mini|Selbstporträt von Paolo Veronese als Musiker mit Gambe, direkt rechts dahinter Porträt von Tintoretto. Detail aus der Hochzeit zu Kana, Louvre, Paris, 1562–63 mini|Signatur des Malers mini|Das Grab von Paolo Veronese in der Kirche San Sebastiano in Venedig Paolo Veronese (* 1528 in Verona; † 18.Filippo Pedrocco: Veronese. S. 74. oder 19. AprilGunter Schweikhart: Paolo Veronese. S. 248. 1588 in Venedig) war ein italienischer Maler. Er gilt als einer der bedeutendsten Meister der Spätrenaissance und der venezianischen Malerei. Sein eigentlicher Name war Paolo Cagliari, auch geschrieben Paolo Caliari. Bekannt wurde er jedoch (nach seinem Geburtsort Verona) mit dem Namenszusatz „Veronese“.

Leben mini|hochkant|Veroneses Haus in Venedig Paolo Veronese wurde 1528 in Verona als fünftes Kind von Gabriele Caliari aus Bissone und seiner Frau Caterina geboren. Sein Vater war Steinmetz.Filippo Pedrocco: Veronese. S. 3. In Verona erhielt er seine erste künstlerische Ausbildung und wurde Schüler seines Onkels Antonio Badile, dessen Tochter Elena er am 29. April 1566 heiratete.Cecil Gould: Paolo Caliari, detto il Veronese, in: Dizionario Biografico degli Italiani, Volume 16, 1973, online auf Treccani (italienisch; Abruf am 1. Mai 2020)

Paolo hatte schon eine Zeit lang in Verona Altarbilder und Fresken im Stil der veronesischen Schule geschaffen, als er 1551 sein erstes Werk für Venedig malte, nämlich das Altarbild Hl. Familie mit den Hl. Johannes d. Täufer, Katharina und Antonius für die Giustiniani-Kapelle in San Francesco della Vigna.Filippo Pedrocco: Veronese.S. 6 und 8–9.

Nachdem er bei Castelfranco Veneto an Fresken in der 1819 abgerissenen Villa Soranzo gearbeitet und für den Dom in Mantua eine Versuchung des Hl. Antonius gemalt hatte,Filippo Pedrocco: Veronese. S. 6 und 10. wurde er 1553 nach Venedig berufen, um zusammen mit anderen Künstlern die drei Säle der Dieci im Dogenpalast zu dekorieren.Filippo Pedrocco: Veronese. S. 11–14. Seine dabei entstandenen Bilder von großer Leuchtkraft – u. a. die Allegorie Juno überschüttet Venezia mit Gaben – brachten ihm sofort höchste Anerkennung. Bei der 1556–57 erfolgten Dekoration der Decke in der Biblioteca Marciana, die er zusammen mit Salviati, Andrea Schiavone und vier anderen Künstlern vornahm, schuf er drei Deckengemälde, für die er laut Vasari den ausgesetzten Preis in Form einer goldenen Kette aus den Händen Tizians erhalten habe; dieser habe seine Anerkennung außerdem durch eine Umarmung in aller Öffentlichkeit gezeigt.Filippo Pedrocco: Veronese. S. 17.

1555 hatte Veronese mit der Ausmalung der Kirche San Sebastiano begonnen, die sich über fünfzehn Jahre hinziehen sollte und die zu seinen Hauptwerken zählt. Als erstes malte er an der Decke der Sakristei die Krönung Mariä und die vier Evangelisten. Den Auftrag hatte er von seinem Landsmann Bernardo Torlioni erhalten, der Mönch in diesem Kloster war.Filippo Pedrocco: Veronese. S. 16. 1556 folgten die Deckenfresken des Kirchenschiffs mit drei Darstellungen aus der Geschichte der Esther und 1558 u. a. zwei Bilder aus dem Leben des Hl. Sebastian und weiter Bilder für die Orgelflügel.Filippo Pedrocco: Veronese. S. 16 (Decke des Kirchenschiffs) und 18–19 (Hl. Sebastian, Orgelflügel u. a.). 1565 vollendete er das meisterhafte Hauptaltarbild Muttergottes in der Glorie mit dem Hl. Sebastian und anderen Heiligen und bis 1570 zwei Fresken für den Chorraum, u. a. das Martyrium des Hl. Sebastian.Filippo Pedrocco: Veronese. S. 41 (Fresken des Chores) und 45–46 (Hauptaltarbild).

mini|hochkant=1.2|rechts|Deckenfresko mit Bacchus, Vertumnus und Saturn in der Villa Barbaro, Maser, 1560–61

Veronese behielt seinen Wohnsitz in Venedig, war aber mehrfach auch in der Umgebung tätig; z. B. führte er bei Vicenza zusammen mit Giambattista Zelotti 1560 bis 1561 in der Villa Thiene allegorische Darstellungen und solche aus der alten Geschichte aus.

