Scheer ist eine Stadt an der Donau im Landkreis Sigmaringen in Baden-Württemberg. Bekannt ist die Stadt vor allem für das Schloss Scheer.
Geographie Geographische Lage mini|links
Die Stadt liegt im Naturpark Obere Donau. Das Stadtgebiet erstreckt sich von den Ausläufern der Schwäbischen Alb bis ins beginnende schwäbische Oberland.
Hier hat sich die Donau, der im Altpliozän entstandene Fluss vor rund 10.000 Jahren entlang dem Weißjura einen neuen Weg durch die Riedniederung gesucht. Sie war zuvor vom Rheingletscher verschüttet und durch nacheiszeitliche Schmelzwässer ausgewaschen worden.
Im „Felsele“, einem Tal zwischen Scheer und Heudorf, verlief vor der Eiszeit einmal die Donau.Der Panoramaweg um Scheer. S. 49f. In: Wanderbar …die schönsten Routen. Erlebnis Kreis Sigmaringen. Landratsamt Sigmaringen, Druckerei Schönebeck, Meßkirch 2004.
Auf dem letzten nordseitigen Kalksporn, den die Donau mit einer lang gestreckten Nord-Schleife umgeht, erheben sich Scheers Wahrzeichen: die Pfarrkirche St. Nikolaus und das Schloss Scheer. Hier befinden sich die letzten Massenkalkfelsen des Donau-Durchbruchstals nach der Albtafel. Unterhalb des Städtchens taucht der Weißjura ab und das Tal weitet sich in den weichen Schichten der Unteren Süßwassermolasse.
Etwa 40 Prozent der Gemarkungsfläche sind bewaldet.
Nachbargemeinden Scheer grenzt (im Uhrzeigersinn) an Mengen, Sigmaringen, Sigmaringendorf und Bingen im Landkreis Sigmaringen sowie an Langenenslingen und Altheim im Landkreis Biberach.
Stadtgliederung Zu Scheer gehört neben der namensgebenden Kernstadt der Stadtteil Heudorf.
Wappen Stadtteil Einwohner Fläche (km²) 30px|Scheer Scheer (Kernstadt) 2150 11,02 30px|Heudorf Heudorf 550 7,70
Schutzgebiete
Scheer hat Anteil an drei Landschaftsschutzgebieten, dem Donau- und Schmeiental, dem Mühlbachtal und dem Landschaftsschutzgebiet Ehemalige Burg bei Heudorf. Das FFH-Gebiet Donau zwischen Riedlingen und Sigmaringen umfasst auch die Donauaue auf dem Scheerer Gemeindegebiet sowie das Mühlbachtal. Im Äußersten Westen hat die Gemeinde zudem Anteil am FFH-Gebiet Gebiete um das Laucherttal.
Scheer gehört außerdem zum Naturpark Obere Donau.Daten- und Kartendienst der LUBW
Geschichte Vorgeschichte und Antike Aus der Zeit von 1800 v. Chr. bis 800 v. Chr. datieren erste Spuren einer Ansiedlung. Bereits ab diesem Zeitpunkt war die Gegend ständig besiedelt. Damals entstanden auch die acht keltischen Grabhügel im „Lupplet“.
Der Name „Scheer“ leitet sich vom keltischen Wort „scera“ ab und bedeutet Felsen, die hier die letzten Ausläufer des Donaudurchbruchs durch die Schwäbische Alb bilden.Zum Weitersagen! Wussten Sie eigentlich, dass… In: Südkurier vom 17. August 2011 Damit sind die Kalkfelsen gemeint, auf denen heute das Schloss Scheer, die Pfarrkirche St. Nikolaus und die Burg Bartelstein stehen. Damit gehört Scheer zu den ältesten Orten der Gegend. Hier führte auch eine keltische Urstraße von Sigmaringendorf kommend nach Süden in das Ablachtal und eine weitere Verzweigung nach Blochingen zur Heuneburg. Die Furt dieser Keltenstraße war etwa 300 Meter flussaufwärts der heutigen Donaubrücke. In der Gemeinde Scheer wurde 1882 und 1923 vier hallstattzeitliche Grabhügel entdeckt und Knochenreste, bronzene Fußringe und Fibelreste gefunden.
Von etwa 15 v. Chr. bis 395 n. Chr. siedelten die Römer in der Region. Gleich zwei Römerstraßen führten über Scheerer Gebiet: Vom Kastell Ennetach über die jetzige Landstraße unterhalb des Schlossberges vorbei über die Furt der alten Keltenstraße nach dem heutigen Laiz nach Rottweil, eine weitere von Mengen über die Furt beim Jakobstal, fast schnurgerade an den Scheerer Grabhügeln vorbei über Hitzkofen–Bingen–Feldhausen nach Trochtelfingen. Bei einer Ergrabung an vier Stellen im Jakobstal 1923 wurde die römische Bepflasterung festgestellt.
