mini|Steißlingen mini|Steißlingen von Norden Steißlingen ist eine Gemeinde im Landkreis Konstanz in Baden-Württemberg.

Geographie Geographische Lage Der staatlich anerkannte Erholungsort Steißlingen liegt nördlich des Bodensees im Hegau.

Gewässer mini|Steißlingen und Steißlinger See Der Steißlinger See ist 11,19 Hektar groß. Der aus eingeschotterten Eismassen hervorgegangene See weist eine Länge von 600 Metern auf und misst an seiner breitesten Stelle 255 Meter. Die tiefste Stelle des Sees beträgt 21,4 Meter, der Mittelwasserstand 445,56 m.ü.NN und das Gesamtvolumen 1.152.286 m3 (Messung des Instituts für Seenforschung im Oktober 2011).Amts- und Mitteilungsblatt Steißlingen aktuell vom 4. Januar 2012, Herausgeber: Gemeindeverwaltung Steißlingen Der als Naturdenkmal anerkannte See bietet in seinem Schilfgürtel Schutz für brütende Vögel und andere Tiere. Das touristisch bedeutende Freibad des Sees hat pro Badesaison etwa 50.000 Besucher (Stand 2010).Amts- und Mitteilungsblatt Steißlingen aktuell vom 14. Oktober 2010, Herausgeber: Gemeindeverwaltung Steißlingen

1979 entdeckten Sporttaucher am nördlichen Ufer des Sees einen etwa 4 m langen Einbaum. Der Bau des 1980 gehobenen Artefakts wird auf die Wende vom 15. zum 16. Jahrhundert geschätzt.

Flächennutzung Die folgende Tabelle zeigt die Flächenerhebung nach Art der tatsächlichen Nutzung jeweils zum 31. Dezember des angegebenen Jahres:

FlächennutzungStatistisches Landesamt Baden-Württemberg: Struktur- und Regionaldatenbank, abgerufen am 28. Januar 2012. 1988 2000 2010 Landwirtschaftsfläche 57,4 % 53,2 % 52,2 % Waldfläche 28,8 % 29,6 % 29,7 % Siedlungs- und Verkehrsfläche 10,0 % 14,2 % 15,7 % Wasserfläche 0,7 % 0,7 % 0,8 % übrige Nutzungsarten 3,1 % 2,3 % 1,7 %

Nachbargemeinden Die Gemeinde grenzt im Norden an Orsingen-Nenzingen, im Osten an die Stadt Stockach, im Süden an die Stadt Radolfzell am Bodensee und im Westen an die Stadt Singen (Hohentwiel) und Volkertshausen.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Steißlingen mit der früher selbstständigen Gemeinde Wiechs gehören sieben Dörfer, Weiler und Höfe. Zur Gemeinde Steißlingen im Gebietsstand vom 30. Juni 1972 gehören das Dorf Steißlingen, der Weiler Maiershöfe sowie die Höfe Hardmühle und Ziegelhof. Zur ehemaligen Gemeinde Wiechs gehören das Dorf Wiechs und der Weiler Schoren.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg. Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2, S. 775–776. Auf der Gemarkung Steißlingen befinden sich ebenfalls das Gewerbegebiet Hard Nord und das im Jahr 2009 entstandene Industriegebiet Hard Süd.

Geschichte Umweltgeschichtliche und archäologische Untersuchungen an jahreszeitlich geschichteten Sedimenten des Steißlinger Sees zeigen beispielhaft für Mitteleuropa die Entwicklung der Landschaft im Laufe der letzten 16.000 Jahre. Erste Bodenfunde auf der Steißlinger Gemarkung reichen bis in die mittlere Steinzeit zurück. Der Name Steißlingen selbst ist alemannischen Ursprungs. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte im Jahr 1155, Steißlingen wird in der so genannten Barbarossaurkunde erwähnt und als Besitzung des Bistums Konstanz ausgewiesen. Um 1400 kam der Ort zur Landgrafschaft Nellenburg und mit dieser 1465 an Vorderösterreich. Einen großen Einschnitt in die Entwicklung brachte das Jahr 1499, als die Dörfer Steißlingen und Wiechs im Schweizerkrieg von den Eidgenossen geplündert und abgebrannt wurden.

mini|Schloss Steißlingen Als Steißlinger Grundherren sind seit 1287 die (seit 1096 urkundlich nachweisbaren) Herren von Homburg genannt, die hier vermutlich schon länger ansässig waren und ehemalige Ministerialen des Bischofs von Konstanz gewesen sind. Sie blieben bis 1566 Ortsherren. Steißlingen zählte zum Ritterkanton Hegau-Allgäu-Bodensee des Schwäbischen Ritterkreises. Ein nach dem Schweizerkrieg in Steißlingen erbautes Schloss wurde im Dreißigjährigen Krieg stark in Mitleidenschaft gezogen. Steißlingen diente als eines der Quartiere für die Truppen der kaiserlichen Verbündeten, von denen aus die Festung Hohentwiel belagert wurde. Das alte Schloss wurde 1724 bis 1726 durch den heutigen Schlossbau ersetzt. Ab 1672 waren die Ebinger von der Burg Grundherren. Nach ihrem Aussterben erwarben 1780 die Freiherren von Stotzingen das Schloss, das sie bis heute bewohnen.

