Die 19. Alpinen Skiweltmeisterschaften fanden vom 5. bis 14. August 1966 in Portillo in Chile statt. Sie waren die bisher einzigen Weltmeisterschaften auf der Südhalbkugel. Die Eröffnung erfolge am 4. August 1966 durch Staatspräsident Eduardo Frei Montalva (er war mit dem Hubschrauber gekommen), FIS-Präsident Marc Hodler und den Präsidenten des Chilenischen Skiverbandes, Rainaldo Solari. Statt der beiden deutschen Flaggen wehten an deren Stelle zwei von Chile – und die Jury hatte angeordnet, bei den Siegerehrungen keine Nationalhymnen zu spielen. Es gab 160 Teilnehmern aus 22 Nationen.„Alpine Skiweltmeisterschaften 1966 in Portillo feierlich eröffnet . Chiles Staatspräsident Frei kam per Hubschrauber in den Andenort“ in »Tiroler Tageszeitung« Nr. 179 vom 5. August 1966, Seite 8Arbeiterzeitung Wien vom 5. August 1966, Seiten 1 und 10

Wahl des Austragungsortes Die Vergabe erfolgte im Mai 1963 beim FIS-Kongress in Athen gegen die Stimmen von Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der Ort in den südamerikanischen Kordilleren bekam ein überraschend deutliches Votum von 43 Stimmen, das japanische Naeba erhielt 20 und Davos 13 Stimmen. Es wurde der Trend sichtbar, dass es den Delegierten darum ging, neue Orte und Länder zuzulassen, wohl in der Absicht, den Skisport auch in anderen Regionen und Erdteilen zu propagieren. Kurios war, dass die FIS diesen neuen Austragungsort noch nicht einmal inspiziert hatte.Arbeiterzeitung Wien vom 25. Mai 1963, Seite 12, Mitte rechts, Überschrift: K.o. gegen SkiweltmeisterschaftDer Spiegel: Weltmeisterschaften: Abenteuer in Chile, Der Spiegel 40/1965«FIS-Delegierte möchten auch im Sommer reisen»; »Sport-Zürich« vom 27. Mai 1963 Hinsichtlich des Umstandes, dass bis Ende 1964 vom designierten Veranstalter keine bewegenden Maßnahmen gesetzt worden waren, gab es Fraglichkeiten. In einem Interview mit FIS-Präsident Marc Hodler, das der Sportchef des »Linzer Volksblattes« geführt hatte, erklärte dieser, dass „Chile gar nicht als Austragungsort sicher sei, als Ersatz kämen Innsbruck, Cortina, Gastein oder Chamonix (also Städte, wo bereits alle Voraussetzungen gegeben sind), aber auch ein japanischer Veranstalter in Frage. Bislang sei deshalb in Portillo noch nichts geschehen, weil dort erst die Präsidentenwahlen abgewartet worden seien – dort habe man wissen müssen, mit welcher Regierung wegen der finanziellen Unterstützung gesprochen werden müsse. Die FIS werde im Februar und März 1965 Portillo noch einmal inspizieren“.»FIS-Präsident Marc Hodler: Chile noch nicht sicher« in »Neue Zeit Klagenfurt« Nr. 250 vom 29. Oktober 1964, Seite 9, unten

Weltmeisterschafts-Proberennen 1965 Die für die dritte Augustwoche 1965 vorgesehenen WM-Proberennen (der Herren) mussten abgesagt werden; eine schwere Lawinenkatastrophe vom 11. August führte zur Unterbrechung von Verkehrsverbindungen. Die sich bereits in Portillo befindlichen Teams der USA und von Österreich (mit Trainer Josef Stiegler) saßen fest, kamen erst nach Tagen zu Fuß, auf Skiern auf Schlitten, mit Bahn, Autobus und Taxi nach Santiago. Die Diskussionen, ob Portillo überhaupt Austragungsort bleiben könne, wurden am 25. September 1965 beendet, als die FIS in Zürich diesen mit einer Mitteilung, „die Entscheidung zugunsten Portillos fiel nahezu einstimmig“, bestätigte.„Ungewöhnliche Abfahrtspiste in Portillo“ in «Volkszeitung Kärnten» Nr. 182 vom 11. August 1965, Seite 8, Spalten 2 und 3„ÖSV-Team sitzt in Portillo fest . Gespräch mit Pepi Stiegler“ und „Sport vor Blattschluss . Absage in Portillo“ in «Volkszeitung Kärnten» Nr. 186 vom 15. August 1965, Seite 8, Kasten unten sowie Spalte 4, unten„Stiegler & Co. gelang der ‚Ausbruch‘“ in «Volkszeitung Kärnten» Nr. 190 vom 20. August 1965, Seite 8„Es bleibt bei Portillo“ in «Volkszeitung Kärnten» Nr. 222 vom 26. September 1965, Seite 10