Beim Bahnbau in Scheer wurden Gräber mit Bronzeschmuck und Waffen gefunden, wobei es sich vermutlich um Reihengräber aus der Merowingerzeit handelte.
Mittelalter mini|Scheerer Altstadt mit Donaubrücke und Wehranlage Von 536 bis 843 lag die Gemarkung von Scheer im Fränkischen Reich in der alamannischen Westbaar. Zu dieser Westbaar gehörten der Scherragau, der Eritgau und der Linzgau. Scheer war vermutlich der Hauptort des Scherragaus. Es folgte nach 843 die Zeit des Ostfränkischen Reiches und des Stammesherzogtums Schwaben, welches zu Beginn des 10. Jahrhunderts entstand. In Scheer war ein „Graf von Ruck“ beschrieben (Ruckburgen sind aus dem Gebiet von Lindau und Blaubeuren bekannt). Im 11. und 12. Jahrhundert entstanden in zunehmendem Maße Höhenburgen. In diesem Zeitraum dürften auch die beiden Burgen in Scheer (Schloss Scheer und Burg Bartelstein) entstanden sein, wie auch die Burg Sigmaringen. Im Jahre 1170 hielt Kaiser Friedrich Barbarossa Hoftag in Mengen. Im Gefolge des Kaisers befand sich neben Bischof Rudolf auch unter anderen Pfalzgraf Hugo von Tübingen, der 1181 zum Herren von Scheer, Sigmaringen und Gammertingen wurde.
1182 verstarb Pfalzgraf Hugo von Tübingen. Seine Söhne, die Pfalzgrafen Hugo und Rudolf, übernahmen zunächst gemeinsam die Herrschaft. Nach dem Aussterben der Montfortschen Stammverwandten erbten sie auch deren ursprüngliche Stammlande Feldkirch, Werdenberg, Sargans und die anderen Besitzungen in Rätien. Bei der Teilung erhielt Rudolf den väterlichen Erbteil und wurde Gründer der Tübinger Linie. Das Bregenzer und Montforter Erbe trat Hugo an. Das Gebiet um Scheer, Sigmaringen und Gammertingen blieb gemeinsamer Besitz. Hugo nannte sich fortan Graf Hugo I. von Montfort. Er wurde 1218 von einem Ministerialen, der sich Ortolf von Bartelstein nannte, zum Hoftag nach Ulm begleitet. Damit wurde erstmals ein Adliger genannt, der sich nach der in Scheer gelegenen Burg schrieb. Graf Hugo wird auch als Erbauer der Stadtpfarrkirche angesehen.
1228 starb Graf Hugo I. von Montfort. Seine Söhne teilten die Herrschaft in eine Werdenberger und eine Neumontforter Linie. Begründer der Werdenberger Linie wurde Graf Hugo II. Sein Bruder Graf Rudolf I. von Montfort, der Stifter der Neumontforter Linie, wurde damit Herrscher im Gebiet von Scheer und nannte sich fortan „Herr zu Feldkirch, Bregenz, Tettnang, Sigmaringen und Scheer“.
In den Jahren 1241 bis 1258 wurden mehrere Städte im Umkreis von Scheer gegründet: Sigmaringen, Saulgau, Meßkirch, Riedlingen, Mengen und Ehingen. Es wird vermutet, dass auch Scheer in dieser Zeit die Freiburger Stadtrechte erhielt. Spätestens Ende des 13. Jahrhunderts – die Burg auf dem Felssporn stand bereits – wurde Scheer von den Habsburgern zur Stadt erhoben.
mini|Pfarrkirche St. Nikolaus und die Scheerer Altstadt
1260 wurde nach dem Tod des Grafen Rudolf I. von Montfort dessen Herrschaftsbereich neu aufgeteilt. Graf Rudolf II. erhielt die Herrschaft Feldkirch, Graf Ulrich I. die Herrschaft Bregenz und Graf Hugo III. die Herrschaft Tettnang. Nachdem Graf Hugo von Montfort 1267 den Allodialbesitz der Pfalzgrafen Hugo III. und Rudolf III. des „Scheerers“ übernommen hatte, nannte er sich ab 1267 „Comes de Schera“, und ab 1287 Graf Hugo von Montfort, Herr zu Scheere. Er gilt als erster sicher nachweisbarer Graf, der auf der alten Burg Scheer, dem späteren Schloss, saß.
18 Jahre später, 1278, bildete sich nach der Neuordnung des Herzogtums Schwaben durch König Rudolf von Habsburg eine Dynastenopposition, die kriegerisch gegen den König vorging. Jedoch schon 1281 stellte der König die Ordnung wieder her, so dass im Herbst der „oberschwäbische Landfriede“ verkündet werden konnte. Danach nutzte der König die wachsende Verschuldung des Adels zum Ankauf niedergehender Adelsgeschlechter und deren Herrschaftsbereiche und Güter. So kaufte der König 1282 „Tiengowe und Ergowe“ (Diengau und Eritgau) und die Dörfer Hohentengen und Blochingen, sowie die Burg Friedberg z. B. für 1280 Mark. Nach der Burg „Vriedeberch“ trug das Gebiet fortan die Bezeichnung Friedberg.
