mini|Werbung für das Allgemeine Lexikon der bildenden Künstler (1925) mini|hochkant|Seite aus dem Thieme-Becker. Band 26, S. 460 Thieme-Becker (seltener ThB) ist die allgemein gebräuchliche Abkürzung für das von Ulrich Thieme und Felix Becker begründete und später von Hans Vollmer fortgesetzte vielbändige Künstlerlexikon mit dem vollständigen Titel: Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Es wurde in den 1950er Jahren ergänzt von Hans Vollmers Allgemeinem Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Der Thieme-Becker-Vollmer war das umfassendste Künstler-Lexikon der Welt. Übertroffen wird er nur vom später entstandenen Allgemeinen Künstlerlexikon, das auf den Thieme-Becker-Vollmer-Einträgen basiert, diese jedoch ergänzt und wesentlich vermehrt.

Thieme-Becker Der Thieme-Becker erschien in 37 Bänden von 1907 bis 1950, zuerst im Verlag von Wilhelm Engelmann in Leipzig, ab 1911 beim Verlag E. A. Seemann in Leipzig. Das Lexikon umfasst 148.180 Künstlerbiografien sowie 15.082 versteckte, nur in anderen Einträgen erwähnte Biografien,. In: degruyter.de. die von weltweit ca. 1.200 Fachgelehrten, darunter allen führenden Kunsthistorikern der Zeit, beigesteuert wurden.

Aufgenommen wurden Bildende Künstler jeder Art (Maler, Bildhauer, Graphiker, Architekten, Designer, Fotografen, Schriftkünstler und Kunsthandwerker). Die Einträge enthalten Informationen zur Herkunft und Ausbildung eines Künstlers, dem beruflichen Werdegang, zu Hauptwerken und Ausstellungen und geben ein Literaturverzeichnis.

Bedeutung Die Bedeutung des Thieme-Becker und seine besondere Stärke liegt zum einen in den Artikeln zu den mittleren und kleineren und fast unbekannten Künstlern (die Darstellung der berühmtesten Künstler war auf höchstens 15 Seiten beschränkt); zum anderen in seinem über Europa hinausgehenden universellen Anspruch. Durch die Berücksichtigung der Antike und Regionen wie etwa Asien und den islamischen Bereich war es teilweise auch ein „Pionierunternehmen“.Martin Warnke: Alles über alle. In: Die Zeit. Nr. 5, 29. Januar 1993. Darüber hinaus haben die Einträge auch heute nach über 100 Jahren seit dem Erscheinen des ersten Bandes ihre Relevanz insofern, als trotz neuer Erkenntnisse und laufender Revisionen das zeitgenössische Urteil führender Kunsthistoriker von forschungsgeschichtlichem Interesse ist.sh: Rezension. In: BSZ Baden-Württemberg (Hrsg.): Informationsmittel für Bibliotheken (IFB). 1 (1993), 3/4 (Digitalisat). Vergleichende Untersuchungen ergaben, dass der Thieme-Becker das am häufigsten zitierte kunstgeschichtliche Nachschlagewerk ist.Christine Hennessey: The Status of Name Authority Control in the Cataloging of Original Art Objects. In: Art Documentation. Journal of the Art Libraries Society of North America. Band 5, Nr. 1, Frühjahr 1986, S. 3–10, hier: S. 5, ; Deirdre Corcoran Stam: How Art Historians Look for Information. In: Art Documentation. Journal of the Art Libraries Society of North America. Band 16, Nr. 2, Herbst 1997, S. 27–30, hier: S. 28, .

