mini|Ernst Friedrich Zwirner mini|hochkant|Ernst Friedrich Zwirner mini|hochkant|Schloss Arenfels mini|hochkant|Apollinariskirche in Remagen, März 2007 mini|Schloss Herdringen mini|Schloss Moyland mini|hochkant|Grabmal auf dem Melaten-Friedhof Ernst Friedrich Zwirner (* 28. Februar 1802 in Jakobswalde, Landkreis Cosel (Oberschlesien); † 22. September 1861 in Köln) war ein deutscher Architekt und Kölner Dombaumeister.

Leben Zwirner besuchte bis 1821 die Bauschule zu Breslau, anschließend bis 1828 die königliche Bauakademie und die Universität zu Berlin. Bald darauf trat er in Berlin als Schüler Karl Friedrich Schinkels als „Hilfsarbeiter“ in die königliche Oberbaudeputation ein. Im Jahr 1830, als Schinkel die Leitung der Oberbaudeputation erhielt, bestand Zwirner das Landbaumeisterexamen. Mit diesem formellen Befähigungsnachweis wurde er von Schinkel in der Oberbaudeputation angestellt. In den Jahren 1829 bis 1831 errichtete Zwirner in Kolberg nach Schinkels Entwurf das Rathaus und nach eigenem Plan die 1834 fertiggestellte reformierte Kirche.

Am 14. August 1833 übernahm er – nach dem Tode seines Vorgängers Friedrich Adolf Ahlert – als Dombaumeister die Leitung der Bauarbeiten am Kölner Dom. Zu dieser Position hatte ihn die staatliche Bauverwaltung in Berlin vorgesehen. Als Protestant hatte er anfangs Befürchtungen, auf örtliche Bedenken zu stoßen.

Durch seine Leitung nahm der Dombau rasch einen neuen Aufschwung. Sein besonderes Verdienst ist die Organisation der Bauhütte des Domes, aus der viele mit den Grundregeln der Gotik gründlich vertraute jüngere Baumeister hervorgingen. 1841, nach Abschluss der Restaurierungsarbeiten, legte Zwirner König Friedrich Wilhelm IV. die Pläne für die Vollendung des Domes vor, die dieser akzeptierte. Mit seiner 1842 erschienenen Schrift Vergangenheit und Zukunft des Kölner Dombaues begeisterte er nicht nur König Wilhelm, sondern ganz Deutschland für die Vollendung des Doms.Joseph Schlecht: Zwirner, Ernst Friedr. In: Michael Buchberger (Hrsg.): Kirchliches Handlexikon. Ein Nachschlagebuch über das Gesamtgebiet der Theologie und ihrer Hilfswissenschaften. Band 2: I–Z. Allgemeine Verlags-Gesellschaft, München 1912, Sp. 2832. Die Katholische Enzyklopädie von 1913 nennt Zwirner „einen der feinsten Kenner des mittelalterlichen Stils“; dennoch bemängelte sie, dass bei seiner Arbeit am Dom „Monotonie des Entwurfs“ sichtbar werde.

Unter Zwirners Leitung wurde bis 1855 das Querhaus mit seinen beiden Fassaden, anschließend der Obergaden des Langhauses errichtet und gewölbt sowie der Unterbau des Nordturms begonnen. Er setzte durch, dass der Dachstuhl des Langhauses nicht in Holz, sondern mit schmiedeeisernen Walzprofilen ausgeführt wurde. Sein damaliger Assistent und späterer Nachfolger Richard Voigtel entwarf die Eisenkonstruktion.Das Dach des Kölner Doms ist 150 Jahre alt – Eisern gegen die Bomben. Auf domradio.de, 17. August 2010. 1860 wurde der gusseiserne Vierungsdachreiter vollendet. Die eigentliche Vollendung des Kirchenraums im Jahr 1863, als die Trennmauer zum Hochchor entfernt wurde, erlebte Zwirner nicht mehr.Arnold Wolff: Die Baugeschichte des Kölner Domes im 19. Jahrhundert. In: Hugo Borger: Der Kölner Dom im Jahrhundert seiner Vollendung. Köln 1980, Band 2, S. 30.

1853 wurde Zwirner in Köln zum Geheimen Regierungs- und Baurat ernannt. Zwirner war Mitglied der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte.Mitglieder der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte 1857

Nach seinem Tod am 22. September 1861 erschien das Domblatt, die Vereinszeitschrift des Dombauvereins, mit schwarzer Umrandung der Titelseite – eine Ehre, die außer Zwirner bis dahin nur der im selben Jahr zuvor verstorbene König Friedrich Wilhelm IV. erhalten hatte.

Bis zu seinem Tode war Zwirner Dombaumeister. Beigesetzt wurde er auf dem Melaten-Friedhof (Lage: HWG zwischen Lit. K und Lit. L).Armin Beuscher, Asja Bölke, Günter Leitner, Antje Löhr-Sieberg, Anselm Weyer: Melaten erzählt von protestantischem Leben. Ein Rundgang. Hrsg.: Annette Scholl im Auftrag der Evangelischen Gemeinde Köln. Köln 2010, ISBN 978-3-942186-01-8, S. 12 f.

