Gräfelfing ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis München am südwestlichen Stadtrand von München mit prägenden großbürgerlichenTobias Mahl: Landsitze Münchner Bürger, aus "Historisches Lexikon Bayerns", Träger: Bayerische Staatsbibliothek, München, Jahr o. A., Bezug auf Gräfelfing: Bild, Index der BSB Z 42.42-1899 Volltext Villenkolonien. Der Ort besteht seit 1818 aus zwei Gemeindeteilen, die Altgemeinde Gräfelfing und Lochham.Pfarrverband St. Stefan – St. Johannes: Pfarrchronik, zitiert nach Erzbistum München , abgerufen am 15. November 2025. Hinter Grünwald ist Gräfelfing die wohlhabendsteMartin Schullerus: Gräfelfing zweitreichste Kommune Bayerns in Münchner Merkur vom 2. November 2020 Gemeinde Bayerns.
Geografie Gräfelfing liegt in der Münchner Schotterebene im Tal der Würm, kurz bevor diese in das Münchner Stadtgebiet fließt. Östlich (andere Grenze zu Martinsried) und westlich (entlang der Bahnlinie) parallel zur Würm ziehen sich jeweils Endmoränenhügel mit einem Abstand von 1,2 bis 1,5 km durch das Gemeindegebiet. Der Höhenunterschied zwischen Würm und Endmoränenhügel beträgt in diesem Abschnitt des Würmtals nur noch 5 Höhenmeter (540 m NHN bis 545 m NHN).
Richtung Norden schließen nahtlos die Münchner Stadtteile Aubing und Pasing an, östlich liegt in geringer Entfernung der Münchner Stadtbezirk Hadern. Auch mit der südlichen Nachbargemeinde Planegg ist Gräfelfing zusammengewachsen.
Für die Gemeinde sind die beiden Gemeindeteile Gräfelfing und Lochham ausgewiesen. Lochham liegt im Wesentlichen nördlich der A 96, während der Gemeindehauptort Gräfelfing südlich davon liegt.
Natur Schutzgebiet Folgendes Schutzgebiet berührt das Gemeindegebiet: Landschaftsschutzgebiet LSG Planegger Holz (LSG-00123.01)
Schneidergrube Seit den 1990er Jahren wird die Schneidergrube zum Biotop entwickelt. Die zugeschüttete Kiesgrube liegt hinter dem Bauhof an der Großhaderner Straße und ist durch Wege und Bebauung fragmentiert. Lokale Naturschützer erhalten das Biotop durch periodisches Mähen oder Lichten des Gehölzes. Das Projekt wird vom Landkreis überwiegend aus Bundesmitteln gefördert.
Der Kalkmagerrasen bietet Wildbienen und Schmetterlingen, Gebüschgruppen Singdrosseln und Gartengrasmücken einen Lebensraum. Die Zauneidechse hat Versteck- und Eiablageplätze, Molche, Kröten und Frösche laichen in den Gewässern. Zudem wurde im April 2023 der Laubfrosch gesichtet.
Erholungsgebiete mini|Paul-Diehl-Park (1992) An den westlichen Ortsrand grenzt der Kreuzlinger Forst (von der A 96 im Norden bis Pentenried (bei Gauting) im Süden).Das 5 Seen Land in Deutschland Am Ostrand liegt der Lochhamer Schlag, ein Rest des großen Waldgürtels zwischen dem Würmtal und Hadern/Laim. Seit einigen Jahren befindet sich in ihm eine einfache Holzkapelle.Johann Huber: „Ich bin mit Leib und Seele Gräfelfinger“ Beim Paul-Diehl-Park, der an der Würm und östlich des Lochham-Nordteils liegt und eine Naherholungsfunktion erfüllt, handelt es sich um die Fortsetzung des Pasinger Stadtparks, der als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen ist. An der Würm zwischen den alten Ortskernen von Gräfelfing und Lochham gibt es eine parkähnliche Grünanlage, die vor allem im Sommer für Freizeitaktivitäten genutzt wird.
