Gerstetten ist eine Gemeinde im baden-württembergischen Landkreis Heidenheim in der Region Ostwürttemberg.
Geographie Gerstetten liegt auf der Ostalb. Wacholderheiden prägen die Landschaft, welche zu Zeiten des frühen Jurameeres ein großes Korallenriff war.
Gerstetten ist nach Baiersbronn im Schwarzwald die flächengrößte Gemeinde in Baden-Württemberg ohne Stadtrecht.
Gemeindegliederung Die Gemeinde Gerstetten besteht aus den Ortsteilen Dettingen am Albuch, Gerstetten, Gussenstadt, Heldenfingen, Heuchlingen, Heuchstetten und Sontbergen, die mit Ausnahme der beiden letztgenannten ehemals selbstständige Gemeinden waren, die im Zuge der Gemeindereform in den 1970er Jahren nach Gerstetten eingemeindet wurden. Die offizielle Benennung der Ortsteile besteht aus dem vorangestellten Namen der Gemeinde und dem nach Bindestrich dahinter gestellten Namen des jeweiligen Ortsteils. Die Gemeinde Gerstetten ist zudem in die fünf Wohnbezirke Dettingen am Albuch, Gerstetten, Gussenstadt, Heldenfingen, Heuchlingen (mit Heuchstetten und Sontbergen) eingeteilt. Die Ortsteile Dettingen am Albuch, Gussenstadt, Heldenfingen und Heuchlingen bilden Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher.Hauptsatzung der Gemeinde Gerstetten vom 19. April 2005 mit Änderung vom 16. September 2014 (PDF; 522 kB)
Zur Gemeinde Gerstetten gehören 16 separat gelegene Dörfer, Weiler, Höfe und Häuser.
Zur ehemaligen Gemeinde Dettingen am Albuch gehören das Dorf Dettingen am Albuch, die Höfe Bindstein, Burgholzhöfe und Falkenstein und das Haus Ziegelei sowie die abgegangenen Ortschaften Burgstall Hürgenstein, Berghof, Ratfelden, Redern und Sillenstetten.
Zur Gemeinde Gerstetten im Gebietsstand vom 31. März 1971 gehören das Dorf Gerstetten, die Weiler Heuchstetten, Heutenburg und Sontbergen (Umgemeindung von Bräunisheim nach Gerstetten am 1. Juli 1974) und die Höfe Erpfenhauser Hof, Mäderhaus und Neuburghof sowie die abgegangenen Ortschaften Emmerstetten, Erpfenhausen, Egelstetten und Steinhaus.
Zur ehemaligen Gemeinde Gussenstadt gehören das Dorf Gussenstadt sowie die abgegangenen Ortschaften Berlingen, Goldweiler (Vorderweiler), Hagenhülb, Taubenloch und Wallbach (=Wallbuch).
Zur ehemaligen Gemeinde Heldenfingen gehören das Dorf Heldenfingen und das Gehöft Rüblingerhof sowie die abgegangenen Ortschaften Rüblingen, Meusebrunnen und Gensebrunnen.
Zur ehemaligen Gemeinde Heuchlingen gehören das Dorf Heuchlingen sowie die abgegangene Ortschaft Jungholz.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band IV: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverbände Franken und Ostwürttemberg. Kohlhammer, Stuttgart 1980, ISBN 3-17-005708-1, S. 586–590.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Gerstetten.
