historiarum Philippicarum libri XLIV 10, 3, 3 ff.

Machtübernahme Der mächtige Chiliarch und Eunuch Bagoas ließ 338 v. Chr. den König Artaxerxes III. vergiften und auch alle dessen Söhne töten bis auf den jüngsten, Arses, der auf den Thron nachfolgte. Als sich Arses als nicht gefügig genug erwies, ließ Bagoas zwei Jahre später auch ihn mitsamt all seinen Kindern ermorden.Diodor, Bibliothéke historiké 17, 5, 3 f.; Claudius Aelianus, Varia historia 6, 8. Daraufhin erhob der Eunuch Artashata als Verwandten der letzten regierenden Achämeniden auf den Thron, wobei das hohe Ansehen des neuen Königs als tapferer Krieger für die Akzeptanz dieser Entscheidung durch den persischen Adel eine wesentliche Rolle spielte.Strabon, Geographika 15, 736; Diodor, Bibliothéke historiké 17, 5, 5; Arrian, Anabasis 2, 14, 5; Curtius Rufus, Historiae Alexandri Magni Macedonis 6, 3, 12. Wahrscheinlich erfolgte die Thronbesteigung Artashatas, der sich nun Dareios nannte, etwa im Mai 336 v. Chr., also einige Monate vor der Machtergreifung seines fast 25 Jahre jüngeren, künftigen Gegenspielers Alexander des Großen in Makedonien.A. Demandt: Alexander der Große. Leben und Legende. München 2009, S. 137. Der neue König erwies sich als tatkräftig. Innerhalb kurzer Zeit entledigte er sich des übermächtigen Bagoas, als dieser ihn wegen zu geringer Lenkbarkeit ebenfalls vergiften wollte. Gemäß der Überlieferung musste der Eunuch das Gift, das er dem König verabreichen wollte, selbst trinken.Diodor, Bibliothéke historiké 17, 5, 6; Curtius Rufus, Historiae Alexandri Magni Macedonis 6, 4, 10; Johannes von Antiochia, Fragment 38f. Bald nach seinem Herrschaftsantritt scheint Dareios III. auch rasch Revolten in Ägypten und Babylonien unterdrückt zu haben.Ernst Badian: Encyclopædia Iranica. Band 7, S. 52. Es ist denkbar, dass er auch in das Attentat auf Philipp II., den Vater Alexanders, involviert war.Vgl. Mads Lindholmer: The Assassination of Philip II. An elusive Mastermind. In: Palamedes Band 10, 2016, S. 77 ff.

Kampf gegen Alexander Keine anfängliche persönliche Beteiligung Dareios III. setzte neue politische Akzente, indem er eine verstärkte Allianz mit den Griechen gegen den gemeinsamen Feind Makedonien suchte. In diesem Sinn stand mit Memnon ein Grieche als einer der begabtesten Feldherren in persischen Diensten, ferner auch viele griechische Söldner und Verbannte. Andererseits kämpften auch zahlreiche Griechen auf der Seite Alexanders des Großen, der 335 v. Chr. eine Erhebung Thebens gewaltsam niederschlug, im Frühjahr 334 v. Chr. den von seinem Vater Philipp II. begonnenen Feldzug gegen das Perserreich wieder aufnahm und bei seiner Landung in Kleinasien zunächst auf keinen Widerstand traf. Traditionsgemäß überließ Dareios III. den Abwehrkampf den von Memnon unterstützten Satrapen Kleinasiens, ohne sich sofort selbst einzuschalten. Wie schon öfter geübte Praxis, ließen die Satrapen den Feind zunächst einfallen, um ihn daraufhin mit überlegenen Heeren auf ihrem eigenen Territorium zu stellen und zurückzudrängen. Ferner ordnete der Perserkönig, der die Gefährlichkeit Alexanders nicht vor dem Beginn der ersten Schlachten zu erahnen vermochte, Flottenrüstungen an, so dass ihm keineswegs Untätigkeit gegenüber der makedonischen Offensive unterstellt werden kann.Siegfried Lauffer: Alexander der Große. 3. Auflage. Dtv, München 1993, ISBN 3-423-04298-2, S. 51 und 60.

