Des Teufels General ist ein Drama in drei Akten von Carl Zuckmayer, geschrieben zwischen 1943 und 1945 im Exil (Vermont, USA). Uraufführung der ersten Fassung war am 14. Dezember 1946 am Schauspielhaus Zürich (Inszenierung: Heinz Hilpert, Bühnenbild: Caspar Neher, Harras: Gustav Knuth). Am 8. November 1947 folgten die deutsche Erstaufführung am Hamburger Schauspielhaus mit Robert Meyn in der Titelrolle und im Januar 1967 die Uraufführung der neuen Fassung im Berliner Schillertheater.
Die Handlung ist in Berlin im Spätherbst 1941 angesiedelt. Harras ist Luftwaffen-General und leidenschaftlicher Flieger. Anwerbungsversuchen der NSDAP widersteht er, von den Ansichten und Taten der Machthaber distanziert er sich und tut dies auch kund. Er ist verantwortlich für den Flugzeugbau und gerät immer mehr unter Druck, als sich Unfälle durch Materialfehler häufen. Schließlich stirbt auch sein Freund Eilers bei einem Flugunfall. Nach vierzehntägiger Haft und Verhören durch die Gestapo erhält Harras zehn Tage Frist, um die Vorfälle aufzuklären und sich zu rehabilitieren. Am letzten Tag deckt er eine Sabotage-Aktion des Widerstands an einem neu entwickelten Flugzeugtyp auf, in die auch sein bester Freund Oderbruch verwickelt ist. Um ihn und seine anderen Mitarbeiter zu schützen, übernimmt Harras die alleinige Verantwortung. Obwohl von Oderbruch dazu gedrängt, lehnt er eine Flucht ab. Er besteigt eine der sabotierten Maschinen und fliegt in den Tod.
Aufbau Hinweis: Die Angaben zur aktuellen Fassung beziehen sich, wenn nicht anders angegeben, auf das Fischer Taschenbuch Des Teufels General, 36. Auflage, Juli 2008
Das Stück ist in drei Akte gegliedert:
Höllenmaschine Elf Uhr abends in einem Berliner Restaurant.
Galgenfrist oder Die Hand Harras’ Wohnung, vierzehn Tage später.
Verdammnis Frühmorgens am letzten Tag der Frist. Schauplatz: Das technische Büro eines Militärflugplatzes.
Handlung Erster Akt General Harras gibt in „Ottos Restaurant“ eine große Abendgesellschaft anlässlich des fünfzigsten Luftsieges von Friedrich Eilers, dem Oberst und Führer einer Kampfstaffel. Bei dieser Gelegenheit bespricht Sigbert von Mohrungen, der Präsident des Beschaffungsamtes für Rohmetalle, mit Harras ein bislang ungelöstes Problem: Durch Tragflächenbruch fallen immer wieder fabrikneue Maschinen aus. Harras bleiben nur Vermutungen über die Ursache. Im weiteren Laufe des Abends tritt die Opernsängerin Olivia Geiß, mit der er früher ein Verhältnis hatte, an ihn heran und bittet ihn darum zu helfen, den wegen so genannter „Rassenschande“ verurteilten jüdischen Chirurgen Samuel Bergmann und dessen Frau außer Landes zu bringen. Harras bietet dafür eine Privatmaschine an. Die bekannteste Stelle des Stückes ist Harras’ Gespräch mit dem jungen Fliegeroffizier Hartmann, der wie er aus dem Rheinland stammt. Dieser ist verzweifelt, weil die Tochter des Industriellen Sigbert von Mohrungen, Waltraut, genannt Pützchen, die Beziehung mit ihm gelöst hat. Er kann die arische Abstammung einer seiner Urgroßmütter nicht nachweisen und ist damit von einer Parteikarriere ausgeschlossen. Darauf antwortet Harras mit der Rede von der Völkermühle, in der er die nationalsozialistische Rassenlehre umkehrt und behauptet, dass die wertvollsten Menschen gerade aus der Vermischung entstünden.1. Akt, S. 7–71
Am Ende des ersten Aktes geht aus den Gesprächen der beiden von Harras abkommandierten Kellner Herr Detlev und François hervor, dass sämtliche Gespräche abgehört und mitgeschnitten wurden.1. Akt, S. 72
Zweiter Akt Vierzehn Tage später in der Wohnung des Generals im „Neuen Westen“: Adjutant Lüttjohann und Chauffeur Korrianke warten auf die Rückkehr von Harras, der vor vierzehn Tagen von der Gestapo inhaftiert wurde. Bald darauf treffen auch der mit Harras befreundete junge amerikanische Journalist Buddy Lawrence und Kulturleiter Dr. Schmidt-Lausitz ein. Lawrence hatte die Meldung verbreitet, dass Harras nicht auf Frontinspektion war, wie offiziell verlautbart, sondern liquidiert wurde. Deshalb erhielt er Schreibverbot und steht kurz vor der Ausweisung. Als Harras eintrifft, überbringt diesem Dr. Schmidt-Lausitz das Ultimatum, binnen zehn Tagen die Ursache für die Sabotageakte zu finden und diese abzustellen. Als er Harras schließlich offen droht, jagt ihn dieser mit Revolverschüssen aus der Wohnung.2. Akt, S. 73–84
