Die Berliner Bauakademie, auch Schinkelsche Bauakademie genannt, war eine Institution und ein Gebäude am Schinkelplatz im heutigen Berliner Ortsteil Mitte. Die Institution wurde 1799 von Friedrich Wilhelm III. zur Ausbildung von Architekten gegründet und war eine Vorgängerin der Technischen Universität Berlin. Das ingenieurwissenschaftlich und kunsthistorisch bedeutsame Gebäude mit seiner roten Ziegelfassade wurde 1832 bis 1836 nach Plänen von Karl Friedrich Schinkel errichtet und gilt als ein früher Ursprungsbau der architektonischen Moderne. Im Zweiten Weltkrieg ausgebrannt, wurde es 1962 nach bereits begonnenem Wiederaufbau abgerissen. Am 11. November 2016 beschloss der Deutsche Bundestag, die Bauakademie wiederzuerrichten. Zu diesem Zweck besteht seit 2019 die Bundesstiftung Bauakademie; der Realisierungswettbewerb steht 2026 noch aus.
Überblick mini|Lage der Bauakademie mini|Die Bauakademie, 1838
Als Hochschule zur Ausbildung von Baumeistern verbanden sich in der Berliner Bauakademie die Fragen nach Aufbau und Organisation der modernen Bauverwaltung mit jenen nach einer angemessenen Ausbildung. Die Akademie wurde am 18. März 1799 von König Friedrich Wilhelm III. gegründet und 1801 dem Oberbaudepartement als Abteilung ein- und räumlich angegliedert. Aus dem Zusammenschluss der Bauakademie mit der Berliner Gewerbeakademie ging am 1. April 1879 die Technische Hochschule Charlottenburg – die spätere Technische Universität Berlin – hervor.
Das 1832 bis 1836 errichtete Akademiegebäude wurde auf dem Alten Packhof zwischen Kupfergraben und Friedrichswerderscher Kirche nach einem Entwurf von Karl Friedrich Schinkel errichtet. Damit war „ein ikonischer und für die Moderne wegweisender Bau“ entstanden.Rainer Haubrich: Ein Meisterwerk von Schinkel soll verhunzt werden. In: Die Welt. 21. September 2023. Er diente im Verlauf auch für öffentliche Ausstellungen, Veranstaltungen und diverse Institutionen wie die erste Bildstelle in Deutschland. Im Jahr 1837 gestaltete der Gartenbaumeister Peter Joseph Lenné den davorliegenden Freiraum, der später zu Ehren Schinkels Denkmalbauten erhielt und Schinkelplatz genannt wurde.
Nach einem Bombenangriff brannte das Akademiegebäude 1945 aus. Der bereits begonnene Wiederaufbau wurde 1956 eingestellt. Im Jahr 1962 ließ die DDR-Regierung das Akademiegebäude für den Neubau des Außenministeriums abreißen, der wiederum nach der Vereinigung durch friedliche Revolution 1996 abgerissen wurde. Seit 2004 wurde durch den Förderverein Bauakademie die Gebäudefassade mit Riesenpostern nachgebildet und eine Gebäudeecke aus Ziegel und Terrakotta wiedererrichtet. Bis 2008 wurde auch der benachbarte Schinkelplatz in historischer Gestalt wiederhergestellt. Im Jahr 2016 beschloss der Deutsche Bundestag die Rekonstruktion des Akademiegebäudes. Es soll als Forum für nachhaltiges Bauen, Städtebau und digital unterstütztes „Bauen 4.0“ dienen.
Institution mini|hochkant=1|Perspektivische Ansicht der Bauakademie, Zeichnung von Karl Friedrich Schinkel, 1833 mini|Lageplan, Grundrisse und Schnitt, Zeichnung von Karl Friedrich Schinkel, 1833
Gründung Die Bauakademie entstand aus der baulichen Fakultät der Berliner Akademie der Künste, die unter dem Kurfürsten Friedrich III. am 20. März 1699 – also fast einhundert Jahre zuvor – gegründet worden war. Der Lehrplan dieser Fakultät legte den Schwerpunkt auf die ästhetischen Elemente der Baukunst, technische Aspekte wurden kaum beachtet. Folgende Themen standen im Vordergrund:
der Begriff der Wissenschaft und ihre Einteilung, Literatur der Baukunst, zweckmäßige Einrichtung von Gebäuden unter Berücksichtigung der Eigentümlichkeiten des Landes und des Klimas, Konstruktion der Gebäude hinsichtlich Dauer und Stabilität sowie Dekoration der Gebäude.
