Krauchenwies ist eine Gemeinde im baden-württembergischen Landkreis Sigmaringen in Deutschland.
Geographie Geographische Lage mini|Krauchenwies (1985) Die Gemeinde Krauchenwies liegt zwischen 568 und am südlichen Rand des Naturparks Obere Donau. Die Gemarkungsfläche umfasst rund 42,76 QuadratkilometerGemarkungsfläche 42.755.098 m² (Stand: 31. Dezember 2010).Angaben nach Waltraud Weizenegger, Vorzimmer Bürgermeister der Gemeinde Krauchenwies, vom 11. Januar 2011. Der Ort liegt rund zehn Kilometer südlich von Sigmaringen und etwa 30 Kilometer nördlich des Bodensees. Krauchenwies wird von der Ablach durchflossen, die an der europäischen Wasserscheide entspringt und in die Donau mündet. Das südlich des Donautals verlaufende Ablachtal mit sanften Höhenzügen ist geprägt von teilweise renaturierten Baggerseen, großen zusammenhängenden Waldgebieten und landwirtschaftlich genutzten Wiesenflächen. Zudem durchfließt der Andelsbach Krauchenwies, um im Fürstlichen Park vor Josefslust in die Ablach zu münden.Hier wurde im vorigen Jahrhundert noch gebadet. In der „im Interesse der Ordnung und des Anstandes aufgestellte Badeordnung der Gemeinde von 1928“ tauchen Begriffe wie Bubenbad und Mädchenbad auf, werden getrennte Badezeiten für Frauen und Männer genannt. Vgl. Arno Möhl: Rundgang: SZ-Leser bewundern fürstlichen Park. Durch interessante Führung findet die ehemalige fürstliche Sommerresidenz neue Liebhaber. In: Schwäbische Zeitung vom 22. Juli 2011
Geologie Seit rund 1,8 Millionen Jahren (Pleistozän) wird das Voralpengebiet regelmäßig während verschiedener Kaltzeiten von Gletschern erreicht. Die Gletscher transportierten große Mengen an Geröll und Schutt aus dem Tal des Alpenrheins ins Alpenvorland. Der Gletscher der Rißeiszeit erreichte die größte Ausdehnung. Er überschritt von Sigmaringen bis Riedlingen das Donautal, kam erst am Anstieg der Albtafel zum Stehen und überfuhr die Ablagerungen der Günz- und Mindeleiszeit und vermengte sich mit deren Material. Der Gletscher der letzten, der Würmeiszeit reichte nur bis südlich von Pfullendorf, das heißt, dass zwei Gebiete in der Region vorkommen: Zum einen ist es die sogenannte Altmoräne mit Ablagerungen der Rißeiszeit und zum anderen südlich davon die sogenannte Jungmoräne mit Ablagerungen der Würmeiszeit. Das abfließende Schmelzwasser schotterte die alten Täler auf, leistete kräftige seitliche Erosion und schuf so die heutige Kastenform. Dieser Schotter der Schmelzwasserzuflüsse wurde beim Vorrücken des Gletschers noch mal überdeckt, und es bildeten sich sogenannte Vorstoßschotter, die früher (Steidlesee) und noch heute in Krauchenwies im Nassabbau abgebaut werden. In Bittelschieß, Ettisweiler und Göggingen werden die Moränen der Rißeiszeit im Trockenabbau abgebaut. Der Kies, der heute in Krauchenwies abgebaut wird, stammt also ursprünglich aus den Alpen.LeJu 2001
Das Land Baden-Württemberg unterhält auf Krauchenwieser Gemarkung einen von elf Standorten für landwirtschaftliche Landessortenversuche, drei davon im Regierungsbezirk Tübingen. Das zentrale Versuchsfeld „Oberland“ ist mit zehn Hektar das größte amtliche Versuchsfeld für Nutzpflanzen Baden-Württembergs. Es liegt an der Strecke zwischen Krauchenwies und Mengen, vor der Abzweigung nach Ostrach. Die Fläche befindet sich zur Hälfte im Landeseigentum, die andere Hälfte ist langfristig gepachtet. Aktive Versuchsfläche sind 4,5 Hektar, der Rest ist Ausgleichsfläche. Auf den rund 1300 Parzellen werden 23 amtliche Versuche und neun Industrieversuche durchgeführt. Weitere 500 Parzellen dienen Gemeinschaftsversuchen von Beratungsdienst und Industrie. Das Versuchsfeld wird durch den Fachbereich Landwirtschaft des Landratsamts Sigmaringen betreut und ist unabhängig von Industriebetrieben.Sabine Hug (hug): Feldbegehung findet großen Anklang. In: Südkurier vom 10. Juli 2010 Der Fachbereich Landwirtschaft nimmt die Aufgaben der unteren Landwirtschaftsbehörde nach dem Landwirtschafts- und Landeskulturgesetz (LLG) wahr. Der Versuchsstandort Krauchenwies ist seit 2009 dem Tertiärhügelland/Gäu (zuvor Donau Süd) zugeordnet. Der sandige Lehm der pseudovergleyten Parabraunerde einer Altmoräne auf hat einen pH-Wert von 6,4 bis 6,7.