Für den hochgebildeten Humanisten Daniele I. Barbaro, den Veronese bereits seit der Dekoration im Dogenpalast kannte,Filippo Pedrocco: Veronese. S. 14 und 21. und für dessen Bruder Marcantonio Barbaro malte er 1560–61 in der Villa Barbaro zu Maser bei Treviso einen Freskenzyklus, der als eine seiner dekorativen Hauptschöpfungen gilt.Filippo Pedrocco: Veronese. S. 21–33.Zur illusionistischen Landschaftsmalerei der Villa siehe Andrea Palladio und die Stanza di Baco (PDF; 678,49 kB) abgerufen am 2. Februar 2014.S. R. Cocke: Veronese and Daniele Barbaro: the Decoration of Villa Maser. In: Journal of the Warburg and Courtauld Institutes 35/1972Norbert Huse: Palladio und die Villa Barbaro in Maser. In: Arte Veneta XXVII/1974; Wolfgang Wolters: Architektur und Ornament. Venezianischer Bauschmuck in der Renaissance. München 2000, 2005 S. 8, 146; Ders.: Architektur und Skulptur. In: Norbert Huse, Wolfgang Wolters: Venedig. Die Kunst der Renaissance. Architektur, Skulptur, Malerei 1460–1590. München 1986, 2. Auflage 1996 S. 138ff. Zwischen 1562 und 1570 malte Veronese auch ein Porträt des Daniele Barbaro.

In den 1560er und -70er Jahren erhielt er Aufträge für Altarbilder für die Kirchen San Zaccaria und San Silvestro in Venedig, aber auch für Kirchen in anderen Orten, wie die Abteikirche San Benedetto Po bei Mantua, Santa Corona in Vicenza, die Basilika Santa Giustina in Padua, und für San Giorgio in Braida in seiner Heimatstadt Verona.Filippo Pedrocco: Veronese. S. 43, 46, 49. Die meisten der dabei entstandenen Bilder sind heute in Museen.

Besonders bekannt ist Veronese für eine ganze Reihe großformatiger und prächtiger Darstellungen von Gastmählern aus dem Leben Jesu Christi. Das erste dieser Bilder ist die 1562–63 entstandene Hochzeit zu Kana für San Giorgio Maggiore, ein riesiges Wandbild von 6,70 m Höhe und fast 10 m Breite, das 1797 von den napoleonischen Truppen nach Paris verschleppt wurde und sich heute im Louvre befindet.Filippo Pedrocco: Veronese. S. 34 ff. Auf dem Gemälde stellte er einige bekannte Zeitgenossen dar, darunter im Vordergrund als Musiker auch sich selber und seine Malerkollegen Tizian, Tintoretto und Jacopo Bassano.Filippo Pedrocco: Veronese. S. 34. Eine intimere Atmosphäre gelang ihm in dem stärker auf das religiöse Geschehen konzentrierte Abendmahl in Emmaus mit der Familie und den Kindern des Auftraggebers (ebenfalls im Louvre, Paris).Filippo Pedrocco: Veronese. S. 35.Lawrence Gowing: Die Gemäldesammlung des Louvre, Dumont, Köln 1988/2001, S. 269. Ein Gastmahl im Hause des Simon schuf Paolo um 1570 für seine „Lieblingskirche“ San Sebastiano; sie befindet sich heute in der Pinacoteca di Brera in Mailand.Filippo Pedrocco: Veronese. S. 47. Ein weiteres für das Servitenkloster machte die Republik Venedig im Jahr 1664 Ludwig XIV. zum Geschenk; dieses befindet sich noch heute im Herkulessalon in Schloss Versailles.

mini|350px|Das Gastmahl im Hause des Levi, 555 × 1310 cm, Accademia, Venedig, 1573 Zur gleichen Gattung gehört Veroneses 1573 vollendetes Abendmahlsbild für das Refektorium der Dominikanerkirche Santi Giovanni e Paolo (heute: Accademia, Venedig). Es brachte ihm zunächst einige Schwierigkeiten ein, die er aber mit diplomatischem Geschick und einem Trick zu umgehen verstand.Filippo Pedrocco: Veronese. S. 47–48. Veronese wurde am 18. Juli 1573 von drei Savi des Sacro Tribunale in der Cappella di San Teodoro des Markusdoms befragt, weil er in dem Bild „Narren, betrunkene deutsche Landsknechte, Zwerge und ähnliche Skurrilitäten“ gemalt habe, die man für eine Darstellung des letzten Abendmahls als unschicklich empfand.David Rosand: Die venezianische Malerei im 16. Jahrhundert, in: Giandomenico Romanelli (Hrsg.): Venedig – Kunst und Architektur, Bd. 1, Könemann, Köln 1997, S. 394–457, hier: 439 Veronese verteidigte sich nicht ganz ohne Ironie: „Wir Maler nehmen uns die Freiheiten, die sich Dichter und Verrückte nehmen... Ich male meine Bilder mit Überlegung, auf angemessene Weise und mit Verständnis ... nicht als wenn ich mich verteidigen wollte, aber ich dachte es gut zu machen. Ich habe weder bedacht, dass Narrenfiguren an einem Ort, wo sich unser Herr aufhält, unpassend sind, noch habe ich geglaubt, damit irgendeine Unordnung anzurichten“. Nach der Befragung, deren Niederschrift noch heute im Staatsarchiv von Venedig liegtArchivio dello Stato, Venedig, Santo Ufficio, Processi, Busta Nr. 33, zit. in Andreas Priever: Paolo Caliari, S. 110. Deutsche Übersetzung und (als Beilage) Faksimile des Protokolls bei Giuseppe Delogu (Hrsg.): Veronese: Das Gastmahl im Hause Levi. Zürich 1950 (ohne Paginierung)., erhielt er die Auflage, das Bild auf eigene Kosten zu ändern, die aber später wieder aus dem Protokoll gestrichen wurde. Veronese änderte jedoch fast nichts, sondern fügte nur eine Inschrift auf der Balustrade links und rechts ein: FECIT D. COVO. MAGNV. LEVI und LVCA CAP. V. So sollte das Bild nun nicht mehr das letzte Abendmahl darstellen, sondern das im Lukasevangelium erwähnte Gastmahl im Hause des Levi , bei dem die Anwesenheit von Söldnern und „seltsamen Personen“ akzeptabler war.

