Die 15. Alpinen Skiweltmeisterschaften fand vom 2. bis 9. Februar 1958 in Bad Gastein in Österreich statt. Die Eröffnung gab es schon am Abend des 1. Februar 1958 am Festplatz (den „Poserplatz“) durch den österreichischen Unterrichtsminister Heinrich Drimmel und dem Präsidenten der FIS, Marc Hodler.

25 Schulkinder aus Bad Gastein trugen die Schilder mit den Namen der Nationen (sie wurden daher als „Gasteiner Taferlbuben“ apostrophiert). 175 Athletinnen/Athleten mit fast 100 Betreuerinnen/Betreuern nahmen an den Weltmeisterschaften teil.

Zuschlag Beim 20. FIS-Kongress in Montreux wurde am 2. Juni 1955 die Durchführung an Bad Gastein übertragen. Es gab eine überraschende Stimmenmehrheit von 39 bei 54 Stimmen, wobei die restlichen 15 Stimmen an Frankreich mit seinem Kandidaten Chamonix gingen. Deutschland hatte seine Bewerbung für Garmisch-Partenkirchen zurückgezogen, als bekannt wurde, dass die Weltmeisterschaften getrennt nach alpinen und nordischen Bewerben durchgeführt werden.

Der Veranstalterort Bad Gastein war (und ist) Österreichs größter Kurort. 1958 waren zu gewöhnlichen Zeiten 6000 Fremdenbetten ausgewiesen.

Organisation Der frühere Mathematikprofessor Friedl Wolfgang, in den 1920er-Jahren selbst erfolgreicher Abfahrer, und zu jenem Zeitpunkt (1958) auch Vorsitzender des Abfahrts- und Slalom-Komitees der FIS und eine Persönlichkeit, die die Entwicklung des alpinen Skirennsports von allem Anfang an mitgemacht hatte, stand den Bad Gasteiner Organisatoren als «directeur sportif» zur Verfügung. Er zählte nicht nur in organisatorischer Hinsicht, sondern auch in rein technisch-fachlicher Beziehung zu den größten Kennern des alpinen Rennsports. Vielleicht noch nie zuvor, waren Alpine Skiweltmeisterschaften mit solcher Gründlichkeit konzipiert und mit einem derartigen Aufwand an Zeit und Geld vorbereitet worden. Der Pressedienst übertraf alles, was man in den letzten Jahren diesbezüglich an Welt-, Europameisterschaften und Olympischen Spielen vorgesetzt bekommen hatte. Schon seit Monaten war ausführlich über alle Maßnahmen berichtet worden. Staat, Bundesheer (zwei Kompagnien standen in ständigem Einsatz und ein Bataillon war in Reservestellung) und Polizei halfen, wo es ging. Allein im Jahre 1958 waren dem Veranstalter staatliche Zuschüsse von nahezu 2 Mio. Schilling zugekommen (damaliger Umrechnungskurs ca. etwas mehr als 8 Schilling für einen Schweizer Franken und bei 7 Schilling für eine Deutsche Mark). Die Vorbereitungen wurden am 28. und 29. Januar abgeschlossen; es war auch ein Fernsehsendeturm für das Relais der Eurovisionssendungen erstellt.

Der Besucherandrang übertraf alle Erwartungen, die Zuschauer reisen in Sonderzügen an. Die Kapazität des Liftes hinauf zu den Strecken reichte nicht mehr aus, viele Zuseher mussten von der Talstation bis zum Berg zu Fuß gehen, allein bei der Abfahrt der Herren wurden offiziell 60.000 Zuschauer angegeben.

Vorbereitungen Der schwedische Abfahrtsexperte der FIS, Bibbo Nordenskiöld, ließ angesichts der zu Hunderten auf die Trainingspisten drängenden Zuschauer die wirklichen Abfahrtsstrecken noch besser bezeichnen, indem bei den Herren die Zahl der Kontrolltore auf 17, bei den Damen auf 26 erhöht wurden.«Alpine Ski-Weltmeisterschaften in Bad Gastein», «Sport Zürich»; Nr. 13 vom 31. Januar 1958, S. 4 und 5.

Sportliche Geschehnisse „Vorweltmeisterschaften“ 1957 Am 23. Januar 1957 hatte es eine als „Vorweltmeisterschaften“ bezeichnete Generalprobe in Form eines Abfahrtslaufes gegeben, bei dem Carla Marchelli vor Lucille Wheeler und Frieda Dänzer bzw. Mathias Leitner vor Andreas Molterer und Toni Sailer gewonnen hatten.

Aktuellere Aktivitäten Schon am 21. Januar begannen mehrere Nationalteams mit dem Training am Veranstaltungsort, am 26. Januar wurde als Vorbereitung (ein jedoch wegen Fehlens mehrerer Klasseläufer eher nur als »besseres Training« zu betrachtender) Riesenslalom in Saalfelden gefahren, wobei Josefine Frandl vor der Italienerin Schenone und Anne Heggtveit bzw. Toni Sailer vor Roger Staub und Josef Rieder die ersten drei Plätze belegten.

