mini|Dischingen, Luftaufnahme (2016) mini|Altes Ortsschild, angebracht an der Gemeindeverwaltung Trugenhofen mini|Blick vom Englischen Wald auf Dischingen mini|Dischingen um 1900 mini|Vorderfront vom Schloss Ballmertshofen mini|Schloss Thurn und Taxis Die Gemeinde Dischingen ist ein staatlich anerkannter Erholungsort im Landkreis Heidenheim in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Ostwürttemberg und ist die östlichste Gemeinde Baden-Württembergs.
Geographie Geographische Lage Die östlichste Gemeinde des Bundeslandes liegt in den nordöstlichen Ausläufern der Schwäbischen Alb im Härtsfeld und wird von Norden nach Süden vom Donauzufluss Egau durchflossen, an der auch das namengebende Dorf der Gemeinde liegt. Ihr höchster Punkt liegt auf dem Ohrberg an der Westspitze des Gemeindegebietes auf etwa , der niedrigste am Austritt der Egau in Richtung Ziertheim auf etwa . Einige Zuflüsse aus dem Gemeindegebiet, das zur Gänze zu dieser entwässert, erreichen die Egau erst jenseits der Gemeindegrenze.
Nachbargemeinden Dischingen grenzt im Westen an die Gemeinde Nattheim, ebenfalls im Landkreis Heidenheim gelegen, und im Norden an die Stadt Neresheim im Ostalbkreis, die beide zu Baden-Württemberg gehören. Die übrigen Nachbargemeinden liegen alle in Bayern. Die Gemeinde Forheim im Nordosten und die Gemeinde Amerdingen im Osten sind Teil des Landkreises Donau-Ries, zum Landkreis Dillingen an der Donau rechnen die Gemeinde Finningen im Südosten, Mödingen und Ziertheim im Süden sowie Bachhagel und zuletzt Zöschingen im Südwesten.
Gemeindegliederung Zur Gemeinde Dischingen gehören die Ortsteile (Wohnbezirke) Ballmertshofen (Wohnbezirk II), Demmingen (Wohnbezirk III), Dischingen (Wohnbezirk I), Dunstelkingen (Wohnbezirk IV), Eglingen (Wohnbezirk V), Frickingen (Wohnbezirk VI) und Trugenhofen (Wohnbezirk VII), die identisch mit den zuvor selbstständigen Gemeinden sind. Die offizielle Benennung der Ortsteile erfolgt durch vorangestellten Namen der Gemeinde und durch Bindestrich getrennt nachgestellt der Name der Ortsteile. Die Ortsteile bilden zugleich Wohnbezirke und mit Ausnahme des Ortsteils Dischingen Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher. In den Ortschaften selbst mit Ausnahme der Ortschaft Ballmertshofen wird die Unechte Teilortswahl entsprechend angewendet, die Ortschaften sind deshalb ebenfalls in Wohnbezirke unterteilt. Die Ortschaft Demmingen besteht aus den Wohnbezirken Demmingen und Wagenhofen, die Ortschaft Dunstelkingen besteht aus den Wohnbezirken Dunstelkingen und Hofen, die Ortschaft Eglingen besteht aus den Wohnbezirken Eglingen und Osterhofen, die Ortschaft Frickingen besteht aus den Wohnbezirken Frickingen, Katzenstein und Iggenhausen und die Ortschaft Trugenhofen besteht aus den Wohnbezirken Trugenhofen und Schloss Taxis. (PDF; 114 kB) mini|Frickingen, Luftaufnahme (2016)
In der Gemeinde Dischingen liegen 17 Dörfer, Weiler, Höfe und Häuser. Zum Ortsteil Ballmertshofen gehören das Dorf Ballmertshofen und das Haus Rappenmühle sowie die abgegangenen Ortschaften Buebertshausen und Buchmühle. Zum Ortsteil Demmingen gehören das Dorf Demmingen (mit der ehem. Burg Demmingen), der Weiler Wagenhofen und Schloss und Gehöft Duttenstein sowie die abgegangenen Ortschaften (Ober-, Mittel-)Köpfingen, Merlishausen, Waldbruderhaus und »Alte Burg«. Zum Ortsteil Dischingen gehören das Dorf Dischingen, der Weiler Schrezheim, das Gehöft Hochstatter Hof und das Haus Guldesmühle sowie die abgegangenen Ortschaften Knollenburg mit dem Burgstall der Burg Knollenburg, Hasenhof, Riedmühle, Russelhof, Spiegelhof und Reste einer Burg auf dem Eisbühl. Zum Ortsteil Dunstelkingen gehören das Dorf Dunstelkingen, der Weiler Hofen und das Gehöft Prinzenmühle (Buchbergmühle) sowie die abgegangene Ortschaft Raithof. Zum Ortsteil Eglingen gehören das Dorf Eglingen, der Weiler Osterhofen, das Gehöft Baumgries und die Häuser Kruggen und Sturmmühle sowie die abgegangenen Ortschaft »Alte Mühle«. Zum Ortsteil Frickingen gehören das Dorf Frickingen und die Weiler Iggenhausen und Katzenstein sowie die abgegangenen Ortschaften Distelweiler und Kahlhof. Zum Ortsteil Trugenhofen das Dorf Trugenhofen und Schloss und Weiler Taxis sowie die abgegangenen Ortschaften Ziegelhütte und Karlsbrunnen.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1, S. 579–585.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Dischingen. Statistisches Landesamt.
