20 Minuten bzw. französisch 20 minutes und italienisch 20 minuti war eine kostenlose Schweizer Boulevard- und Pendlerzeitung, welche 1999 bis 2025 auf Papier erschien. Seither wird ein Onlineportal weitergeführt.
Die deutschsprachige Ausgabe 20 Minuten wurde 1999 vom norwegischen Medienkonzern Schibsted gegründet. 2005 wurde sie vom Schweizer Medienunternehmen Tamedia (seit 1. Januar 2020 TX Group) übernommen. 2006 gründete Tamedia die französischsprachige Ausgabe 20 minutes und 2011 zusammen mit laRegione die italienischsprachige 20 minuti.
Die Pendlerzeitung erschien bis zur letzten Ausgabe am 23. Dezember 2025 im Tabloidformat und präsentierte Nachrichten in kürzester und stark vereinfachter Form. Einen grösseren Stellenwert hatten boulevardeske Geschichten und der Serviceteil. Die Zeitung wurde in Zeitungsboxen an Bahnhöfen und in den Kernstädten sowie Agglomerationen nach dem Selbstbedienungsprinzip vertrieben. Sie war im Vergleich zu anderen Titeln vor allem bei der jüngeren Leserschaft gefragt. Nicht minder beliebt war die Onlineausgabe von 20 Minuten, für die es auch eine mobile App gibt. Die neue nationale Redaktion konzentriert sich seit Ende 2025 komplett aufs Digitalgeschäft.«20 Minuten» stellt tägliche Printausgabe ein, SRF, 17. Juni 2025.
Der Name «20 Minuten» entstand in Bezug auf die Zeit, die ein Pendler durchschnittlich auf seinem Weg zur Arbeit im öffentlichen Verkehr verbringt und dabei Gelegenheit hat, Zeitung zu lesen.
20 Minuten Geschichte Die Herausgebergesellschaft «20 Minuten (Schweiz) AG» bildeten Schibsted, die von Ernst Müller-Möhl gegründete «A&A Actienbank» und die britische Beteiligungsgesellschaft ApaxHistory. The development of Apax Partners. In: Website von Apax. zu gleichen Teilen.Haas: «Die geschenkte Zeitung». 2005, S. 135. Die «A&A Actienbank» wurde 2002 wegen Verschuldung zwangsliquidiert. In: Bilanz. 31. März 2002. Ihren Anteil an 20 Minuten hatten nach dem Tod Müller-Möhls 2000 die Erben Müller-Möhl übernommen.Aus von A&A Actienbank betrifft «20 Minuten» nicht. In: Klein Report. 14. August 2002. 20 Minuten wurde erstmals am 13. Dezember 1999 im Raum Zürich veröffentlicht und verdrängte die kurz darauf gestartete Konkurrenzzeitung Metropol im Februar 2002 vom Markt. 20 Minuten wurde aber auch für die wichtigste Zeitung des Tamedia-Verlags, den Tages-Anzeiger, der erhebliche Einbussen an Abonnements und Lesern hinnehmen musste, zu einer Gefahr insbesondere für das Anzeigengeschäft. 150px|mini|Früheres Logo von 20 Minuten (bis Mai 2013)
2003 drohte Tamedia, auf Basis des zu 60 bzw. 40 % im Besitz von Tamedia und NZZ befindlichen, 1999 aus dem Amtsblatt Tagblatt der Stadt Zürich hervorgegangenen Zürich Express eine Pendlerzeitung unter dem Namen Express aufzubauen, und stellte dafür die Redaktoren an. Die Berner Zeitung übernahm 17,5 % der Herausgebergesellschaft «Express Zeitung AG». Die NZZ wollte sich nicht beteiligen (der Plan sah vor, den Zürich Express in das Tagblatt der Stadt Zürich zurückzuverwandeln und dem Express beizulegen). Gleichzeitig verhandelte Tamedia mit Schibsted über eine Beteiligung und Übernahme von 20 Minuten. Kurz bevor der Express am 24. März 2003 erscheinen sollte, gab Schibsted mit der Erfahrung aus dem Kölner Zeitungskrieg, wonach ein Verdrängungskampf kostspielig und gegen den lokalen Konkurrenten kaum zu gewinnen ist, nach. Tamedia und Berner Zeitung konnten sich beteiligenPascal Ihle: Das Ende vor dem Start – Keine neue Pendlerzeitung «Express» am Montag. In: Neue Zürcher Zeitung. 22. März 2003. und die Zeitung 2005 ganz übernehmen.
