mini|308x308px|Ortsbild von Weidenthal (Januar 2024) Weidenthal ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Lambrecht (Pfalz) an, in der sie gemessen an der Einwohnerzahl die drittgrößte Ortsgemeinde ist.

Geographie Lage Weidenthal liegt inmitten des Pfälzerwaldes in der Region Pfalz. Zur Gemeinde gehören auch die Wohnplätze Eisenkehl, Mainzertal, Forsthaus Morschbacherhof, Parkettfabrik und Steinbruch Rußmühle. Nachbargemeinden sind – im Uhrzeigersinn – Bad Dürkheim, Neidenfels, Frankeneck, Esthal, Elmstein, Waldleiningen und Frankenstein.

Erhebungen In unmittelbarer Nähe des Siedlungsgebiets befindet sich das Köpfel und südlich von ihm der Eulenberg. Im Westen der Gemarkung erheben sich der 506 Meter hohe Mollenkopf sowie der 477 Meter hohe Heidenkopf und unmittelbar an der Gemarkungsgrenze zu Waldleiningen der Eselsohler Berg sowie im Bereich des Gemarkungsdreiecks Waldleiningen/Weidenthal/Frankenstein dessen 439 Meter hoher Ausläufer Hohe Loog. Im Gemarkungsdreieck mit Neidenfels sowie Frankeneck erstreckt sich außerdem der Kleine Pflasterberg.

Gewässer Mitten durch die Gemeinde fließt der Hochspeyerbach. Innerhalb der Gemarkung münden in diesen nacheinander jeweils von rechts der Langentalbach, der Weisenbach und der Rußmühlenbach. Im Westen des Gemeindegebiets abseits der Bebauung entspringt der nach Norden fließende Bittenbach, der jenseits der Gemarkung von Weidenthal in den Leinbach mündet.

Geologie Im Gebiet von Weidenthal dominiert der Buntsandstein.

Geschichte Der Ort wurde 1247 als „Wydentall“ erstmals urkundlich erwähnt und war im Besitz der Herren von Frankenstein, die ein Lehen des Klosters Limburg ausübten, das später teilweise an die Ritter von Hirschhorn überging. Mit deren Aussterben fiel die Gemeinde 1709 vollständig an die Kurpfalz, zu der sie bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehörte und unterstand dort dem Oberamt Neustadt. Bereits zuvor wurde das Dorf im Dreißigjährigen Krieg beinahe völlig entvölkert. Im Jahr 1802 lebten 674 Menschen in der Gemeinde: 382 Katholiken, 251 Reformierte und 41 Lutheraner.Michael Frey: Versuch einer geographisch-historisch-statistischen Beschreibung des kön. bayer. Rheinkreises, Zweiter Theil, Speyer: Neidhard, 1837, S. 585 ff (Google Books)

Im Zuge des Ersten Koalitionskriegs fand in Weidenthal ein Gefecht statt. Nach 1792 hatten französische Revolutionstruppen die Region besetzt und nach dem Frieden von Campo Formio (1797) annektiert. Von 1798 bis 1814 gehörte das Dorf zum französischen Departement Donnersberg, war dem Kanton Neustadt zugeordnet und besaß eine eigene Mairie. Aufgrund der auf dem Wiener Kongress (1815) getroffenen Vereinbarungen und einem Tauschvertrag mit Österreich kam die Region 1816 zum Königreich Bayern. Ab 1818 war die Gemeinde Weidenthal dem Landkommissariat Neustadt im bayerischen Rheinkreis, später dem Bezirksamt Neustadt an der Haardt zugeordnet, aus dem 1938 der Landkreis Neustadt an der Weinstraße hervorging.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Weidenthal ein Teil der französischen Besatzungszone und wurde in das 1946 neu gebildete Land Rheinland-Pfalz eingegliedert. Im Zuge der ersten rheinland-pfälzischen Verwaltungsreform wechselte Weidenthal 1969 in den neu geschaffenen Landkreis Bad Dürkheim. Drei Jahre später wurde die Gemeinde ein Bestandteil der ebenfalls neu entstandenen Verbandsgemeinde Lambrecht (Pfalz).

