mini|Hochwasser am Rheinufer Köln (April 1983, Bundesarchiv) mini|Johannes Gehrts: Sturmflut. Gemälde von 1880 Hochwasser (wissenschaftlich/mathematische Abkürzung HQ aus „Hoch“ und Abfluss-Kennzahl Q) wird der Zustand von Gewässern genannt, bei dem ihr Wasserstand deutlich über dem Pegelstand ihres Mittelwassers liegt. Gegenstück ist „Niedrigwasser“.

Bei der Begriffsverwendung ist zu unterscheiden, woher entsprechendes Wasser hauptsächlich stammt: Gezeitenunabhängig (Tide): Aufgrund von Starkregen („pluvial“) oder Schneeschmelze (Wasser von oben), bei fließenden oder stehenden Gewässern („fluvial“),22. Juli 2021, Zurich-Versicherungen, zurich.com: Three common types of flood explained („Die drei üblichen Hochwasserarten“) (30. Juli 2021) Tideabhängig (In der Regel an maritimen Gewässerküsten): Normalfall: Zustand zwischen zwei Niedrigwassern der Tide, es tritt als Normalzustand (Tidehochwasser) periodisch alle 12 bis 12½ Stunden auf. Extremfall Sturmflut: Durch Stärke und Richtung von Wind bzw. Sturm bis Orkan erhöhtes normales periodisches Hochwasser Umgangssprachlich wird Hochwasser häufig mit der Flut verwechselt.

Tideunabhängig mini|Donau in Ungarn, Kroatien und Serbien 2006, Flutbild und Normalzustand (NASA-MODIS)

Bei Flüssen und kleineren Fließgewässern spricht man von Hochwasser, wenn ihr Wasserstand für längere Zeit (mehrere Tage) ihren normalen Pegel deutlich übersteigt. Sie haben meist – je nach Art des Einzugsgebietes – eine jahreszeitliche Häufung, etwa bei der Schneeschmelze oder nach sommerlichen Starkregen. Bei starkem Hochwasser muss zunächst die Flussschifffahrt eingestellt werden, bei weiterem Ansteigen kann es zu Überschwemmungen kommen. Anschwellende Wildbäche können Brücken mitreißen und Muren oder Erdrutsche auslösen. Besonders schnell eintretende Hochwässer können als Sturzfluten bezeichnet werden.

Tideabhängig In Meeren und von Gezeiten („Tiden“) abhängigen Gewässern bezeichnet „Hochwasser“ den periodischen Eintritt des höchsten Wasserstands (Scheitelpunkt) nach Eintreten der Flut und vor dem Übergang zur Ebbe. Hoch- und Niedrigwasser wechseln sich durchschnittlich alle 6 bis 6½ Stunden ab, verursacht durch die Gravitation der Sonne und vor allem des Mondes. Besonders hohe Tiden bei Voll- oder Neumond werden als „Springtide“ auch „Springflut“ oder „Springhochwasser“ bezeichnet. Normale Hochwasser können durch Wind (Driftstrom) zu einer Sturmflut verstärkt werden, die an einer Flachküste kilometerweit ins Landesinnere vordringen kann. Bei Gewässern ohne merkliche Gezeiten kann es im Zusammenhang mit der Schneeschmelze oder einem Starkregenereignis auch zu einem Windstau (Hydrologie) kommen.

Allgemeines mini|Diemtigen (Schweiz) nach einem Hochwasser des Chirel, August 2005 mini|Elbehochwasser 2006: Von Elbe und Jeetzel überflutete Altstadt von Hitzacker mini|Passau während der Hochwasser in Mitteleuropa 2013 mini|Ausuferung an der Mittelelbe bei Havelberg, Juni 2013 mini|Hochwasser am Deutschen Eck in Koblenz Anfang Januar 2018

Grundsätzlich sind Hochwasser Bestandteile des natürlichen Geschehens. Zur Katastrophe (Flutkatastrophe) werden sie, wenn menschliche Werte betroffen sind. Man kann unterscheiden zwischen regelmäßig wiederkehrenden Hochwassern, ausgelöst etwa durch Gezeiten oder Schneeschmelze (Frühjahrshochwasser), und unregelmäßigen oder einmaligen Ereignissen wie Tsunamis, Sturmfluten und sogenannte „Jahrhundertfluten“ (als solche wurde das Elbehochwasser 2002 sowie das Hochwasser in Mitteleuropa 2013 bezeichnet;Hartmann, T. & Juepner, R. (2014): Editorial: The flood risk management plan between spatial planning and water engineering. Journal of Flood Risk Management, doi:10.1111/jfr3.12101. inzwischen gab es einige weitere Hochwasser, die diese Bezeichnung relativieren). Bei derartigen, besonders starken Hochwassern wird von „Jahrtausendhochwassern“ gesprochen (z. B. Magdalenenhochwasser 1342 oder Oderhochwasser 1997).