Geschichte mini|Innenraum von Alt St. Stephan Frühere Zeit Nach Siedlungsspuren aus der Bronze-, Römer- und Merowingerzeit geht die erste urkundliche Erwähnung „Grefolvingas“ auf das Jahr 763 n. Chr. zurück, und zwar anlässlich einer Schenkung an das Kloster Scharnitz. Der Name verweist auf eine bajuwarische Sippensiedlung – es existieren Hypothesen, die daraus einen Sippenvater namens „Gra(u)wolf“ erschließen. Im 13. Jahrhundert wird Lochham erstmals erwähnt. Der Name geht höchstwahrscheinlich zurück auf „Lohe“, was zur damaligen Zeit einen lichten Mischwald bezeichnete. Der Sitz der Hofmarksherren Schloss Seeholzen lag an der Würm, an eben jenem Platz, an dem heute das Seniorenheim St. Gisela steht. Neuzeit Jahrhundertelang waren Gräfelfing und Lochham kleine Dörfer an der Würm. Der karge Boden ließ keinen großen Reichtum zu, und die wenigen Höfe standen unter vielfältiger Grundherrschaft. Das erste bayerische Steuerkataster 1809 führte 32 Höfe in Gräfelfing und 18 in Lochham, von denen die meisten 1876 einem Brand zum Opfer fielen. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts nahmen die Orte einen rasanten Aufschwung: Ausflugsgaststätten und Villenkolonien entlang der neuen Bahnlinie zum Starnberger See (bis 1962 Würmsee) sowie ein Fabrikviertel an der Würm brachten zahlreiche neue Bewohner in die Dörfer. Gräfelfing wurde im Zug der Verwaltungsreformen im Königreich Bayern 1818 eine selbständige politische Gemeinde, zu der auch das Dorf Lochham gehörte.
Nach dem Zweiten Weltkrieg Durch den Krieg kamen zwar die Bauplanungen zum Erliegen, die Bevölkerung nahm jedoch durch Ausgebombte aus München, Flüchtlinge und Aussiedler explosionsartig zu, was die Wohnraumbeschaffung zum Problem und zur vorrangigen Aufgabe nach Kriegsende machte. Bürgermeister Paul Diehl und Gemeinderat Winter konnten mit dem vorbildlichen Finanzierungsmodell der Wohnungsbaugenossenschaft ab 1948 die ersten Wohnungen bereitstellen. Obwohl aus Kostengründen durch Errichtung von größeren Wohnblöcken der Grundsatz der Villenbebauung aufgegeben werden musste, hielt man doch an dem seit Jahrzehnten gepflegten Ideal der „Gartenstadt“ fest. Die Bevölkerungszahl stieg kräftig an, bis sie sich etwa um das Jahr 1968 bei rund 13.000 einpendelte. Dieser Entwicklung wurde Rechnung getragen durch einen regelrechten „Bauboom“: 1955 entstand zusätzlich zur 1909 erbauten Gräfelfinger Volksschule in Lochham ein Schulgelände mit Grund- und Hauptschule sowie Gymnasium. 1968 folgte das neue Rathaus. 1965 und 1986 kamen Altenheime in Gräfelfing und Lochham hinzu sowie 1984 das Bürgerhaus am Bahnhofsplatz, wohin sich das Ortszentrum von der Würm her im Lauf der Jahre verlagert hatte. Neben die spätgotische Kirche St. Stephan war bereits 1934 eine neue Pfarrkirche (Herz-Jesu-Kirche) an der Bahnhofstraße getreten, die allerdings 1971 wieder einem Neubau weichen musste. Die neugebaute Kirche St. Stefan wurde wieder dem heiligen Stephanus gewidmet.
mini|Kunstinstallation am Rathaus Gräfelfing (Mai 1992)
In Gräfelfing hatten in der Würmstraße 13 die für die Münchener Medizinische Wochenschrift tätige Anzeigenverwaltung und der Verlag Karl Demeter ihren Sitz.Vgl. etwa Münchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. CXXV, CXXV, CXXX und CXXXIV (Karl Demeter – Anzeigen-Verwaltung). Von Anfang an bemühten sich die zu einer politischen Gemeinde vereinigten Orte trotz ihres Wachstums um den Erhalt ihres Charakters einer „Gartenstadt“ – mit lockerer Bebauung und großzügig angelegten Gärten.Annette Jäger: Abstandsgrün und Sumpfgebiet. Anders als München legt die Gemeinde Gräfelfing noch großen Wert auf ihren Gartenstadt-Charakter mit frei stehenden Häusern auf großen Grundstücken. In: Süddeutsche Zeitung vom 1. September 2017, Münchner Ausgabe, S. R 8. In der 30-jährigen kontinuierlichen Amtszeit von Bürgermeister Eberhard Reichert und seinem Vize Josef Schmid ab 1972 verlegte die Gemeinde den Schwerpunkt ihrer Aktivitäten auf den Ausbau der Infrastruktur und die Förderung kulturellen Lebens. Dieses ist auch heute noch geprägt durch Ausstellungen des KunstkreisesSinda Dimroth: Rückblick auf 33 Jahre Kunstkreis, Fassung von 2013, S. 1, Hrsg.: Kunstkreis Gräfelfing. im Rathaus, das alle zwei Jahre stattfindende Kulturfestival im Paul-Diehl-Park sowie Vorträge und Autorenlesungen der Literarischen Gesellschaft am OrtJanina Janka: Eine Erzählung vom Glanz der Freiheit, in Münchner Merkur vom 9. Dezember 2011, Joachim Gauck liest im Bürgerhaus aus seinem autobiografischen Buch Winter im Sommer - Frühling im Herbst: Erinnerungen. im Bürgerhaus. Als Kulisse für Dreharbeiten diente die Gemeinde unter anderem in der von 1987 bis 1993 gesendeten Fernsehserie Die glückliche Familie
Bevölkerungsentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 12.853 auf 13.939 um 1.086 Einwohner bzw. um 8,5 % – der geringste prozentuale Anstieg im Landkreis im genannten Zeitraum. Jahr Gemeinde Gräfelfing Gräfelfing Lochham 1871 289 205 84 1900 465 351 114 1925 1.663 1.378 285 1935 3.512 1950 9.632 6.069 3.563 1961 11.808 8.064 3.744 1970 12.781 1973 13.149 1995 13.308 1999 13.109 2005 13.001 2010 12.870 2015 13.596 2020 14.431 Die beiden Gemeindeteile Gräfelfing und Lochham bilden mittlerweile eine geschlossene Siedlung. Seit der Volkszählung 1970 wurden deshalb keine separate Einwohnerzahlen mehr ermittelt.
