Die 13. Alpinen Skiweltmeisterschaften fanden vom 28. Februar bis 7. März 1954 in Åre in Schweden statt.

Vorbemerkungen Es gab mit einer recht eingeengten Beschränkung mit nur acht Läufern/Läuferinnen pro Nation, wovon in jedem Bewerb nur vier eingesetzt werden durften, eine unterschiedliche Handhabung zur zuvor beendeten nordischen Skiweltmeisterschaften, in der die Skandinavier die Möglichkeit gehabt hatten, in ihren Domänen mehr als vier pro Wettkampf an den Start zu senden. Dies wurde dementsprechend in den Vorschauen kommentiert.

Zum damaligen Zeitpunkt hatte außerdem die Alpine Kombination einen recht hohen Stellenwert, weshalb die Medienvertreter – und damit das interessierte Publikum vor Ort oder als Leser- und Hörerschaft dieser Berichterstattung – ihre Reports von bzw. ihr Interesse an den abschließenden Rennen (Damenslalom, Herrenabfahrt) recht stark mit dem Blick auf das Kombinationsresultat verquickten.

Vorschau im «Sport Zürich» In einer Vorschau in der Ausgabe Nr. 24, S. 3 (Überschrift «Am Sonntag Beginn der Alpinen Ski-Weltmeisterschaften in Are»), frägt «Sport Zürich» vorerst, ob (vor allem bezogen auf die Herrenbewerbe) die Bezeichnung «Weltmeisterschaft» noch richtig sei, da es eine Restriktion der Teilnehmerzahl (mit nur vier Athleten pro Bewerb) gegeben hat – und dies, obwohl das Programm mit der neu eingeführten Dreier-Kombination erweitert worden war. Es wurde zwar Verständnis für eine Begrenzung gezeigt, doch hätte (wie bei den Nordischen) eine Differenzierung zwischen Kombinierten und Spezialisten vorgenommen werden sollen. Hauptleidtragende seien dabei die Österreicher, die bei ihrem Überfluss an Spitzenfahrern die Beschränkungen am meisten zu spüren bekommen. Aber auch die Schweizer müssten sich hinsichtlich der Beschickung ähnliche Gedanken machen. Eine Zulassung von drei Kombinierten und drei Spezialisten zu jeder Disziplin würde den Weltmeisterschaften einen ganz anderen Anstrich verleihen.

In einer Chancenberechnung, bei der die genannten Restriktionen zu berücksichtigen waren, wurde im Herrenbereich bei den ÖSV-Fahrern in erster Linie Christian Pravda genannt, der als in der Abfahrt und im Slalom als gleich stark einzustufen, dem Ideal eines Kombinierten entspricht. Aber auch die übrigen Selektionierten, in erster Linie sollten Walter Schuster, Toni Spiss und Othmar Schneider (dieser hat erst kurz vor den Championnats wieder Rennen bestritten, nachdem er sich anlässlich des ersten Schneetrainings den Fuß verknackst hatte) die «Einser-Garnitur» sein, waren samt und sonders Mitfavoriten – und es wären alle Kalküle von Sportchef Fred Rößner zu hinterfragen, denn der müsste auch Anderl Molterer als besten Fahrer der letzten Saison berücksichtigen, wenngleich der Kitzbüheler diesen Winter noch nicht diese Vorjahrsform erreicht hätte. Die jugendliche Reserve der 22-Jährigen werde durch Ernst Hinterseer, Martin Strolz und Ernst Oberaigner ergänzt.

Bei den Deutschen werde auf «Beni» Benedikt Obermüller gehofft, wenngleich er in diesem Winter wegen einer Blinddarmoperation noch nie gegen die Weltklasse angetreten war. Die übrigen (Beppi Schwaiger, Hanspeter Lanig, Hans Hächer und Willi Klein) wurden als nicht stark genug betrachtet, um die Front der Spitzenklasse zu durchbrechen.

Die Schweizer Burschen stünden bestimmt nicht auf verlorenem Posten, mit der richtigen Einstellung und falls sie in ihrer besten Verfassung antreten könnten, wären sie imstande, den matten Eindruck der Nordischen in Falun zu korrigieren. Die Teamverantwortlichen Vital Renggli und Arnold Glatthard hätten bei der Bestimmung von Kombinierten und Spezialisten eine schwere Verantwortung – und schon jetzt wurde vorgewarnt, dass nach den Weltmeisterschaften nicht mit großem «wenn und aber» operiert werden und behauptet werden solle, die Nichtstartenden hätten ihre Sache besser gemacht. Bedauerlicherweise konnte Bernhard Perren nicht mit dabei sein, der der größte Trumpf des SSV gewesen wäre – er hatte bei der Lauberhornabfahrt am 9. Januar bei einem Sturz einen Knöchelbruch erlitten.

