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Das Radio Data System (RDS; , wörtlich übersetzt Radiodatensystem) ermöglicht die Übermittlung von digitalen Zusatzinformationen beim analogen UKW-Rundfunk. Die amerikanische Version ist das Radio Broadcast Data System (RBDS).
Geschichte Schon kurz nach der Einführung eines flächendeckenden Verkehrsfunk und von Zusatzdiensten wie Autofahrer-Rundfunk-Information (ARI, flächendeckend von 1974 an verfügbar) häufte sich die Kritik an diesen Lösungen. Insbesondere bemängelte die Europäische Rundfunkunion (EBU) die fehlende grenzüberschreitende Vernetzung und die Abhängigkeit von bestimmten Radioherstellern bei ARI. Mitte der 1970er Jahre formierte die EBU mehrere Expertengruppen, die Lösungsvorschläge erarbeiten sollten. Unter diesen wurde das von 1974 bis 2022 bestehende Gremium Broadcast for Motorists das einflussreichste. Es formulierte auch die wesentlichen Anforderungen an RDS.Veit Damm: Geschichte von Verkehrsinformationen als Instrument der Verkehrslenkung: Stau und mobile Gesellschaft 1960 bis 2000. In: Historische Grundlagen der mobilen Gesellschaft. Nomos, 2023, S. 181. Der technische Ausschuss der EBU arbeitete zunächst an einer europaweiten Übernahme des deutschen ARI, verwarf diese aber in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre zugunsten einer Neuentwicklung auf der Basis einer digitalen Datenübertragung.Veit Damm: Geschichte von Verkehrsinformationen als Instrument der Verkehrslenkung: Stau und mobile Gesellschaft 1960 bis 2000. In: Historische Grundlagen der mobilen Gesellschaft. Nomos, 2023, S. 184.
Das Institut für Rundfunktechnik (IRT) war in diesem Rahmen an der Entwicklung des RDS maßgebend beteiligt. Erste Ausstrahlungsversuche fanden 1983 über UKW-Sender des Bayerischen Rundfunks statt. Dessen Technischer Direktor, Frank Müller-Römer, unterstützte die Systementwicklung und die Ausstrahlungsversuche maßgeblich. Der RDS-Versuchsbetrieb wurde ab 1984 aufgenommen, offizielle Einführung in der Bundesrepublik Deutschland war der 1. April 1988. Im Verlauf des Jahres 1989 wurde RDS in den meisten europäischen Ländern verfügbar. Größeren praktischen Nutzen erbrachte das System erst in den frühen 1990er Jahren, als in seinem Rahmen unter anderem der Dienst Traffic Message Channel (TMC) eingerichtet wurde. Seit etwa 2005 sind neben klassischen Autoradios verstärkt Navigationssysteme, in die Meldungen über RDS-TMC integriert werden, ein verbreitetes Einsatzgebiet.Veit Damm: Geschichte von Verkehrsinformationen als Instrument der Verkehrslenkung: Stau und mobile Gesellschaft 1960 bis 2000. In: Historische Grundlagen der mobilen Gesellschaft. Nomos, 2023, S. 185f.
Das Radiodatensystem war in der DIN EN 62106 standardisiert. Aktuell gültige Version ist die IEC 62106 (1 bis 10), welche die Versionen vor 2018 ersetzt.
Das erste Autoradio mit RDS war das im Volvo 760 gegen Aufpreis erhältliche Volvo-Radio vom Typ SR-701. Die RDS-Erkennung wurde anfangs hauptsächlich in Autoradios verwendet, da es durch die Übertragung der Alternativfrequenzen (alternative frequencies) möglich ist, ohne Benutzereingriff automatisch die Frequenz zu wechseln und somit einem einmal eingestellten Programm zu folgen. Dies erspart das manuelle Suchen nach der neuen Frequenz, wenn das Fahrzeug auf der Fahrt den Sendebereich eines Senders verlässt. Das RDS-Signal wird in der Regel spezifisch für jeden Senderstandort erzeugt, meistens direkt am Sender.
Das RDS-Forum beschloss am 9. Juni 2015 an seiner jährlichen Sitzung in Glion, den neuen Standard RDS2 auf dem Weg zu bringen. Der Standard wurde in enger Zusammenarbeit mit den US-Kollegen von NRSC RBDS Subcommittee erstellt und bietet eine einheitliche Plattform für FM-Rundfunk und weltweite Datendienste. RDS2 wurde 2018 als eine zusätzliche und rückwärtskompatible Option in IEC 62106 Edition 4 als neuer Standard realisiert.
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Unter RDS wird nun das Protokoll von 1984 bis 2016 verstanden. RDS und RDS2 werden die neuen Versionen genannt, wobei RDS der rückwärtskompatible Teil mit den üblichen 1187,5 Bit pro Sekunde ist und mit konventionellen Empfängern funktioniert. RDS2 benötigt neue Chips bzw. Chipsätze und hat eine Datenrate von bis zu 4750 Bit pro Sekunde.
