Ostercappeln (niederdeutsch: Austerkappeln) ist eine Gemeinde im Osten des Landkreises Osnabrück in Niedersachsen.
Geografie Lage Ostercappeln liegt im Natur- und Geopark TERRA.vita am Übergang vom Nordhang des Wiehengebirges im südlichen Gemeindeteil Ostercappeln zu weiten Moorflächen im Norden des Gemeindegebiets. Der Mittellandkanal durchquert die nördlichen Gemeindeteile Venne und Schwagstorf.
Gliederung Gemeindeteile und Einwohnerzahlen: Ostercappeln (mit Haaren, Hitzhausen, Jöstinghausen, Mönkehöfen und Nordhausen, ca. 5.000) – Sitz der Gemeindeverwaltung Schwagstorf (mit Driehausen, ca. 2.000) Venne (mit Broxten, Niewedde und Vorwalde, ca. 3.000)
Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind, beginnend von Norden im Uhrzeigersinn:
die Gemeinde Neuenkirchen-Vörden (Landkreis Vechta) die Gemeinde Bohmte die Gemeinde Bad Essen die Gemeinde Bissendorf die Gemeinde Belm die Gemeinde Bramsche (alle Landkreis Osnabrück)
Oberflächengewässer, Moore und andere Feuchtgebiete Das Gemeindegebiet von Ostercappeln gehört überwiegend zum Einzugsgebiet der Hase und damit zum Flusssystem der Ems.
Wichtige Oberflächengewässer sind der Kronensee und der Mittellandkanal sowie weitere kleine Gewässer (z. B. Lecker Mühlbach) und Entwässerungskanäle (z. B. Strothkanal).
Der Kronensee liegt bei dem Ortsteil Schwagstorf und umfasst ca. 40 ha. Er entstand aus einer früheren Sand- und Kiesgrube, heute dient er als Freizeitsee. Der Mittellandkanal durchquert Schwagstorf.
Das Venner Moor ist mit ca. 220 ha ein ausgewiesenes Naturschutzgebiet (NSG WE 140). Es liegt zwischen dem Ortsteil Venne (Ostercappeln) und Hunteburg. Früher wurde dort Torf abgebaut; heute ist das Moor teilweise renaturiert und bietet typische Moor- und Feuchtgebietsnatur mit Moorwäldern, Torfmoosen und typischer Flora und Fauna.
Das Campemoor (teilweise Gemeinde Ostercappeln) ist ein sehr großes Moorgebiet mit einer moorgeologischen Gesamtgröße von mehreren tausend Hektar. Das Moorgebiet umfasst unterschiedliche Moor-Typen: Hochmoor, Niedermoor und sonstige Moorflächen. Der Großteil ist landschaftlich erhalten, teils als Schutzgebiet, teils als Grünland oder Grünland-Nutzfläche. Nicht alles ist als Naturschutzgebiet ausgewiesen.
Das Gemeindegebiet ist durch kleinräumige Gewässer wie den Lecker Mühlbach und den Kronensee geprägt; wiederkehrende Starkregenereignisse und Oberflächenabfluss können dabei lokal zu Hochwasserproblemen führen, weshalb etwa in Hitzhausen Maßnahmen zum Hochwasserschutz geplant und umgesetzt werden. Ein zentrales ökologisches Thema ist das Venner Moor, das durch frühere Entwässerungsmaßnahmen hydrologisch gestört wurde. Umfangreiche Renaturierungs- und Wiedervernässungsprojekte zielen darauf ab, den natürlichen Wasserhaushalt wiederherzustellen und dadurch Lebensräume sowie Klimaschutzfunktionen zu stärken. Zusätzlich beeinflussen klimatische Veränderungen wie häufiger auftretende Trockenperioden und Dürre im Osnabrücker Land den Wasserhaushalt, was zu niedrigeren Grund- und Oberflächenwasserständen führt und sowohl hydrologische als auch ökologische Herausforderungen für Gewässerökosysteme und Feuchtgebiete der Region darstellt.
Untergrundverhältnisse Das vielfältige Landschaftsbild wird vom Wiehengebirge, dem Venner Moor und den Feldern, Wiesen und Mischwäldern der Geestlandschaft geprägt. Ostercappeln liegt geologisch im Übergangsbereich zwischen der Norddeutschen Tiefebene und dem Wiehengebirge. Der Untergrund besteht überwiegend aus eiszeitlichen Sanden, Kiesen und Lehmen, während in höheren Lagen auch Mergel- und Kalksteine der Kreidezeit vorkommen. Die Landschaft ist geprägt durch Geestflächen, Niederungen und Bachtäler. Diese geologische Vielfalt führt zu wechselnden Boden- und Grundwasserverhältnissen.
