mini|Blick auf Liggersdorf von Südosten

Hohenfels ist eine Gemeinde im baden-württembergischen Landkreis Konstanz in Deutschland.

Geographie Geographische Lage Hohenfels liegt nördlich des Bodensees am Übergang des Hegaus zum Linzgau. Die Hohenfelser Ortsteile Liggersdorf, Mindersdorf, Deutwang und Kalkofen sind Teil des historischen Hegaus. Der Ortsteil Selgetsweiler (315 Hektar) gehört zum Linzgau.

Nachbargemeinden Die Gemeinde grenzt im Norden an Sauldorf und Wald und im Osten an Herdwangen-Schönach, alle drei im Landkreis Sigmaringen, im Süden an die Stadt Stockach und im Westen an Mühlingen.

Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus den Ortsteilen Liggersdorf, dem Mittelpunkt und Verwaltungssitz der Gemeinde Hohenfels, Mindersdorf, Selgetsweiler, Kalkofen und Deutwang mit insgesamt 24 Dörfern, Weilern und Höfen. Die Ortsteile sind räumlich identisch mit den früher selbstständigen Gemeinden gleichen Namens. Die Ortsteile bilden zugleich Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung. Die zunächst vorhandenen Ortschaftsverfassungen sind inzwischen alle aufgelöst worden. (PDF; 18 kB)

Zum Ortsteil Deutwang gehören das Dorf Deutwang und die Höfe Hahnenmühle, Hippenhof und Steighöfe. Zum Ortsteil Kalkofen gehören das Dorf Kalkofen und die Höfe Hagendorn, Hohenfels, Knollenkratten, Loghöfe, Neumühle, Rappenhof, Schernegg, Vogelsang und Weiherhöfe. Zum Ortsteil Liggersdorf gehören das Dorf Liggersdorf, die Hofgruppe Sattelöse und die Höfe Gründe und Reisch. Zum Ortsteil Mindersdorf gehören das Dorf Mindersdorf und die Höfe Eckartsmühle und Ratzenweiler und in Selgetsweiler liegen das Dorf Selgetsweiler und das Gehöft Geyerhof. Der Weiler Mühlhausen, ursprünglich eine Selgetsweiler Exklave, gehört heute zu Herdwangen-Schönach. Im Ortsteil Deutwang liegen die Wüstungen Annweiler und Langenberg. Im Ortsteil Liggersdorf liegen die Wüstungen Butzenweiler und Sattelöse (namensgleich zur heutigen Hofgruppe). Im Ortsteil Selgetsweiler liegt die Wüstung Annenweiler.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 789–793

Schutzgebiete Im Gemeindegebiet sind drei Schutzgebiete, drei Naturdenkmale sowie diverse Biotope ausgewiesen: Naturschutzgebiete „Waltere Moor“ und „Schwackenreuter Baggerseen-Rübelisbach“ FFH-Gebiet „Ablach, Baggerseen und Waltere Moor“ Naturdenkmale „Ehemalige Kiesgrube Bischoff“ (FHD) und „Birkenallee“ (FND/END)

Geschichte Römerzeit Aus der Römerzeit konnte auf der Gemarkung von Liggersdorf ein ehemaliger römischer Gutshof nachgewiesen werden. 1998 stieß man bei Kanalisierungsarbeiten auf die steinernen Fundamente eines Badegebäudes, das 1999 archäologisch untersucht wurde. 2004 konnte das aus Stein errichtete Hauptgebäude mit Innenhof untersucht werden. 2005 fand eine kleinere Untersuchung in einer der verlängerten Straßentrassen statt. Im Frühjahr 2015 fanden geophysikalische Messungen statt gefolgt von der Freilegung mehrerer Abwassergräben sowie zahlreichen Fundamentgruben von Holzhäusern. Eine Omega-Fibel erlaubt eine Datierung in die Zeit zwischen Mitte des ersten und Mitte des dritten Jahrhunderts nach Christus.Ausgrabungen zeigen Fundstellen aus der Römerzeit. In: Südkurier vom 6. Juli 2015

Mittelalter Karl der Dicke (839–888), Sohn Ludwigs des Deutschen und Enkel Ludwigs des Frommen, machte wiederholt bei Hohenfels Station. Auf diese Besuche ist unter anderem der Ortsname der heutigen Häusergruppe „Sattelöse“, die älteste Vereinödung von Liggersdorf, zurückzuführen.Sommertouren: Wanderung gibt Einblick in Hohenfelser Geschichte. In: Südkurier vom 29. Juli 2015A. Neider: Die Sattelöse, die älteste Vereinödung von Liggersdorf. S. 93f.

Neuzeit Das Gebiet der heutigen Gemeinde gehörte über Jahrhunderte zur Herrschaft Hohenfels, die seit 1506 dem Deutschen Orden gehörte. Der Orden hatte die kleine Herrschaft von der überlebenden Schwester der Herren von Jungingen gekauft. Die Herrschaft Hohenfels gehörte zur Kommende Altshausen und diese zur Ballei Schwaben-Elsass-Burgund. Beide hatten ihren Sitz in Altshausen.