Ab dem 15. Mai 2006 wurde 20 Minuten von der ebenfalls kostenlosen Abendzeitung von Ringier heute bzw. von deren am 2. Juni 2008 lancierter Nachfolgezeitung Blick am Abend konkurrenziert.Rainer Stadler: Pinkfarbene Apéro-News. In: Neue Zürcher Zeitung. 2. Juni 2008. 2007 startete als weitere Konkurrenz zu 20 Minuten die Gratiszeitung .ch,David Vonplon: So sieht die neue Gratiszeitung aus. In: persoenlich.com. 3. Juli 2007.. In: Nachrichten.ch. 19. September 2007. worauf Tamedia als Gegenmassnahme zusammen mit Basler und Berner Zeitung die Gratiszeitung News lancierte.Fünfte Deutschschweizer Gratiszeitung erstmals erschienen. In: Neue Zürcher Zeitung. 5. Dezember 2007. Zwei Jahre später wurden nach dem Scheitern von .ch beide Zeitungen wieder eingestellt.. In: Tages-Anzeiger. 4. Mai 2009.«News» wird eingestellt. In: Neue Zürcher Zeitung. 4. Dezember 2009.
Ab 2018 bezog 20 Minuten den überregionalen Sport von der neuen Tamedia-Mantelredaktion unter Arthur Rutishauser (der weiterhin Chefredaktor der SonntagsZeitung war) und betrieb neu auch den Newsexpress, der alle deutschsprachigen Newsportale von Tamedia mit Breaking News, kurzen Agentur-Meldungen, Bildstrecken sowie Live-Tickern versorgte.. Tamedia, 23. August 2017 (Medienmitteilung).Umbau bei Tamedia. Zwei konzentrierte Tamedia-Redaktionen ab 2018. In: persoenlich.com. 23. August 2017. Per 1. Juni 2021 gründete 20 Minuten ein eigenes Sportressort, die Leitung übernahm Tobias Wedermann.
Im Juli 2019 gab die Zeitung bekannt, dass Marco Boselli ab 2020 in die Unternehmensleitung von Tamedia (neu: TX Group) wechselt. Sein Nachfolger als Chefredaktor wurde Gaudenz Looser, der ab 2012 Blattmacher und ab 2016 stellvertretender Chefredaktor der Zeitung war. Auch Désirée Pomper und Lorenz Hanselmann waren Teil der dreiköpfigen Chefredaktion. Der als stellvertretender Chefredaktor tätige Lorenz Hanselmann verliess das Unternehmen per Ende März 2021.
Seit August 2022 ist Bernhard Brechbühl Geschäftsführer der 20-Minuten-Gruppe. Er kehrte nach zehn Jahren in das Unternehmen zurück, in dem er seine Laufbahn als Reporter begann und das er während rund zwölf Jahren mitgeprägt hatte. Als CEO löste er Marcel Kohler ab, der ab dem Übergabe-Zeitpunkt im Verwaltungsrat Einsitz nahm.
Am 1. Februar 2023 tauschten der bisherige Chefredaktor Gaudenz Looser und seine Stellvertreterin Désirée Pomper die Rollen. Désirée Pomper wurde die neue Chefredaktorin, und Gaudenz Looser wurde stellvertretender Chefredaktor. Die Führungsübergabe erfolgte auf Initiative von Gaudenz Looser. Am 25. Oktober 2023 kündigte die TX Group wegen der anhaltend tiefen Werbeeinnahmen Sparmassnahmen an, welche einen Stellenabbau von 35 Stellen enthalten. In der Folge protestierten am 31. Oktober 2023 mehr als 100 Mitarbeitende vor den Büros in Zürich und Lausanne. Sie forderten von der TX Group einen Sparstopp bis mindestens 2025.
Erscheinen und Auflage Es gab fünf regionale Ausgaben, Basel, Bern, Luzern, St. Gallen und Zürich (2020 während der COVID-19-Pandemie kurzzeitig eingestellt20 Minuten. Regionalausgaben erscheinen wieder. In: persoenlich.com. 11. Mai 2020.). Der Mantelteil der Zeitung wurde zentral in Zürich produziert; die Lokalredaktionen in den fünf Städten gestalteten je zwei Seiten für ihre Regionalausgabe. Insgesamt hatte die Zeitung rund 100 redaktionelle Mitarbeiter, je etwa 50 in der Print- und der Onlineredaktion.
Ab dem 30. Oktober 2008 lag jeweils am Freitagmittag das von «tilllate.com» produzierte People-Magazin 20 Minuten Friday in etwa 900 20-Minuten-Boxen sowie bei Vertriebspartnern auf. 2012 wurde «tilllate.com» zu 100 % in die «20 Minuten AG» integriert. Ende 2019 wurde die Printausgabe von 20 Minuten Friday eingestellt. Per 1. Juni 2020 wurde auch die Onlineausgabe von 20 Minuten Friday eingestellt und mit dem Lifestyle-Ressort von 20 Minuten verschmolzen.
20 Minuten war ab September 2004 die meistgelesene Tageszeitung der Schweiz mit einer WEMF-beglaubigten Auflage 2023 von 330'704 (Vj. 325'884) Exemplaren und einer Reichweite von 0,866 (Vj. 0,886) Mio. Lesern.
