mini|Hohenschäftlarn
Schäftlarn ist eine Gemeinde im oberbayerischen Landkreis München an der Isar gelegen. Ein Ort namens „Schäftlarn“ existiert in der Gemeinde nicht. Hauptort und Sitz der Gemeindeverwaltung ist Hohenschäftlarn.
Geographie Gemeindeteile Die Gemeinde hat fünf Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Ebenhausen (Pfarrdorf) Hohenschäftlarn (Pfarrdorf) Kloster Schäftlarn (Kirchdorf) Neufahrn (Kirchdorf) Zell (Kirchdorf) Das Gebiet der Gemeinde und der Gemarkung Schäftlarn sind deckungsgleich.
Natur Folgende Schutzgebiete berühren das Gemeindegebiet: Landschaftsschutzgebiet Verordnung des Bezirks Oberbayern über den Schutz von Landschaftsteilen entlang der Isar in den Landkreisen Bad-Tölz-Wolfratshausen, München, Freising und Erding als LSG (LSG-00384.01) Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Oberes Isartal (8034-371)
Geschichte Um 762 wurde das Benediktiner-Kloster Schäftlarn durch Waltrich, einen Freisinger Domkleriker, gegründet. Ab 1140 gehörte das Kloster dem Orden der Prämonstratenser. Der Ort Hohenschäftlarn wurde erstmals 778 erwähnt, er gehörte als geschlossene Hofmark zum Kloster. Zell ist um 1160 bezeugt, aber vermutlich weit älter. Ebenhausen erscheint urkundlich frühestens 1130 unter dem Namen Emmenhusen. Neufahrn wird erstmals 1140 erwähnt.
Das Kloster Schäftlarn spielte eine geschichtliche Rolle bei der bayerischen Volkserhebung von 1705, als sich dort die Rebellen zum Marsch auf München trafen, als dessen Folge es zur Sendlinger Mordweihnacht kam. Der Klosterkomplex wurde 1702 bis 1760, die Kirche St. Georg zu Hohenschäftlarn 1729/30 letztmals neu erbaut. Wie alle bayerischen Klöster wurde Schäftlarn durch die Säkularisation aufgelöst. Die Gebäude wurden verkauft, u. a. wurden hier eine Steingutfabrik, eine Brauerei und ein Mineralbad betrieben. Die 1807 eröffnete Heilbadeanstalt nutzte die alkalischen Mineralquellen, die am Isarhang entspringen. Mehr als 300 Badegäste unterzogen sich jährlich einer Bade- und Trinkkur. 1845 erwarben die Englischen Fräulein das Klostergebäude samt Bad und führten den Badebetrieb weiter. Mit der Übergabe des Klosters an die Benediktiner im Jahr 1866 wurde das Bad mehrheitlich nur noch von Geistlichen genutzt und um 1890 geschlossen.
mini|Rathaus der Gemeinde Schäftlarn Schäftlarn wurde im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern 1818 eine selbständige politische Gemeinde. 1866 stiftete der ehemalige König Ludwig I. von Bayern das Kloster als Benediktinerkloster neu und förderte die Errichtung einer Schule. Das bekannte Klostergymnasium mit Internat gründeten die Schäftlarner Benediktiner 1884. 1910 wurde Schäftlarn wieder zur Abtei erhoben.
Im Jahr 1873 wurde der Gemeindename Hohenschäftlarn amtlich in Schäftlarn geändert.
Mit der Eröffnung der Isartalbahn im Jahr 1860 entwickelten sich Kloster Schäftlarn, Hohenschäftlarn, Zell und Ebenhausen zu beliebten Ausflugszielen und schließlich zu einem Treffpunkt der Münchner Bohème. Einblick in diese Zeit gibt der Roman Jules et Jim (1953) des französischen Schriftstellers Henri-Pierre Roché. Basierend auf Tagebucheinträgen schildert das Buch die Liebesgeschichte von Henri-Pierre Roché, Franz Hessel und Helen Hessel, die Anfang der 1920er-Jahre in der Villa Heimat in der Nähe des Bahnhofs Hohenschäftlarn lebten. Das Buch wurde 1962 von François Truffaut mit Jeanne Moreau, Oskar Werner und Henri Serre unter dem gleichnamigen Titel – Jules und Jim – verfilmt.
Bis 2001 war Ebenhausen Sitz der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), die seither in Berlin residiert.
Am 14. Februar 2022 kam es auf der Isartalbahn am Rand des Bahnhofs Ebenhausen-Schäftlarn in einem eingleisigen Abschnitt zum Eisenbahnunfall von Ebenhausen-Schäftlarn, einem Frontalzusammenstoß zweier Züge der Linie S 7, von denen der eine in Fahrtrichtung München, der andere in Richtung Wolfratshausen unterwegs war. Dabei wurde ein 24-jähriger Fahrgast getötet, 18 Menschen wurden verletzt, sechs von ihnen – darunter die beiden Triebfahrzeugführer – schwer; 25 Mitfahrende aus beiden Zügen wurden ambulant versorgt. Insgesamt befanden sich 95 Menschen an Bord der beiden Triebwagen. In einem Zwischenbericht der Bundesstelle für Eisenbahnunfalluntersuchung wurde festgestellt, dass einer der beiden Triebfahrzeugführer zweimal Vorschriften grob missachtet hatte.
