mini|Seán Gallagher (2011) Seán Gallagher (* 7. Juli 1962) ist ein irischer Geschäftsmann und Politiker (einstiges Mitglied von Fianna Fáil). Er trat zur irischen Präsidentschaftswahl 2011 als jüngster von sieben Kandidaten an und unterlag Michael D. Higgins.
Gallagher lebt zusammen mit seiner zweiten Ehefrau in Blackrock im Süden von Dundalk, im County Louth.
Leben Seán Gallagher wurde 1962 in der Grafschaft Monaghan als Sohn von John Gallagher aus Killygordon, Co. Donegal, und dessen Frau Anne geb. Bracken aus Tullamore, Co. Offaly geboren. Er kam mit einem angeborenen Augenkatarakt (Linsentrübung) auf die Welt und musste deshalb im Alter von drei Jahren operiert werden. Nach eigenen Angaben kann er als Folge davon einzelne Gesichter in einer Gruppe von Menschen nicht scharf erkennen. Aufgewachsen und zur Schule gegangen ist er in Ballyhaise in der Grafschaft Cavan. Sein Latein- und Französischlehrer war Seán Brady, der spätere Primas von Irland und Erzbischof von Armagh. Nach seinem Schulabschluss (ir. Leaving Cert) im Jahr 1980 besuchte er das Agricultural College in Ballyhaise in Cavan, wo er zum ersten Mal über den Jugendverband Ógra Fianna Fáil mit der Fianna-Fáil-Partei (FF) in Kontakt kam. Dieser Kontakt sollte die nächsten 25 Jahre nicht abreißen, so dass er viele Jahre später, im Jahr 2009, sogar in den Exekutivrat der Partei Fianna Fáil National Executive gelangte. Zwar streitet er heute nicht ab, eng mit dieser Partei, die Irland an den Rand des Staatsbankrotts geführt hat, verbandelt gewesen zu sein (Gallagher hat sich in einer TV-Show selbst als „aus dem Genpool von Fianna Fáil stammend“ bezeichnet), beharrt jedoch darauf, heute ein völlig unabhängiger Kandidat zu sein. Anfang der 1980er Jahre kaufte er sich eine Farm und betätigte sich zunächst als Landwirt. Im Jahr 1985 besuchte er die NUI in Maynooth, wo er Kurse in Youth and Community Development (Sozialarbeit) belegte. Nach Tätigkeiten in Landwirtschaft und Sozial- und Gemeindearbeit wurde er schließlich für den Vollzeitjob der Wahlkampforganisierung für das Fianna-Fáil-Parlamentsmitglied Rory O’Hanlon in dessen Wahlkreis Cavan-Monaghan engagiert und stieg dann auf bis zum stellvertretenden Leiter des Louth County Enterprise Board. O’Hanlon, der von 1987 bis 1991 irischer Gesundheitsminister war, ernannte ihn in diesem Rahmen auch zum „political secretary“. Als O’Hanlons Karriere 1992 endete, verschwand auch Gallagher für die nächsten 14 Jahre aus dem öffentlichen FF-Blickfeld.
Die 1990er Jahre Er wechselte nun vollständig das Metier, indem er zunächst als „Massage-Therapeut und Fitnesslehrer“ tätig wurde. Dann wollte er Geschäftsmann werden und plante eine Fitnesscenterkette zu eröffnen. Aus diesen Plänen wurde jedoch nichts. 1995 bis 2000 war er beim Louth County Enterprise Board als „assistant chief executive“ beschäftigt. Im Jahre 1997 heiratete er Irene McCausland, die er während seiner Arbeit beim Louth County Enterprise Board kennengelernt hatte. Die Ehe hielt jedoch nicht lange und endete 1999 mit Scheidung und Annullierung der Ehe. Gallagher sagte später, dass er durch das kurze Ehe-Intermezzo angeblich gelernt habe, „aufrechter zu sein und schneller die Wahrheit zu sagen“.
