mini|Waldmünchen von Süden mini|Der Waldmünchner Marktplatz im Jahr 1997, vor der Umgestaltung mini|Stadtpfarrkirche St. Stephan (2009) mini|In der Bildmitte links das ehemalige Stadler-Haus als Teil des Rathauses mit Tourismusinformation. Rechts daneben das ursprüngliche Rathaus.
Waldmünchen ist eine Stadt im Oberpfälzer Landkreis Cham.
Geographie Geographische Lage Die Ortschaft liegt im südlichen Oberpfälzer Wald, der dort bereits zum Naturpark Oberer Bayerischer Wald gehört, an der Staatsgrenze zu Tschechien. Die Stadt liegt am Oberlauf des Flusses Schwarzach, der hier zum Perlsee aufgestaut ist, 75 Straßenkilometer nordöstlich von Regensburg und 20 Straßenkilometer nördlich von Cham entfernt.
Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden (im Uhrzeigersinn) sind: Nemanice, Česká Kubice, Furth im Wald, Gleißenberg, Weiding, Waffenbrunn, Schönthal und Treffelstein.
Gemeindegliederung
Es gibt 62 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):
mini|St. Wendelin und Dorfteich im Gemeindeteil Spielberg
Waldmünchen hat 15 Gemarkungen: Albernhof, Ast, Geigant, Herzogau, Hocha, Höll, Katzbach, Prosdorf, Rannersdorf, Schäferei, Sinzendorf, Spielberg, Ulrichsgrün, Untergrafenried und Waldmünchen. Die Gemarkung Herzogau wird mit der Nachbargemeinde Furth im Wald geteilt.
Geschichte Ur- und Frühgeschichte (bis 1000) Über die Ortsentstehung existieren mehrere Theorien. Am wahrscheinlichsten ist, dass im 10. Jahrhundert unter der Regierung König Heinrichs I. (919–936) die Markgrafen von Cham eine Wehranlage zum Schutz des Arnsteiner Passes, der damaligen Verbindungsstraße nach Böhmen, errichteten. Den Namen Waldmünchen bekam die Siedlung dann wohl deshalb, weil diejenigen Mönche, die die Bewohner seelsorgerisch betreuten, als „Waldmönche“ bezeichnet wurden; vermutlich handelte es sich um Mönche aus dem Kloster Walderbach, doch auch die Klöster Chammünster und Schönthal sind als Bezugspunkte möglich. Der Name selbst steht nicht in Verbindung mit der Landeshauptstadt München. Die oft genannten genauen Gründungsjahre 910 oder 923 sind keineswegs sicher. Die Stadtverwaltung nennt das Jahr 910.
Anfänge (1000–1400) Das Kloster Walderbach besaß 1143 in der Waldmünchener Gegend Grundeigentum. Die Mönche übten hier Seelsorge aus. „Monacum ante nemus Bohemorum“ – München vor dem Böhmerwald – erhielt 1250 die Stadtrechte. 1255 fiel „München um den Wald“ bei der ersten Landesteilung an Herzog Heinrich XIII. von Niederbayern/Straubing. 1256 stritten Waldmünchens Grundherr, Ritter Reinboto von Schwarzenburg/Rötz, und Bischof Albertus Magnus von Regensburg um einen Kirchenzehent „in Monaco“. Um 1261 amtierte der Richter Chuno von Berengar. Herzog Heinrich bestätigte 1265 das Präsentationsrecht des Klosters Walderbach auf die Pfarrei Waldmünchen.
Ottokar II. von Böhmen verwüstete 1266 Stadt und Umland. 1270 erschienen im zweiten Herzogsurbar (Güterbeschreibung) neben „stat ze Moenichen“ Hirschhöf, Ast, Kritzenast, Albernhof, Grub, Herzogau, Hocha, Englmannsbrunn, Katzbach, Hochabrunn, Ulrichsgrün, Machtesberg und Grafenried. Im Jahre 1274 schlossen Herzog Heinrich und Ottokar II. in Waldmünchen einen Geheimvertrag gegen Rudolf I. von Habsburg. Das jetzt zu Waldmünchen gehörende Geigant wurde 1283 in einer Urkunde des Klosters Schönthal erwähnt. Die Feste Geigant geht auf das 10. Jahrhundert zurück. Im Jahre 1317 gewährte Landgraf Ulrich von Leuchtenberg der Stadt das Braurecht auf Weißbiersieden im „Weißen Brauhaus“. Im Jahre 1364 wurde die Stadtmauer Waldmünchens erstmals urkundlich erwähnt.
