Der Graue Markt () ist in der Wirtschaft ein Markt, auf dem Handelsobjekte gehandelt werden, deren Vertriebswege durch die Hersteller oder Absatzketten nicht autorisiert sind.

Synonym zu grauer Markt wird auch die Bezeichnung Graumarkt verwendet. Ein grauer Markt ist der „Handel mit Gütern unter Umgehung üblicher Handelsstufen und Handelsorganisationen und unter Vernachlässigung verbreiteter Handelsbräuche und vielfach auch privatrechtlicher, insbesondere steuerrechtlicher Vorschriften“.F. A. Brockhaus (Hrsg.)/Annette Zwahr, Enzyklopädie in 30 Bänden, Stichwort: Grauer Markt, Band 10, 2006; ISBN 978-3-7653-4121-2 Der graue Markt ist eine Form des Direktvertriebs von Produkten und Dienstleistungen unter Umgehung des institutionellen Handels (Groß- und vor allem Einzelhandel). Da entsprechende Handelsspannen entfallen, kommt der Verbraucher in den Genuss von Preisnachlässen.Ludwig G. Poth/Marcus Pradel/Gudrun S. Poth, Gabler Kompakt-Lexikon Marketing, 2008, S. 138.

Von grauen Märkten wird auch gesprochen, wenn es um Arbitragegeschäfte geht, bei denen Konsumenten länderspezifische Preisunterschiede derselben Güter ausnutzen, insbesondere wenn das Produkt in ein Land eingeführt wird, in dem es nicht hergestellt wurde, und dieses Land auch nicht Zielland des Herstellers ist.

Arten Nach Schätzungen erreicht der Graumarkthandel ein Marktvolumen von etwa fünf bis sieben Prozent der Güterströme innerhalb der Europäischen Union. Dabei wird unterschieden in graue Reimporte, wenn das Preisniveau im Produktionsland höher ist als auf internationalen Absatzmärkten; graue Parallelimporte, wenn das Preisniveau der autorisierten Exporte auf dem ausländischen Absatzmarkt höher ist als im Produktionsland und graue Lateralexporte, wenn ein Preisgefälle zwischen den Absatzmärkten einzelner Länder erkannt wird und die vom Hersteller geplanten Marktpreise umgangen werden. Reimport und Parallelimport gehören im Außenhandel zu den wirtschaftlich bedeutendsten Transaktionen, die zum grauen Markt gerechnet werden. Von Reimport wird beim Import von Gütern gesprochen, die zuvor exportiert worden sind. Der Parallelimport ist ein Import durch Dritte und nicht durch den Hersteller, der auf dem Inlandsmarkt parallel zu den dort vom Hersteller vertriebenen identischen Gütern angeboten wird.

Auch das Anbieten von Gütern, die staatlich festgesetzten Mindestpreisen unterliegen, zu einem unerlaubt niedrigeren Preis findet auf grauen Märkten statt.

Im Bereich des Finanzwesens gibt es den Begriff grauer Kapitalmarkt als einem Kapitalmarkt, auf dem Finanzinstrumente oder Finanzprodukte gehandelt werden, die nicht auf dem organisierten Markt vertreten sind.Jürgen Krumnow/Ludwig Gramlich/Thomas A. Lange/Thomas M. Dewner (Hrsg.): Gabler Bank-Lexikon: Bank – Börse – Finanzierung, 2002, S. 640 Das Finanzrisiko ist für Anleger wesentlich höher, weil es an Markttransparenz fehlt, die Finanzinstrumente oder Finanzprodukte keiner Standardisierung unterliegen und es an einer Finanzmarktaufsicht fehlt.

Graumarktware Unter Graumarktware versteht man Wirtschaftsobjekte, die aus Quellen außerhalb der offiziellen Distributionswege bezogen wurden. Es handelt sich in der Regel nicht um Produktpiraterie, sondern um Originalware, die für einen nicht etablierten Markt (beispielsweise in Schwellenländern) produziert und mit einem dort marktüblich niedrigen Preis kalkuliert wurden. Anschließend wird die Ware nach Europa oder in die USA exportiert, um dort deutlich unter dem Marktpreis angeboten zu werden. Aus Sicht des Endkunden handelt es sich um legal erworbene Produkte. Bezogen auf die gesamte Handelskette hat Graumarktware allerdings einen halblegalen Status, da dem Erwerb durch den Endkunden in aller Regel ein Verstoß gegen die Geschäftsbedingungen oder ein Vertragsbruch zwischen Lieferant und Händler vorangegangen ist, der Ware jenseits haushaltsüblicher Mengen zum Weiterverkauf abgegeben hat.