Später trifft Diddo Geiß ein, die Nichte der Opernsängerin Olivia Geiß. Harras hatte schon bei der Abendgesellschaft mit ihr angebändelt, und das Mädchen himmelt ihn an. Nach einer Liebesszene drängt Harras sie, einen Vertrag für eine Filmhauptrolle anzunehmen, der sie für ein halbes Jahr in die Ostmark (Österreich) führen wird. Von ihrer Tante, der Sängerin Olivia Geiß, erfährt Harras schließlich, dass sich während seiner erzwungenen Abwesenheit der bereits erwähnte Chirurg Samuel Bergmann und dessen Frau aus Verzweiflung vergiftet haben. Später treffen „Pützchen“, Sigbert von Mohrungen und der als entartet eingestufte Maler Schlick ein. Schlick präsentiert betrunken vor Harras und „Pützchen“ seine persönliche Umdeutung der Blut-und-Boden-Ideologie: Aus mit Blut getränktem Boden kämen das Böse und alle Krankheiten.2. Akt, S. 87–110
Sigbert von Mohrungen versucht Harras zu überzeugen, in die Partei einzutreten, sich mit Himmler zu verständigen und allgemein eine andere Position einzunehmen. Harras lehnt dies mit dem Argument ab, dass dann die SS die Kontrolle über die Luftwaffe übernähme. Bald darauf trifft die Nachricht ein, dass Friedrich Eilers tödlich verunglückt sei. Die Gesellschaft löst sich rasch auf. Harras bestellt den verantwortlichen Ingenieur Oderbruch ein, mit dem er eng befreundet ist. Bevor dieser eintrifft, tritt „Pützchen“ zu ihm: Sie meint, die Nazi-Größen seien entweder Dummköpfe oder keine richtigen Männer. Er hingegen sei ein Kerl mit Ausstrahlung und zum Herrschen geboren. Als Harras darauf nicht eingeht, beginnt sie ihm zu drohen: Sie wisse, dass er „alte Juden“ über die Grenze schmuggle. Harras reißt eine schwere afrikanische Peitsche von der Wand und vertreibt „Pützchen“. Am Ende des Aktes trifft Oderbruch ein, der sämtliche Unterlagen mitgebracht hat, und beide beginnen mit den Untersuchungen.2. Akt, S. 112–128
Dritter Akt Schauplatz ist das technische Büro eines Militärflugplatzes. Es ist der letzte Tag der Frist: Samstag, der 6. Dezember 1941. Noch immer haben alle Nachforschungen und Untersuchungen kein Ergebnis erbracht. Dr. Schmidt-Lausitz erscheint am Morgen und überreicht das Formular des abschließenden Berichts, der bis sieben Uhr abends vorliegen muss. Hartmann trifft verwundet und desillusioniert von der Front ein. Er bittet Harras um eine leichte Arbeit. Dieser teilt ihn Oderbruch zu. Anne Eilers erscheint und nennt Harras den Mörder ihres Mannes. Er schicke Menschen für Ideale in den Tod, an die er selbst nicht glaube.3. Akt, S. 129–146 Kurzes Dunkel Es ist mittlerweile Abend, und der Abgabetermin rückt heran, ohne dass ein Ergebnis vorliegt. Schließlich gesteht Oderbruch, von Harras bedrängt, dass ausgerechnet er, der beste Freund, an den Sabotageakten beteiligt sei. Er begründet dies mit einem höheren Zweck: „… wir müssen die Waffe zerbrechen, mit der er [Hitler] siegen kann – auch wenn es uns selber trifft.“3. Akt, S. 149 Um ihn und seine anderen Mitarbeiter zu schützen, übernimmt Harras die alleinige Verantwortung. Obwohl von Oderbruch dazu gedrängt, lehnt er eine Flucht ab: „Wer auf Erden des Teufels General wurde und ihm die Bahn gebombt hat – der muß ihm auch Quartier in der Hölle machen.“3. Akt, S. 155 Er besteigt eine der sabotierten Maschinen und fliegt in den Tod. Dr. Schmidt-Lausitz betritt den Raum, geht zum Telefon und meldet die reibungslose Abwicklung der Angelegenheit an das Hauptquartier.3. Akt, S. 146–156