Durch die Mediatisierung aufgrund der Rheinbundakte kam Hohenfels dann 1806 an das Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen und 1849 mit diesem als Hohenzollernsche Lande an Preußen.

Ab 1806 gehörte das heutige Gemeindegebiet also zunächst zu einem hohenzollerischen Oberamt, dem Obervogteiamt Hohenfels, das 1822 im Oberamt Wald aufging. Das Oberamt Wald existierte auch noch von 1850 bis 1862 unter preußischer Herrschaft. Bis zur Kreisreform in Baden-Württemberg 1973 gehörte die Gemeinde dann zum Oberamt Sigmaringen, aus dem 1925 der Landkreis Sigmaringen hervorging.

Zweiter Weltkrieg Flugzeugabsturz in Mindersdorf Am 30. Dezember 1940 stürzte gegen 22:00 Uhr auf dem Gemeindegebiet von Mindersdorf ein deutscher, zweimotoriger Heinkel He-111-BomberHans Willbold „Der Luftkrieg zwischen Donau und Bodensee“, Seite 192, ISBN 3-925171-54-1, Federseeverlag 2002 von Westen kommend mit Kurs ungefähr 84° in sehr flachem Winkel ab. Die extrem tief fliegende Maschine streifte einige Baumwipfel des Waldes westlich von Mindersdorf,Interview mit Anlieger und Zeitzeuge Josef Schuler, 6. April 2013 hatte ersten Bodenkontakt nördlich der heutigen Kreisstraße K6105 (Tannenbergstraße) an der Stelle des heutigen Wasserhochspeichers, verlor dabei einen Propeller und Motor, schwebte den Hang hinunter, streifte noch einen Baum und blieb nahe dem Bach kurz vor der (heutigen) Straße Rosenwiesen liegen. Die Maschine brach nicht auseinander, brannte nicht und es gab auch keine Explosion. Die durch den Lärm alarmierte örtliche Landwacht vermutete einen Feindbomber und riegelte das Absturzgebiet 150 m südlich vom Hof Josef Schuler ab. Überlebende wurden nicht gefunden: die maximal fünfköpfige Besatzung hatte augenscheinlich das Flugzeug schon vorher per Fallschirm verlassen. Einige Landwirte im Dorf wurden in den folgenden Wochen zur Demontage, Bergung und Abtransport der Teile mit ihren Pferdeschlitten zum nächsten Bahnhof dienstverpflichtet. Der Absturz und die Begleitumstände wurden vertuscht, da die Sache aus Sicht der Propaganda nicht förderlich war. In den offiziellen Quellen der Gemeinde Hohenfels konnte bisher noch kein Eintrag gefunden werden.Interview am 6. April 2013 mit Herrmann Strohmaier, Mitautor des Heimatbuches „Hohenfels-Kalkofen“ Jahrzehnte später konnte der Ablauf rekonstruiert werden: Die Maschine vom Typ He-111P2, Werks-Nr. 2102, gehörte zu der II. Gruppe des Kampfgeschwaders 1,Dank an: Luftfahrthistoriker Horn aus Dresden: Einheit, Ausführung und SN# der Heinkel He-111 die unter Major Benno Koch in Münster-Handorf stationiert war. war. Bei diesem Flug traten südlich von Paris über Orlean-Bricy so massive Probleme auf, dass die Besatzung die Maschine im Flug aufgab und am Fallschirm absprang. Die Heinkel flog mit eingeschaltetem Autopilot weiter nach Osten, über die Vogesen, den Rhein und den Schwarzwald, um dann, als der Treibstoff ausging, langsam an Höhe verlierend in Mindersdorf nach 540 km relativ weich aufzuschlagen.