Ortsname Der Name kommt von althochdeutsch Sceftilaron (‚bei den Speermachern‘).
Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs die Gemeinde von 4848 auf 5853 um 1005 Einwohner bzw. um 20,7 %.
Politik Bürgermeister Der seit 2020 amtierende Erste Bürgermeister ist Christian Fürst (CSU). Er wurde am 8. März 2026 für dieses Amt wiedergewählt. Zweiter Bürgermeister ist Michael Waldherr sen. (GemeindeUnion Schäftlarn), Dritte Bürgermeisterin ist Susanne Dichtl (CSU).
Gemeinderat
Der Gemeinderat besteht aus dem ersten Bürgermeister und den Gemeinderatsmitgliedern. Die 20 Gemeinderatsmitglieder werden seit Mai 2026 von folgenden Gruppierungen gestellt:
CSU: 7 Sitze GRÜNE: 6 Sitze GU: 4 Sitze FDP: 2 Sitze SPD: 1 Sitz
Die Gemeinderäte von Grünen und SPD bilden eine Fraktion.
Wappen
Sehenswürdigkeiten Baudenkmäler
Die Klosterkirche des Klosters Schäftlarn ist ein Juwel des Rokokos. Von 1733 bis 1740 wurde unter François de Cuvilliés d. Ä. ein Neubau begonnen; von 1751 bis 1760 wurde der Bau von Johann Baptist Gunetzrhainer und Johann Michael Fischer vollendet. 1754 bis 1756 malte und stuckierte Johann Baptist Zimmermann die Kirche aus. 1756 bis 1764 stellte Johann Baptist Straub die Altäre und die Kanzel auf. Eine über mehrere Jahre laufende Generalsanierung wurde im Juli 2011 abgeschlossen. Pfarrkirche St. Georg: Der heutige Bau wurde 1729 durch den Münchner Maurermeister Johann Georg Ettenhofer begonnen und bereits nach 13 Monaten abgeschlossen Die Kirche St. Michael im Ortsteil Zell ist das älteste Kirchengebäude der Gemeinde. Laut einer Tafel an der Kirche wurde sie am 1. Dezember 1206 von Bischof Otto II. geweiht. Die Kirche wurde im 13./14. Jahrhundert wohl auf der Grundlage eines bereits vorhandenen Gebäudes errichtet. Ausbauten erfolgten im 15. Jahrhundert und 1730.
Bodendenkmäler
Birg
Museen Heimathaus der Gemeinde Schäftlarn: Das 1846 errichtete Haus gibt Einblick in die Lebenswelt eines Kleinstbauern des 19. und 20. Jahrhunderts.Heimathaus der Gemeinde Schäftlarn
Verkehrsanbindung Isartalbahn (München–Wolfratshausen(–Bichl: stillgelegt)): S7 (Wolfratshausen – München Hauptbahnhof) Bahnstationen: Ebenhausen-Schäftlarn, Hohenschäftlarn
Linie Linienverlauf
Bus Schäftlarn wird durch zwei Regionalbuslinien des MVV erschlossen.
Linie Linienverlauf Verkehrsunternehmen Starnberg Nord – Schäftlarn – Starnberg Nord RVO Icking – Mörlbach – Farchach – Berg, Grafstraße – Mörlbach – Aufkirchen – Höhenrain – Allmannshausen RVO
Straßenverkehr Autobahn 95: (München–Garmisch), Ausfahrt Nr. 5 – Schäftlarn Bundesstraße 11: (München–Innsbruck)
Öffentliche Einrichtungen Schulen Gymnasium der Benediktiner Schäftlarn Grundschule Schäftlarn
Freizeit- und Sportanlagen TSV Schäftlarn e. V. 1921 Fußballplätze Tennishalle Beachvolleyball-Anlage Skaterplatz
Persönlichkeiten Mit Schäftlarn verbunden Franz Hessel (1880–1941), Schriftsteller und Übersetzer, lebte von 1919 bis 1922 in Hohenschäftlarn Alfred Hessel (1877–1939), Historiker, lebte von 1919 bis 1922 in Hohenschäftlarn Helen Hessel (1886–1982), Modejournalistin, lebte von 1919 bis 1922 in Hohenschäftlarn Stefan Hessel (1917–2013), später Diplomat und Essayist, lebte von 1919 bis 1922 in Hohenschäftlarn Colette Lorand (1923–2019), Opernsängerin, lebte von 1983 bis zu ihrem Tod in Ebenhausen Christian Meier (* 1929), wohnt in Hohenschäftlarn Thomas Demand (* 1964), Künstler, ist in Schäftlarn aufgewachsen Tim Walter (* 1975), Fußballtrainer, lebt in Schäftlarn Ulla Lohmann (* 1977), Fotojournalistin und Dokumentarfilmerin, lebt in Schäftlarn
Weblinks
Gemeinde Schäftlarn Katholische Kirchen in Schäftlarn (PDF; 1,7 MB)
Einzelnachweise
Kategorie:Ort an der Isar Kategorie:Ersterwähnung 778 Kategorie:Gemeindegründung 1818