1285 brach der Dynastenaufstand erneut aus. Es waren neben dem Grafen Eberhardt von Württemberg weitere 15 Grafen beteiligt, darunter auch Graf Ulrich von Bregenz-Sigmaringen. Ob auch sein Bruder, der Scheerer Graf Hugo in die Fehde verwickelt war, in deren Verlauf die Montforter Besitzungen verwüstet wurden, ist unbekannt. Im darauffolgenden Jahr führte der König persönlich den Kampf an und im November 1286 wurde versucht, den Krieg mit einem Frieden zu beenden.
Im Juli 1287 erschien der König wieder in Schwaben und unterwarf neben dem Grafen von Württemberg unter anderem die Grafen von Tübingen, von Montfort und Helfenstein. Nach dem Waffenstillstand vom 6. September beurkundete König Rudolf von Habsburg am 23. Oktober 1287 in Scheer, dass sein Kanzler, der Erzbischof Heinrich II. von Mainz zwischen ihm und dem Grafen Eberhard von Württemberg eine Sühne zustande brachte. Der Aufenthalt des Königs in Scheer lässt vermuten, dass sich Graf Hugo als Verwandter des Königs nicht an den Kämpfen beteiligt hatte. Am 2. November 1287 schenkte Graf Hugo ein Gut zu Reppersweiler an das Kloster Habsthal. Dies war seine letzte Amtshandlung. Danach verkaufte er noch im Jahre 1287 seine Herrschaft Scheer an die Habsburger. Aus den Aufzeichnungen über den habsburgischen Besitz ist ersichtlich, dass der König mit der Burg und Stadt Scheer auch Gemmingen, die Burg Schatzberg bei Egelfingen, die Mühle und das Fischwasser in Krauchenwies, den Hof hinter der Martinskirche in Mengen, Güter in Hitzkofen und Bingen und den Burgstall in Bittelschieß kaufte. Graf Hugo zog sich nun nach Tettnang zurück.
1289 bestätigte König Rudolf von Habsburg den Bürgern von Scheer ihre Freiburger Stadtrechte. Am 15. Juli 1291 verstarb König Rudolf von Habsburg in Speyer. Ab 1295 unterstand das ganze Gebiet einer einheitlichen Verwaltung mit einem Vogt als obersten Beamten und vermutlich mit Sitz in Scheer. Die Stadt Scheer weist auch seither die Schneiderschere und einen Stern als Zeichen der königlichen Gerichtsbarkeit aus.
1300 wurden in einem „Redditus de Schere“ (Güterverzeichnis) die Güter um Scheer, zu denen auch Ennetach gehörte, verzeichnet und 1303 in das Habsburger Urbar übernommen. 1311 nannte sich der Vogt der Habsburger, Schiltung, der seinen Hauptsitz in Scheer hatte, „Voget Schiltunch zu der Schaere und anderswo“. 1312 beurkundete der Vogt zwar weiter in Scheer, nannte sich fortan aber Vogt Schiltung von Sigmaringen.
Nach der Königswahl 1314 brach ein Reichskrieg aus. Graf Wilhelm stellte sich auf die Seite der Habsburger. Herzog Leopold von Österreich, der sich 1314 in Mengen aufhielt, verpfändete ihm für 400 Mark Silber die Herrschaft Scheer. 1342 gab es ein schweres Erdbeben im ganzen Donautal, das sich in Schüben von 14 Tagen mehrmals wiederholte. In diesem Jahre verbreitete sich auch die Pest. Am Berg nach Heudorf wurde ein Siechenhaus (Siechensteigle) errichtet. 1343 kamen der königstreue Graf und die Stadt Scheer in eine bedrohliche Situation, als Eberhard der Greiner den von den Österreichern unterstützten Grafen Konrad von Berg unterhalb des Hipfelsberges vernichtend schlug und, nachdem sich dieser nach Mengen zurückgezogen hatte, die Stadt stürmte und schleifte.
mini|Das Schloss Scheer und Teile der Altstadt
1350 starb Graf Wilhelm. Seine vier Söhne hatten zunächst das Erbe gemeinsam inne. Nach dem Tod von Hugo und Ulrich kam es 1354 zur Teilung. Graf Heinrich von Montfort bekam die Burg und Herrschaft Rothenfels, Burg, Stadt und Herrschaft Tettnang, die Burgen Argen, Liebenau und Niedersummerau, die Vogtei des Klosters Langnau, die Burg und Stadt Scheer, den Diengau, die Kirchensätze zu Friedberg, Hohentengen und Herbertingen, die Hälfte der Steuer zu Mengen, die Burg Landau und Ertingen.