Vorläufer Im Jahr 1763 publizierte Johann Rudolf Füssli sein einbändiges Allgemeines Künstler-Lexikon,Allgemeines Künstler=Lexicon, oder: Kurze Nachricht von dem Leben und den Werken der Mahler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Kunstgiesser, Stahlschneider [et]c. [et]c., nebst einem angehängten Verzeichniß der Bildnissen, der in diesem Lexicon enthaltenen Künstler, in alphabetischer Ordnung beschrieben. Heidegger und Compagnie, Zürich 1763 (Digitalisat). dem 1779 eine einbändige ergänzte Fortsetzung durch seinen Sohn Hans Heinrich Füssli folgte.Allgemeines Künstlerlexicon, oder: Kurze Nachricht von dem Leben und den Werken der Mahler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Kunstgiesser, Stahlschneider [et]c. [et]c. Nebst angehängten Verzeichnissen der Lehrmeister und Schüler; auch der Bildnisse, der in diesem Lexicon enthaltenen Künstler. Orell, Geßner, Füeßlin und Compagnie, Zürich 1779 (Digitalisat). Dieses Werk wurde von Hans Heinrich Füssli von 1806 bis 1821 durch Supplementbände ergänzt.Allgemeines Künstlerlexicon, oder: Kurze Nachricht von dem Leben und den Werken der Mahler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Kunstgiesser, Stahlschneider [et]c. [et]c. Nebst angehängten Verzeichnissen der Lehrmeister und Schüler; auch der Bildnisse, der in diesem Lexicon enthaltenen Künstler. Erster Theil, neue ganz unveränderte Ausgabe. Erste Abteilung: A–M, Orell, Füeßli und Compagnie, Zürich 1810 (Digitalisat). Erster Theil, neue ganz unveränderte Ausgabe. Zweite Abteilung: N–Z, Orell, Füeßli und Compagnie, Zürich 1840 (Digitalisat). Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält. Erster Abschnitt: A–C, Orell, Füeßli und Compagnie, Zürich 1806 (Digitalisat). Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält. Zweyter Abschnitt: D–F, Orell, Füeßli und Compagnie, Zürich 1806 (Digitalisat). Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält. Dritter Abschnitt: G–K, Orell, Füeßli und Compagnie, Zürich 1808 (Digitalisat). Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält. Vierter Abschnitt: L–M, Orell, Füeßli und Compagnie, Zürich 1809 (Digitalisat). Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält. Fünfter Abschnitt: N–Q, Orell, Füeßli und Compagnie, Zürich 1810 (Digitalisat). Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält. Sechster Abschnitt: R, Orell, Füeßli und Compagnie, Zürich 1812 (Digitalisat). Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält. Siebenter Abschnitt: Sa – Sc, Orell, Füeßli und Compagnie, Zürich 1813 (Digitalisat). Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält. Anhang zum siebenten Abschnitt, welcher das Leben Raphael Sanzio's, und die Litteratur von dessen Werken in sich faßt, Orell, Füeßli und Compagnie, Zürich 1814 (Digitalisat). Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält. Neunter Abschnitt: T, Orell, Füeßli und Compagnie, Zürich 1814 (Digitalisat). Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält. Zehnter Abschnitt, erste Hälfte: Va – Vicentino, Orell, Füeßli und Compagnie, Zürich 1818 (Digitalisat). Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält. Elfter Abschnitt: W, Orell, Füeßli und Compagnie, Zürich 1820 (Digitalisat). Zweyter Theil, welcher die Fortsetzung und Ergänzung des ersten enthält. Zwölfter Abschnitt: X, Y, Z, Orell, Füeßli und Compagnie, Zürich 1821 (Digitalisat).

Von 1835 bis 1852 verfasste der Nürnberger Antiquar Georg Kaspar Nagler (1801–1866), das Werk von Füssli als Grundlage benutzend, das ursprünglich auf acht Bände geplante, schließlich 22 Bände umfassende Neue Allgemeine Künstler Lexicon (oder Nachrichten von dem Leben und den Werken der Maler, Bildhauer, Baumeister, Kupferstecher, Formschneider, Lithographen, Zeichner, Medailleure, Elfenbeinarbeiter etc.).Verlag E. A. Fleischmann, München 1832–1852 (Digitalisat). Ab 1858 ergänzte Nagler dieses Werk noch um fünf Bände mit den Monogrammisten.G. K. Nagler (Hrsg.): Die Monogrammisten und diejenigen bekannten und unbekannten Künstler aller Schulen, welche sich zur Bezeichnung ihrer Werke eines figürlichen Zeichens, der Initialen des Namens, der Abbreviatur desselben &c. bedient haben. 5 Bände. Georg Franz, München 1858–1879, dazu General-Index G. Hirth, München 1920 (Digitalisat).

1867 übernahm der Leipziger Verleger Wilhelm Engelmann von der Verlagsanstalt Tendler (J. Grosser) die Rechte an dem Lexikon und man ging an eine Überarbeitung, genannt Allgemeines Künstler-Lexikon, unter Leitung von Julius Meyer (1830–1893). Von 1872 bis 1885 erschienen jedoch nur die ersten drei des auf 12 bis 15 Bände angelegten Lexikons.Verlag Wilhelm Engelmann, Leipzig, Band 1, 1872: Aa–Andreani (); Rezension: W. B., Kunstchronik. Wochenschrift für Kunst und Kunstgewerbe 7, 1872, Sp. 267–269 (Digitalisat); Band 2, 1878: Appiani–Domenico del Barbiere (); Band 3, 1885 (hrsg. von Julius Meyer, Hermann Lücke, Hugo von Tschudi): Giambattista Barbieri–Giuseppe Bezzuoli (). An dieses Werk knüpfte der Thieme-Becker an, der zunächst auch im gleichen Verlag erschien.