Einwohnerstatistik Die Entwicklung der Einwohnerzahl von Weidenthal, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten Jahr Einwohner 1815 726 1835 1.028 1871 1.355 1905 1.625 1939 1.910 1950 2.180 1961 2.565 Jahr Einwohner 1970 2.567 1987 2.107 1997 2.100 2005 2.010 2010 1.867 2017 1.746 mini|400px|Einwohnerentwicklung von Weidenthal von 1815 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle

Konfessionsstatistik 2013 waren 42,0 % der Einwohner evangelisch und 37,4 % katholisch. Die übrigen 20,6 % gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos.KommWis, Stand: 31. Dezember 2013 Mit Stand Ende Februar 2025 waren 35,6 % der Einwohner evangelisch, 27,5 % katholisch und 36,9 % gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos.Gemeindestatistik Weidenthal, abgerufen am 24. März 2025

Christentum mini|Blick auf die beiden Kirchen im Jahr 1897; links die evangelische Kirche, rechts die katholische Kirche Weidenthal hatte eine eigenständige katholische Pfarrgemeinde im Dekanat Bad Dürkheim innerhalb des Bistums Speyer, die seit 2016 eine Filiale der in Lambrecht ansässigen Pfarrei Heiliger Johannes XXIII. ist. Die katholische Kirche ist eine der bedeutendsten neugotischen Kirchen der Pfalz.

Gemeinsam mit den Nachbarorten Frankenstein und Neidenfels besteht eine protestantische Kirchengemeinde, die zur Protestantischen Landeskirche Pfalz gehört.

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Weidenthal besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzendem.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU FWG BSW LINKE WGR Gesamt 2024 4 10 – 2 – – 16 Sitze 2019 3 9 3 – 1 – 16 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Wahlen 2019. 2014 6 5 3 – 2 – 16 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen. 2009 5 5 5 – 1 – 16 Sitze 2004 4 4 7 – – 1 16 Sitze FWG = Freie Wählergruppe Talgemeinden e. V.

Bürgermeister Ortsbürgermeister ist Ralf Kretner (CDU). Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 wurde er mit einem Stimmenanteil von 61,88 % gewählt und ist damit Nachfolger von Bernhard Groborz (SPD), der nicht mehr für dieses Amt angetreten war. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 setzte sich Kretner mit 65,3 % gegen einen Mitbewerber durch.

Bis 2009 hatte Paul Mar von der FWG dieses Amt inne.

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|355x355px|Kriegerdenkmal 1914–18 - Köpfel im Winter (Januar 2024)

Kulturdenkmäler In Weidenthal stehen 28 Objekte unter Denkmalschutz, darunter die Betzenkammer und das Kriegerdenkmal. Letzteres befindet sich auf dem Köpfel und ist eines der Wahrzeichen Weidenthals; von dem Standpunkt des Denkmals bietet sich ein Panoramablick über das gesamte Dorf. Es hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Turnerehrenmal in Deidesheim.

Sonstige Bauwerke Auf dem Friedhof erinnert eine 1954 errichtete Gedenkstätte an die Vertriebenen. Bei der katholischen Kirche St. Simon und Judas steht ein mit der Jahreszahl 1742 bezeichnetes Fünfwundenkreuz, ein Kreuz, an dem statt eines Korpus die fünf Wundmale Christi dargestellt sind.

Natur Die Ortsgemeinde liegt im Naturpark Pfälzerwald, der zum Biosphärenreservat Pfälzerwald-Vosges du Nord gehört. Weidenthal besitzt als Schwimmbad einen Naturbadeweiher.

Vereine Mit dem FC Wacker Weidenthal hat der Ort einen Fußballverein mit eigenem Hartplatz, dem Karl-Heinz-Sportplatz. Dieser ist an dem JFV Leinbach 2014 e. V. beteiligt. Hinzu kommen ein Turnverein mit eigenem Wettkampfplatz, eigener Aschenbahn und einem Tennisplatz, zwei Sandplätzen, einem Teerplatz und einer Tenniswand, sowie ein Schützenverein mit eigenen Schießbahnen in verschiedenen Größen. Außerdem gibt es eine Turn- und Mehrzweckhalle, die von allen Vereinen sowie den beiden Kindergärten und der Grundschule genutzt wird. Der Tennisverein wurde 2019 in den Turnverein 1908 e. V. Weidenthal integriert. Weidenthal verfügt zusammen mit dem Nachbarort Frankenstein über eine Ortsgruppe des Pfälzerwald-Vereins, die 2006 mit der Eichendorff-Plakette ausgezeichnet wurde.

Veranstaltungen Einmal im Jahr findet die Weidenthaler Kerwe statt. Die Corpsstudentenvereinigung Krischertisch aus Neustadt übernahm ab 1908 jährlich eine Osterfahrt, die unter anderem über Weidenthal führte.

Seit 2007 wird alljährlich der Weltmeister im Weihnachtsbaumwerfen in Weidenthal ermittelt und ist mittlerweile weltweit in Presse und Funk ein regelmäßiger Programmpunkt. Die Veranstaltung findet Anfang Januar im Rahmen des Knutfestes auf dem Sportplatz des FC Wacker Weidenthal statt.