Ab 2000 Im Jahr 2000 erlangte er einen MBA-Abschluss (Master of Business Administration) der University of Ulster und des Dundalk Institute of Technology. Im Jahr 2002 nahmen seine Geschäftsinteressen dann schärfere Konturen an und Gallagher gründete zusammen mit seinem alten Freund aus Louth County Enterprise Board-Tagen, dem Werkzeugmacher Derek Roddy, in Dundalk die Firma für Hauselektronik Smarthomes. Doch bereits im Jahr zuvor, 2001, hatte er eine Vorläuferfirma Home Wiring Systems (HWS) gegründet, die von eben jenem Louth County Enterprise Board, wo beide früher beschäftigt waren und Gallagher von 1995 bis 2000 als „assistant chief executive“ sogar eine der Schlüsselpositionen besetzte, ein Darlehen in Höhe von 20.000 Euro erhalten hatte, welches in 25395 Anteile an der Firma HWS zu einem Euro pro Anteil umgewandelt wurde. Ein Jahr danach gründete er Smarthomes und erklärte später, dass beide Firmen letztlich das gleiche Geschäft betrieben. Die Gründung unter dem neuen Namen habe er vorgenommen, weil er fürchtete, dass die Leute den Namen HWS missverstehen würden und an eine ganz gewöhnliche Elektroinstallationsfirma dächten. Nachdem zuvor alle zukunftsträchtigen und lukrativen Aktivitäten nach Smarthomes verschoben worden waren, stellte HWS im Jahr nach der Gründung von Smarthomes seine Geschäftstätigkeit ein. Zurück bei HWS blieb allerdings die Eigentümerbeteiligung, die Louth County Enterprise Board dort hatte. Im Jahre 2005 wollte Louth Enterprise Board deshalb sein Geld von Gallagher zurück, was dieser jedoch verweigerte, weil er meinte, dass die Beteiligung aus Firmenanteilen bestanden habe und da die Firma HWS nun nicht mehr existiere, sei das Geld damit auch weg. Es folgte ein jahrelanger Rechtsstreit, der erst im Jahre 2008 beigelegt wurde. Angeblich soll Gallagher einen Teil der Summe zurückerstattet haben. Über dessen Höhe schweigen sich beide Parteien jedoch aus.
Zurück zur FF Welche Kontakte er zu Fianna-Fáil in den Jahren zwischen 1992 und 2006 unterhielt, darüber ist wenig bekannt. Dass die Beziehung jedoch weiter bestand, zeigt seine Teilnahme an einem FF-Treffen in Killarney im November 2005, wo er sogar als Leiter einer FF-Gruppe aus Louth genannt wird. Im Jahre 2006 kehrte er öffentlichkeitswirksam in die Fianna-Fáil-Politik zurück, nachdem der Dáil-Abgeordnete Séamus Kirk, der fürchtete seinen Sitz für Louth an Sinn Féin zu verlieren, Gallagher gebeten hatte, für ihn den Wahlkampf als „director of elections“ zu organisieren. Die von Gallagher nahezu säbelrasselnd republikanisch angelegte Wahlkampfstrategie ging auf und Kirk gewann die Wahl. Die Firma Smarthomes hatte sich (auch dank Abwicklung von HWS) in den ersten vier Jahren nach der Gründung so positiv entwickelt, dass Gallagher nicht nur Finalist für den Entrepreneur of the Year Award von Ernst & Young wurde, sondern obendrauf noch im Dezember 2006 der damalige Taoiseach Bertie Ahern (ebenfalls FF) die neue Smarthomes-Firmenzentrale in Dundalk mit großspurigen Versprechungen für die Zukunft eröffnen konnte. Im Jahr 2008 wurde Seán Gallagher dann als Jury-Mitglied (sogenannter dragon) bei der RTÉ One-TV-Version von „Dragon's Den“ (Drachenhöhle) angekündigt und startete damit seine TV-Karriere. Bei dem heute noch laufenden TV-Format werden Geschäftsideen vorgestellt, die anschließend von Risikokapitalgebern (dragons) bewertet werden. Gallagher nahm sowohl an der ersten Staffel im Jahr 2009 als auch an den Folgestaffeln im Jahr 2010 und 2011 teil. Im Jahre 2009 wurde er für den Wahlbezirk (constituency) von Louth als Delegierter in den Ard Comhairle (engl.: Fianna Fáil National Executive), also dem Nationalen Exekutivrat von Fianna Fáil gewählt. Allerdings behauptete er in einem RTÉ News at One-Interview im Juli 2011, um sein Verflechtungsprofil niedrig zu halten, dass ihn der Exekutivrat eigentlich nicht interessiert habe und er lediglich an zwei Sitzungen teilgenommen habe. Die Frage, warum er sich dann überhaupt erst in den Rat habe wählen lassen, kommentierte er mit der Behauptung, für Subunternehmer aus seinem Wahlbezirk Louth, die übers Ohr gehauen worden seien, etwas tun zu wollen. Nachfragen bei örtlichen Parteimitarbeitern in Louth ergab jedoch, dass dies überhaupt nicht seine Aufgabe gewesen sei. Er bleibt jedoch dabei, wie in dem