Hochwertige Ware wird von Herstellern häufig codiert, um die Herkunft von Graumarktware lokalisieren zu können. Für autorisierte Händler kann das Verschieben exklusiver Ware in den Graumarkt eine Abmahnung oder Kündigung des Depotvertrags zur Folge haben. Verbraucher, die Graumarktware beziehen, haben mit Einschränkungen bei der Rückgabe und der Gewährleistung zu rechnen. Es besteht auch die Gefahr, veraltete oder qualitativ minderwertige Artikel zu erhalten. Verkaufsstellen, die Graumarktware anbieten, riskieren Abmahnungen für die unzulässige Verwendung der Produktabbildungen oder (geschützten) Markenlogos.

Arzneimittel Der Graumarkt betrifft den Handel mit jenen Arzneimitteln, die ursprünglich aus einer legalen Behandlung stammen, während der Schwarzmarkt ausschließlich illegale Waren handelt. Von Graumarktgeschäften wird ebenfalls gesprochen, wenn beispielsweise Apotheken Arzneimittel, die sie von Pharmaherstellern zweckgebunden zu besonders günstigen Konditionen beziehen, an den Großhandel verkaufen oder wenn rabattierte Arzneimittel, die für Hilfszwecke vorgesehen sind, nicht in Entwicklungsländer geliefert, sondern in Deutschland vertrieben werden. Dass solche Fälle vor Gericht landen und zu Verurteilungen führen, zeigt, dass die Geschäfte im konkreten Fall illegal sind, aber in einem Umfeld stattfinden, das legale Handelswege systematisch zweckentfremdet:

Niederlande In den Niederlanden bezeichnet grauer Markt in Anlehnung an die niederländische Bezeichnung grijze markt eine illegale Abgabe von Arzneimitteln, vor allem in der Drogenszene. Hauptsächlich handelt es sich dabei um Substitutionsmittel wie Methadon, Subutex oder Codein und Schlaf- und Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine (z. B. Rohypnol), aber auch zunehmend um Stimulanzien wie Methylphenidat oder Amphetaminpräparate zum Zwecke des sogenannten Gehirndoping. In Amsterdam ist der Graumarkt für Betäubungsmittel ein lang bekanntes Phänomen. Er ist lokalisierbar, in der Nähe des Schwarzmarktes gelegen und bietet durchgängig Methadon an. Es gibt Stimmen, die dem Graumarkt eine positive und sinnvolle Funktion zuweisen; er sei ein „Glück im Unglück“ und stelle eine Ausweitung und Flexibilisierung der staatlichen Substitution dar. Es können sich Gruppen, die nicht in der Substitution aufgenommen sind, hier selbst versorgen. Als weiterer positiver Einfluss wird angeführt, dass der Graumarkt als zusätzlicher Handelsplatz mit dafür verantwortlich sei, dass die Qualität der Schwarzmarktprodukte durchgängig und gleichmäßig gut sei und dies wiederum einen positiven Einfluss auf die Vermeidung von Überdosierungen auf Grund unerkannter Stoffschwankungen habe. Den wegen seiner Infektionsgefahr riskanten intravenösen Methadonkonsum habe man – weitgehend erfolgreich – durch das Angebot von Methadontabletten ausgeschlossen. Allerdings wird durch jede Weitergabe verordneter Substitutionsmittel das Ziel einer geordneten und kontrollierten Abgabe auch bezüglich der gesundheitlichen Konsequenzen ad absurdum geführt.