Figuren Nach der Beschreibung im ersten Akt ist General Harras nicht älter als 45. Er ist „… in großer Galauniform, aber in Haltung und Benehmen leger, eher etwas salopp.“Erster Akt, S. 9 Harras ist in seiner Weltanschauung das Gegenteil eines Nationalsozialisten (siehe auch das Gespräch mit Hartmann im 1. Akt). Dies hält ihn jedoch nicht davon ab, als General der Flieger für das Dritte Reich zu arbeiten. Er hat früher in den USA gelebt und ist weltgewandt, aber: „Als Stunt Flier, Luftclown, Daredevil, hätte man mich drüben Karriere machen lassen. Bestenfalls beim Film – aber nicht mehr.“ […] „Nirgends in der Welt hätte man mir diese Möglichkeiten gegeben – diese unbegrenzten Mittel – diese Macht.“1. Akt, S. 37f, Gespräch mit Sigbert von Mohrungen
Kulturleiter Dr. Schmidt-Lausitz tritt in Parteiuniform in strammer Haltung auf. Nach der weiteren Beschreibung im ersten Akt: „… schmalstirnig, mit blitzenden Brillengläsern und unsichtbaren, eng zusammenstehenden Augen dahinter, schütteren blonden Haaren in ‚vorschriftsmäßigem‘ Schnitt, verkniffenen Lippen“ […]1. Akt, S. 11 Er ist Harras’ direkter Gegenspieler und arbeitet für die Gestapo. Im ersten Akt beschimpft er Erich Maria Remarque, der geprasst habe, während er sich selbst „… in einer Winkelredaktion abschinden musste.“1. Akt, S. 55 Dies ist eine Anspielung auf Propagandaminister Joseph Goebbels, der eine Zeit lang erfolglos Autor und Journalist war und eine Kinovorführung von Im Westen nichts Neues durch SA sprengte.Carl Zuckmayer – Des Teufels General. Textanalyse und Interpretation mit ausführlicher Inhaltsangabe und Abituraufgaben mit Lösungen S. 56 bis 57 Im zweiten Akt, als die Lage für Harras immer schwieriger wird, sagt er zu ihm: „[…] Sie haben geglaubt, Sie könnten hier den Rahm abschöpfen, um sich daran fettzuschlecken – und uns mit dem Sudel in den Sautrog schütten. Sie haben sich verrechnet. […]“2. Akt, S. 83.
Ingenieur Oderbruch ist um die vierzig, „… schlank, graublond mit einfachen, klaren Zügen, ohne besondere Auffälligkeit.“ Er trägt keine Auszeichnungen.Zweiter Akt, S. 124f Die Figur des Saboteurs Oderbruch war von Anfang an umstritten. Zuckmayer schreibt, dass die Handlungen der Personen des Stücks nicht von vornherein „ausgerechnet“ gewesen seien, sondern sich aus ihren Wesen und ihrer „inneren Situation“ ergaben. So nehme Oderbruch, der das Gute anstrebe, in seiner ausweglosen Bedrängnis doch auch den Freundesmord auf sich. „… in der Hölle gibt es keine Engel, und im Umkreis dieses Stückes herrscht, wie schon sein Titel sagt, die Hölle auf Erden.“Fischer Taschenbuch, Vorsatzblatt, S. 2. Oderbruch sei, so der Autor später in seiner Autobiographie, die „einzige ‚abstrakte‘, nicht ganz menschgewordene Figur“ und deshalb nicht so sehr als handelnde Person, sondern eher als „Symbol der Verzweiflung“ zu verstehen.Als wär’s ein Stück von mir. Frankfurt/Main: Fischer Verlag, Juni 2006 S. 653.
Leutnant Hartmann ist nach der Beschreibung im ersten Akt „… sehr jung, schmal, blaß, mit hübschem, gescheitem Knabengesicht.“1. Akt S. 20 Der auf einer NS-Ordensburg ausgebildete Hartmann ist tüchtig, aber auch völlig unkritisch („Der Tod auf dem Schlachtfeld ist groß. Und rein. Und ewig“).1. Akt S. 67 Am Ende öffnet ihm ein Fronteinsatz die Augen und Harras teilt ihn dem Widerstandskämpfer Oderbruch zu. Dies ermöglicht Hartmann „… einen Weg zu Sühne und Neuanfang.“Carl Zuckmayer – Des Teufels General. Textanalyse und Interpretation mit ausführlicher Inhaltsangabe und Abituraufgaben mit Lösungen S. 53 f. Zuckmayer schreibt in seiner Autobiografie, dass sich viele Jugendliche und junge Erwachsene mit dieser Figur identifizierten.Als wär’s ein Stück von mir. S. 653.
Sigbert von Mohrungen ist Präsident des Beschaffungsamtes für Rohmetalle. Er ist laut Beschreibung ein ... Fünfziger mit grauen Schläfen, Repräsentant der alten standesherrlichen Schwerindustrie.1. Akt, S. 11 Er und seine Kollegen hatten schon früh die Nationalsozialisten finanziert. Aus einem Gespräch mit Harras im ersten Akt: Man hat es sich anders gedacht. Man glaubte, man schafft sich eine Waffe gegen den Bolschewismus. Eine Waffe in unserer Hand.1. Akt, S. 36f
Widmung