mini|links|hochkant|Venus und Mars mit Cupido und einem Pferd, 47 × 47 cm, Galleria Sabauda, Turin Um 1575 schuf er mit dem Altarbild der Mystischen Hochzeit der Hl. Katharina für die venezianische Kirche Santa Caterina eins seiner größten Meisterwerke (heute in der Accademia, Venedig).Filippo Pedrocco: Veronese. S. 48 f.

Veronese malte auch PorträtsFilippo Pedrocco: Veronese. S. 38–39, 41 und 43. sowie mythologische Bilder mit oft erotischem Einschlag, insbesondere mehrere Darstellungen von Venus und Mars (Galleria Sabauda, Turin; Metropolitan Museum, New York). Eines dieser Bilder (heute: National Gallery of Scotland, Edinburgh) gehörte zu einer Serie von vier Gemälden für Kaiser Rudolph II. in Prag.Filippo Pedrocco: Veronese. S. 52 und 58–60.

Im Gebiet von Treviso malte er nach 1572 auch im Schloss Magnadole Fresken aus der alten Geschichte, darunter die Familie des Dareios und das Gastmahl der Kleopatra.

Nach zwei Bränden in den Jahren 1574 und 1577 erhielt Veronese wieder Aufträge für Dekorationen im Dogenpalast.Filippo Pedrocco: Veronese. S. 58, 61–65. Dabei schuf er außer acht allegorischen Tugend-Bildern auch die Allegorie der Schlacht von Lepanto (1575–77) über dem Thron des Dogen in der Sala del Collegio,Filippo Pedrocco: Veronese. S. 61–63. und das 1582 fertiggestellte Deckenbild Triumph Venedigs in der Sala del Maggior Consiglio.Filippo Pedrocco: Veronese. S. 63–65.

mini|rechts|Muttergottes in der Glorie mit dem Hl. Sebastian und anderen Heiligen, 420 × 230 cm, Hauptaltarbild von San Sebastiano, Venedig, 1565 In den letzten zehn Jahren veränderte sich Veroneses Stil und wurde dunkler, schlichter und emotionaler. Zu dieser Phase gehören elf vor 1582 entstandene Gemälde für die venezianische Kirche San Nicolò dei Frari (oder „della Lattuga“), die sich heute auf verschiedene Orte verteilen, darunter die beiden breitformatigen Bilder der Kreuzigung (Accademia, Venedig) und die Taufe und Versuchungen Christi, die sich heute in der Pinacoteca di Brera (Mailand) befindet.Filippo Pedrocco: Veronese. S. 67–68. In derselben Galerie ist heute sein spätes Meisterwerk Christus in Gethsemane, das er ursprünglich um 1583–84 für Santa Maria Maggiore malte.Filippo Pedrocco: Veronese. S. 69. Weitere Werke, darunter mehrere Engelspietàs und Kreuzigungen, schuf er für die Kirchen Santi Giovanni e Paolo, San Zulian, San Sebastiano, San Lazzaro dei Mendicanti, Santa Sofia, Ognissanti und Sant’Andrea della Zirada; auch hiervon befinden sich einige Bilder mittlerweile in Museen.Filippo Pedrocco: Veronese. S. 69–74.

Sein letztes Werk ist das Altarbild Bekehrung des hl. Pantaleon durch die Heilung eines Jungen, das er 1587 für die Kirche San Pantalon malte.Das Bild ist auch bekannt als Der hl. Pantaleon heilt einen Jungen. Filippo Pedrocco: Veronese. S. 73–74 (Abb. auf 76f).

Paolo Veronese starb in Venedig im April 1588 im Alter von 60 Jahren an Lungenentzündung und wurde in der Kirche San Sebastiano beigesetzt.