1810 wurde Steißlingen im Grenzvertrag zwischen Württemberg und Baden badisch. Als der Landkreis Stockach 1973 aufgelöst wurde, wurde Steißlingen dem Landkreis Konstanz zugeordnet.

mini|Ehem. Klösterle und St. Remigius in Steißlingen

Bevölkerung Steißlingen hat gemäß Rathausstatistik 4762 Einwohner (Stand: 31. Dezember 2015). Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Bevölkerungswachstum von 105 Personen bzw. 2,3 Prozent. Im Jahr 2015 gab es in Steißlingen 363 Anmeldungen und 265 Abmeldungen sowie 55 Geburten und 54 Sterbefälle.Amts- und Mitteilungsblatt Steißlingen aktuell vom 21. Januar 2016, Herausgeber: Gemeindeverwaltung Steißlingen

Zum 31. Dezember 2013 hatte die Gemeinde 4627 Einwohner, davon 4464 im Ortsteil Steißlingen und 173 im Ortsteil Wiechs.Amts- und Mitteilungsblatt Steißlingen aktuell vom 16. Januar 2014, Herausgeber: Gemeindeverwaltung Steißlingen

Demografische Daten 1871 (V) 1880 (V) 1890 (V) 1900 (V) 1910 (V) 1925 (V) 1933 (V) Einwohnerzahl 1466 1523 1522 1462 1441 1547 1552 jährliches Wachstum n. a. 0,4 % 0,0 % −0,4 % −0,1 % 0,5 % 0,0 %

Demografische Daten 1939 (V) 1950 (V) 1956 (V) 1961 (V) 1970 (V) 1980 (F) 1987 (V) Einwohnerzahl 1623 1881 2038 2139 2851 3122 3296 jährliches Wachstum 0,8 % 1,4 % 1,4 % 1,0 % 3,7 % 1,0 % 0,8 % Ausländeranteil n. a. n. a. n. a. 1,6 % 7,2 % n. a. n. a.

Demografische Daten 1990 (F) 1995 (F) 2000 (F) 2005 (F) 2010 (F) 2015 (F) Einwohnerzahl 3427 4012 4248 4541 4608 4716 jährliches Wachstum 1,3 % 3,4 % 1,2 % 1,4 % 0,3 % 0,5 % Ausländeranteil 4,1 % 6,6 % 5,6 % 5,6 % 6,0 % n. a. Abkürzungen: V = Volkszählungsergebnisse; F = Fortschreibungen des Bevölkerungsstands zum 31. Dezember des Jahres; R = Rathausstatistik der Gemeinde zum 31. Dezember des Jahres; n. a. = nicht angegeben

Quellen: V, F; R

Konfessionsstatistik Laut Zensus 2022 waren - mit Stand Mai 2022 - 48,3 % der Einwohnern Mitglied der römisch-katholischen Kirche und 14,9 % der evangelischen. 36,9 % gehörten einen anderen Glaubensgemeinschaft an oder waren konfessionslos.Zensus 2022 Religion

Die Zahl der Kirchenaustritte in Steißlingen ist im dritten Jahr in Folge gesunken – liegt aber nach wie vor auf hohem Niveau. Im Jahr 2025 kehrten 67 Menschen (1 % der Gesamtbevölkerung) den Kirchen den Rücken, im Jahr 2024 waren dies 68 Einwohnern (1 % der Gesamtbevölkerung), im Jahr 2023 91 Einwohner (fast 2 % der Gesamtbevölkerung) und im Jahr 2022 waren es 96 Einwohner (2 % der Gesamtbevölkerung).Steißlingen in Zahlen 2025. Abgerufen am 7. März 2026

Aufgrund der Zugehörigkeit zu Vorderösterreich konnte die Reformation in Steißlingen nicht Fuß fassen, die katholische Kirchenmitglieder gehören den Erzbistum Freiburg an. Seit 1957 gibt es mit der Friedenskirche auch ein evangelisches Gotteshaus im Ort.

Politik

Verwaltungsgemeinschaft Die Gemeinde gehört der Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft der Stadt Singen (Hohentwiel) an.

Gemeinderat Der Gemeinderat in Steißlingen besteht aus den 14 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Endergebnis.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart Die Wahlbeteiligung lag bei 69,15 %.

Partei / Liste Stimmenanteil Sitze CDU 43,14 % 6 Freie Wähler 36,86 % 5 SPD/Grüne 20,01 % 3

Bürgermeister Bürgermeister von Steißlingen ist seit 2018 Benjamin Mors. Er folgte auf Artur Ostermaier, der von 1978 bis 2018 amtierte.