Wie alle gedruckten Tageszeitungen musste 20 Minuten seit einigen Jahren eine sinkende Auflage hinnehmen, wenn auch weniger stark als die Kaufzeitungen. Die Auflage fiel seit 2008 um 198'914 von 529'618 auf 330'704 Exemplare. Das entspricht einem Minus von 37,56 %. Besonders stark fiel die Auflage 2021 aufgrund der COVID-19-Pandemie, seither stieg sie wieder leicht.
Entwicklung der verbreiteten Auflage nach WEMF-Auflagebulletins (s. Details 2008, S. 4 (PDF; 216 kB). und 2023)
Online Die meisten Artikel werden auch auf der Website von 20min.ch veröffentlicht. Die Texte sind manchmal identisch, manchmal aber auch erweitert oder verkürzt. In sogenannten Bildstrecken wird oft zusätzliches Bildmaterial veröffentlicht. Auch erscheinen regelmässig Publireportagen (Werbung, die durch redaktionelle Aufmachung den Anschein eines redaktionellen Beitrages erwecken soll, in 20min.ch aber als «Publireportage» gekennzeichnet ist); möglich war eine Kombination mit 20 Minuten Friday, als dieses noch existierte.. In: Verlagsprofil 20 Minuten AG (PDF; 4 kB). Die Besucher der Website haben manchmal die Möglichkeit, Artikel zu kommentieren.
Die Website wurde am 1. Dezember 2000 aufgeschaltet und erreichte 2021 gemäss der Nutzungsstudie WEMF Total Audience 2021-1 1,251 (Vj. 1,206) Mio. Unique Users/Tag.. WEMF AG für Werbemedienforschung (PDF; 1,0 MB). Es ist damit das meistgenutzte Newsportal der Schweiz.
Als Applikation ist 20 Minuten für iOS, Android und Windows Phone kostenlos herunterladbar. Seit November 2021 können Beiträge in der App durch eine automatisierte Übersetzung in englischer Sprache angezeigt werden, andere Sprachen folgten. Die App unterstützte von 2019 bis 2021 unter anderem die Werbefunktion Beem von der Swisscom. Ebenso gibt es für iOS-Geräte die TV-Screen-App von 20 Minuten Online.
Seit dem 1. November 2017 wird Benutzern von Desktop-Browsern mit eingeschaltetem Werbeblocker der Zugang zum Online-Angebot von 20 Minuten verwehrt. Dafür besteht die Möglichkeit, den Zugang für eine Woche ohne Werbung zu kaufen oder ein Werbevideo anzuschauen und somit Artikel für 60 Minuten freizuschalten.
Kooperationen Tamedia kooperiert auch im Bereich Kleinanzeigen mit Schibsted. 2013 wurden die entsprechenden Portale von Tamedia, die 2005 gegründete «piazza.ch», und von Schibsted, das 2010 gegründete «tutti.ch», unter dem Namen «tutti.ch» zusammengelegt. Tamedia übernahm dabei 50 % des bisherigen Herausgebers von «tutti.ch», Schibsted Classified Media Switzerland AG, und Schibsted im Gegenzug 50 % des 1997 gegründeten und 2011 vollständig von Tamedia übernommenen «car4you.ch», des Anzeigenportals für Fahrzeuge.piazza.ch und tutti.ch fusionieren. In: 20 Minuten. 11. Juli 2013.
Anfang 2013 übernahm 20 Minuten AG von den Medienhäusern Metro International S.A., A-Pressen und JP/Politikens Hus 100 % der MetroXpress A/S, die die kostenlose dänische Pendlerzeitung Metroxpress sowie das dazugehörige Nachrichtenportal betreibt. Mitübernommen wurde deren 60-%-Tochtergesellschaft Soundvenue A/S.. In: Tamedia, Kurzversion des Geschäftsberichts 2013, S. 27 (PDF; 8,7 MB).
Im August 2020 wurde in Zusammenarbeit mit der Coopzeitung die «Coopzeitung Weekend» lanciert, die jeweils freitags in der Bundmitte von 20 Minuten erschien.
Kontroversen Zum 25-jährigen Jubiläum im Jahr 2024 druckte 20 Minuten eine Sonderausgabe, die an 3,26 Millionen Deutschschweizer Haushalte verteilt wurde. Auf einer Seite kamen neun Porträtbilder und Aussagen von Lesern vor, die kurz formulierten, warum sie 20 Minuten lesen. Zwei der neun Personen waren keine echten Personen, beide Bilder und ein Statement waren KI-generiert. Die Chefredaktion entschuldigte sich für die Aktion zweier Redaktoren, von der sie nichts gewusst habe und die fundamental gegen die publizistischen Leitlinien verstosse.Nick Lüthi: Fake-Leser und erfundenes Eigenlob für 3,2 Millionen Haushalte. In: Persoenlich.com, 23. September 2024, abgerufen am 25. September 2024.«Auf der 20-Minuten-App findet man das Wichtigste auf den Punkt gebracht». In: 20 Minuten, Klarstellung vom 22. September 2024.
Einstellung der gedruckten Ausgabe Ende 2025