In Waldmünchen befand sich auch ein Eisenhammer. Aus einem Bericht des Johann German Barbing an den Kurfürst Ferdinand Maria vom 16. Januar 1666 heißt es: „Stadt Waldmünchen. Allda ist ein Eisenhammer nächst an der Stadt, der früher ein vornehmes Gebäude und einem Schloß gleich erbaut gewesen, aber schon seit 45 Jahren (seit 1621) derart öd und verwüstet ist, daß keine Stelle, allwo das Hammerwerk und anderes Zubehör gestanden, zu sehen ist; auch das Haus ist auf den Grund ruiniert, und wenn nicht vor einem halben Jahr ein Kaufmann (= Käufer) gekommen wäre und solches eingethan (gekauft) hätte, wäre es bei dem vorigen Besitzer aus höchster Armut völlig eingefallen. Der jetzige Inhaber ist ein Schmied, welcher zwar bei der Behausung gleich die notwendige reparation an der Dachung und anderem vorgenommen, aber keine Mittel hat, das Hammerwerk mehr aufzubauen und in Esse zu bringen. Das ‚Eisenärzt‘ ist jeder Zeit zu Amberg geholt worden; doch aber erst vor zwei Jahren in Behaimb bei dem Kloster Stockha ein ‚Arzt‘ gefunden worden, könnte man nun auf zwei Meilen Wegs das nötige gute ‚Arzt‘ gar wohl haben und viel Fuhrlohn ersparen.“Denk, Julius: Beiträge zur Geschichte des Berg- und Hammerwesens in der churfürstlichen Oberpfalz. 1902, S. 193/194. Die abgegangene Anlage wird heute als Bodendenkmal unter der Aktennummer D-3-6642-0054 im Bayernatlas als „archäologische Befunde des abgegangenen frühneuzeitlichen Hammerschlosses und des spätmittelalterlichen bzw. frühneuzeitlichen Eisenhammers von Waldmünchen“ geführt. Heute erinnert noch die „Hammerstraße“ an das ehemalige Werk.
Krieg und Seuchen (1400–1700) Die Grundherrschaft Schwarzenburg-Rötz-Waldmünchen kam 1409 in den Besitz böhmischer Adliger. 1425 wehrten Bürger und Bauern bei Höll einen ersten Angriff der Hussiten ab. Waldmünchen hieß „Geysmünchen“. Hintschik Pflug von Rabstein besiegte 1433 die Hussiten in der Schlacht bei Hiltersried – für die Oberpfalz eine Wendung im Hussitenkrieg.
Um 1460 kehrte Leben zurück. Die Schule wurde wieder aufgebaut und im Hammerwerk der Vorstadt wurde Eisenerz abgebaut. Vor 1469 ist der erste bekannte Stadtbrand amtlich vermerkt. 1492 wurden die Stadtrechte erneut bestätigt: Die niedere Gerichtsbarkeit, das bürgerliche Jagd-, Fisch- und Braurecht. Auch der Kirchturm wurde das erste Mal genannt. Waldmünchen war 1495 im Besitz des Heinrich von Plauen dann der Guttenstein-Vrtba. 1496 wurde im Weißbierbrauhaus erblich geschenkt. In dem Gebäude ist heute die Berufsschule untergebracht.
mini|Darstellung Waldmünchens aus dem 16. Jahrhundert (Kopie aus dem frühen 18. Jahrhundert) mit Darstellung des Schlosses, der Magdalenen- und der Stephanskirche sowie dem Hammerwerk vor der Stadt Heinrich von Guttenstein-Vrtba unterdrückte 1505 Land und Stadt. 1510 wurde Waldmünchen kurpfälzisches Amt. Die Pfleger, meist Adelige, residierten auf der Burg, dem sogenannten Schloss. 1527 war in Waldmünchen Endpunkt der berittenen Prager Hofpost. Die Strecke führte über Arnstein nach Böhmen und Prag. 1534 findet man einen ersten Hinweis auf Waldmünchener Glashütten, den Glashüttenbühl in Perlhütte. Um 1543 hatte die Stadt vier Bürgermeister und acht Räte. Der Hof auf dem Kramberg im Böhmerwald wird 1549 das erste Mal erwähnt.