Vorbereitungen Zu Gerüchten in einer in Wien erscheinenden Zeitung, dass das österreichische Team wegen Geldmangels bei den Weltmeisterschaften fehlen würde, erklärte ÖSV-Präsident Andreas Steiner, dass „darüber in ÖSV-Kreisen nie gesprochen worden sei. Ein Teilnehmer werde zwar 32.000 Schilling (umgerechnet bei 4.500 DM), damit die gesamte Mannschaft, 22 Personen einschließlich Trainer und Funktionäre bei etwa 700.000 Schilling (100.000 DM) kosten, doch er sei sich sicher, dass das Geld von den zuständigen Stellen aufgebracht wird. Man werde wohl tiefer in die Tasche greifen müssen. Die Zahlen für Portillo ließen sich mit jenen von 1962 nicht vergleichen, als Chamonix und Zakopane zusammen lediglich 200.000 Schilling erfordert haben. Österreich könne sich schon aus rein wirtschaftlichen Gründen (Fremdenverkehr und Wintersport-Artikel) ein Fernbleiben nicht leisten.“„ÖSV-Präsident Steiner: ‚Österreich startet auf alle Fälle in Portillo!‘“ in »Welt und Sport« (Montagausgabe der »Volkszeitung Kärnten«) Nr. 926 vom 4. Oktober 1965, Seite 4, POS. Spalten 1 und 2 unten In einer Hauptausschusssitzung beschloss der ÖSV Mitte Februar 1966, keine Mannschaft zu den Rennen in die USA (14. März bis 4. April) zu entsenden, weil „dies im Hinblick auf die Skiweltmeisterschaften unverantwortlich sei, die Läufer so großen Strapazen auszusetzen“.„ÖSV-Team nicht nach USA“ in «Volkszeitung Kärnten» Nr. 39 vom 18. Februar 1966, Seite 7 Spalte 3, oben Der ÖSV überlegte es sich dann doch noch etwas anders, doch wurde beschlossen, nur an zwei Bewerben mit 5 Herren und 4 Damen teilzunehmen. Vielleicht hatte auch das Entgegenkommen des US-Skiverbandes dazu beigetragen, der zusagte, die vollen Kosten zu tragen. Es war vorerst noch nicht festgestanden, ob schon bei diesen Weltmeisterschaften der Herren-„Riesen“ in zwei Läufen gefahren werde. Damit befasste sich das Abfahrts-Slalom-Komitee der FIS am 6. Mai 1966 in Chamrousse.„Zwei Riesentorläufe in Portillo?“ in »Kärntner Tageszeitung« Nr. 104 vom 7. Mai 1966, Seite 9, POS. Spalte 1, vorletzter Titel Bei der am 15. Mai 1966 in St. Johann in Tirol abgehaltenen Sportwartetagung wurde vom Österreichischen Skiverband die endgültige Mannschaft festgelegt: Werner Bleiner, Franz Digruber, Gerhard Nenning, Hugo Nindl, Heini Messner, Karl Schranz, Egon Zimmermann bzw. Christl Haas, Traudl Hecher, Brigitte Seiwald, Erika Schinegger. Herbert Huber und Inge Jochum waren ausgeschieden und nur als Ersatz festgelegt worden, statt ihnen wurden Stefan Sodat, Grete Digruber und Heidi Zimmermann gemeldet (eine Kampfabstimmung hat 275 gegen 236 Stimmen für diese Änderungen gebracht; die FIS-Gruppierungen waren ausschlaggebend). Wolf Girardi war aber der Meinung, dass der Verband auch die beiden Eliminierten mitnehmen könnte, falls das Unterrichtsministerium die Kosten übernimmt. „Die Franzosen hätten 9 Herren und 7 Damen gemeldet“. Aus Protest gegen die Brüskierung von Jochum trat anderntags der Vorarlberger Verbandspräsident Oskar Brändle zurück. Bekannt wurde auch, dass Gerüchte um einen Rücktritt des Herrentrainers Hans Senger nicht stimmten. Danach appellierte der Hauptausschuss des ÖSV an die Landesregierungen Tirols und Vorarlbergs, die Mittel für die nicht berücksichtigten Athleten aufzubringen. Letztlich durften Huber und Jochum mitfahren, denn ein so genannter Koordinationsausschuss für die Entsendung der Alpinmannschaft gab am 6. Juni im „Haus des Sports“ in Wien „grünes Licht“.„Auch Sodat nach Chile!“ in »Volkszeitung Kärnten« Nr. 112 vom 17. Mai 1966, POS. Seite 8, rechts„Brändle aus Protest gegen Brüskierung von Jochum zurückgetreten“ und „Senger bleibt“. In »Tiroler Tageszeitung« Nr. 114 vom 18. Mai 1966, Seite 9; POS.: oben„ÖSV hofft auf Unterstützung für Huber und Jochum“. In »Tiroler Tageszeitung« Nr. 123 vom 31. Mai 1966, Seite 12„Inge Jochum und Herbert Huber nun endgültig nach Portillo“. In »Tiroler Tageszeitung« Nr. 129 vom 7. Juni 1966, Seite 7; POS.: erster Kasten oben Der Deutsche Skiverband gab um den 12. Juli 1966 sein Team bekannt: Burgl Färbinger, Margarete Hafen, Heide Mittermaier, Christa Prinzing bzw. Willy Bogner, Sepp Heckelmiller, Ludwig Leitner, Willi Lesch, Gerhard Prinzing, Franz Vogler.„Schinationalteam verabschiedet“ in »Kärntner Tageszeitung« Nr. 157 vom 13. Juli 1966, Seite 8, POS. Spalten 4 und 5, Mitte Die Österreicher bereiteten sich (unter Teilnahme anderer Nationen) am Stilfserjoch vor, wobei sich Brigitte Seiwald am 24. Juni beim Training am Knöchel verletzte und ins Krankenhaus Schlanders gebracht wurde. Die Riesenslaloms am 26. Juni wurden von Karl Schranz bzw. Heidi Zimmermann gewonnen.Diese Vorbereitung, welche dazu diente, sich an die Höhenluft zu gewöhnen, brachte für das österreichische Team auch eine Strapaze, da die Fahrer schon um 3:30 Uhr aufstehen mussten, um eine Stunde später mit dem Training zu beginnen, da ansonsten der Schnee zu weich geworden wäre.Karl Schranz zog sich am 3. Juli bei einem Sturz einen Einriss des Oberarmknochens zu, erhielt Gips. Gerhard Nenning kam am Morgen des 4. Juli zu Sturz, trug eine Zerrung der Bänder im Kniegelenk davon.«Nach Schranz (Gips) auch Nenning verletzt» in «Kronen-Zeitung» Wien vom 5. Juli 1966 In Vorbereitungsrennen am 2. Juli (Riesenslaloms) in Val-d’Isère, welche als «Großer Preis von Iseran» bezeichnet wurden, siegte Christa Prinzing klar; Killy gewann sowohl am 2. als auch 3. Juli (somit Gesamtsieg vor Périllat und Lacroix), während sich am zweiten Tag Florence Steurer durchsetzte und damit die Gesamtwertung vor Prinzing und Marielle Goitschel gewann.Der DSV gab hier in Val-d’Isère seine Teamliste bekannt, wobei Heidi Biebl fehlte (sie habe laut Sportwart Fritz Wagnerberger während der letzten Trainingswochen «nicht den erforderlichen Leistungsstandard erreicht»); überraschend wurde Christa Hintermaier, die als großes Talent galt, nominiert.«Französische Siege in Val d'Isere» in «Kleine Zeitung», Steiermark-Ausgabe vom 5. Juli 1966, Seite 26.«Französische Siege in Val d'Isere» in «Kleine Zeitung», Steiermark-Ausgabe vom 5. Juli 1966, Seite 26 Das ÖSV-Team traf über Paris und Dakar am Abend in Chile ein, übernachtete aber wie die Franzosen vorerst in Santiago; demgegenüber waren die Kanadier nach Farrelones weitergereist, wo die Italiener schon seit 2 Tagen trainierten. Es gab um den 20. Juli einen «Vorbereitungsslalom»: bei den Herren gewann Bengt-Erik Grahn vor Hugo Nindl und anderen Österreichern, allerdings waren die Franzosen nicht dabei. Bei den Damen (wo sowohl die Österreicherinnen als auch die Französinnen fehlten) gewann Nancy Greene vor Penny McCoy.

