mini|Hauptgebäude der Russischen Nationalbibliothek am Newski-Prospekt, Sokolow-Gebäude { "type": "FeatureCollection", "features": [
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Die Russische Nationalbibliothek () in Sankt Petersburg ist die zweitgrößte Bibliothek Russlands und eine der größten Bibliotheken der Welt. Sie gehört zusammen mit der Russischen Staatsbibliothek in Moskau und der 2009 eröffneten Bibliothek des Präsidenten B. N. Jelzin in Sankt Petersburg zu den drei Nationalbibliotheken der Russischen Föderation.
Namen 1796–1917 Kaiserliche öffentliche Bibliothek () 1917–1925 Russische öffentliche Bibliothek () 1932–1992 Öffentliche Michael-Saltykow-Schtschedrin-Bibliothek (nach dem Schriftsteller Michail Jewgrafowitsch Saltykow-Schtschedrin) seit 1992 Russische Nationalbibliothek
Geschichte Gründungszeit (1794–1814) mini|Denkmal für Katharina II. vor dem Haupteingang der Nationalbibliothek in St. Petersburg
Im Jahre 1766 legte der Mäzen und Staatsmann Alexander Sergejewitsch Stroganow Katharina II. den Plan für eine russische Nationalbibliothek in St. Petersburg zur Prüfung vor, die „wie die besten öffentlichen Bibliotheken Europas“ ein Archiv nationaler gedruckter Publikationen und herausragender literarischer Werke sein sollte. Die Idee wurde jedoch erst drei Jahrzehnte später realisiert. Am genehmigte Katharina II. das Projekt für den Bau des Gebäudes der Kaiserlichen öffentlichen Bibliothek am Newski-Prospekt nach Plänen des Architekten Jegor Sokolow (). Es sollte Aufbewahrungsort einer vollständigen Sammlung russischer Bücher werden. Gemäß den Idealen der Aufklärung wünschte die Kaiserin jedoch kein abgeschlossenes Buchrepositorium, sondern eine allgemein zugängliche Bibliothek. Damit hatte sie einen anderen Charakter als die 1714 von Peter dem Großen gegründete Bibliothek der Russischen Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg.
In anderen Ländern bildeten private Sammlungen und Privatbibliotheken der Monarchen den Grundstock der Nationalbibliothek. In Russland entschied man sich, die Nationalbibliothek mit fremden Sammlungen aufzubauen, vor allem der Załuski-Bibliothek, die von 1774 bis 1794 in Warschau als Nationalbibliothek des polnischen Staates bestand. 1794 wurde sie auf Anordnung Katharinas während des Kościuszko-Aufstands als Kriegsbeute abtransportiert. Von den 394.150 Bänden kamen aber nur 262.640 in St. Petersburg an, darunter lediglich acht in russischer Sprache. Deshalb beschloss die Kaiserin, den Bestand mit anderen Bibliotheken zu vereinigen: den von ihr bereits früher angekauften Bibliotheken Denis Diderots.Ilse Müller-von Werder (Bearb.): Moskau, Leningrad mit Kiew, Odessa, der Krim und den Badeorten am Schwarzen Meer. Polyglott-Verlag, München, 9. Aufl. 1988/1989, ISBN 3-493-60062-3, S. 215. Voltaires und Johann Albrecht von KorffsDie 36.000 Bände der Korffschen Bibliothek hatte Katharina II. 1766 für ihren Sohn Paul gekauft. sowie der Hofbibliothek der Petersburger Eremitage. (Tatsächlich kam die Hofbibliothek der Eremitage erst 1861 in die Nationalbibliothek und dabei auch Voltaires Bibliothek als geschlossene Sammlung; Diderots Bibliothek war da schon im Gesamtbestand aufgegangen.)
Die Arbeiten zur Neuordnung der Załuski-Bibliothek begannen 1795, wurden aber 1796 nach dem Tode Katharinas II. unterbrochen, weil der neue Kaiser, Paul I., vielen Projekten und Initiativen seiner Mutter ablehnend gegenüberstand. 1797 wurde Marie-Gabriel-Florent-Auguste de Choiseul-Gouffier zum Direktor der kaiserlichen Bibliothek und der Akademie der Künste ernannt, er betrieb die Übergabe der Załuski-Bibliothek an die Akademie der Wissenschaften. Die eigentliche Organisationsarbeit an der Kaiserlichen Öffentlichen Bibliothek begann erst im Januar 1800, als Alexander Sergejewitsch Stroganow Direktor der Bibliothek wurde.
