Lichtenwald ist eine Gemeinde auf dem Schurwald im Landkreis Esslingen in Baden-Württemberg, an der Landstraße L1151 zwischen Reichenbach an der Fils (4 km) und Schorndorf (7 km) gelegen. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur europäischen Metropolregion Stuttgart.
Geographie Geographische Lage Der Ortsteil Hegenlohe liegt auf dem bewaldeten Osthang (unter den Einheimischen auch Heuberg genannt) des Reichenbachtals und ist wie das auf dem Höhenrand angesiedelte Thomashardt von den Mischwäldern des Schurwaldes umgeben. Das Gemeindegebiet erstreckt sich von 342 bis 480 Meter Höhe.
Auf dem Höhenweg (ein Wanderweg vom Bürgerzentrum zum Naturfreundehaus) hat man bei guter Sicht ein Panorama auf die Alb und die davor gelegenen Gebiete. In südwestlicher Richtung ergibt sich eine Fernsicht von ca. 50 km, in östlicher von ca. 30 km.
Gemeindegliederung Lichtenwald besteht aus den beiden Ortsteilen Hegenlohe und Thomashardt, die aus den beiden ehemals selbstständigen Gemeinden gleichen Namens hervorgegangen sind, aus denen die Gemeinde Lichtenwald entstanden ist. Zum Ortsteil Hegenlohe gehören das Dorf Hegenlohe und die Wohnplätze Bannmühle und Ölmühle sowie die abgegangene Ortschaft Ritzenweiler. Zum Ortsteil Thomashardt gehört das Dorf Thomashardt.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 243–245 Ca. 66 % der Gemarkung besteht aus Wald.
Nachbargemeinden Im Westen grenzt Thomashardt an die ebenfalls auf der Schurwaldhöhe gelegene Gemeinde Baltmannsweiler mit ihren Ortsteilen Baltmannsweiler und Hohengehren. Im Süden ist das im Tal gelegene Reichenbach an der Fils benachbart. Wieder auf der Schurwaldhöhe liegen die östlichen Nachbarorte Büchenbronn (zu Ebersbach an der Fils) und Baiereck (zu Uhingen), ebenso die nördlichen Nachbarorte Schlichten (zu Schorndorf), sowie die nordwestlichen Ortschaften Manolzweiler und Engelberg (beide zu Winterbach).
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Lichtenwald.
Klima Das Klima in Lichtenwald gestaltet sich etwas rauer als im Filstal. Im Tagesverlauf kann ein Temperaturunterschied von 1–3 K im Vergleich zum Tal auftreten. Abends nimmt dieser ab, im Sommer kann sogar, da nach Sonnenuntergang die warme Luft aus dem Tal aufsteigt, eine Umkehrung des Effektes beobachtet werden. Allgemein ist es in Lichtenwald windiger als im Tal, da die Orte auf einem Bergrücken liegen. Im Winter liegt wie auf dem ganzen Schurwald öfters und länger Schnee als im Fils-, Neckar- oder Remstal. Aufgrund der Berglage und (fast) freier Sicht in West und Ost kann man in Lichtenwald nahezu die komplett mögliche Sonnenscheindauer nutzen.
Geologie Der geologische Aufbau Lichtenwalds folgt dem auch im Großteil des restlichen Schurwaldes vorzufindenden Schema.
Der Höhenrücken Lichtenwalds besteht aus einer sehr schmalen Zone (20–25 m) Schwarzen Juras oder (unterem) Lias alpha. Dieser setzt sich wiederum aus einer Schicht von Verwitterungsprodukten wie dunkler Lehme, Tone und Sand zusammen, darunter finden sich u. a. der hellgraue Angulatensandstein und nochmals tiefer (aber nicht mehr sichtbar, da verborgen unter Hangschutt) der Psilonotenton. Die Liasböden sind, abgesehen von ihren steinigen Rändern, gute Ackerböden.
Die weiteren Schichten gehören zum Keuper. Unter der Schicht Lias alpha beginnt eine 2–3 m mächtige Schicht Rhät (dunkel-tonig-mergelig, aber nur schwer zu erkennen). Der tonige Knollenmergel schließt sich als 20–30 m mächtige Schicht dem Rhät an und ist sofort als etwa 50–300 m breites, buckliges Wiesengelände, zwischen den Äckern oben und dem Waldrand unten auszumachen. mini|Blick auf Thomashardt in Richtung Norden Der Knollenmergel bietet keine gute Baugrundlage und neigt bei Regen zum Aufquellen, die zu Rutschungen führen können. Typische Folgen der Bodenbewegungen sind die vielen schräg gestellten oder mit einem Knick im unteren Bereich des Stammes zum Licht wachsenden Bäume, was auch als Krückstockwuchs oder Säbelwuchs bezeichnet wird.