Einschätzungen der Favoriten Damen: Bei den Schweizerinnen ruhten die Hoffnungen auf den Schultern von Renée Colliard, die mit ihrem sensationellen Comeback in Kitzbühel auf eine erfolgreiche Slalom-Titelverteidigung hoffen ließ (bekanntlich wurde nichts daraus, denn sie stürzte dann im Weltmeisterschafts-Slalom schwer). Frieda Dänzer galt dank ihrer konzentrierten Vorbereitung, ihrem Können und ihrer Routine als Co-Favoritin in allen Disziplinen, wobei sie im Riesenslalom und in der Abfahrt unter den Ersten zu finden sein sollte. Annemarie Waser, die in Bad Gastein ihren 18. Geburtstag hatte, wurde deshalb genannt, weil sie sich in Kitzbühel als Slalom- und Riesenslalom-Spezialistin von internationalem Format behauptet hatte. Liselotte Michel sollte in diesen beiden Disziplinen ebenfalls auf vorderste Plätze gelangen.

Bei den Österreicherinnen wurden Hilde Hofherr (Grindelwald-Siegerin), «Putzi» Josefine Frandl, die Slalomspezialistin Lotte Blattl und auch Thea Hochleitner genannt.

Die Italienerinnen hatten durch die erlittene Verletzung von Carla Marchelli einen schweren Schlag erlitten; selbst wenn sie wieder starten konnte, sollte sich ihre Zwangspause bemerkbar machen. Vera Schenone hatte sich in Saalfelden in Erinnerung gerufen.

Von den Französinnen sollten Thérèse Leduc und Danièle Télinge für Spitzenleistungen gut sein. Die Amerikanerinnen (Sally Deaver, Nonie Foley, Mady Springer-Miller und Betsy Snite), die sich ständig verbessert hatten, wurden als vielversprechendes Quartett bezeichnet. Zu den engsten Favoritinnen gehörten auch die Kanadierinnen Lucile Wheeler (vor allem in der Abfahrt) und Anne Heggtveit.

Vom stark zurückgefallenen deutschen Team wurden nur Sonja Sperl gute Ränge eingeräumt. Bei den Norwegerinnen wurden Berit Stuve, Astrid Sandvik und Marit Haraldssen wegen deren aufsehenerregenden Leistungen in Kitzbühel erwähnt, während die letztliche Slalom-Weltmeisterin Inger Björnbakken keine Nennung fand.

Den Vertreterinnen der Oststaaten wurden Platzchancen eingeräumt.

Konkret hatten die aktuell im Januar 1958 gefahrenen Bewerbe („SDS-Rennen“ von Grindelwald, Kitzbühel) Top-Plätze und Siege für den ÖSV durch Josefine Frandl, Hilde Hofherr und Thea Hochleitner gebracht, die übrigen Siege und Top-Drei-Platzierungen waren an Frieda Dänzer, Carla Marchelli, Annemarie Waser, Renée Colliard, Berit Stuve, Thérèse Leduc und Astrid Sandvik gegangen.

Herren: Die Hauptfavoriten waren die Österreicher, wenngleich am 5./6. Januar in Adelboden mit den Erfolgen von Charles Bozon (vor Ernst Hinterseer und Georges Schneider im Slalom) und Roger Staub (vor Mathias Leitner und Bozon im Riesenslalom) keine österreichischen Siege zu verzeichnen gewesen waren. Am Lauberhorn hatte es jedoch mit Toni Sailer in der Abfahrt und Josef Rieder im Slalom wieder Siege gegeben (wenngleich der Kombi-Erfolg an Buddy Werner ging). Noch mehr hatte es am Hahnenkamm mit jeweils Doppelsiegen eine drückende Österreicher-Überlegenheit gegeben. Im von Vital Renggli als Delegationschef begleiteten Schweizer Team wurde Roger Staub «als stärkste Waffe im Kampf mit der Weltklasse» genannt, weil er nebst seinen bisherigen Stärken im bisherigen Winter durch seine Fortschritte im Slalom verblüfft hatte. Die Routine und Zuverlässigkeit es Ex-Weltmeisters Georges Schneider gaben ihm einen festen Platz im Slalom, ebenso wie in der Abfahrt für Willi Forrer wegen seiner ausgezeichneten Resultate in Wengen und Megève.

Bei den Franzosen hatten Charles Bozon und Guy Périllat einen Formanstieg erkennen lassen, Adrien Duvillards Klasse immer für eine Medaille gut war, während Bonlieu viele Wünsche offen gelassen hatte. Die Experten hoben außerdem «Bud» Wallace Werner (einen US-Army-Gefreiten), den japanischen Studenten Chiharu Igaya (immerhin Slalom-Silber Olympia 1956) und den Italiener Bruno Alberti (er hatte sich in diesem Winter als vorzüglicher Abfahrer empfohlen) hervor. Seitens des DSV wurde Benedikt Obermüller als Slalom-Routinier genannt, während bezüglich Fritz Wagnerberger, der sich in Kitzbühel verletzt hatte, ein Fragezeichen stand.