Der Dombau wurde nach seinen Plänen von seinem ehemaligen Stellvertreter und Nachfolger Richard Voigtel vollendet. Anfänglich dem klassizistischen Stilgefühl noch nahestehend, zeigte er sich in seinen eigenen Bauten dann als Vertreter eines neugotischen Historismus.

Im Kölner Severinsviertel im Stadtteil Altstadt-Süd ist die Zwirnerstraße nach ihm benannt. Mit dem Schriftsteller Johann Peter Balthasar Kreuser war er freundschaftlich verbunden.

Werk 1831: Rathaus Kolberg 1832–1834: Hauptgebäude der Universität Halle-Wittenberg in Halle (mit Wilhelm Heinrich Matthias) 1837: Grabmonument für Friedrich Leopold Freiherr von Fürstenberg in Kirchhundem-Oberhundem 1838: Herrenhaus auf dem Gelände von Haus Orr 1839–1843: Apollinariskirche in Remagen, im Auftrag von Franz Egon von Fürstenberg-Stammheim 1840er: St. Marien in Witten 1840: Wiederaufbau des Rolandsbogens der Burg Rolandseck bei Remagen 1840–1844: Teil-Neubau der Kirche St. Dionysius in Krefeld 1842: Herrenhaus Fürstenberg bei Xanten 1842–1861: Weiterbau des Kölner Doms im Auftrag von Friedrich Wilhelm IV. 1844: Wiederaufbau des Römergrabs in Köln-Weiden 1844–1853: Neubau des Schlosses in Herdringen für Graf Franz Egon von Fürstenberg-Herdringen 1845: Burg Ariendorf in Bad Hönningen, Stadtteil Ariendorf 1845: „Haus Wittgenstein“ in Roisdorf im Auftrag der Bankiers-Familie von Wittgenstein 1846–1848: Entwürfe zum neugotischen Umbau der Schlosskirche im Schweriner Schloss 1849–1855: Umbau des Renaissanceschlosses Arenfels in Bad Hönningen 1850: Kirche St. Margareta in Stieldorf um 1850: Oberwinter, Villa Rolandshöhe 1852: Neubau der Kirche St. Johann Baptist in Mechernich-Antweiler 1853: Umbau von Haus Horst in der heutigen Erhaltung 1853–1858: Neue reformierte Kirche (Sophienkirche) in Wuppertal-Elberfeld 1854 erhielt Zwirner den Auftrag von Nikolaus Johann von Steengracht, das Schloss Moyland im neogotischen Stil zu ummanteln. 1855: Ostflügel der Prälatur der Abtei Maria Laach 1856–1858: Mäuseturm bei Bingen 1856–1858: Pfarrhaus in Rosbach 1857: Errichtung einer gotischen Fialsäule nach dem Entwurf Zwirners auf dem Drachenfels oberhalb von Königswinter als Kriegerdenkmal für die Gefallenen der Befreiungskriege. Das Denkmal entstand als Nachfolgebau eines bereits 1855 errichteten Denkmals. 1857: Kirche St. Audomar in Frechen 1858: Reformierte Kirche in Wuppertal-Ronsdorf 1859: Restaurierung des Hochkreuzes bei Godesberg 1859–1861: Synagoge in der Glockengasse, Köln (im maurischen Stil; zerstört während der Novemberpogrome 1938)

Postum wurden folgende Entwürfe ausgeführt: 1862: Rathaus und Restaurierung des Herriger Tores in Lechenich 1863: Turmhelm mit Maßwerkgalerie der Evangelischen Stadtkirche Unna 1863–1864: Restaurierung der Stadtpfarrkirche St. Peter in Sinzig

Siehe auch

Literatur Nikolaus Gussone: Das Kölner Dombaufest 1842. Ernst Friedrich Zwirner und die Vollendung des Kölner Doms. Ratingen-Hösel 1992, ISBN 3-89960-114-9. MacMillan encyclopedia of architects. MacMillan, London 1982. Willy Weyres: Ernst Friedrich Zwirner (1802–1861). In: Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde (Hrsg.): Rheinische Lebensbilder. Band 3. Düsseldorf 1968, S. 173–189. Zwirner, Ernst Friedrich. In: The Catholic Encyclopedia. 1907–1914. catholicity.com Michael Werling: Architekturlehrer der FH Köln. Teil I: Die Ehemaligen. Köln 2006, S. 219 ff. Arnold Wolff (Hrsg.): Sulpiz Boisserée – Der Briefwechsel mit Moller, Schinkel und Zwirner. Unter Verwendung der Vorarbeiten von Elisabeth Christern und Herbert Rode. Greven, Köln 2008, ISBN 978-3-7743-0405-5.

Weblinks

Ansgar S. Klein: Ernst Friedrich Zwirner (1802–1861), Kölner Dombaumeister. Landschaftsverband Rheinland; Biografie.

Einzelnachweise

Kategorie:Kölner Dombaumeister Kategorie:Architekt (Preußen) Kategorie:Architekt (Köln) Kategorie:Mitglied der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte Kategorie:Geheimer Baurat Kategorie:Geboren 1802 Kategorie:Gestorben 1861 Kategorie:Mann