Geschichte Früheste Besiedlung Im Oberen Gemeindewald wurden keltische Hügelgräber aus der Hallstattzeit gefunden.
Die erste Besiedlung an der Egau im Bereich der Ortschaft Dischingen geht auf die Alamannen zurück, als diese um 260 den römischen Limes von Norden her überquerten und bis zur Donau vordrangen. Dies bezeugen Funde von Gräbern mit Funden wie Bügelfibeln, zum Teil mit Runenschrift.
Mittelalter Dischingen wurde erstmals 1049 urkundlich erwähnt. Im Mittelalter gehörte Dischingen zur Grafschaft Dillingen. Von den Grafen von Dillingen wurden Güter an das Kloster Heiligkreuz in Donauwörth, das Kloster Lorch und das Kloster Neresheim geschenkt. Ein Heinrich von Dischingen ist 1228 bis 1232 Bischof von Eichstätt. Das Adelsgeschlecht derer von Dischingen wohnte möglicherweise auf der Knollenburg. Die Dillingisch-Helfensteinischen Güter gehen 1334 an ehemals Dillingische Dienstboten über, die von Hürnheim-Katzenstein. Das Gericht in Dischingen üben zu dieser Zeit die Oettingischen Vögte aus. Die Herren von Trugenhofen mit Sitz auf Burg Trugenhofen an der heutigen Stelle von Schloss Taxis verlieren ihre Dischinger Besitztümer 1339 an die Grafen von Oettingen-Wallerstein.
Herdegen II. von Katzenstein überließ im Jahre 1354 seine Besitztümer den Grafen von Oettingen, erwarb die komplette Herrschaft Trugenhofen mit dem ganzen Ort Dischingen jedoch wieder 1365. Nur etwa ein Jahr später, am 13. Oktober 1366, erhielt er das Marktrecht für Dischingen von Kaiser Karl IV. Außerdem erhielt er alle richterlichen Befugnisse.
Kaiser Karl IV. gab unter anderem das Recht, einen Jahrmarkt am Marien-Magdalenentag (22. Juli) abzuhalten. Bis heute wird dieses Recht mit dem jährlichen Dischinger Marktfest im Juli genutzt.
Neuzeit Nach dem Landshuter Erbfolgekrieg wurde 1505 das Fürstentum Pfalz-Neuburg gebildet, zu dem auch Dischingen gehörte. 1734 gelang es den Fürsten von Thurn und Taxis, Dischingen in ihre Herrschaft zu bekommen. Im Rahmen der Mediatisierung fiel Dischingen 1806 an Bayern und kam durch den Grenzvertrag von 1810 an das Königreich Württemberg, in welchem es dem Oberamt Neresheim unterstellt wurde. Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Dischingen 1938 zum Landkreis Heidenheim. 1945 wurde das Gebiet der Gemeinde Teil der Amerikanischen Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.
Religionen Dischingen ist von der Reformation unberührt geblieben und blieb römisch-katholisch. Heute gehört es zum Katholischen Dekanat Heidenheim in der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Die evangelischen Gläubigen gehören der Kirchengemeinde Fleinheim-Dischingen im Kirchenbezirk Heidenheim an. 53 Dischinger (oder 1 % der Gesamtbevölkerung) sind im Jahr 2022 aus der Kirche ausgetreten. Insgesamt sind in den Jahren 2001 bis 2022 354 Menschen (oder rund 8 % der Gesamtbevölkerung) ausgetreten.
Einwohnerentwicklung Die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand sind Schätzungen, Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze).