Radarstellung „Lori“ in Kalkofen mini|Einer der letzten von rund 1500 produzierten FuMG 65 Würzburg-Riesen mit 7,5-m-Radarspiegel (auf einem einfachen Betonsockel) heute im Museum Berlin/Gatow Kurz nach Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde von der Luftnachrichtentruppe (LN), einer Einheit der Luftwaffe, eine „Auge-Ohr“-Beobachtungsstelle im Wald vom Josenberg östlich von Kalkofen aufgebaut. Die erhöhte Lage erwies sich als ideal. Mit zunehmendem Fortschritt in der Funknachrichtentechnik und der veränderten Kriegslage wurde diese mit einer auf der Gemarkung Hagedorn, an der Grenze von Kalkofen zu Deutwang, neu gebauten Funkmessstellung erweitert.Siehe hierzu die auf neuen Archivstudien in Deutschland und England basierende Untersuchung von Christian H. Freitag: Die „Funkmessstelle Lori“ - Eine Kriegsgeschichte aus dem nordöstlichen Hegau, in: HEGAU. Jahrbuch des Hegau-Geschichtsvereins, 2018, ISBN 978-3-933356-93-2, S. 171–180. Hier ist u. a. ein Foto der noch intakten Stellung „Lori“ wiedergegeben, das 1945 von der alliierten Luftaufklärung aufgenommen wurde. Es war eine Stellung 2. Ordnung mit Funkrufname „Lori“ der 3. mittlere Flugmelde-Leitkompanie des 215. Regiments unter Oberst Walter Dumke. Sie unterstand der 7. Jagddivision der Luftnachrichtentruppe der Luftwaffe. Die recht umfangreich ausgebaute Stellung mit vielen Gebäuden, Wohnbaracken, Küche und eigener Kläranlage meldete aktuell die Luftlage an die Leitstelle „Minotaurus“ der 7. Jagddivision in Oberschleißheim. Es war eine damals hochmodern ausgebaute „Funkmessstellung“ (heute: Radarstellung) mit zwei zweidimensional messenden Freya-Rundumsuchgeräten mit einer typischen Reichweite von rund 120 km (im Radius), ergänzt durch zwei dreidimensional messende Würzburg-Feuerleitradargeräte (typische Reichweite: ca. 60–90 km), einem Seeburg-Luftlagetisch, einem großen Suchscheinwerfer, eigener Stromversorgung durch Dieselaggregate und einem recht umfangreichen Personalbestand.Karl Otto Hoffmann „LN Geschichte der LUFTNACHRICHTENTRUPPE“ Band II, 1. Teil, Kurt Vowinkel Verlag, 1968 Der Zweck dieser Stellung wurde vor der Bevölkerung verschleiert: Sie war ein südlicher Teil des später unter dem Namen „Kammhuber-Linie“ bekanntgewordenen Luftabwehrsystems unter General Josef Kammhuber. Die Geräte dienten zum Erfassen anfangs aus westlicher, später auch aus südlicher Richtung einfliegender Bomberformationen, vornehmlich in der Nachtjagd. Zwei Jägerleitoffiziere am Seeburg-Luftlagetisch (rot = Gegner, grün = eigene Maschine) führten im Funksprechverfahren deutsche Abfangjäger und Nachtjäger an die alliierten Bomber mit dem Ziel des Abschusses heran. Die in der Stellung aufgebauten leichten Flakgeschütze dienten nur der Selbstverteidigung und brachten der Anlage den eigentlich falschen Namen „Flakstellung“. Der elektronische Teil der Radargeräte in der Stellung wurden am Morgen des 22. April 1945 gegen 4:20 Uhr vor den aus Stockach unter Colonel LehrGeorg Metzler: Geheime Kommandosache - Raketenrüstung in Oberschwaben. Das Außenlager Saulgau und die V2 (1943-45). ISBN 3-89089-053-9 anrückenden französischen Truppen gesprengt. Die jeweils ca. 70 Tonnen schweren Betonfundamente (Typ: V229) der beiden Würzburg-Riesen (Typ: FuMG-65) blieben unversehrt noch einige Jahrzehnte erhalten. Zwei Kradmelder wurden zur Überwachung der Selbstvernichtungsaktion von Stuttgart aus geschickt. Sie gerieten dabei am späten Morgen nahe Ruhestetten in das Feuer der anrückenden französischen Truppen und wurden vor Ort neben der Straße beerdigt.Sandra Häusler (sah): Minuten, die alles entscheiden. In: Südkurier vom 8. Mai 2010 Die vielen, zum Teil sehr jungen Frauen zwischen 15 und 18 Jahren in der Stellung („Blitzmädchen“) wurden in den umliegenden Gehöften mit Zivilkleidung versorgt und aus Angst vor Vergewaltigungen vor den anrückenden Truppen als „Mägde und Personal“ versteckt.Nach Schilderung von Augen- und Zeitzeugen vor Ort Die Stellung „Lori“ wurde trotz vieler Bemühungen offenbar nie exakt lokalisiert. Da die Anlage aber auch für die „Helle Nachtjagd“ mit einem starken Scheinwerfer ausgestattet war, war sie bei einem Nachtangriff der RAF auf Friedrichshafen von der Luft aus wohl gut erkennbar: ein Bomber warf eine schwere Luftmine in Richtung auf „Lori“ ab. Diese explodierte aber nördlich der Anlage am Haselberg mit so starker Druckwelle, dass bei weit entfernten Gebäuden Schäden an den Dächern entstanden. Ein vielleicht verirrter Bordwaffenangriff im Tiefflug auf das danebenliegende, aber kriegsunbedeutende Liggersdorf am 3. Oktober 1943 könnte aber tatsächlich dieser Stellung gegolten haben.Hans Willbold „Der Luftkrieg zwischen Donau und Bodensee“, Seite 250, ISBN 3-925171-54-1, Federseeverlag 2002

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