Die 11. Alpinen Skiweltmeisterschaften fanden vom 13. bis 18. Februar 1950 in Aspen im US-Bundesstaat Colorado statt.

Eröffnung Diese erfolgte am Sonntagnachmittag, 12. Februar. 104 Konkurrenten zogen durch Aspen, dessen Bewohner mit allen möglichen Lärminstrumenten die Sportler begrüßten. An der Spitze der Wettkämpfer marschierten mit Toni Seelos, James Couttet und Evelyn Pinching drei ehemalige Weltmeister, dazu auch Sigmund Ruud.

Erwähnenswertes Erstmals gab es Alpine Skiweltmeisterschaften außerhalb Europas Deutschland und Japan waren von den Weltmeisterschaften ausgeschlossen Die „Alpine Kombination“ stand nicht am Programm, dafür erstmals der Riesenslalom Es konnten weiterhin pro Nation mehr als 4 Läufer pro Bewerb eingesetzt werden Die Skimannschaft Österreichs nahm am «Fis-Ball» im «Münchnerhof» am 19. Januar in der Wiener Mariahilferstraße teil und reiste am 25. Januar in die USA ab. Allerdings gab es bei der Anreise zu dieser Veranstaltung auf Grund der Zonengrenzen durch die alliierten Besatzungsmächte Hindernisse, so wurde Dagmar Rom aufgehalten, weil sie ihre Identitätskarte (im Volksmund «I-Ausweis» genannt) vergessen hatte. Und es bedurfte auch der Visa-Genehmigungen für die Einreise in die USA, die alle erteilt wurden

Die Abreise erfolgte mit dem «Arlberg-Express», der die Delegation nach Zürich brachte, von wo aus anderntags der Flug nach New York erfolgte. Dort traf die Equipe am 27. Januar ein, wo es mit 21 Grad Plus ungewöhnlich warm war. Es ging auch nicht gleich weiter, weil die US-Gastgeber für die Alpenländler eine «Sightseeing-Tour» veranstalteten. Um den 1. Februar traf die Mannschaft in Aspen ein. Österreich stellte das zahlenmäßig größte Team mit 8 Herren und 7 Frauen. Frankreich hatte 7 Herren und 4 Damen, von denen Suzanne Thiolliere aber nur als Ersatz gemeldet worden war. Die Schweiz brachte es auf 8 Herren, aber nur 3 Damen (Olympiasiegerin Schlunegger fehlte, weil ihre Familie ein kleines Restaurant führte und sie unabkömmlich war). Auch Italien war nur mit wenigen Läufern vertreten, von denen Zeno Colò und Celina Seghi die bekanntesten waren (und Colò die besten Medaillenchancen eingeräumt wurden). Die Programmierung wurde absichtlich mit dem Abfahrtsrennen als letzten Bewerb vorgenommen, da diese Disziplin am riskantesten mit hoher Verletzungsgefahr angesehen worden ist. Für den Riesenslalom wurden pro Nation je 8 Teilnehmer (Herren und Damen zusammen) erlaubt, während jene für den Slalom noch nach den Schneeverhältnissen bestimmt werden sollte. (Der österreichische Verband entschied sich, für den Startbewerb, den Riesenslalom der Damen am 13. Februar, fünf Damen zu nominieren, bei den Herren gingen am 14. Februar sieben Österreicher an den Start). Das Interesse der amerikanische Presse war für die Alpinbewerbe eindeutig größer als jenes zuvor für die Nordischen Weltmeisterschaften in Lake Placid. Die Norweger sprangen bei der Liftfahrt schon nach halber Fahrt ab, damit sie früher zum Slalomtraining erscheinen konnten. Darauf beschwerte sich die Konkurrenz, worauf die FIS diese Vorgehensweise verbot. Zeno Colò war der erste Herren-Goldmedaillengewinner für Italien; mit Doppel-Gold schien Italien nun in einer Gesamtbilanz aller bisherigen Weltmeisterschaften mit drei Goldmedaillen (nach jener 1932 durch Paula Wiesinger) auf. Und Colò, der 1952 nochmals mit Abfahrts-Gold sowohl für Olympia- als auch Weltmeisterschaft erhielt, blieb (ebenso wie Wiesinger) der bis dato (Mai 2017) einzige Goldmedaillen-Gewinner in Olympia- oder Weltmeisterschafts-Abfahrten. Während sich die ÖSV-Herren mit einer Bronzemedaille begnügen mussten (vielleicht auch durch die verletzungsbedingten Ausfälle gehandicapt), holten die Damen jeweils Doppelsiege und auch überall Rang vier. Die Schweizer Herren konnten ihr Slalom-Gold von 1948 wiederholen und hatten inklusive der Vorkriegs-Weltmeisterschaften (dank zweimal Rudolf Rominger und einmal David Zogg) fünfmal Gold, weiters je drei Silber- und Bronzemedaillen, jedoch sollte diese Goldmedaille von Georges Schneider die letzte bis zum aktuellen Zeitpunkt (Mai 2017) bleiben, denn danach gab es nur mehr einmal Silber (Silvan Zurbriggen 2003) und zweimal Bronze (Jacques Lüthy 1980 und Michael von Grünigen 1996) und bei Olympischen Spielen nur das vorgenannte Lüthy-Bronze 1980.