Die Ortschaft Spielberg wird 1550 erstmals urkundlich erwähnt. 1556 wurde Waldmünchen auf Grund des Augsburger Reichs- und Religionsfrieden. welchem sich Ottheinrich von Wittelsbach angeschlossen hatte, evangelisch-lutherisch, später calvinistisch bis zur Rekatholisierung in Bayern während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648). 1559 wurde der Kirchturm aufgestockt. 1571 erneuerte die Zunft der Leinweber ihre Handwerksordnung. Erste Glashütte Herzogau, 1579 durch Pfleger Ruhland erbaut. 1584 wurde die kurfürstliche Schäferei an die Pächter mit Erbrecht verteilt, 1585 der Friedhof vor dem Hammertor erbaut. 1590 wird das Schulhaus vor der Stefanskirche zur Böhmerstraße das erste Mal erwähnt. Von 1591 bis 1900 gab es einen Brotladen im Rathaus.
Die Reichsposthalterei wurde 1615 von den Thurn und Taxis errichtet. Auf der Heeres- und Handelsstraße Nürnberg–Waldmünchen–Prag begannen 1621 für Jahrzehnte die Durchmärsche im Dreißigjährigen Krieg. Waldmünchen und das Umland wurden systematisch ausgebeutet. 1628 fiel die Oberpfalz und damit Waldmünchen an das Kurfürstentum Bayern und wurde wieder römisch-katholisch. Ein verheerender Stadtbrand zerstörte 1633 zweiundsiebzig Wohnhäuser. Schwedengeneral Vitztum und evangelisch-lutherische Söldnergruppen belagerten und eroberten die Stadt. Zwei Drittel der etwa 1000 Einwohner starben an der Pest.
Im Jahre 1641 ließ der schwedische Oberst von Birkenfeld Waldmünchen drei Tage lang plündern. Die verbliebenen Bürger flüchteten sich in die Wälder. 1648 zahlte die Stadt im Rahmen einer Brandschatzung 3000 Gulden an die Schweden und verhinderte so ein abermaliges Abbrennen. Von Waldmünchen standen aber ohnehin nur noch Brandruinen, in denen sich nur langsam wieder Leben entwickelte.
Im Jahre 1654 wurde der Wagenhof im Böhmerwald erbaut. 1658 brannte die Stadt wieder ab. Hiervon betroffen war auch das Pflegerschloss. Leopold I. von Habsburg und Kurfürst Ferdinand Maria siegelten in Waldmünchen einen Geheimvertrag. Die Glashütte Althütte befand sich seit 1694 auf dem Posthof.
Frühe Neuzeit (1700–1900) Im Spanischen Erbfolgekrieg besetzte Österreich 1703 das Pflegeamt. Junge Männer wurden zum Militärdienst gezwungen. 1708 zerstörte erneut ein Großfeuer Schloss und Stadt. Die bisherige Kapelle Sankt Stephan wurde Stadtpfarrkirche. Die Österreicher zogen den Grenzverlauf nach Böhmen neu. Einige bayerische Dörfer, z. B. Steinlohe, Grafenried, Haselbach, Posthof, Wagenhof und Kramberg, wurden böhmisch. Außer Haselbach und Grafenried wurden die Dörfer 1764 wieder bayerisch. 1711 wurde die Friedhofskirche erbaut. Die Gebrüder Frank stifteten das Spital und die Dreifaltigkeitskirche. Die Glashütte am Posthof (Wildenauer-Hütte) zog 1713 infolge der Grenzziehung nach Unterhütte um, dadurch wurde dieser Ort gegründet.
Im Jahre 1742 nahm der Pandurenoberst Trenck im Österreichischen Erbfolgekrieg die Stadt ein. Der Einsatz des Waldmünchener Pfarrers Braun sowie einiger Schulkinder konnte eine Erstürmung und Plünderung verhindern. 1764 verlor Waldmünchen durch den Prager Grenzvertrag Teile seines Hinterlandes an Böhmen, darunter Haselbach (Liskova) und Grafenried (Lučina). Die Statue des heiligen Nepomuk wurde 1769 von den Gebrüdern Frank gestiftet und auf dem Marktplatz von Waldmünchen aufgestellt. 1771 erlitt die Stadt infolge einiger Missernten eine dreijährige Hungersnot. 1778 besetzten österreichische Truppen Stadt und Umland erneut. 1788 bestanden 152 kleine Gärten vor dem Hammer- und Astertor. 1796 begannen die Napoleonischen Kriege und die Bürger der Stadt litten unter dem Durchzug tausender Truppen. Bürger und Bauern litten unter ständigen Einquartierungen und drückenden Kriegslasten. 372 verwundete Franzosen waren in den Stadeln außerhalb der Stadt untergebracht. Die Wasenmeisterei war in der Weißenlohe untergebracht. 1796/97 wurden 600 Stück Vieh, die durch eine Seuche eingingen, im Bereich des späteren Torweiherweges vergraben.