Daneben gab es im deutschsprachigen Raum auch noch andere Ansätze zu einem Künstlerlexikon. 1888 publizierte Hermann Alexander Müller ein einbändiges Biographisches Künstler-Lexikon. Die bekanntesten Zeitgenossen auf dem Gebiet der bildenden Künste aller Länder mit Angabe ihrer Werke.Biographisches Künstler-Lexikon. Die bekanntesten Zeitgenossen auf dem Gebiet der bildenden Künste aller Länder mit Angabe ihrer Werke. Bibliographisches Institut, Leipzig 1882 (Digitalisat); 2., durch Nachträge berichtigte und ergänzte Ausgabe 1884. Dieses Werk wurde 1895 bis 1901 von Hans Wolfgang Singer als Allgemeines Künstlerlexikon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler in 5 Bänden erweitert.Allgemeines Künstlerlexikon. Leben und Werke der berühmtesten bildenden Künstler. Umgearbeitete und bis auf die neueste Zeit ergänzte Auflage, vorbereitet von Hermann Alexander Müller. Hrsg. von Hans Wolfgang Singer. Rütten & Loening, Frankfurt a. M. 1895‒1901. Band 1: A–F, 1895 (Digitalisat) Band 2: Gaab–Lezla, 1896 (Digitalisat) Band 3: Lhérie–Quitty, 1898 (Digitalisat) Band 4: Raab–Vezzo, 1901 (); Band 5: Vialle–Zyrlein. Nachträge und Berichtigungen, 1901 () dazu Band 6: Zweiter Nachtrag mit Berichtigungen, 1922 ()

Geschichte des Thieme-Becker Zusammen mit Felix Becker begann Ulrich Thieme 1898 mit vorbereitenden Arbeiten zu ihrem KünstlerlexikonSiehe auch Ulrich Thieme, Felix Becker: Künstler-Lexikon. In: Spemanns goldenes Buch der Kunst. Spemann, Berlin/Stuttgart 1901, S. 429–508 (Digitalisat)., dies ohne staatlichen Zuschuss und ohne Unterstützung einer Akademie. Thieme war entschlossen, das Werk vorerst aus eigenen Mitteln zu finanzieren. Geplant war ein 20-bändiges Werk innerhalb von zwölf Jahren herauszugeben, das die neuesten Erkenntnisse „knapp, zuverlässig und übersichtlich“Zur Geschichte des Thieme-Becker siehe Heinz Ladendorf: Das Allgemeine Lexikon der bildenden Künstler Thieme-Becker-Vollmer. In: Festschrift Hans Vollmer. Leipzig 1957, S. 5 ff. darstellt. Die Herausgeber waren sich der Schwierigkeiten und ihrer Verantwortung bewusst; in der Ankündigung, ein Jahr vor dem Erscheinen des ersten Bandes, schrieben sie:

Im Oktober 1907 erschien der Band 1 (Aa–Antonio de Miraguel) im Verlag Wilhelm Engelmann in Leipzig. Mit Band 4 (1910) trat Felix Becker als Herausgeber krankheitshalber zurück. 1911 übernahm der Verlag E. A. Seemann die Herausgabe. Von Band 5 (1911) bis Band 13 (1920) zeichnet Thieme als alleiniger Herausgeber.

Ulrich Thieme war nach seiner Herkunft so wohlhabend, dass er die Kosten für die Vorbereitung des Lexikons zunächst selbst finanzieren konnte. Die Herausgabe wurden von einer in Leipzig, Robert-Schumann-Str. 10, angesiedelten Redaktion unterstützt, deren Mitglieder selbst zahlreiche Beiträge schrieben.Angaben zu den Redaktionsmitgliedern finden sich in Band 5, ; 6, ; 8, S. VI; 9, S. V.; 10, S. V; 13, 1920, S. V; 14, 1921, S. V; 15, 1922, S. VI. Ab Band 16 wurden die Namen der Redaktionsmitarbeiter auf dem Titelblatt genannt.