Vom französischen Team schien Firmin Mattis für eine erstklassige Slalomleistung gut zu sein, während Bernard Perret, André Simond, Charles Bozon, Gérard Pasquier und der «alte» James Couttet Chancen auf ehrenvolle Plätze besitzen würden.

Die Italiener würden nach dem Rücktritt von Zeno Colò (er galt offensichtlich nicht mehr als Amateur, weshalb er nicht startberechtigt war; ein von ihm eingebrachter Einspruch beim italienischen Verband schien nicht erfolgreich gewesen sein) auf verlorenem Posten stehen, obschon die jungen Burschen, David und Otto Gluck (mögliche Schreibweise „Glück“?) für die Zukunft zu beachten seien, und Carlo Gartner sei der letzte Vertreter der alten Garde.

Die US-Amerikaner hätten sich bei den Holmenkollenrennen nachdrücklich in Erinnerung gerufen, wobei – nebst den beiden schon vor zwei Jahren in Oslo recht gut gefallenden Bill Beck und Brook Dodge – der überraschende erst 17-jährige Holmenkollen-Abfahrtssieger Wallace Werner indessen noch stärker erscheine.

Bei den Norwegern könne stark mit Stein Eriksen gerechnet werden, der (neben den Österreichern) am meisten Chancen auf Titel in der Dreier-Kombination, im Slalom und im Riesenslalom besitzt (Anmerkung: was sich auch dementsprechend bewahrheitet hat). Schwer falle der Ausfall von Guttorm Berge ins Gewicht, der sich im Training einen Beinbruch zugezogen hatte.

Bei den Schweden wäre Olle Dahlman nicht abzuschreiben; Stig Sollanders Antreten wurde als ungewiss bezeichnet.

Hinsichtlich der Damen wurde ein Dreikampf Österreich – Deutschland – USA prophezeit, die vor allem als Mannschaften am besten abschneiden würden. Österreich habe rasch wieder gesunden Nachwuchs erhalten, es werde eine vielversprechende Mischung von Routiniers und Jungen an den Start gehen. Erika Mahringer und Trude Klecker verfügten über die notwendige Erfahrung, unter den jüngeren Fahrerinnen werde Lotte Blattl und Luise Jaretz am meisten Kredit geschenkt, ohne Regina Schöpf, Rosi Sailer und Thea Hochleitner zu übersehen. Bei den Deutschen müsse die dreifache-Oslo-Medaillengewinnerin Mirl Buchner voran genannt werden, der im entscheidenden Moment wieder Spitzenplätze zuzutrauen wären. Über den anderen standen Fragezeichen: Marianne Seltsam schien sich von ihrem schweren Unfall erholt zu haben, so dass mit ihr wieder zu rechnen war. Ossi Reichert war bei den deutschen Meisterschaften wegen einer Knöchelverletzung nicht angetreten, in deren Abwesenheit war Evi Lanig mit Vorsprung vor Buchner Kombinationsmeisterin geworden. Im US-Team war Katy Rodolph aus Colorado zur «Nummer eins» erhoben worden, auch Jeanette Burr würde in Europa keine Empfehlungen mehr benötigen, wenngleich zu zweifeln sei, ob beide eine Andrea Mead-Lawrence vollwertig ersetzen könnten. Bei den Französinnen müsse man Lucienne Schmith-Couttet, Marysette Agnel und Odile Aublin im Auge behalten, Italien schicke nochmals Celina Seghi ins Feuer, in deren Erfolgsliste immer noch ein Weltmeistertitel fehle. Anna Pellissier und Maria Grazia Marchelli seien unsichere Anwärterinnen. Bei den Nordländerinnen scheine die Einheimische Sarah Thomasson gut disponierte zu sein. Die Norweger würden auf Margit Hvammen und Borghild Niskin vertrauen. Die Kanadier hätten in Lucille Wheeler und Anne Heggtveit ihre besten Repräsentantinnen. Angesichts all dieser Konkurrenz würden es die beiden Schweizerinnen sehr schwer haben. Bei Madeleine Berthod war die Frage gegeben, wie sie der psychischen Belastung standhält, denn dann wären ihr gute Resultate zuzutrauen – und die Aussichten von Ida Schöpfer wurden etwas vorsichtiger beurteilt.

Eröffnungs- und Schlusszeremonie Die Eröffnungsfeier fand am Abend des 27. Februar oberhalb des Veranstaltungsortes unter Teilnahme der Delegationen aus 21 Ländern statt.