Neue Struktur des IEC 62106 Edition 4 2017 Radio Data System (RDS) – VHF/FM sound broadcasting in the frequency range from 64,0 MHz to 108,0 MHz IEC 62106-1:2018 – RDS system: Modulation characteristics and baseband coding IEC 62106-2:2021 – RDS message format, coding and definition of RDS features IEC 62106-3:2018 – Coding and registration of Open Data Applications ODAs IEC 62106-4:2018 – Registered code tables IEC 62106-5:2018 – Marking of RDS and RDS2 devices IEC 62106-6:2018 – Compilation of technical specifications for Open Data Applications in the public domain
IEC 62106-9:2021 – RBDS IEC 62106-10:2021 – Universal Encoder Communication Protocol UECP
Anmerkungen zu IEC 62106-9: Für RBDS sind nur die Differenzen zwischen RDS und RBDS beschrieben. Es geht vor allem um die PI-Code-Generierung. IEC 62106-10: UECP war früher ein eigener Standard, nun ist er von IEC 62106 miterfasst. RDS2-Befehle sind neu. Alles ist rückwärtskompatibel mit älteren Versionen des UECP.
Dienste des RDS Die Dienste des RDS sind bestimmte Arten von Daten, die gesendet und entsprechend der Datenart von den Radioempfangsgeräten ausgewertet werden. Bei der Sendung der Daten in Sendeblöcken (s. u. für das Format) wird der Dienst teilweise durch den Gruppentyp (group type, GT) definiert. Hierbei stehen 16 Gruppentypen in je zwei Versionen, A und B, also insgesamt 32, zur Verfügung. RDS2 verwendet ausschließlich den neuen Gruppentyp C. RDS groups list (engl.)
RDS bietet neben den verbreitet genutzten Funktionen für Programmkennung, Verkehrsfunk und Alternativfrequenzen weitere Möglichkeiten für Zusatzinformationen und -Dienste, die aber von den Sendern nur vereinzelt genutzt und von vielen Geräten nur teilweise unterstützt werden.
Programme Service Name Programme Service Name (PS, GT 0A/0B) ist der wohl bekannteste Dienst im RDS. Er ermöglicht die Übertragung des Sendernamens in bis zu acht alphanumerischen Zeichen. Ältere Autoradios konnten nur Großbuchstaben und Ziffern sowie eingeschränkt Sonderzeichen darstellen, wodurch manchmal wenig Spielraum für sinnvollen PS-Text bestand. Neuere RDS-Empfänger, allen voran radiotexttaugliche Geräte, müssen umfangreiche Code-Tabellen beinhalten, u. a. den lateinischen Standardschriftsatz und weitere europäische Sonderzeichen (siehe DIN EN 62106).
In jüngerer Zeit ist es in Mode gekommen, durch wechselnde PS-Anzeigen einen längeren Sendernamen, Zusatzinformationen wie den aktuell gespielten Musiktitel oder gar Werbung zu übertragen. Diese Anwendung verstößt jedoch gegen die RDS-Spezifikation und behindert oftmals die Senderspeicherverwaltung zur Auswahl des Radioprogramms in den Autoradios, worauf manche Radio-Hersteller versuchen, mit intelligenter Software den Programmnamen herauszufiltern, um somit den Nutzen des PS wiederzuerlangen.
Long Programme Service Name Long Programme Service Name (LPS, GT 15A) ist die neue Version des PS mit Berücksichtigung beliebiger Zeichensätze durch UTF-8-Kodierung. Obwohl im ASCII-Zeichensatz alle 32 Bytes nutzbar wären, beschränkt man sich auf maximal 16 Zeichen in der Anzeige. Europäische Umlaute benötigen in der Regel 2 Bytes, so kann man beliebige Namen richtig anzeigen. Chinesisch, Arabisch, Koreanisch und alles, was mit UTF-8 darstellbar ist, kann gesendet werden. RDS2 setzt generell auf UTF-8, lediglich aus Kompatibilitätsgründen wird im 2A-/2B-Radiotext und im 0A-/0B-PS-Namen der originale EBU-Zeichensatz verwendet. Dieser ist jedoch nicht mehr uneingeschränkt kompatibel zum DAB-/DAB+-Zeichensatz, weil 2016 im DAB-Standard Änderungen vorgenommen wurden.
Programme Type Programme Type (PTY, in allen ausgestrahlten GT) bezeichnet die Einteilung der Sender nach Sparten, zum Beispiel Pop-Musik, Nachrichten, Klassik oder Jazz. Die PTY-Auswahl gehört zu den Standardfunktionen üblicher RDS-Empfänger. PTY kann auch während des Programms umgeschaltet werden, sodass z. B. eine Pop-Welle während der Nachrichten „Nachrichten“ als PTY überträgt und danach wieder „Pop“.