Jahr Einwohner 1. Dezember 1871 3825 1. Dezember 1880 3773 1. Dezember 1890 3699 1. Dezember 1900 3553 1. Dezember 1910 3504 16. Juni 1925 3489 16. Juni 1933 3375 17. Mai 1939 3161 13. September 1950 4646 6. Juni 1961 4215 Jahr Einwohner 27. Mai 1970 4504 31. Dezember 1980 4179 25. Mai 1987 4356 31. Dezember 1990 4507 31. Dezember 1995 4708 31. Dezember 2000 4621 31. Dezember 2005 4580 31. Dezember 2010 4419 31. Dezember 2015 4352 31. Dezember 2020 4376
Eingemeindungen 1. Januar 1972: Trugenhofen 1. Januar 1974: Ballmertshofen, Demmingen, Dunstelkingen, Eglingen, Frickingen
Politik Gemeinderat In Dischingen wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat in Dischingen besteht nach der letzten Wahl aus den 21 (2019: 19) gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart
Parteien und Wählergemeinschaften % 2024 Sitze 2024 % 2019 Sitze 2019 FWD Freier Wählerblock Dischingen 41,84 9 51,86 10 CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 34,36 7 37,29 7 ÖDP Ökologisch-Demokratische Partei 10,35 2 10,85 2 BGD Bürgervereinigung Gemeinde Dischingen 10,75 2 – – AfD Alternative für Deutschland 2,71 1 – – Gesamt 100,0 21 100,0 19 Wahlbeteiligung 71,26 % 67,7 %
Bürgermeister
1954–1986: Hermann Zeyer 1986–2006: Bernd Hitzler (CDU) 2006–2022: Alfons Jakl (CDU) seit 2022: Dirk Schabel
Bürgermeister ist seit dem 8. September 2022 Dirk Schabel. Er wurde am 3. Juli 2022 mit 51 Prozent der Stimmen gewählt. Sein Vorgänger Alfons Jakl, der ab 2006 amtierte und 2014 wiedergewählt wurde, trat nicht erneut an.
Wappen
Wappen der ehemals eigenständigen Gemeinden und heutigen Ortsteile
Partnerschaften Die Gemeinde begründete 1990 eine Partnerschaft zur Gemeinde Eckartsberg in Sachsen. Nachdem Eckartsberg 1994 nach Mittelherwigsdorf eingemeindet wurde, ist die Partnerschaft dorthin übergegangen.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Autobahn Die nächste Anschlussstelle der Bundesautobahn 7 (AS 116, Heidenheim) liegt zwölf Kilometer entfernt.
Härtsfeld-Museumsbahn Von 1901 bis 1972 war Dischingen durch die Härtsfeldbahn (Aalen–Dillingen) an das Bahnnetz angebunden. Die Ortsteile Iggenhausen und Katzenstein besitzen seit 2021 jeweils einen Haltepunkt der Härtsfeld-Museumsbahn.
Radverkehr Der Schwäbische-Alb-Radweg führt als Landes-Radfernweg vom Bodensee über den Norden Heidenheims und Nattheim nach Dischingen und weiter über Neresheim und Bopfingen nach Donauwörth.
Albschäferweg Der Albschäferweg führt als Wanderweg über die Gemarkung Dischingen.
Bildung Mit der Egauschule verfügt Dischingen über eine Grund- und Hauptschule mit Werkrealschule. Außerdem gibt es in Demmingen und Frickingen jeweils eine Grundschule. Für die kleinsten Einwohner gibt es in Ballmertshofen, Demmingen, Dischingen, Dunstelkingen, Eglingen und Frickingen je einen Kindergarten.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Dischingen liegt an der Schwäbischen Albstraße, die an vielen Sehenswürdigkeiten vorbeiführt.
Museen Heimatmuseum Dischingen Museum für Kutschen, Chaisen und Karren Schloss Ballmertshofen mit Bildergalerie und Museum
Bauwerke mini|hochkant|Pfarrkirche St. Johannes Baptist Katholische Pfarrkirche St. Johannes Baptist Kapelle Vierzehn NothelferBodo Cichy: Festsäle Gottes – Sorgenkinder der Denkmalpflege. Sicherung, Instandsetzung und Erneuerung barocker Kirchenbauten in den Landkreisen Ostalb und Heidenheim. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, 3. Jg. 1974, Heft 4, S. 2–25; Johannes-Nepomuk-Kapelle Iggenhausen Burg Katzenstein, eine der ältesten erhaltenen Stauferburgen in Süddeutschland Denkmalgeschütztes ehemaliges Fürstliches Forstamt, erbaut 1773 (früherer Verwendungszweck u. a. als Dischinger Dorfgefängnis) Hochstatter Hof Schloss Taxis und der Englische Wald Wildpark um Schloss Duttenstein