In Ostercappeln existieren lokal flache Grundwasserstände – z. B. knapp unter einem Meter unter Gelände – und der Bodenaufbau (quarzige Sande) begünstigt Wasserversickerung und Grundwasserneubildung. Damit dürfte Grundwasser dort tendenziell gut zugänglich sein, vor allem in den Bereichen mit Lockergestein. Aufgrund der Mischung mit Festgesteinszonen und Relief – Hügel/Gebirge + Tal/Niederungen – ist die hydrogeologische Situation aber räumlich sehr variabel.
Klima
In Ostercappeln herrscht ein durch feuchte Nordwestwinde von der Nordsee beeinflusstes gemäßigtes Seeklima mit milden Wintern, warmen Sommern und ganzjährig gleichmäßig verteilten, mäßigen Niederschlägen. Die Sommer sind häufig trocken und sonnig, während im Winter gelegentlich Schnee fällt.
Im Jahre 2023 betrug die durchschnittliche Temperatur 11,2 °C. Sie ist tendenziell steigend. Sie betrug in den letzten zehn Jahren durchschnittlich 10,6 °C und in den letzten 100 Jahren waren es durchschnittlich 9,2 °C.
Zwischen Mai und August kann mit durchschnittlich 20–25 Sommertagen (klimatologische Bezeichnung für Tage, an denen die Maximaltemperatur 25 °C übersteigt) gerechnet werden. Es gibt je nach Messmethode und Definition durchschnittlich etwa 1627–2275 Sonnenstunden pro Jahr.
Es fällt jährlich ca. 700–800 mm Niederschlag, weitgehend als Regen.
Geschichte mini|Herrenhaus Krebsburg bei Ostercappeln Das Gemeindegebiet war schon in der Frühzeit besiedelt. Vor 5000 Jahren wurden zwischen Wiehengebirge und Moor zahlreiche Hünengräber errichtet, darunter die Darpvenner Steine sowie die Driehauser Steine an der Straße der Megalithkultur.
Bei der Schnippenburg im Ortsteil Schwagstorf befand sich während der Eisenzeit eine Befestigungsanlage. Neuere Forschungen bestätigten eine Nutzung der Anlage im 3. und 2. Jahrhundert v. Chr., die durch Ausgrabungen ermittelte genaue Bauzeit liegt in den Jahren 278 bis 268 v. Chr. Die Befestigungsanlage wurde noch vor ihrem natürlichen Verfall aus bisher unbekannten Gründen vollständig eingeäschert. Zahlreiche Funde belegen die Bedeutung der Anlage, in deren Umfeld Eisen produziert und weiterverarbeitet wurde. Die Befestigungsanlage ist als Zentrum eines größeren Siedlungsgebietes anzusehen. Verschiedene Hinweise deuten an, dass die Schnippenburg nicht nur als Siedlungs- und Handelsplatz genutzt wurde, sondern auch Ort kultischer Handlungen war. Darauf weist ein Areal mit Opfergruben hin, die im Zuge des Ausgrabungsprojektes Schnippenburg freigelegt wurden. Die Forschungsergebnisse werden seit 2007 im Rahmen einer Wanderausstellung präsentiert.Wanderausstellung
Zwischen Bramsche und Ostercappeln liegt der wahrscheinliche Ort der für die europäische Geschichte bedeutenden Varusschlacht, in der germanische Truppen unter Führung des Cheruskerfürsten Arminius drei römische Legionen vernichtend schlugen.
Der Name Ostercappeln geht zurück auf die Gründung einer Kapelle (capellun) oder Kirche im Osten des Bistums Osnabrück, zur Unterscheidung von einer anderen Kapelle im Westen (Westerkappeln). Die Kirche muss in der Zeit um 800 unter Karl dem Großen entstanden sein.
Der Ortsteil Venne wurde 1074, Schwagstorf 1090 und Ostercappeln 1198 erstmals urkundlich erwähnt.
Laut Wagler soll in Ostercappeln eine besondere, uralte Eiche gestanden haben, die 1866 umfiel. Dies galt im sogenannten „Volksmund“ als böses Omen für das Königshaus in Hannover.
Am 16. Januar 1918 verunglückten nahe Ostercappeln auf der Bahnstrecke Wanne-Eickel–Hamburg zwei Züge. Ein Schnellzug fuhr auf einen Urlauberzug mit Soldaten, wobei 66 Menschen verletzt wurden und 31 starben, unter anderem 12 Finnische Jäger.
Am 30. April 1945 wurden auf der Bremer Straße in Osterkappeln-Haaren 13 Serben aus dem sich in der Auflösung befindlichen Kriegsgefangenenlager Oflag VI C aus Atter durch einen Tieffliegerangriff getötet.
In der Nacht vom 1. auf den 2. August 1982 kam es in Ostercappeln auf der Bahnstrecke Wanne-Eickel–Hamburg zu einem Zusammenstoß des Schnellzugs „Nord-Express“, der von Aachen nach Kopenhagen unterwegs war, mit einem Schützenpanzer der britischen Garnison Osnabrück. Bei dem Unglück starben die beiden Panzerfahrer, der Lokführer und 21 Passagiere wurden verletzt.In Ibbenbürener Volkszeitung vom 3. August 1982: Gestohlener Panzer geriet unter D-Zug.