Die Kenntnisse, welche die Schüler hieraus gewinnen konnten, wurden bis 1773 als ausreichend erachtet, als unter der Regierung Friedrichs des Großen von allen zukünftigen Baubeamten eine Ausbildung in allen zur Baukunst gehörenden Disziplinen verlangt wurde. Mitglieder des Oberbaudepartements lehrten zunächst die technischen Aspekte der Baukunst mit folgenden Inhalten: Land- und Feldmesskunst, Mechanik, Hydrostatik, Hydraulik, Aerometrie, sowie Civil- und Wasserbaukunst. Im Jahre 1790 wurde eine architektonische Klasse eingerichtet, deren Leitung der Oberhofbaurat Friedrich Becherer übernommen hatte. Diese Klasse behandelte die „Construktion und Veranschlagung der Stadtgebäude, die Geschichte und den guten Geschmack in der Baukunst und architektonisches Zeichnen“.
Reformen Die Vermittlung der technischen Baukunst erfolgte jedoch weiterhin nicht, sodass zur grundsätzlichen Veränderung dieser Situation das Oberbaudepartement beschloss, eine gänzlich neue Lehranstalt für die allgemeine Baukunst einzurichten. Die geheimen Oberbauräte Johann Albert Eytelwein, David Gilly und Heinrich August Riedel (Riedel sen.) wurden mit den Planungsarbeiten betraut und schlugen vor, dass die an der Kunstakademie bestehende architektonische Lehranstalt zu einer Bauunterrichtsanstalt mit dem Namen „Bauakademie“ umgeändert werden sollte. Nach verschiedenen Änderungen genehmigte Friedrich Wilhelm III. mit der Order vom 18. März 1799 diesen Plan. Damit hatten sich die Baubeamten als entschiedene Protagonisten einer eigenständigen Architektenausbildung, wie sie sie seit 1797 in der von ihnen herausgegebenen „Sammlung nützlicher Aufsätze und Nachrichten die Baukunst betreffend“ konzipiert hatten, durchgesetzt.Karl-Eugen Kurrer: The History of the Theory of Structures. Searching for Equilibrium. Ernst & Sohn, Berlin, ISBN 978-3-433-03229-9, S. 937–941. An der Spitze der neuen königlichen Bauakademie standen die vier oben angeführten Oberhofbauräte, die sich im Direktoriumsvorsitz jährlich abwechselten. Der Auftrag der Anstalt lautete: „Publicandum wegen der vorläufigen Einrichtung der von Seiner Majestät höchstselbst gestifteten allgemeinen Bauunterrichtsanstalt; der Zweck der Anstalt sei die theoretische und praktische Bildung tüchtiger Feldmesser und Baumeister.“
Friedrich Becherer lehrte Baukonstruktion, Johann Albert Eytelwein Mechanik und Hydraulik, Heinrich August Riedel Deichbau und David Gilly Schleusen-, Brücken-, Hafen- und Wegebau. Als Lehrer wurden weiter eingestellt: Heinrich Gentz für Stadtbaukunst, Salomo Sachs für Maschinen-Zeichnen, Riedel jun. für ökonomische Baukunst, Aloys Hirt für Geschichte der Baukunst, Friedrich Gilly für Optik, Perspektive und Zeichnen sowie Paul Ludwig Simon für Bauphysik. Die offizielle Eröffnung fand am 21. April 1799 statt, der Unterricht begann jedoch erst am 1. Oktober 1799. Aus Anlass des 200. Jahrestages der Gründung der Berliner Bauakademie fand vom 3. Dezember 1999 bis zum 30. Januar 2000 an der TU Berlin die Ausstellung: 1799–1999 Von der Bauakademie zur Technischen Universität Berlin. Geschichte und Zukunft statt.1799–1999. Von der Bauakademie zur Technischen Universität Berlin. Geschichte und Zukunft. Hrsg. v. Karl Schwarz i. A. des Präsidenten d. TU Berlin. Ernst & Sohn, Berlin 2000, ISBN 3-433-01735-2.