Interview im Irish Independent vom 11. Oktober 2011 zu lesen ist, dass er vor Ort in Louth so beschäftigt war, sich um diverse Gruppen wie Freiwilligeninitiativen und Gemeindegruppen zu kümmern, sowie kleine Start-Up-Unternehmen zu unterstützen, dass für den Rat keine Zeit mehr übrig gewesen sei. Tatsächlich existiert ein Beschwerdebrief des Comhairle Dáilcheantair (engl. Constituency Council, eine Art Wahlbezirksrat) vom Sommer 2010 an die Parteizentrale von Fianna Fáil, in dem der Rücktritt von Gallagher gefordert wird, weil er sich bei den Sitzungen nicht blicken ließe. Er habe dann im September 2010 mündlich versichert, zurückzutreten, wollte mit der formellen Bestätigung jedoch bis zum Januar 2011 warten. Ob diese Hinauszögerung des Ausscheidens mit eventuell in Frage stehenden finanziellen Optionen zusammenhing oder ob er lediglich taktisch die weitere Entwicklung der sich deutlich verschlechternden Situation abwarten wollte, ist bislang noch ungeklärt. Trotzdem behauptete er in einer Reihe von Interviews, dass er seit 2009 keine aktive Rolle mehr bei FF gespielt habe. Offiziell endete seine Mitgliedschaft im Nationalen Exekutivrat von Fianna Fáil schließlich am 5. Januar 2011, als er in einem Brief an den Generalsekretär Seán Dorgan seinen Rückzug mitteilt. Allerdings ist in dem Schreiben von einem Parteiaustritt nicht die Rede. Im Gegenteil. Er teilte mit, dass er keine Zeit für den Besuch der lokalen Wahlbezirksversammlungen in Louth habe und deshalb den FF-Exekutivrat verlassen möchte. Er schreibt ausdrücklich in dem Brief vom 5. Januar 2011, dass er „weiterhin Dorgan und dessen Kollegen in der Fianna Fáil gerade in diesen für die Partei schwierigen Zeiten unterstützen möchte“. Jedoch deutet er im Nachhinein diese Passage so, dass eigentlich nur zum Ausdruck bringen wollte, dass er seinen ehemaligen Kollegen für ihren weiteren Weg alles Gute wünsche, er jedoch in Zukunft seine eigenen Wege gehen werde. Sein Parteiaustritt vollzog sich nach seiner Sichtweise über mehrere Stufen. Demnach habe er nur an zwei Sitzungen des FF-Exekutivrats teilgenommen, im Juli und im Dezember 2009. Am 1. März 2010 sei er dann als Mitglied aus der Ravensdale Cumann, seiner örtlichen FF-Organisation in der Grafschaft Louth, ausgeschieden. (Dies betrachtet er heute im Nachhinein als den eigentlichen Parteiaustritt.) Mündlich habe er dann im September seinen Ausscheiden aus dem Exekutivrat angekündigt, dessen formale schriftliche Bestätigung am 5. Januar 2011 erfolgt sei. Danach scheint er den Brief vom 5. Januar nicht nur als Rückzug vom Exekutivrat, sondern als letzte Stufe des Ausscheidens und somit auch als formell abgeschlossenen Parteiaustritt zu betrachten. Wie bei Politics.ie nachzulesen ist, gab ein Sprecher von Gallagher auf Nachfragen an, dass dies der letzte Brief von Gallagher an FF sei und das Gallagher nicht mehr Mitglied der Partei sei. Auch der erneute Hinweis, dass in dem Brief lediglich der Rückzug vom Exekutivrat angekündigt wird, nicht jedoch ein Parteiaustritt, wird vom Sprecher bestätigt, gleichzeitig jedoch weiter darauf beharrt, dass Gallagher nicht mehr Parteimitglied sei. Nach Angaben von örtlichen Aktivisten soll er jedoch bis Dezember 2010 noch ernsthaft darüber nachgedacht haben, für FF anzutreten. Als er jedoch starken Gegenwind aus den örtlichen eigenen Reihen verspürte, habe er es sich dann anders überlegt. Tatsächlich stimmten bei der lokalen Abstimmung über die Präsidentschaftskandidatur seine vier FF-Kollegen nicht für ihn als Kandidaten, sondern für Mary Davis, die in der Vergangenheit zwar keine solch starke FF-Verflechtung aufwies wie Gallagher, jedoch diverse Posten durch FF-Unterstützung erhalten hatte.
FÁS Am 21. Januar 2010 wurde Seán Gallagher von Mary Coughlan, der zuständigen Fianna Fáil-Ministerin und damals auch Tánaiste, zum Direktor bei Foras Áiseanna Saothair (FÁS), der staatlichen irischen Arbeitsagentur ernannt. Aus über 200 (!) Bewerbern wurde der „standhafte und überzeugte FF-Unterstützer Gallagher“ (so der Kommentar des Dundalk Democrat, seiner Heimatzeitung) ausgewählt, um in dem elfköpfigen FÁS-Board Platz zu nehmen. Er kündigte gleichzeitig an, dass ihn der neue Posten nicht daran hindern werde, an einer zweiten Staffel der TV-Show Dragon’s Den (Drachenhöhle) teilzunehmen.