Vorberichte, Einschätzungen Die Witterungsverhältnisse mit zu wenig Schnee im US-Osten (inkl. Rocky Mountains) dürften dazu beigetragen haben, dass es in den letzten Wochen in Aspen ruhig geblieben war – und dem offiziellen Pressedienst, der sowohl für Lake Placid als auch Aspen zentralisiert war, war möglicherweise – nach einem sehr „bulletinreichen“ Vorwinter – der Stoff ausgegangen. Für europäische Verhältnisse war es fast unvorstellbar, wie wenig sich die große Tagespresse um diese Rennen kümmerte. Die monatlich und halbmonatlich erscheinenden Skimagazine hatten (recht lückenhaft) informiert.«Werner Grob berichtet dem „Sport“ aus den USA»; «Sport Zürich» Nr. 15 vom 3. Februar 1950, S. 3, Spalte 2

Die aus 10 Mitgliedern bestehende französische Mannschaft, darunter drei „Alpin-Damen“, traf am Morgen des 31. Januar in New York ein und flog anderntags nach Aspen weiter. Henri Oreiller erklärte, in der Form seines Lebens zu sein; er sei zuversichtlich, auch Stein Eriksen, den er als gefährlichsten Rivalen betrachtete, schlagen zu können. Der französische Mannschaftsmanager, Jacques Tuot, hielt – außer Eriksen – die Österreicher, US-Amerikaner und Italiener als größte Konkurrenten, während die übrigen Länder schwächere Teams als bei früheren Weltmeisterschaften hätten. Der Plan der «Tricolore» lautete, sich etwa fünf Wochen in Nordamerika aufhalten zu wollen und nach den Weltmeisterschaften an verschiedenen Konkurrenzen («Harriman-Cup» in Sun Valley, weiters in Stowe und Banff bei den nordamerikanischen Slalom- und kanadischen Meisterschaften) teilzunehmen.«Ankunft der französischen Skifahrer in USA»; «Sport Zürich» Nr. 15 vom 3. Februar 1950, S. 3, Spalte 1

Die Damen-Abfahrtsstrecke, ausgehend vom Silver Queen Mountain, wurde auf Begehren verschiedener Nationen geändert, weil sie sich als zu gefährlich erwies; eine der besten kanadischen Läuferinnen, hatte sich beim Training am 2. Februar einen Knöchelbruch zugezogen.«Änderung der Damen-Abfahrtsstrecke»; «Sport Zürich» Nr. 16 vom 6. Februar 1950, S. 5, Spalte 3, Mitte