PTY-31 PTY-31 (GT 9A) bietet (theoretisch) eine automatische Ein- und Umschaltlösung für Notfall- und Katastrophenmeldungen. Das PTY-31-Signal besitzt höchste Priorität und die RDS-Empfänger schalten automatisch den „warnenden“ Rundfunksender ein. In neueren Empfängern wird PTY-31 jedoch teilweise nicht mehr implementiert, da es zumindest in Europa nie oder nur missbräuchlich genutzt wurde. Die öffentlich-rechtliche Sendeanstalt Italiens RAI sprach diesbezüglich einige Verwarnungen gegen Privatsender wegen „station kidnapping“ aus. Die verwarnten Radiosender hatten Radiogeräte zwangsweise mittels des PTY-31-Signals auf ihr Programm umgeschaltet. Diese Umschaltung kann vom Hörer nicht mehr rückgängig gemacht werden, es sei denn, er verlässt den Empfangsbereich des (illegalen) Rundfunksenders.
Traffic Programme Ein Traffic-Programme-Signal (TP, in allen ausgestrahlten GT) wird gesendet, wenn ein Sender den sogenannten Verkehrsfunk anbietet, das heißt, wenn Informationen über Staus und Gefahren durch ein spezielles Signal angekündigt werden. Die TP-Kennung existiert seit Anbeginn von RDS und hat die bisherige ARI-Funktion zum 1. April 2005 vollständig ersetzt, welche aus Kompatibilitätsgründen für nicht-RDS-fähige Empfänger bis dahin parallel ausgestrahlt worden war.
Traffic Announcement Falls TP aktiviert ist, bewirkt ein Traffic Announcement (deutsch: ‚Verkehrsdurchsage‘, abgekürzt (TA, GT 0A/0B, auch 14B, 15B)) für die Zeit der Durchsage beispielsweise eine Erhöhung der Lautstärke (geräteabhängig) oder den Wechsel der Wiedergabe von CD/AUX zum Radio und danach wieder zurück.
Enhanced Other Networks Enhanced Other Networks (EON, GT 14A, 14B) ermöglicht den Empfang von Verkehrsfunk (TA), auch wenn der gewählte Sender kein eigenes TA-Programm anbietet. Diese Funktion wird maßgeblich von den öffentlich-rechtlichen Hörfunksendern genutzt, die damit zum Beispiel Hörern der Kulturwellen (zum Beispiel MDR Kultur) die Verkehrsnachrichten der Pop- und Jugendwellen (beispielsweise MDR Jump) zugänglich machen. Deutschlandradio Kultur nutzt EON, um auf regionalen bzw. bundeslandspezifischen Verkehrsfunk (etwa von MDR Sachsen) zu verweisen.
Wird vom Verkehrsfunksender eine Verkehrsnachricht ausgesendet, wird dies über RDS-Gruppe 14 signalisiert, was den EON-Empfänger veranlasst, für die Dauer dieser Verkehrsnachricht auf das andere Programm mit der Nachricht umzuschalten (typischerweise aus derselben Senderfamilie) und nach der Nachricht wieder zurück auf das TP-lose Ausgangsprogramm. Mit der Signalisierung einer Durchsage werden sogleich einige linkbezogene Informationen mit ausgestrahlt, wie z. B. PI des betreffenden Verkehrsfunksenders, sowie mögliche Frequenzen (AFs) zur schnellen Abstimmung des EON-Empfängers.
EON ist theoretisch auch dafür geeignet, für andere Programmtypen (PTY) wie etwa Nachrichten auf einen verbundenen Sender umzuschalten, wenn dort eine Sendung mit dem betreffenden PTY beginnt. Diese Funktion wird aber von den Sendern und Empfängern nicht genutzt.
Falls EON unterstützt wird, findet sich zumeist ein EON-Symbol auf der Gerätefront. RDS2 : EON unterstützt unter RDS2 über eine ODA 9-bit-AFs für den Fall, wo das Sendernetz Frequenzen unterhalb von 87,5 MHz verwendet.
Traffic Message Channel Der Traffic Message Channel (TMC, GT 8A) enthält kodierte Verkehrsmeldungen, die von einem Navigationssystem angezeigt und direkt zur Routenplanung genutzt werden können. Im fremdsprachigen Ausland kann der Empfänger daraus Meldungen in der eigenen Sprache generieren. TMC wurde als ODA (Open Data Application) realisiert und wird von TISA gepflegt. Das bedeutet, TMC könnte unter einer beliebigen Gruppe laufen. Aus Kompatibilitätsgründen wird er aber weiterhin unter 8A ausgestrahlt.
Alternative Frequency