USA In den USA haben die hohen Kosten für verschreibungspflichtige Medikamente einen grauen Markt geschaffen, da die Arzneimittelpreise von Land zu Land erheblich variieren und der Preisunterschied die Transportkosten übersteigt. Dort ist die Anzahl der Todesfälle durch den Missbrauch verordneter Medikamente massiv angestiegen. 2017 starben mehr als 72.000 Personen an den Folgen ihrer Drogen-Abhängigkeit, darunter etwa 30.000 an legal käuflichen Schmerzmitteln. Opioide, die für gewöhnlich zur Schmerztherapie verordnet werden, sind die häufigste Ursache für Todesfälle durch Überdosierung – und von den Opioiden ist das wieder Methadon.Prescription Drug Overdose: State Health Agencies Respond (PDF; 1,2 MB)

Entwicklungsländer Zu den Graumarktgeschäften zählt der Reimport von Arzneimitteln in die Europäische Union, welche für die Krankheitsbekämpfung in Entwicklungsländern bestimmt sind. Hierbei handelt es sich vor allem um hochpreisige Medikamente zur Behandlung von HIV/AIDS, Malaria und Tuberkulose.

Videospiele mini|Nintendo-64-Spielekonsole

Innerhalb der Videospieleindustrie haben sich die Verkäufe des Einzelhandels ins Internet verlagert. Die damit verbundene Digitalisierung bereitete den Boden für die Entstehung eines Gaming-Graumarkts. Die fehlende physische Komponente der Handelsware erübrigt Lager- wie Versandkosten und minimiert den logistischen Aufwand. Während die Nutzungslizenzen weltweit identisch sind, variieren die regionalen Verkaufspreise erheblich, was Videospiele zu idealen Arbitrage-Objekten macht. Auf Reseller-Portalen wie G2A und Kinguin werden Nutzungslizenzen für Konsolen- oder Online-PC-Spiele als Download-Code (Lizenzschlüssel) weit unterhalb des Marktpreises verkauft. Aus rechtlicher Sicht findet der Verkauf nicht zwischen dem Endkunden und dem als Webshop auftretenden Plattformbetreiber, sondern zwischen dem Endkunden und einem der vielen Key-Reseller statt, welche die Plattform gegen eine Verkaufsgebühr nutzen und mit Parallelimporten versorgen.

Finden bei einem solchen Parallelimport illegale Aktivitäten oder bewusster Betrug statt, wird der eigentlich legale Graumarkt zum illegalen Schwarzmarkt. Digitale Gamekeys, die beispielsweise mit gestohlenen Kreditkartendaten bezahlt wurden, bevor sie auf dem Graumarkt landeten, verlieren ihre Gültigkeit, sobald dem Hersteller der Betrug bekannt wird. Die Produktlizenz wird zurückgezogen und der Endkunde kann das Spiel nicht mehr nutzen. Gegebenenfalls wird er dazu aufgefordert, die Lizenz erneut zu kaufen. Auch eine Sperrung des Benutzerkontos oder der Spielkonsole kann die Folge sein. Während der Endkunde für den Hersteller greifbar wird, sobald dieser den Schlüssel zur Aktivierung einsetzt, bleiben die innerhalb der Graumarkts agierenden Zwischenhändler im Verborgenen und können so nicht belangt werden. Eine Möglichkeit, dies zu ändern, ist ein Prozess namens Silent Key Activation (SKA), bei dem keine Schlüsselcodes mehr in Umlauf gebracht, sondern die Spiele direkt beim Kauf über eine Datenbank des Herstellers aktiviert werden. Darüber hinaus wollen Reseller-Plattformen durch mehr Transparenz, eine umfassendere Verifizierung der Reseller sowie eigene Storefrontprofile für Hersteller und Entwickler dafür sorgen, dass der graue Markt für Videospiele nicht mehr für illegale Praktiken genutzt wird.

Waffen Der 2014 in Kraft getretene multilaterale UNO-Vertrag zum internationalen Waffenhandel verpflichtet die Vertragsstaaten bei jedem Rüstungsgeschäft abzuklären, ob mit den gehandelten Waffen schwere Menschenrechtsverletzungen begangen werden. Im Gegensatz zu allen europäischen Staaten unterzeichneten die Waffenexportländer China und Russland den Vertrag nicht, somit sind sie auch nicht an die Vertragsbedingungen gebunden. 2019 kündigte US-Präsident Trump den Ausstieg der USA aus dem von seinem Amtsvorgänger Obama unterzeichneten Abkommen an.

Europa mini|Aktion Aufschrei: Protest gegen Waffenhandel vor dem Bundeskanzleramt in Berlin