Die unterste Schicht des Schurwaldes besteht aus Stubensandstein (Mittlerer Keuper) mit einer Schichtmächtigkeit von 90–100 m. Diese Formation besteht größtenteils aus Sandsteinbänken, in die sich zahlreiche Bäche eingeschnitten haben.
Tektonik Die geologischen Schichten im Schurwald fallen allgemein vom Nordwesten nach Südosten um etwa 0,5–1° ein. Des Weiteren stellt das heutige Filstal im Raum Reichenbach-Plochingen eine Bruchzone dar, verursacht durch extreme Spannungen. Durch das Absinken der Zone liegen zum Beispiel in Reichenbach Stubensandstein-Schichten 50–70 m tiefer als nördlich der Bruchlinie. Die Spannungen sind bis heute nicht abgeklungen, wodurch sich ein tektonisches Erdbeben vom August 1940 erklären lässt, dessen Epizentrum etwa 10 km unter Hegenlohe lag (zwar verursachte es keine Schäden, war aber dennoch auf dem ganzen Schurwald zu spüren).
Geschichte Lichtenwald ab 1971 Die Gemeinde Lichtenwald entstand am 1. Januar 1971 durch den freiwilligen Zusammenschluss der bis dahin selbständigen Gemeinden Hegenlohe und Thomashardt. In einem Bürgerentscheid am 13. Dezember 1970 stimmten bei hoher Wahlbeteiligung mehr als 90 % der Wähler für den Zusammenschluss. mini|Lichtenwalder Bürgerzentrum
Der Name Lichtenwald stammt vom „lichten Wald“ ab, eine Bezeichnung, die schon im Jahr 1555 in alten Forstlagerbüchern des Forstamts Schorndorf unter Bezugnahme auf die Gemeinden Hegenlohe und Thomashardt auftauchte. Auch die Bestandteile der Ortsnamen, Lohe und Hardt, führen sich auf die Begriffe Weidewald bzw. lichter Wald zurück. Die zündende Idee für die Namensgebung hatte letztendlich der alteingesessene Bürger Karl Roos aus Thomashardt. Weitere, aber abgelehnte Vorschläge waren: Hegenhardt, Thomaslohe, Schlichtenwald, Hohenlau, Schurdorf, Langgehren und Langrain.
Seit den 1990er Jahren wurden mehrere öffentliche Bauprojekte in Lichtenwald verwirklicht. Nachdem zunächst das Rathaus und der Dorfplatz in Thomashardt neu gestaltet worden waren, wurde 1996 der Wasserturm in Thomashardt künstlerisch gestaltet, wozu über 55.000 DM durch Spenden von Einzelpersonen, aus Benefizveranstaltungen und von Sponsoren aus der Wirtschaft aufgebracht worden waren. 1998 kam es zur Einweihung des Jugendhauses bei der Grundschule, im Oktober 2000 zur Fertigstellung des Bürgerzentrums, in dem Freiwillige Feuerwehr, Bauhof und ein Bürgersaal für Vereine und kulturelle Veranstaltungen untergebracht sind. 2003 wurde ein neuer Sportplatz gebaut. 2012 kam die neue Mehrzweckhalle (Gemeinde- und Sporthalle) dazu. Die alte Sport- und Gemeindehalle wurde 2012 abgebrochen, da sie stark sanierungsbedürftig, viel zu klein und nicht mehr den heutigen Anforderungen an ein solches Gebäude entsprechend war.
Hegenlohe mini|hochkant|Das Höfle, Urkern von Hegenlohe mini|Hegenlohe 1685, Forstlagerbuch von Andreas Kieser Hegenlohe wurde erstmals unter dem Namen Haginilo am 26. April 1173 erwähnt, als der Gegenpapst Calixt III. die Liegenschaften des Klosters Sankt Blasien (Südschwarzwald) in Hegenlohe bestätigte. Die Vogtei hatten bis 1364 die Herzöge von Teck. Später wurde die Vogtei über Hegenlohe an die Grafen von Württemberg übergeben, welche diese unter anderem an die Esslinger Familie Holdermann verlieh. 1457 fiel die Vogtei wieder zurück an die Württemberger, die den Ort dann dem Amt (seit 1806 Oberamt) Schorndorf zuwiesen. Die Gemeinde gehört seit der Gebietsreform von 1938 dem Landkreis Esslingen an. Bis 1379 bestand auf Hegenloher Markung die um 1140 genannte Siedlung Ritzisweiler. Eine weitere Siedlung namens Witzenweiler existierte bis vor den Dreißigjährigen Krieg.
Thomashardt und Hegenlohe bildeten stets eine Gesamtkirchengemeinde. Um 1700 begann die Gemeinde Hegenlohe einen eigenen Schulunterricht einzuführen, zuvor mussten die Schulpflichtigen Kinder (nur Jungen, Mädchen erst ab 1739) den Unterricht in Thomashardt und Hohengehren absolvieren.