Anfang August 1831 stellte Friedrich von Schuckmann, Minister des Innern für Handels- und Gewerbe-Angelegenheiten,Handbuch über den Königl. Preußischen Hof und Staat für das Jahr 1831, S. 92. beim König Friedrich Wilhelm III. den von Peter Beuth entworfenen und begründeten Antrag zur Namensänderung der Bauakademie in „Allgemeine Bau-Schule oder Allgemeines Bau-Institut.“GStA PK I. HA Rep. 89 Nr. 20399, fol. 18 v Begründet wurde er damit, dass in ihr „großentheils die Gegenstände gelehrt werden, welche man heut zu Tage von einem tüchtigen Bauhandwerker fordert. Eine eigentliche Hochschule kann eine Anstalt nicht seyn, welche sich mit den Elementen beschäftigt. Wenn übrigens Offiziere eine Allgemeine Kriegsschule besuchen, wird es Feldmessern wohl anstehen, eine Allgemeine Bau-Schule zu besuchen. Ich muß ferner glauben, daß diese Namensveränderung die Wiederherstellung der verloren gegangenen Disciplin in der Anstalt erleichtern werde. Die Zöglinge sahen sich bisher als Studenten an und jeder Kontrolle ihrer Studien überhoben, so wie zu allen Mißbräuchen befugt, welche sich in die akademischen Hörsäle eingeschlichen haben.“GStA PK I. HA Rep. 89 Nr. 20399, fol. 19 r
Ende August 1831 genehmigte Friedrich Wilhelm III. den beantragten „Vorschlag, dem Institute fernerhin den Nahmen der allgemeinen Bauschule beizulegen.“GStA PK I. HA Rep. 93 B Nr. 32, fol. 34 r Anfang Mai 1848 äußersten 83 Mitglieder der allgemeinen Bauschule dem Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten gegenüber die Ansicht, „daß die bisherigen Bestimmungen, betreffend die allgemeine Bauschule, gänzlich unhaltbar geworden sind, da sie jeder freien, wissenschaftlichen und künstlerischen Entwickelung hemmend entgegentreten und nur gegeben scheinen, um den angehenden Architekten schon in der Studienzeit an den Zwang der Büreaukratie zu gewöhnen“. Sie sprachen den Wunsch aus, „daß die Bauschule sofort in eine Bauakademie mit vollständiger Lehr- und Lernfreiheit verwandelt werde“ und die Bestimmungen der Bauprüfungen dahin geändert sehen wollten, „daß die Staatsprüfungen unabhängig seien von allen beizubringenden Zeugnissen über theoretische Vorbereitung in den Bauwissenschaften“.GStA PK I. HA Rep. 93 B Nr. 32, fol. 94 r/v
Zu den ersten Direktoren der Bauakademie zählen der Architekt und preußische Baubeamte Friedrich August Stüler von 1848 bis 1865, der Architekt Richard Lucae von 1873 bis 1877 und der Maschinenbau-Ingenieur und spätere Professor und Gründungsrektor der Königlichen Technischen Hochschule Charlottenburg Hermann Wiebe von 1877 bis 1879. Diese entstand aus der Zusammenführung der Gewerbeakademie mit der Bauakademie.
Wandlung Am 1. April 1879 erfolgte der Zusammenschluss der Bauakademie mit der Berliner Gewerbeakademie zur Königlichen Technischen Hochschule zu Berlin in Charlottenburg, aus der später die Technische Universität Berlin hervorging. Damit endete nach 180 Jahren die Geschichte der Berliner Bauakademie als Ausbildungseinrichtung.
Gebäude mini|Thielsches Haus, 1891, von 1806 bis 1836 Sitz der Bauakademie mini|Berliner Bauakademie, Foto von 1888 mini|„Eine auffallende Ähnlichkeit mit den Formen des Fürstenhofs (Wismar) zeigt die neue Bauakademie in Berlin, und in der That soll deren Erbauer – Schinkel – den Plan zu seinem Werke dem Fürstenhof entlehnt haben.“ (Die Gartenlaube, 1892) mini|hochkant|Treppenhaus nach dem Umbau 1873/1874, Foto von 1911 mini|hochkant|Originales Portal der Bauakademie, eingebaut in der ehem. Schinkelklause am Kronprinzenpalais mini|hochkant|Fassadenachse 8 Ost, Zeichnung von Horst Draheim
Entstehung Nach provisorischer Unterkunft am Boulevard Unter den Linden neben dem Hotel Stadt Rom bezog die Bauakademie mit dem Oberbaudepartement 1800 die zweite und dritte Etage der neuerrichteten Münze am Werderschen Markt. 1806 erfolgte der Umzug in das Thielsche Haus an der Ecke Zimmerstraße/Charlottenstraße.
Zwischen 1832 und 1836 wurde das Akademiegebäude auf dem Alten Packhof zwischen Kupfergraben und Friedrichswerderscher Kirche nach einem Entwurf von Karl Friedrich Schinkel realisiert. Die Bauausführung lag bei Emil Flaminius. Das Bauwerk galt in seiner Konstruktionsweise als revolutionär für das 19. Jahrhundert. Es handelte sich dabei laut Hermann Parzinger „um das erste maßgebliche profane Rohziegelgebäude in Preußen“. Das Stützenraster hatte in jeder Richtung acht Achsen mit 5,55 m Abstand und gab so eine mathematisch exakte Gliederung vor. Die Vormauerung aus roten, unverputzten Ziegelsteinen beinhaltete Schmuckterrakotten programmatischen Inhalts.Hermann Parzinger: Schinkel neu denken. Vollendung der Mitte: Berlins Bauakademie sollte wiedererrichtet werden – als Architekturmuseum. In: Der Tagesspiegel. 11. Oktober 2016, S. 19. Mit der Vollendung des Gebäudes erfüllte sich auch Schinkels langgehegter Wunsch nach besseren Arbeits- und Wohnverhältnissen.