Klima Der Ort hat Jahresniederschläge von rund 790 mm, die Jahresmitteltemperatur beträgt 7,6 °C. Die Hauptbaumarten sind Fichte, Buche, Esche und Ahorn.Jagdverpachtung 2011. In: Blättle. Mitteilungsblatt der Gemeinde Krauchenwies mit den Ortsteilen Ablach, Bittelschieß, Ettisweiler, Göggingen und Hausen. 52. Jg./ Nr. 10 vom 11. März 2011
Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus dem Kernort Krauchenwies und den Ortsteilen Ablach, Bittelschieß, Ettisweiler, Göggingen und Hausen am Andelsbach.
Wappen Ortsteil Einwohner(Stand: 31. Dez. 2010) Fläche(Stand: 31. Dez. 2010) 30px|Wappen Krauchenwies (Kernort) 2309 1215 ha 12.145.036 m² 30px|Wappen Ablach 682 614 ha 6.141.837 m² 30px|Wappen Bittelschieß 312 447 ha 4.469.717 m² 30px|Wappen Ettisweiler 53 191 ha 1.909.936 m² 30px|Wappen Göggingen 897 1237 ha 12.368.420 m² 30px|Wappen Hausen am Andelsbach 794 763 ha 7.630.088 m² Schutzgebiete
Im Norden der Gemeinde liegt das Vogelschutzgebiet Baggerseen Krauchenwies/Zielfingen. Die Flächen nördlich der Bahnlinie und nördlich der Krauchenwieser Ortslage liegen zudem im Naturpark Obere Donau.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte mini|Dorf Krauchenwies mit Schloss (Ansicht von 1733)
Bis zum 18. Jahrhundert Das Dorf Krauchenwies wird erstmals im Jahre 1202 über den Namen Albertus de Cruchinwis als Zeuge in einer Reichenauer Urkunde erwähnt.Vgl. Gustav Kempf S. 15 + 136 Die Herren von Cruchinwis waren Reichenauer Ministerialen. Krauchenwies ist wohl Siedlung der jüngeren Ausbauzeit.Landesarchivdirektion Baden-Württemberg (Hrsg.): Das Land Baden-Württemberg: amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden, Band 7: Regierungsbezirk Tübingen. Verlag W. Kohlhammer, 1978. S. 877. ISBN 3-17-004807-4 1514 wurde die Markung in der alemannischen Dialektform mit Kruchenwiss bekundet.Berliner Gesellschaft für das Studium der neueren Sprachen (Hrsg.): Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen, Band 45–46. Verlag Westermann, 1869. S. 107 Die Tatsache, dass Krauchenwies bereits 1216 eine eigene Pfarrkirche und 1306 bereits ungefähr 45 Häuser hatte, lässt auf eine längere Entwicklungszeit schließen.