Über die Konkurrenten aus den übrigen Nationen (Norwegen, Bulgarien, Tschechoslowakei usw.) wurde vorausgesagt, dass sie von der beschränkten Teilnehmerzahl dahingehend zu profitieren vermöchten, als sie in der Kombination unter die ersten Zahn vorrücken könnten, für Medaillen indessen kaum in Frage kämen.«Durch Toni Sailer (Oe) und Renée Colliard (Schweiz) werden fünf der acht Weltmeistertitel von Cortina verteidigt»; «Sport Zürich», Nr. 13 vom 31. Januar 1958, S. 4 und 5.

Weitere Anmerkungen zu den Erfolgsaussichten des DSV Die Erfolgsaussichten des DSV waren eher gering: Wohl hatten Marianne Seltsam am 27. März 1957 den Slalom, Hannelore Basler einen Tag danach den Riesenslalom im Rahmen des »Großen Preises von Madrid« in Navacerrada gewonnen, war dort Hanspeter Lanig im Riesenslalom Zweiter geworden, jedoch waren dies Rennen zum Saisonausklang gewesen.

FIS-Wertungen vor den Weltmeisterschaften Von der FIS wurden knapp vor Beginn der Weltmeisterschaften Sailer in der Abfahrt und im Riesenslalom sowie Molterer im Slalom bzw. Marchelli als beste Abfahrts- und Colliard als beste Slalomläuferin fixiert.

Andere Ranglisten In einer von der »Arbeiterzeitung Wien« zu Saisonende 1957 erstellten Wertung, bei denen die Sieger jeweils 100 Punkte erhielten, war Carla Marchelli die überragende Läuferin, die bis auf den Slalom (wo sie Rang 6 einnahm), überall voran lag (in der Gesamtwertung hatte sie auf die Zweitplatzierte Thea Hochleitner einen Vorsprung von 10,8 Punkten). Bei den Herren siegte überraschend Rieder, der am gleichmäßigsten war, während die Abfahrt an Toni Sailer und der Slalom an Ernst Hinterseer ging. Für den Riesenslalom gab es bei den Herren keine Wertung, weil nur ein mit allen Assen besetztes Rennen gefahren worden war.

Verletzungen im Training und in den Rennen Bei den Trainings zogen sich mehrere Läufer nach Stürzen Verletzungen zu, welche ihnen eine Teilnahme an den Championats unmöglich machte. Am 30. Januar erlitt Rupert Suter (geb. 23. Juni 1934, Stoos) aus der Schweiz einen Schienbeinbruch. Zuvor waren schon der sowjetische Läufer Talianow und Lennart Foytmeier, der beste des schwedischen Teams, mit einer Knieverletzung ausgefallen; für Suter nominierte der Schweizer Verband Fredy Brupbacher. Am 1. Februar brach sich die französische Läuferin Thèrèse Leduc den rechten Unterschenkel; während der Weltmeisterschaften wurde die Schweizer Mitfavoritin Renée Colliard am 3. Februar im Slalom vom Schicksal ereilt (Bänderzerrung im linken Fußgelenk und Seitenbandzerrung im linken Kniegelenk). Im Herren-Riesenslalom kam der mit Startnummer 13 ins Rennen gegangene Franzose Charles Bozon im steilen Schlusshang zu Sturz. Es wurde eine Verletzung an der Wirbelsäule konstatiert und er wurde mit dem Hubschrauber ins UKH Salzburg geflogen.

Limitierung der Teilnehmerzahl Pro Land durften nur sechs Teilnehmer (je Geschlecht) gemeldet werden, wovon vier in jeder Disziplin eingesetzt werden durften.

Eröffnung, Siegerehrungen, Schlussfeier Die Eröffnung am 1. Februar und die Schlussfeier am 9. Februar war um 20.30 Uhr festgelegt. Die Siegerehrungen fanden ebenso um 20.30 Uhr statt (bis auf jene für den Damen-Riesenslalom und die Abfahrt der Herren, welche am 9. Februar schon um 20 Uhr begannen). Für beide Slaloms gab es diese am 4. Februar, für den Herren-Riesenslalom und die Damen-Abfahrt war es der 6. Februar. Zur Schlussfeier war auch der österreichische Bundespräsident Adolf Schärf angereist. FIS-Präsident Mark Hodler hielt die Schlussrede und bedachte dabei die Gemeinde Badgastein und alle Verantwortlichen mit großem Lob für die hervorragend organisierte und bestens betreute Veranstaltung.

Sportliche Rückblicke «Sport Zürich»-Rückblick voll des Lobes