Am Abend des 7. März wurden mit einer eindrucksvollen Feier auf dem Zielplatz am Fuße des Åreskutan die Weltmeisterschaften durch Prinz Bertil, der auch noch die Siegerehrung für Damenslalom und -kombination sowie Herrenabfahrt und -kombination vornahm, offiziell beendet. Marc Hodler erklärte in seiner Schlussansprache, „Schweden habe zwar nicht einen Medaillensegen erlebt, aber es gebühre ihm die größte Medaille für die wunderbare Organisation. Auch diese Weltmeisterschaften haben bewiesen, welche Werte der Sport als Mittel zur Verständigung unter den Völkern besitzt“. Der schwedische Prinz hatte mit den Worten, „Ich danke der Ski-Elite der ganzen Welt für ihren hervorragenden Sportgeist, der auch für die Zukunft ein gutes Zusammenleben in Kameradschaft erwarten lässt“, geschlossen. Danach wurden die Flaggen Schwedens, des Jämtlandes und das weiße Banner der FIS eingeholt, es wurden 17 Böllerschüsse aus vier Haubitzen abgefeuert. Darauf marschierten die teilnehmenden Mannschaften mit ihren Landesfahnen durch ein dichtes Spalier von mehreren tausend Zuschauern in ihre Quartiere zurück. Allen Aktiven und Betreuern waren als Erinnerungsgeschenk eine bunte Schwedenmütze geschenkt worden.

Erwähnenswertes Der Schweizer Skiverband hatte auf Grund eines noch vor den Schweizer Meisterschaften getroffenen Beschlusses des Selektionsausschusses nur zwei Damen entsandt. Dies traf Frieda Dänzer schwer, denn sie holte kurz darauf den Abfahrtstitel in Wengen. Diese Maßnahmen wurden von den Schweizer Medien dementsprechend, z. B. der Frage «Gibt es einen Fall Dänzer?», kommentiert.«Aktuelle Fragen des nationalen Skisports»; «Sport Zürich», Nr. 20 vom 17. Februar 1954, S. 2. Die Schweizer Delegation unter Leiter Vital Renggli trat mit den 2 Damen und 8 Herren und diversen Betreuern bereits am Abend des 18. Februar von Basel aus die Reise nach Schweden an. Sie hatten ein intensives Training hinter sich; jeder war durchschnittlich 230 km Abfahrt mit einer gesamten Höhendifferenz von 40.000 m gefahren, auch der Slalom wurde nicht vernachlässigt. Die Aktiven hatten diese Art von Vorbereitung bevorzugt, weil sie auf diese Weise den aus dem Frühwinter herrührenden Trainingsrückstand aufholen konnten.«230 km Abfahrt mit 40.000 m Höhendifferenz»; «Sport Zürich», Nr. 21 vom 19. Februar 1954, S. 3. Zum ersten Mal seit den Weltmeisterschaften von Mürren 1931, als es sogar einen vierfach-Erfolg für die Schweiz in der Abfahrt gegeben hatte, wurde erneut ein Herren-Podium von nur einer Nation, diesmal den österreichischen Herren in der Abfahrt, eingenommen. (Die Damen haben vor dem Krieg durch Deutschland bzw. das Deutsche Reich im Slalom 1937, in der Abfahrt und Kombination 1938 und in der Abfahrt 1939, hier dank der «Ostmärkerin» Helga Gödl, Dreifach-Erfolge gefeiert.) Schneemangel hatte vorerst die Veranstalter vor große Probleme gestellt. Dazu hatte auch noch ein heftiger Südsturm die für die Rennen vorgesehenen Berghänge des Åreskutan freigescheuert. Doch das in der Gegend von Åre stationierte Militärregiment half aus, präparierte zunächst den für den ersten Bewerb, den Slalom, vorgesehenen Hang, schaufelte den ganzen Hang vor Schnee und streute auch noch Salz dafür, dass sich die Unterlage etwas verfestigte. Einziger Kritikpunkt war die Länge des Slaloms mit über 70 Toren, denn im Verhältnis zur als eher kurz anzusehenden Abfahrt war dies mit Rücksicht auf die Kombinationswertung nicht geschickt. Für den Sonntag, 28. Februar, dem Herren-Slalom, konnte von den Pressevertretern großes Lob ausgesprochen werden. Sie hatten Plätze auf einer erhöhten Tribüne erhalten. Es gab zwar gewisse administrative Undinge, aber die technische Durchführung verlief einwandfrei. Sehr schnell waren die Resultate (noch dazu in Hundertstelsekunden) bekanntgegeben und angeschrieben worden, und kaum hatten die Läufer den zweiten Durchgang beendet, wurde man auch schon über die Gesamtzeit orientiert.