Eingemeindungen Am 1. Juli 1972 wurde die Gemeinde Ostercappeln durch den Zusammenschluss der Gemeinden der Samtgemeinde Ostercappeln (Gemeinden Haaren, Hitz-Jöstinghausen, Nordhausen und Ostercappeln) und der Samtgemeinde Venne (Gemeinden Broxten, Niewedde und Vorwalde) sowie der Gemeinde Schwagstorf neu gebildet. Am 1. Juli 1975 kam ein Gebietsteil der Nachbargemeinde Bohmte mit damals etwa 100 Einwohnern hinzu.
Einwohnerentwicklung mini|Bevölkerungsentwicklung seit 1987 Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen von Ostercappeln im jeweiligen Gebietsstand und jeweils am 31. Dezember.
Bei den Zahlen handelt es sich um Fortschreibungen des Landesbetriebs für Statistik und Kommunikationstechnologie NiedersachsenLandesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, Bevölkerungsfortschreibung auf der Basis der Volkszählung vom 25. Mai 1987.
Bei Angaben von 1961 und 1970 handelt es sich um die Volkszählungsergebnisse einschließlich der Orte, die am 1. Juli 1972 eingegliedert wurden. Es gilt der Gebietsstand am 1. Juli 1975.
Jahr Einwohner 1961 6963 1970 7154 1987 7805 1990 8099 1995 8996 2000 9254 2005 9671 2010 9505 2011 9502 2015 9566 2015 9628 2018 9688
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat der Gemeinde Ostercappeln besteht aus 24 Ratsfrauen und Ratsherren. Dies ist die festgelegte Anzahl für eine Gemeinde mit einer Einwohnerzahl zwischen 9.001 und 10.000 Einwohnern. Die 24 Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.
Stimmberechtigt im Rat der Gemeinde ist außerdem der hauptamtliche Bürgermeister.
Die folgende Tabelle zeigt die Kommunalwahlergebnisse seit 1996. Rat der Gemeinde Ostercappeln: Wahlergebnisse und GemeinderäteCDUGRÜNESPDFDPAfDLINKEWählerge-meinschaften Gesamt Wahl-beteiligung Wahlperiode % rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Mandate %rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Mandate % rahmenlos|20px|Gesamtanzahl der Sitze im Rat %2021–202651,61320,4519,543,613,111,80——1002460,82016–2021Kommunalwahlen 11.09.2016. In: Ostercappeln.de. Abgerufen am 22. Oktober 2018.54,5 1310,6 327,2 63,7 1——4,0 1— —1002458,062011–201649,5 1212,8 333,8 81,7 0——2,2 1— —1002455,832006–201156,0 14— —38,7 95,3 1——— —— —1002456,62001–200654,1 143,4 036,9 103,3 0——— —2,3 01002464,81996–200153,9 137,0 131,5 8— ———— —7,6 11002369,4Prozentanteile gerundetQuellen: Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie NiedersachsenLandesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen, Tabelle 5000311, Landkreis Osnabrück (PDF; 528 kB). Bei unterschiedlichen Angaben in den genannten Quellen wurden die Daten des Landesbetriebs für Statistik und Kommunikationstechnologie verwendet,da diese eine insgesamt höhere Plausibilität aufweisen.
Bürgermeister Hauptamtlicher Bürgermeister der Gemeinde Ostercappeln ist seit 2021 Erik Ballmeyer (CDU). Im ersten Wahlgang wurde er mit 59,24 Prozent der Stimmen gewählt. Gegenkandidierende waren Jana Broeker-Stockhoff (Grüne, 22,7 %), Simone Jaschke (parteilos, 11,13 %) und Michael Elabor (parteilos, 6,93 %). 1984–2001: Heinz Schockmann (CDU) 2001: Günter Schröder (CDU) 2001–2021: Rainer Ellermann (CDU) seit 2021: Erik Ballmeyer (CDU)
Wappen und Flagge mini|150px|Hissflagge der Gemeinde
Gemeinde Ostercappeln – Unsere Gemeinde: Ortschaft Ostercappeln, abgerufen am 9. November 2014
Ortsrat Der Ortsrat, der den Ortsteil Ostercappeln der gleichnamigen Gemeinde vertritt, setzt sich aus neun Mitgliedern zusammen. Die Ratsmitglieder werden durch eine Kommunalwahl für jeweils fünf Jahre gewählt. Die aktuelle Amtszeit begann am 1. November 2021 und endet am 31. Oktober 2026.
Bei der Kommunalwahl 2021 ergab sich folgende Sitzverteilung:
Städtepartnerschaften