Politik mini|Rathaus der Gemeinde Gräfelfing Bürgermeister
Bürgermeister: Peter Köstler (CSU) Bürgermeister: Wolfgang Balk (IGG) Bürgermeister: Martin Feldner (Grüne) Vorgänger im Amt des Ersten Bürgermeisters ist Christoph Göbel.
Gemeinderat Der Gemeinderat besteht aus 24 Mitgliedern. Für die Wahlperiode 2020–2026 setzt er sich so zusammen: CSU 8 Sitze Bürgerverein Gräfelfing-Lochham 3 Sitze Interessengemeinschaft Gartenstadt Gräfelfing 5 Sitze Bündnis 90/Die Grünen 5 Sitze SPD 2 Sitze FDP 1 Sitz
Wappen
Sehenswürdigkeiten Kirchen
Alt St. Stephanmini|Die alte Kirche St. Stephan in GräfelfingSeit spätestens 1315 ist eine romanische Kirche in Gräfelfing bekannt, die an der Stelle des heutigen Gotteshauses stand. In spätgotischer Zeit (ca. 1480–1505) wurde der Altarraum von St. Stephan zu einem Polygonalchor erweitert und der heutige Sattelturm angebaut. Ab 1656 erfolgten mehrere barocke Erneuerungen, die bis heute sichtbar sind. Besonders bedeutend war zwischen 1689 und 1717 die Aufstellung des Hochaltars, geschaffen vom Schongauer Bildhauer Johann Pöllandt. St. StefanIm Jahr 1933 wurde westlich der Würm die Herz-Jesu-Kirche erbaut, die wegen der politischen Verhältnisse nicht abgeschlossen werden konnte. Aufgrund von Baufälligkeit musste die Kirche 1970 abgerissen werden und stattdessen wurde im nächsten Jahr die heutige Pfarrkirche St. Stefan errichtet. Die Saalkirche hat ein überstehendes Satteldach und einen an der Westseite freistehenden modernen Kirchturm. Der Kreuzweg wurde von Franz Hämmerle 2009 aufgehängt und 2012 um drei weitere Darstellungen außerhalb der Kirche ergänzt. Die Orgel wurde 1972 von G. F. Steinmeyer & Co. erbaut und 1992 von Orgelbau Christoph Kaps umgebaut. St. Johannes Baptistmini|Die Kirche St Johann Baptist in LochhamDas Kirchengebäude liegt an der Würm und diente als Taufkirche der Pfarrei. 1955 wurde der gotische Bau vor allem für die Am Anger lebenden Aussiedler aus Schlesien und dem Sudetenland wesentlich vergrößert und umgebaut. Dabei funktionierte man das alte Schiff zum Querhaus um und fügte Langhaus und Chor mit modernen Glasfenstern von Max Wendel an. St. Johannes EvangelistNach dem Zweiten Weltkrieg siedelten viele Vertriebene in Gräfelfing und für sie wurde 1947 St. Johannes Evangelist erbaut. Die Kirche wurde dann 1954 zur Pfarrkirche erhoben und erhielt vier Jahre später ein Pfarrheim. Auf dem Saalbau erhebt sich am Westende ein kurzer Turm über das Satteldach. Der Innenraum ist spärlich eingerichtet und der Altarbereich verfügt nur über einen Volksaltar. St. JosephDie Waldkapelle St. Joseph wurde 1922 im Auftrag von Bäckermeister Josef Schöfer erbaut und liegt nordwestlich von Gräfelfing. Der neobarocke Saalbau mit eingezogenem Polygonalchor und Vorhalle besitzt einen achteckigen Dachreiter mit Glockendach. Jährlich organisiert die Bäckerinnung dort einen Festgottesdienst.
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