1805 schenkte der russische Diplomat und Bibliophile Petr Dubrowskij (1754–1816) () der Bibliothek eine wertvolle Sammlung von Manuskripten und Autographen. Als Sekretär der Russischen Botschaft in Paris hatte er in den Wirren der Französischen Revolution etwa vierhundert Manuskripte aus dem 5. bis 18. Jahrhundert und ca. 8000 Autographen berühmter Persönlichkeiten Frankreichs erworben, die ehemals den Abteien Saint-Germain-des-Prés und Corbie und anderen Institutionen gehörten. Darunter waren so bedeutende Manuskripte wie Historia ecclesiastica gentis Anglorum (Sankt Petersburg), Codex Sangermanensis und weitere frühe Handschriften des Neuen Testaments. Der Erwerb dieser wertvollen Sammlung war Anlass für die Einrichtung des Manuskriptdepots als Abteilung für alte Handschriften, Dubrowskij wurde zu seinem Kustos ernannt. 1806 kam das Ostromir-Evangeliar von 1056 hinzu; dieses älteste bekannte russische Buch befand sich in der Garderobe Katharinas II. Noch unter Stroganows Direktorat erhielt die Bibliothek 1811 die Laurentiuschronik () von 1377.
Alexei Nikolajewitsch Olenin, der nach Stroganows Tod 1811 Direktor wurde, entwickelte und erweiterte die Bibliothek in seiner Amtszeit bis 1843 entscheidend. Schon 1809 hatte er das erste Regelwerk Russlands für die Klassifizierung von Beständen und die Anlage von Katalogen erarbeitetOlenin griff dabei auf seine Erfahrungen an der Sächsischen Landesbibliothek in Dresden zurück. und schuf das 1810 von Alexander I. erlassene Bibliotheksstatut, in dem auch geregelt war, dass die Bibliothek zwei kostenlose Exemplare von allem erhalten muss, was auf russischen Druckmaschinen hergestellt wird. Die von Olenin 1811 entworfene Bibliotheksstruktur wies den Büchern in russischer Sprache eine eigene Abteilung zu und verdeutlichte damit den nationalen Charakter der Kaiserlichen Öffentlichen Bibliothek. Die Einrichtung der Bibliotheksräume begann 1811 und folgte dem Vorbild der Bodleian Library in Oxford. Wegen Napoleons Russlandfeldzug 1812 musste die Eröffnung verschoben werden, wertvolle Bestände wurde nach Lodeinoje Pole ausgelagert.
Ein neuer Tempel der Aufklärung (1814–1850) Die feierliche Eröffnung der Kaiserlichen Öffentlichen Bibliothek () fand am statt. Sie war die erste öffentliche Bibliothek des Russischen Reiches. In den Anfangsjahren nutzten jährlich zwischen 500 und 600 Personen die Bibliothek.
Hauptquelle der Bestandsergänzung waren in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Zugänge nach dem Pflichtexemplarrecht. 1816 wurden 2.721 Bände aus der Eremitage übergeben. Wegen begrenzter Finanzmittel konnten von 1811 bis 1849 nur rund 7.000 ausländische Titel erworben werden. Die Zusammenarbeit mit großen Bibliotheken, Universitäten und wissenschaftlichen Akademien Deutschlands, Englands, Belgiens und anderer Länder verbesserte die Situation. Auch durch Ankauf privater Sammlung wurden die Bestände in dieser Zeit erweitert, z. B. kaufte Nikolaus I. 1836 Jan Pieter van Suchtelens umfangreiche Sammlung mit etwa 26.000 Büchern, 260 Manuskripten und 13.000 Autographen für die Bibliothek. Nach der Unterdrückung des Warschauer Novemberaufstands (1830/1831) kamen Bestände mehrerer polnischer Bibliotheken und Sammlungen in die Kaiserliche Bibliothek.
mini|Das Rossi-Gebäude der Russischen Nationalbibliothek St. Petersburg, um 1920 In den 1820er Jahren wurde eine Erweiterung der Bibliothek notwendig. Nach Plänen des Architekten Carlo Rossi wurde von 1828 bis 1832 das Rossi-Gebäude am Ostrowski-Platz direkt an das Sokolow-Gebäude angefügt und dessen äußere Gestalt dem neue Gebäude so angeglichen, dass beide zusammen eine stilistische Einheit bilden. Das Rossi-Gebäude beherbergt heute u. a. die Voltaire-Bibliothek.
1843 ernannte Nikolaus I. den General Dmitri Petrowitsch Buturlin zum Direktor. Als der Kaiser 1848 das geheime Komitee für die Überwachung der in Russland erscheinenden Druckerzeugnisse gründete, wurde Buturlin dessen Mitglied und später Vorsitzender. Nach den Revolutionen 1848/1849 ließ er die Abonnements ausländischer Zeitungen und Zeitschriften kündigen: Buturlin zog es vor, die Jalousien dieses kleinen Fensters nach Europa herunterzulassen, wie ein Zeitgenosse schrieb.