Seit August 2007 findet jährlich ein nächtliches Mountainbike-Rennen auf dem Gelände des Turnvereins Weidenthal unter dem Titel Schlaflos im Sattel statt. Der jährliche leicht unterschiedliche Rundkurs hat eine Länge von etwa zehn bis zwölf Kilometern. Er beginnt im Erdbeertal und verläuft anschließend über den Stempelweg in die Weissenbach und dann über eine Schleife über das Maifeld wieder zurück ins Erdbeertal.

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Die Pfälzische Parkettfabrick Weidenthal, LBM Zerspanungstechnik und die Schreinerei Fuder sind die drei verbliebenen größeren Betriebe in Weidenthal. Das letzte große örtliche Unternehmen Chemiefabrik E. Baumheier stellte 1996 den Betrieb ein und das Gelände wurde später verkauft. Die Fabrik in der Dorfmitte hatte bereits Jahre früher den Betrieb eingestellt; dort befindet sich mittlerweile der S-Bahn-Haltepunkt. 1865 wurde in Weidenthal eine Sparkasse gegründet, die über mehrere Fusionen in der Sparkasse Rhein-Haardt aufging.

Verkehr mini|Ehemaliges Empfangsgebäude des Bahnhofs Weidenthal Der Bahnhof Weidenthal wurde 1849 in Betrieb genommen, als die Pfälzische Ludwigsbahn auf voller Länge eröffnet wurde und aus der später die Bahnstrecke Mannheim–Saarbrücken hervorging. Die Bahnsteige befanden sich früher im südlichen Bahnhofsbereich, ehe sie 2003 800 Meter weiter nördlich in Richtung Dorfmitte verlegt wurden. Seither halten die Züge der S-Bahn RheinNeckar an dieser Stelle. Die Linien S1 und S2 stellen direkte Verbindungen nach Kaiserslautern sowie Homburg im Westen und Ludwigshafen, Mannheim und Heidelberg im Osten her. Weidenthal gehört zum Tarifgebiet des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar.

Entlang der Bahnstrecke liegen auf der Gemarkung der Gemeinde der Schönberg-Langeck-Tunnel, der Gipp-Tunnel, der Köpfle-Tunnel und der südliche Teil des Eisenkeil-Tunnels.

Durch das Dorf verläuft die Bundesstraße 39 die von Hockenheim nach Frankenstein führt. Außerdem ist die Gemeinde Ausgangspunkt der Kreisstraße 38, die über das Waldhaus Schwarzsohl nach Elmstein führt.

Tourismus Weidenthal liegt am mit einem blauen Balken gekennzeichneten Fernwanderweg Staudernheim–Soultz-sous-Forêts sowie an der Route eines Wanderweges, der mit einem weiß-grünen Balken markiert ist. Durch die Gemeinde verläuft ein Wanderweg, der mit einem grünen Kreuz markiert ist und der von Freinsheim bis zum Erlenkopf führt, sowie ein mit einem gelb-roten Balken gekennzeichneter Weg von der Burg Lichtenberg bis nach Wachenheim.

Bildung Weidenthal hat eine Grundschule und zwei Kindergärten.

Persönlichkeiten Ehrenbürger Für herausragende Verdienste um die Gemeinde wurden geehrt: Friedrich Laubscher, Pfarrer, verliehen am 7. Januar 1979 Emil Groh, Dekan, verliehen im Januar 1996 Oskar Schöttner, verliehen am 16. Januar 2000 Ernst Niederberger (1928–2008), kaufmännischer Angestellter, von 1972 bis 2004 Ortsbürgermeister, verliehen am 13. Januar 2008; darüber hinaus seit 2007 Träger des Bundesverdienstkreuzes Siegfried Held, verliehen am 13. Januar 2008

Söhne und Töchter der Gemeinde Julius Ferdinand Müller (1823–1899), Jurist und Politiker Casimir Wurster (1854–1913), Chemiker Friedrich Müller (1865–1941), Maschinenbauingenieur und Hochschullehrer Heinz Kerber (Erfinder des industriellen Reißverschlussverfahrens von Förderbändern 1974) Herward Koppenhöfer (* 1946), Fußballspieler Ludwig Ferdinand „Ferdl“ Fettig (* 1936), Deutscher Meister 1961 im Riesenslalom Claus Laubscher (1950–2001), Künstler

Mit Weidenthal verbunden Klaus Armstroff (* 1957), Politiker (NPD, Der III. Weg), wohnt in Weidenthal. Herbert Baumert († 2003), 42 Jahre lang Mitglied im Ortsgemeinderat sowie Inhaber von Ehrenurkunden des Gemeinde- und Städtebundes sowie der Silbermünzen der Gemeinde Hermann Borger, von 1957 bis 1958 Vorsitzender der TV Weidenthal.