Bevölkerung Einwohnerstand zum 31. Dez. 2021:
Gerstetten 6.372 Dettingen am Albuch 1.930 Gussenstadt 1.359 Heldenfingen 990 Heuchlingen 878 Heuchstetten 110 Sontbergen 48 insgesamt 11.687
Geschichte Frühe Geschichte Gerstetten feierte im Jahre 1986 basierend auf der Ersterwähnung sein 1000-jähriges Bestehen. Aufgrund seines Namens könnte der Ort bis in die späte Merowingerzeit zurückreichen. Namensbildungen auf -stetten sind typisch für diese Zeit. Namen auf -ingen wie bei Heuchlingen und Dettingen gehören zu einer etwas früher einsetzenden Namensschicht. In den Ortsnamen sind die Namen von Gero, Huchilo und Detto enthalten, deren Bedeutung als Ortsgründer aber nicht erwiesen werden kann.L. Reichardt: Ortsnamenbuch des Kreises Heidenheim. (= Veröff. Komm. gesch. Landeskunde Bad. Württ. Band 111). Stuttgart 1989. Einschlägige merowingerzeitliche Funde sind aus Gerstetten bisher jedoch nicht bekannt geworden. Hinweise auf die Funde eines Reihengräberfeldes um 1850 lassen sich heute nicht mehr verifizieren, da die Funde verschollen sind.W. Veeck: Die Alamannen in Württemberg. (= Germ. Denkm. Völkerwanderungszeit. 1). Berlin/Leipzig 1931, S. 172f. Der Fund einer um 303 geprägten MünzeFundberichte aus Baden-Württemberg. 5, 1980, S. 5. ist nicht als sicherer Siedlungsbeleg zu werten. Sicher in die Merowingerzeit oder gar noch weiter reichen die Teilorte Heuchlingen und Dettingen zurück. Bei Heuchlingen sind frühalamannische Siedlungsfunde bekannt, bei Dettingen gibt es Hinweise auf Reihengräber.W. Veeck: Die Alamannen in Württemberg. (= Germ. Denkm. Völkerwanderungszeit. 1). Berlin/Leipzig 1931, S. 172. Die Gegend war bereits seit dem NeolithikumFundberichte aus Baden-Württemberg. 8, 1983, S. 114f. besiedelt und weist auch einige römische Fundstellen auf.Stefan Franz Pfahl: Die römische und frühalamannische Besiedlung zwischen Donau, Brenz und Nau. (= Materialhefte zur Archäologie in Baden-Württemberg. 48). Theiss, Stuttgart 1999.
Hoch- und Spätmittelalter Im Mittelalter hatte Gerstetten ein Marktrecht, welches dem der Reichsstadt Gmünd entsprach.Max Miller, Gerhard Taddey (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 6: Baden-Württemberg (= Kröners Taschenausgabe. Band 276). 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 1980, ISBN 3-520-27602-X, S. 253. Zudem waren die Bewohner frei von Leibeigenschaft. Sie betrieben Leinenwebereien und handelten mit Salz. Die wirtschaftlichen Beziehungen reichten insbesondere zu den Reichsstädten nach Ulm und Augsburg. Seit 1356 gehörte Gerstetten zur Herrschaft Heidenheim und kam somit 1504 zum Herzogtum Württemberg. Seither war Gerstetten dem württembergischen Amt in Heidenheim unterstellt.
Frühere Neuzeit 1536 ließ Herzog Ulrich die Reformation durchführen. Während des Dreißigjährigen Kriegs drangen nach der verlorenen Schlacht bei Nördlingen 1634 die siegreichen kaiserlichen Truppen vor und brannten Gerstetten nieder. Im 18. Jahrhundert siedelten sich evangelische Flüchtlinge aus Salzburg und Vorarlberg an.
19. Jahrhundert Bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im Königreich Württemberg blieb Gerstetten dem Oberamt Heidenheim zugeordnet.
20. Jahrhundert 1908 wurde in Heuchlingen ein Dieselkraftwerk für die Genossenschaft Elektrizitätswerk für die Heidenheimer und Ulmer Alb gegründet, mit dem eine Elektrizitätsversorgung der Region geschaffen wurde und aus der die Mittelschwäbische Überlandzentrale entstand. mini|Die evangelische Michaelskirche
Die Verwaltungsreform vom 25. April 1938 während der NS-Zeit in Württemberg führte zur Zugehörigkeit zum Landkreis Heidenheim. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Ort Teil der Amerikanischen Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.
Religionen Der Großteil der Bevölkerung ist auf Grund der historischen Zugehörigkeit zu Altwürttemberg evangelischer Konfession.
Eingemeindungen 1. April 1971: Heldenfingen 1. Juli 1971: Gussenstadt 1. April 1972: Dettingen am Albuch 1. Juli 1974: Heuchlingen
Am 1. Juli 1974 wurde Sontbergen, bis zum 30. November 1973 ein Ortsteil von Bräunisheim (Alb-Donau-Kreis), von der Nachbargemeinde Amstetten nach Gerstetten umgegliedert.
Einwohnerentwicklung Die Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand sind Schätzungen, Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberg (nur Hauptwohnsitze).