Da bekannt wurde, dass die Pisten in Portillo erst am 30. Juli für das Training zur Verfügung stehen, legte die österreichische Mannschaft noch einen Ruhetag in Santiago ein, ehe sie am 28. Juli, gemeinsam mit den Skandinaviern, Spaniern, Italienern und dem US-Team in Portillo eintraf. Bereits einen Tag zuvor waren dort – nebst dem überhaupt erst am 27. Juli angereisten Team der Schweiz, welches am 28. Juli das Schneetraining aufnahm – die Equipen von Deutschland, Brasilien, Großbritannien, Australien, Polen und des Libanon hingekommen. Recht eifrig waren die Japaner und Kanadier, die sich bereits auf Übungshängen tummelten.

Neue FIS-Weltranglisten Laut den von der FIS herausgegebenen Weltranglisten gab es bei den Herren in der Abfahrt eine österreichische Dreifachführung durch Schranz vor Messner und Nenning, danach folgte Joos Minsch; im Slalom ex aequo mit Périllat und im Riesenslalom mit Mauduit war Killy voran. Seitens der Damen gab es auch eine ex aequo-Führung in der Abfahrt mit Haas und Schinegger vor Marielle Goitschel; diese führte ihrerseits sowohl im Slalom (vor Greene und Famose) bzw. Riesenslalom (vor ex aequo Cathy Allen und Greene).

Eröffnungszeremonie