Heiligkreuzkirche Eine Ecclesia (eher Kapelle) wurde erstmals 1173 urkundlich erwähnt. Die heutige Sakristei wurde nach 1200 erbaut, das gerippte Kreuzgewölbe erst viel später eingezogen. Die evangelische Pfarrkirche Zum heiligen Kreuz, welche auf einem felsigen Hügelsporn fußt, wurde wohl 1479 vollendet, wobei der Innenraum über die Jahrhunderte mehrmals Veränderungen unterzogen war, zuletzt 1955. Der steinerne Tischaltar stammt wahrscheinlich noch aus der ersten Kapelle, an der Nordwand befindet sich eine gotische Taufnische und im flachgedeckten Schiff wieder an der Nordwand eine spätgotische Sakramentnische (von 1479). Das hölzerne Altarkruzifix wurde um 1520 von unbekannter Hand geschnitzt und 1955 restauriert. Eine wahrscheinlich erste Orgel war schon um 1700 vorhanden, die heutige stammt von 1835.
Der Kirchturm ist 29 m hoch, ruht zweiseitig auf einer starken, freitragenden, mittelalterlichen Eichenkonstruktion und wurde 1809 in den oberen zwei Stockwerken nebst Turmdach völlig neugebaut. Die erste große Kirchenglocke aus dem Jahr 1501, gegossen vom Esslinger Glockengießer Sydler und fast 300 kg schwer, musste 1949 aufgrund eines Sprungs umgegossen werden. Zuvor wurde sie im Zweiten Weltkrieg beschlagnahmt und nach Esslingen abtransportiert, 1947 aber wieder zurückgegeben. Eine kleine Glocke wurde letztmals 1832 umgegossen, 1917 im Ersten Weltkrieg eingeschmolzen und 1922 durch eine neue ersetzt. Eine dritte Glocke, die Taufglocke, wurde 1949 angeschafft. Die Glocken ertönen in e-g-a (große Glocke – kleine Glocke – Taufglocke).
Thomashardt mini|Thomashardt 1685 mini|205x205px|Thomashardt und Teile Hegenlohe 1968 mini|hochkant|Hegenloher Heiligkreuzkirche mit Dorflinde Thomashardt tauchte erstmals in einer Urkunde vom 18. November 1324 in der Namensform Dagemanshart auf. Ein Teil des Ortes befand sich bis 1333 im Besitz der Grafen von Aichelberg, ein anderer bis 1367 im Besitz der Herzöge von Teck. Später besaßen die Grafen von Württemberg die jeweiligen Rechte. Der dritte Teil des Dorfes gehörte ab 1268 dem Kloster Adelberg an, das seine Vogteirechte 1362 an Württemberg übergab. Die Grundherrschaft selbst übte das Kloster bis zum Jahr 1535 aus. Seit 1453 gehörte die Gemeinde zum Amt Schorndorf (bzw. 1758 bis 1934 Oberamt Schorndorf, dann 1934 bis 1938 Kreis Schorndorf) und ab 1938 zum Landkreis Esslingen.
Thomashardt besaß bis ins Jahr 1966 weder eine Pfarrei noch ein Kirchengebäude, 1965/66 wurde dann die Auferstehungskirche gebaut. Der Bildungsbereich entwickelte sich früher als in Hegenlohe, ein Schulgebäude wurde 1812 gebaut, das auch als Rathaus benutzt wurde.
Gemeinsame Geschichte vor 1971 Bereits vor dem Jahr 1971 gab es viele Gemeinsamkeiten zwischen Thomashardt und Hegenlohe. Beide Gemeinden gehörten zwischen 1560 und 1819 zum Schlichter Waldgericht und bildeten im Jahr 1819 zusammen mit Schlichten und Baiereck sogar eine Gesamtgemeinde mit Sitz in Thomashardt. Nach dem Ausscheiden von Baiereck und Schlichten aus dem Verbund trennten sich die beiden verbliebenen Teilorte am 29. September 1825 und fanden so ihre Selbständigkeit wieder. Landeshistorisch waren die Orte jahrhundertelang ein Bestandteil Altwürttembergs, von 1806 bis 1918 dann beim Königreich Württemberg und danach Teil des Volksstaates Württemberg. 1945 fielen die Orte der Amerikanischen Besatzungszone zu und gehörten somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging. Bereits vor dem erneuten Zusammenschluss im Jahr 1971 schlossen sich Thomashardt und Hegenlohe zu einem Schulverband zusammen. 1962 wurde ein Schulgebäude an der Markungsgrenze errichtet, in dem sich heute die Grundschule findet.
Einwohnerentwicklung Lichtenwald ab 1971