Der Beitrag der globalen Erwärmung zum Hochwassergeschehen ist bisher nicht klar. Für manche Regionen prognostiziert man eine Steigerung des Jahresniederschlages, für andere eine Verminderung oder eine andere Verteilung. Dennoch geht das IPCC davon aus, dass Hochwasserrisiken künftig zunehmen werden.IPCC (2014): Climate Change. Impacts, Adaptation, & Vulnerability: WGII AR5. Abgerufen auf www.ipcc.ch.

Länder mit geringen Reliefhöhen wie die Niederlande, Deutschland (vor allem im Norden) und Dänemark versuchen, sich durch massive Deichbaumaßnahmen und Sperrwerke vor steigendem Meereshochwasser zu schützen. Wird kein intensiver Hochwasserschutz betrieben, kann es wie in Bangladesch am Mündungsdelta des Ganges häufiger zu Katastrophen mit vielen tausend Toten kommen.

Hochwassersituationen entstehen auch im Landinneren durch das Anschwellen der Flüsse und Seen. Ebenso können durch Eisstau oder Windeinstau (zum Beispiel Hamburger Sturmflut) Hochwasser entstehen.

Die Hochwasser(scheitel) eines Flusses und eines Nebenflusses können zusammenwirken. Beispiel: Wenn in Koblenz eine Mosel- und eine Rhein-Hochwasserwelle zeitnah zusammentreffen, erhöht sich ab da das Rheinhochwasser. Beim Rheinhochwasser Ende 1993 wirkten Fluten aus Neckar, Main, Nahe und Mosel zusammen.

Traditionell werden feste Markierungen an Gebäuden oder anderen Befestigungen in Form von Hochwassermarken oder Flutmarken angebracht, um den Höchststand zu dokumentieren.

Hochwasserrisiko

mini|Bodenwerder bei Hochwasser der Weser mini|„Regelmäßiges“ Hochwasser in Venedig

Im Zuge der fortschreitenden Landnutzung wuchsen auch die genutzten Flächen, die Hochwassergefahren ausgesetzt sind. Im 19. Jahrhundert wurden Hochwasser weniger katastrophal gesehen als heute, waren doch die verbauten Flächen weniger, mitunter galten Hochwasser als Wetter-Ereignisse vergleichbar dem Schnee heute; so empfand der Maler Gustav Schönleber diese als „angenehme Abwechslung“.Wolf Eiermann, Helmuth Mojem, Staatsgalerie Stuttgart: Württemberg: Maler entdecken Land und Leute 1750–1900. Staatsgalerie Stuttgart 2001, S. 46.

Die menschliche Flächennutzung und meist damit verbundene Flächenversiegelung sowie der nicht sachgerechte Ausbau von Gewässern (lineare Regulierung, Verminderung der Retentionsräume) können verschärfend auf Hochwasserstände wirken. Eine Erweiterung des Abflussquerschnitts vermindert die Überflutungsgefahr lokal, kann sie aber flussabwärts erhöhen. Durch Bewuchs und Anlandungen kann sich der Abflussquerschnitt wieder verringern.spiegel.de, 6. Juni 2013: Ursachen und Prognosen: Zehn Fakten zur Flut.cedim.de (PDF; 3,9 MB) Juni-Hochwasser 2013 in Mitteleuropa – Fokus Deutschland. Stand 3. Juni 2013 (7 S.).

Die Kosten des Wetterereignisses sind kaum abschätzbar.Was kostet eine Jahrhundertflut? in: dw.com, 20. Juli 2021.

Das Hochwasserrisiko eines Gebietes kann je nach Lage anhand folgender Faktoren ermittelt werden:

Höhe über dem Meeresspiegel Geomorphologie die Verwundbarkeit, das heißt die Empfindlichkeit der betroffenen Einrichtung oder Nutzungen gegenüber Überflutungen und das Ausmaß und die Häufigkeit der Überflutung in jüngerer Zeit.

Im Krieg

In Kriegssituationen kann eine vorsätzliche Überflutung als Angriffs- oder als Verteidigungswaffe gegen Angreifer eingesetzt werden. Unter anderem hat den Niederlanden diese Strategie oft Erfolg gegen Angreifer gebracht. Siehe: Achtzigjähriger Krieg, Alkmaar, Inundierung.

1943 zerstörte die britische Luftwaffe einige deutsche Talsperren. Weitere Angriffe auf Staumauern gab es an der Dnjeprostroj- und der Supung-Talsperre. 1945 öffneten Soldaten der Wehrmacht die Rurtalsperre; am 10. Februar 1945 sprengten sie die Verschlüsse des Kermeterstollens am Kraftwerk Heimbach, worauf die Talsperre bis zum Niveau des Kermeterstollens leer lief. Sie sprengten auch die Verschlüsse der Grundablassstollen der Staumauer Schwammenauel (Rursee). Beides zusammen erzeugte flussabwärts ein wochenlanges Hochwasser, das die Flussaue verschlammte und den Westalliierten den Vormarsch erschweren sollte. Die Rur wurde von einem kleinen Flüsschen zum reißenden Gewässer; dies verzögerte den Beginn der Operation Grenade (Übersetzen der 9. US-Armee über die Rur).