Später übernahm das Niederadelsgeschlecht der Herren von Leiterberg (auch Laiterberg) das Dorf. Lehnsherr derer von Leiterberg im 13. Jahrhundert war in Krauchenwies die Abtei Reichenau. Das Kloster hatte ihnen in Krauchenwies u. a. die Dorfherrschaft, den Kirchensatz sowie allgemein die Kontrolle der abhängigen Bauern übertragen. Die Leiterberg verkauften ihre Besitzungen und Rechte (Dienstlehen, Eigenbesitz, Dorf- und Kirchherrschaft) um 1290 an die Habsburger. Von 1453 bis 1458 war Werner von Zimmern in Besitz von Schloss und Dorf Krauchenwies, das er von Conrad Gremlich für 2500 Goldgulden erworben hatte. Er musste es aber auf Einspruch der Familie wieder an die Gremlich zurückgeben.Gustav Kempf, S. 23 Die Zimmern übten über Krauchenwies die Hochgerichtsbarkeit aus.Gustav Kempf, S. 20
Mit noch nicht 35 Jahren bekam Ritter Hanns von Sürgenstain, auch Hans Sürg genannt, das Dorf Krauchenwies als zimmerisches Lehen. Die Zimmerische Chronik berichtet, dass der Lehensmann zusammen mit anderen Edlen an der Kaisertafel in Prag beim Essen vergiftet wurde, aber geistig verwirrt überlebte. Er bewohnte in Krauchenwies ein „Schlössle“. Weiterhin heißt es, dass er 1546 von seinem augsburgischen Diener in seinem Nachtlager im Wirtshaus des Klosters Wald erstochen wurde.Falko Hahn (fah): Anno 1546 ersticht ein Diener in Wald Ritter Sürgenstain – Geschichte aus der Zimmerschen Chronik. Mord im Wirtshaus des Klosters. In: Südkurier vom 14. November 2008. Siehe auch: Zimmerische Chronik, Band 3, S. 508ff.
1595 kaufte Karl II. von Hohenzollern-Sigmaringen Krauchenwies, das seitdem eng mit der Grafschaft Sigmaringen verbunden blieb. Das noch vorhandene Totenbuch zeigt eine lange Liste von Pesttoten in der Zeit des Krieges gegen Schweden und Frankreich (1630–1648) im Zuge des Dreißigjährigen Kriegs, oft mehrere an einem Tag.Gustav Kempf, S. 354
Die Besitzverhältnisse an Krauchenwies blieben lange Zeit umstritten. Im Einzelnen ging es um die Frage, ob der Ort unmittelbares Eigentum der Fürsten von Hohenzollern oder aber Lehen der Erzherzöge von Österreich war. Um den hohenzollerischen Besitzanspruch zu betonen, gaben die Hohenzollern 1731 eine Feldbeschreibung bzw. ein sogenanntes Urbar über den „Hochfürstlich-Sigmaringischen Immediat-Flecken Krauchenwis“ in Auftrag.Älteste detailgetreue Karte von 1733. Historische Ortsansicht von Krauchenwies liegt im Staatsarchiv Sigmaringen – Gezeichnet von Johann Conrad Kircher. In: Südkurier vom 25. Juni 2009 Am 2. Mai 1770 war Krauchenwies Station der Brautfahrt der Marie Antoinette. Ihr wurde hier ein Imbiss bereitet.Von Paris nach Krauchenwies – Migration im Dienst der Dynastie am Beispiel von Antoinette Murat. Vortrag von Carmen Ziwes am 25. November 2010 in Krauchenwies in Bezug auf Carmen Ziwes: Die Brautfahrt der Marie Antoinette 1770. Festlichkeiten, Zeremoniell und ständische Rahmenbedingungen am Beispiel der Stadt Freiburg. In: Aufklärung 6 (1991)
mini|Ortsmitte von Krauchenwies und Partie beim Schloss (1906)
19. Jahrhundert Krauchenwies wurde im 19. Jahrhundert im Volksmund als „Klein-Paris“ bezeichnet: In der Nachbarschaft des frühklassizistischen Schlosses wurde von der Herrschaft Hohenzollern-Sigmaringen 1828/1829 das neue Landhaus inmitten des fürstlichen Parks errichtet. Neben der prachtvollen Parkanlage gab es repräsentative Bürgerhäuser, Krauchenwies avancierte bald zum Treffpunkt gekrönter Häupter. So weilten hier unter anderem Kaiser Wilhelm I. und Kaiserin Augusta als Gäste.Zum Weitersagen! Wussten Sie eigentlich, dass… In: Südkurier vom 9. März 2011
Das Dorf lag ab 1807 im neugegründeten hohenzollerischen Oberamt Sigmaringen. Infolge der Abtretung des Fürstentums Hohenzollern-Sigmaringen an Preußen wurde Krauchenwies 1850 als Teil der Hohenzollerischen Lande preußisch und blieb es de facto bis 1945. Ab 1873 war Krauchenwies Knotenpunkt der Bahnstrecke Radolfzell–Mengen und der Bahnstrecke Krauchenwies–Sigmaringen der Badischen Staatsbahn.
20. Jahrhundert