Die persische Verteidigung Kleinasiens litt darunter, dass sie unter keinem einheitlichen Oberbefehl stand. In der Schlacht am Granikos (Mai 334 v. Chr.) konnte Alexander einen entscheidenden Sieg erringen.Arrian, Anabasis 1, 14, 5 – 16, 6; etwas abweichend Diodor, Bibliothéke historiké 17, 19–21. Bei der weiteren Eroberung Kleinasiens brauchte er vorerst keinen weiteren starken Widerstand mehr zu befürchten. Dareios III. nahm dann Kontakt mit Alexandros dem Lynkesten zur Ermordung des erfolgreichen Makedonenkönigs auf; dieser Anschlag wurde jedoch vereitelt.Arrian, Anabasis 1, 25. Memnon schickte seine Familie als Geiseln zu Dareios III. und erhielt nun das Oberkommando über die persische Flotte in der Ägäis. Alexander löste allerdings seine Flotte auf und besetzte die südkleinasiatischen Küstenstädte, um die persische Flotte ihrer dortigen Operationsbasis zu berauben. Memnon eroberte Chios und Lesbos außer Mytilene; ferner suchte er den Nachschub der Makedonen über den Hellespont zu blockieren sowie eine vom spartanischen König Agis III. betriebene Erhebung gegen Alexander in Griechenland zu fördern. Nach Memnons Tod (Sommer 333 v. Chr.) fand aber sein Unternehmen keine Fortsetzung; Agis III. erhielt nur unzureichende Unterstützung und fiel schließlich Ende 331 oder Anfang 330 v. Chr. in der für Sparta mit einer Niederlage endenden Schlacht von Megalopolis.Ernst Badian: Encyclopædia Iranica. Band 7, S. 53; S. Lauffer: Alexander der Große. München 1993, S. 66; 71; 80; 100f.

Schlacht bei Issos mini|„Alexanderschlacht“ (Mosaik, Pompeji, ca. 150–100 v. Chr.) mini|Dareios (Ausschnitt aus dem Alexandermosaik)

Während Alexander auch im Winter 334/333 v. Chr. seinen Kleinasienfeldzug fortsetzte, hob Dareios III., der sich nun zur persönlichen Übernahme des Oberbefehls gegen den makedonischen Eroberer gezwungen sah, eine gewaltige Armee aus.Diodor, Bibliothéke historiké 17, 31, 1 f.; Iustinus, Historiarum Philippicarum libri XLIV 11, 8, 1. Er versäumte es aber, die leicht verteidigbare Kilikische Pforte im Taurusgebirge von einer starken Truppe bewachen zu lassen, so dass Alexander diesen Engpass relativ mühelos passieren konnte.Arrian, Anabasis 2, 4, 3 f.; Curtius Rufus, Historiae Alexandri Magni Macedonis 3, 4, 1–13. Vom Euphrat aus rückte der Perserkönig nun seinem Gegner in das kilikisch-syrische Grenzgebiet entgegen. Eine makedonische Vorhut unter Parmenion zog entlang der Küste am Ostrand des Golfes von Issos und besetzte nach Passage der ebenfalls kaum bewachten Kilikisch-syrischen Pforte vor der Ankunft des Perserheeres den über das Amanosgebirge führenden Bailan-Pass. Der östlich dieses Gebirges in der Ebene bei Sochoi befindliche Dareios III. verwarf in einem Kriegsrat den Vorschlag des makedonischen Überläufers Amyntas, hier – wo er seine Übermacht frei entfalten könne – auf Alexander zu warten. Stattdessen folgte er der Meinung seiner Höflinge, über den ebenfalls über das Amanosgebirge führenden, nicht besetzten Löwenpass nach Kilikien zu marschieren, wo sich nach der Vermutung der Perser der Makedonenkönig noch aufhielt.Arrian, Anabasis 2, 5, 1; 2, 6, 1–7; Curtius Rufus, Historiae Alexandri Magni Macedonis 3, 7, 6 f.; 3, 8, 2–12; Diodor, Bibliothéke historiké 17, 32, 2f.; Plutarch, Alexander 20, 1 ff.; dazu S. Lauffer: Alexander der Große. München 1993, S. 74f.