Jahr Einwohner 1. Dezember 1871 6.168 1. Dezember 1880 6.411 1. Dezember 1890 6.130 1. Dezember 1900 5.670 1. Dezember 1910 5.851 16. Juni 1925 5.834 16. Juni 1933 5.736 17. Mai 1939 5.539 13. September 1950 7.931 6. Juni 1961 8.968 Jahr Einwohner 27. Mai 1970 9.981 31. Dezember 1980 10.058 25. Mai 1987 10.407 31. Dezember 1990 10.791 31. Dezember 1995 11.598 31. Dezember 2000 12.063 31. Dezember 2005 12.085 31. Dezember 2010 11.667 31. Dezember 2015 11.664 31. Dezember 2020 11.703
Politik Gemeinderat In Gerstetten wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat in Gerstetten besteht nach der letzten Wahl aus den gewählten 25 (vorher 26) ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart
Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019FWVFreier Wählervereinigung51,801345,012GrüneBündnis 90/Die Grünen und Unabhängige15,89421,05CDUChristlich Demokratische Union Deutschlands5,84111,43KWGKommunale Wählergemeinschaft/SPD15,03412,43ÖDPÖkologisch-Demokratische Partei/Unabhängige Bürger9,3027,12FDPFreie Demokratische Partei2,1513,21gesamt100,025100,026Wahlbeteiligung64,05 %61,5 %
Bürgermeister Bürgermeister ist seit 2025 Matthias Heisler. Zuvor amtierte von 1994 bis 2025 Roland Polaschek. Heidenheimer Zeitung, 26. April 2016
Wappen
Wappen der ehemals eigenständigen Gemeinden und heutigen Ortsteile
Gemeindepartnerschaften Gerstetten unterhält seit dem 27. Juni 1992 eine Partnerschaft zur französischen Gemeinde Cébazat in der Auvergne bei Clermont-Ferrand und seit dem 5. Mai 1996 zur ungarischen Stadt Pilisvörösvár (deutsch: Werischwar).
Partnerschaftsverein Zur Förderung der Partnerschaften Gerstettens in Europa wurde am 1. Juni 2005 die Gründungsversammlung des Partnerschaftsvereins Gerstetten im Sitzungssaal des Rathauses in Gerstetten abgehalten. Neben zahlreichen Bürgern wurden auch viele Vereine der Gemeinde Gerstetten Mitglied im Partnerschaftsverein. Dem Partnerschaftsverein steht seit Gründung Franz Nerad vor.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Fünf Kilometer nördlich von Gerstetten verläuft die Bundesstraße 466 zwischen Süßen (B 10) und Heidenheim an der Brenz. Als Zubringer dient die Landesstraße 1165, die von Aalen über Gerstetten nach Ulm führt. Die Landesstraße 1164 zieht sich von Geislingen an der Steige kommend durch das gesamte Gemeindegebiet und verläuft weiter nach Herbrechtingen und Heidenheim. Von der Bundesautobahn 7 (Anschlussstelle Niederstotzingen) ist Gerstetten in zirka 15 Minuten, von der Bundesautobahn 8 (Anschlussstelle Merklingen oder Ulm-West) in rund 25 Minuten zu erreichen.
Die Buslinie 75 verbindet Gerstetten und Gussenstadt mit Heidenheim, die Buslinie 70 führt von Gerstetten über Heldenfingen, Heuchlingen und Dettingen nach Heidenheim (HTV-Tarif). Mit der Linie 585 bestehen eingeschränkte Fahrtmöglichkeiten nach Ulm (DING-Tarif). Die nächstgelegenen Bahnhöfe mit regulärem Personenverkehr sind Heidenheim (Bahnstrecke Aalen–Ulm) und Geislingen an der Steige (Filstalbahn Stuttgart–Ulm). Geislingen ist mit öffentlichen Verkehrsmitteln von Gerstetten aus nur über große Umwege zu erreichen.
Die betriebsfähige historische Bahnstrecke Amstetten–Gerstetten nach Amstetten wird für Museumseisenbahnfahrten sowie den Güterverkehr genutzt, der auch das finanzielle Standbein der Bahn ist.
Durch Gerstetten verläuft als Landes-Radfernweg der Albtäler-Radweg; es handelt sich um einen Rundkurs zwischen Römerstein und Giengen. Er verläuft von Herbrechtingen ins Eselsburger Tal und von dort hinauf über die Ortsteile Dettingen am Albuch und Heldenfingen nach Gerstetten und weiter über den Ortsteil Gussenstadt Richtung Böhmenkirch (Ortsteile Steinenkirch und Treffelhausen).
Zwei Kilometer östlich des Ortes betreibt der Flugsportverein Gerstetten e. V. einen Flugplatz mit dem Status eines Sonderlandeplatzes.
Ansässige Unternehmen Zulieferindustrie für die Automobilindustrie und weitere vor allem mittelständische Unternehmen prägen das Wirtschaftsbild Gerstettens.
Bildung Im Kernort Gerstetten gibt es neben der Realschule auch eine Grund- und Hauptschule und eine Förderschule. Dettingen, Gussenstadt und Heldenfingen verfügen über eigene Grundschulen.
Sport