In einer vom «Sport Zürich» in der Ausgabe Nr. 18 vom 10. Februar 1950, S. 4, Titel «Aspen – ein Markstein in der Geschichte des alpinen Skilaufs», vorgenommenen Prognose wurde ausgeführt, dass die „Hegemonie der alpinen Länder durch die Konkurrenz aus den Nordländern und Amerika gefährdet, bei der Ausgeglichenheit der Konkurrenten das Glück eine große Rolle spielen werde. Trotzdem müssten die kommenden Weltmeister, auch wenn sie sogenannte Außenseiter sein sollten, über ein solides Können verfügen, die Anforderungen für reine Glücksritter seien zu hoch“. Konkret wurde hinsichtlich der Herren von einer „großen Unbekannten, Frankreich, Zeno Colò als überragenden Athleten Italiens, starken Schweizern vor schweren Aufgaben“ und einer „ausgeglichenen österreichischen Equipe“, geschrieben. Bei den Ausscheidungsrennen der Franzosen seien Oreiller und Couttet dispensiert gewesen; Oreiller hat sich im letzten Winter eine schwere Verletzung zugezogen, er hat nur am «Harriman-Cup» teilgenommen (den er mit Mühe gewann), er hat dann in St. Moritz trainiert, ist aber in der Versenkung verschwunden, hat sich selbständig vorbereitet (das rief teilweise heftige Kritiken hervor). So lasse sich bei ihm, aber auch bei Couttet, schwer ein Urteil bilden. Dieser hat außer am Lauberhorn, wo er sich teilweise geschont habe, keine Rennen bestritten – und man dürfe nicht übersehen, dass die vielen Rennjahre nicht spurlos an ihm vorübergegangen sind. François Baud, ein Neuling, galt bei seinen Landsleuten als «Geheimwaffe» (hatte mehrere Abfahrten bei den Ausscheidungen gewonnen). Georges Panisset könne im Slalom über sich hinauswachsen, er und Jean Pazzi haben sich vor einem Jahr gemeinsam in Amerika aufgehalten und mit Erfolg mehrere Rennen bestritten. Claude Penz sei zwar in der Olympiamannschaft 1948 gestanden, hatte sich aber ebenso wenig auszeichnen können wie nun bei den Selektionierungen, verdanke seine Nominierung dem dritten Platz im vorjährigen Arlberg-Kandahar, Désiré Lacroix (Rang 15 im Olympiaslalom), sei bei der Chamonix-Skiwoche 1949 groß herausgekommen, hatte die Abfahrt vor Colò und Oreiller gewonnen und war hinter Letzterem Zweiter im Slalom geworden. Zeno Colò habe sich bei vielen Fachleuten zum großen Favoriten entwickelt; obwohl er sich in verschiedenen Rennen des vergangenen Winters ausgezeichnet habe, wurde er zu den Ausscheidungen aufgeboten, die er dann auch samt und sonders überlegen gewonnen habe. Von Silvio Alverà wisse man, dass er im Slalom zu Sonderleistungen fähig ist, während Albino Alverà und Carlo Gartner keine Sonderklasse darstellten, ehrenvolle Mittelplätze belegen könnten. Das Schweizer Alpinteam sollte eventuell jenes wettmachen, was die nordischen Kollegen zuvor in Lake Placid und Rumford versäumt hatten. Der SSV verfüge in allen Disziplinen über einen Favoriten – im Slalom Georges Schneider, von dem sich auch die ausländische Gegnerschaft fürchte, von Ralph Olinger wurde erwartet, dass er die Zeit genützt habe, um seine Form für die Abfahrt zu vervollständigen. Der Riesenslalomspezialist sei Fernand Grosjean. Zu Edy Rominger wurde seine Erklärung angeführt, „er habe sich bei den Ausscheidungen einige Schonung auferlegt, um im entscheidenden Moment keinen Rückschlag zu erleiden.“ Rudolf Graf sei in diesem Winter noch nie aufs Ganze gegangen („an der Weltmeisterschafts-Abfahrt sei es früh genug“) – die übrigen drei, Fredy Ruby, Gottlieb und Bernard Perren, die Vertreter der jüngeren Garde waren, sollen aus taktischen Überlegungen die Rolle der Draufgänger übernehmen – sie würden Eigenschaften wie technisches Können und Mut auf sich vereinigen. Beim ÖSV sei die Selektionierung „auf einige Schwierigkeiten gestoßen, weil sich immer wieder junge Kräfte vorgedrängt hätten, Edi Mall wurde als aussichtsreichster Läufer, Franz Gabl als Hoffnung für die Abfahrt, der genialste Fahrer sei Egon Schöpf, Christian Pravda der größte Techniker und Stilist, Walter Schuster habe sich erst in den Ausscheidungsrennen aufgedrängt, von einem weiteren Nachwuchsmann, Hans Senger, verspräche man sich Überraschungen“. Die Vertreter der USA (allen voran Jack Reddish) wurden als „gefährlich“, jene aus Norwegen (Marius und Stein Eriksen) und Schweden (Olle Dahlman, Hans Hansson) als „ausgeglichen“ eingestuft.

Am Damensektor wurde den Österreicherinnen die klare Favoritenstellung eingeräumt, wobei Erika Mahringer die aussichtsreichsten Chancen haben sollte, Trude Beiser etwas von ihrem Können eingebüßt habe und die Nummer zwei sei. Mit Rosmarie Gebler-Proxauf, Anneliese Schuh-Proxauf, Dagmar Rom und Lydia Gstrein werde die Kampfstärke vervollständigt – Resi Hammerer und Annelore Zückert stünden als Reserve im zweiten Glied. Frankreich beklage eine Baisse, habe deshalb nur drei Teilnehmerinnen bestimmt. Von Fachleuten seien Jacqueline Martel die besten Chancen eingeräumt worden (sie habe im letzten Jahre durch den Abfahrts- und Kombinationssieg beim Kandahar Aufsehen erregt). Micheline Demazière habe als gute Technikerin nur im Slalom etwas zu sagen, auch Lucienne Schmitt-Couttet würde im Slalom über ein solides Können verfügen. Italien war offensichtlich nur durch Celina Seghi vertreten, der im entscheidenden Moment zu oft die Nerven durchgegangen seien. Im Grunde genommen wäre sie eine der besten Fahrerinnen, die gegenwärtig seien.