Ab dem 2. Dezember 1944 sprengte die Wehrmacht am Niederrhein Deiche, um die vorrückenden Westalliierten am Übersetzen zu hindern.http://hochwasserplattform.de/ Hochwasser 1809 – Hochwasserplattform, S. 33–44. Auch die Operation Veritable (8. – 21. Februar 1945) geriet dadurch ins Stocken, zumal der Winter 1944/45 sehr kalt war.

Am 6. Juni 2023 wurde in der Ukraine der Kachowka-Staudamm zerstört. Dadurch ergoss sich der Kachowkaer Stausee flussabwärts und überschwemmte weite Flächen und forderte mehr als 60 Tote.So sieht es heute am zerstörten Kachowka-Staudamm aus auf ntv.de (abgerufen am 4. Juni 2025).

Qualifikation von Hochwassern

mini|hochkant|Hochwassermarken am Schloss Pillnitz bei Dresden mini|hochkant=1.5

Hochwasser werden zumeist mit einer statistischen Bewertung versehen. Grundlage sind langjährige Messreihen an Pegeln. Aus diesen werden die Jahreshöchstwerte ausgewählt und Überschreitungswahrscheinlichkeiten ermittelt. Deren Kehrwert ist die Jährlichkeit. Diese Jährlichkeiten bezeichnen das statistische Wiederkehrintervall.

An Fließgewässern ist der einzelne Pegelstand wenig aussagekräftig für die allgemeine Situation. Daher errechnet man hier die Durchflussmenge am Pegel, die über das jeweilige Flusssystem aufsummiert werden kann.

Diese Durchflussmenge (bzw. Abflussmenge unterhalb einer Pegelstelle) (in Kubikmeter pro Sekunde) bezeichnet man in der Hydrografie mit „Q“ (aus ), den Wasserstand mit „W“, Hochwasser mit „H“. Daher hat sich für Abflusskenngrößen und damit für die Bezeichnung der Hochwasser selbst die Notation „HQ“ bzw. an Seen und Küsten „HW“ eingebürgert. „HQ100“ oder „HW100“ (auch HQ100 notiert) beispielsweise bezeichnet ein statistisch gesehen alle 100 Jahre auftretendes Hochwasserereignis, ein „Jahrhunderthochwasser“.

Die typischen Referenzwerte an Flüssen sind: Mittlerer Hochwasserabfluss (MHQ): Das arithmetische Mittel aus den höchsten Abflüssen (HQ) gleichartiger Zeitabschnitte für die Jahre des Betrachtungszeitraums. Der Zeitabschnitt und der Betrachtungszeitraum der Angabe ist im Zweifelsfalle hinzuzufügen, so ist zum Beispiel „HQ 1971/1980“ der höchste Abfluss aus den Jahren 1971 bis 1980, „SoHQ 1971/1980“ das höchste in den Sommern 1971 bis 1980, „JulHQ 1971/1980“ der höchste in den Julimonaten der Jahre 1971 bis 1980 aufgetretene Abfluss. Höchster jemals gemessener Hochwasserabfluss (HHQ, „Höchstes jemals gemessenes Hochwasser“): Historisch belegtes Höchsthochwasser Rechnerisch höchster Hochwasserabfluss (RHHQ): Die wasserbauliche Berechnungsgröße des Höchsthochwassers Dabei verdrängen zunehmend Niederschlags-Abfluss-Modelle („NA-Modelle“) die herkömmlichen Tabellen.

Zudem gibt es eine phänomenologische Klassifizierung anhand der Ausmaße der jeweiligen Auswirkung wie Ausuferungen, Überströmen von Sperrwerken oder Ausmaß der Überflutungen. Diese Hochwasserwarnstufen sind heute meist an die Abflusskenngrößen gekoppelt (ähnlich der Beaufort-Skala für Windstärken, die nach Windgeschwindigkeiten eingeteilt ist): das deutsche länderübergreifende Portal hochwasserzentralen.de beispielsweise verwendet ein vierstufiges System, das den Warnstufen der einzelnen Länder entspricht, in den Grenzen HQ2, HQ10, HQ20, HQ100:, Länderübergreifendes Hochwasserportal, abgerufen am 3. Aug. 2014. „Kleines Hochwasser → Mittleres Hochwasser → Großes Hochwasser → Sehr großes Hochwasser“ dabei werden die Binnenhochwasser- und die Sturmflutwarnungen zunehmend korreliert in Österreich sind aktuelle Daten allgemein auf die Periode 1981–2010 hydrologisches Jahr (30-jähriges Mittel) bezogen. Üblich ist:Vgl. etwa , Hydrographischer Dienst – Kärnten; vorarlberg.at: Abflussmessstationen in Vorarlberg, Vorarlberg, beide jeweils Legende, abgerufen am 3. August 2014.