Wappen

Partnergemeinden Saint-Palais-sur-Mer, Frankreich

Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Die Steißlinger Torkel: Als Torkel (aus lat. torquere ‚drehen‘, torculum ‚Kelter‘) werden sowohl Weinpressen als auch das Gebäude, in dem sie stehen, bezeichnet. Um 1500 war Baubeginn der jetzigen Torkel, 1620 standen acht große trukh ‚Torkeln‘ in der Steißlinger Herrentorkel. Im 19. Jahrhundert folgte der Niedergang des Weinbaus durch Missernten und Rebkrankheiten, 1912 brach ein Brand in der Torkel aus. Aufgrund neuer Rebkrankheiten wich 1929 der Weinbau dem Obstanbau, in den 1960er und 1970er Jahren verfiel die Herrentorkel zusehends. 1976 bis 1979 erfolgten erste Restaurierungsmaßnahmen, 1991 kaufte die Gemeinde die Torkel, 2003 bis 2004 wurden grundlegende Sanierungsmaßnahmen am Gebäude durchgeführt (Restaurierung der Torkelbäume und der Quetsche). Im Mai 2004 fand die Einweihung und Übergabe der sanierten Torkel an die Bevölkerung statt. Die 2000 erbaute Grund- und Hauptschule hat für ihre innovative Holzarchitektur mehrere Architektur- und Ökologiepreise bekommen, 2014 wurde sie durch eine Gemeinschaftsschule erweitert. mini|Gasthof „Ochsen“ in Steißlingen

Sonstiges Der Ehrenfriedhof der Gemeinde Steißlingen wurde am 22. Oktober 1922 eingeweiht. Er dient heute dem Gedenken an die Opfer beider Weltkriege.Gedenken an Opfer der Weltkriege. In: Südkurier vom 22. Oktober 2022

Wirtschaft und Infrastruktur Raumplanung Steißlingen gehört gemäß Landesentwicklungsplan 2002 des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg zum Mittelbereich Singen (Hohentwiel) und zum Oberbereich Konstanz. Steißlingen ist sowohl bei den Gewerbeansiedlungen als auch bei der Wohnbebauung geprägt von rasantem Wachstum. Der Flächennutzungsplan der Vereinbarten Verwaltungsgemeinschaft (VVG) Singen weist weitere Kiesabbauflächen aus, sodass weiterhin Wald gerodet werden muss. Die Verdichtung der Wohnbebauung wird auch in Steißlingen in den nächsten Jahren mehr Gewicht bekommen. Die bebaute Fläche beträgt inzwischen 8 %. Pläne für zwei Windkraftanlagen auf dem Kirnberg bei Steißlingen wurden im November 2017 aufgegeben.Drei Windkraftprojekte in Flugplatznähe gestoppt

Gewerbe In Steißlingen waren Ende 2012 369 Gewerbebetriebe (einschließlich Nebengewerbe) gemeldet.Amts- und Mitteilungsblatt Steißlingen aktuell vom 17. Januar 2013, Herausgeber: Gemeindeverwaltung Steißlingen Dachser,gv-steisslingen.de MAN Truck & Bus und ALWA Decotec haben dort Betriebsstätten.

Das Gewerbegebiet Steißlingen wurde mehrfach erweitert, 2015 durch das Gewerbegebiet Vor Eichen. Das Gewerbegebiet Mühlenweg ist ebenfalls gewachsen; dort befindet sich unter anderem das ADAC-Fahrsicherheitszentrum.

Verkehr Durch eine Alltagsroute aus dem Radnetz Baden-WürttembergDas RadNETZ Baden-Württemberg auf www.radroutenplaner-bw.de ist Steißlingen mit Singen und über Orsingen-Nenzingen mit Stockach verbunden.

Bildungseinrichtungen Der Ort verfügt über die Grund- und Hauptschule Steißlingen (GHS) mit integrierter Werkrealschule. An der Grundschule wird eine sichere Betreuungszeit im Rahmen der verlässlichen Grundschule angeboten. In der Schule arbeiten (Stand 2019) 21 Lehrer; sie wird von 355 Schülern in 16 Klassen besucht. Die durchschnittliche Klassengröße lag mit 22,5 Schülern an der Grundschule und 21,6 an der Hauptschule im Schuljahr 2006/07 im Durchschnitt der Region. Im gleichen Jahr waren 26 % der Schulübergänge von der Grundschule an Hauptschulen, 33 % an Realschulen und 41 % an Gymnasien.

Die folgende Tabelle zeigt die Schulen sowie Schüler an öffentlichen allgemeinbildenden Schulen im Schuljahr 2023/24 nach Schularten. Angegeben wird nicht die Anzahl der organisatorischen Einheiten einer Schulart, sondern die Anzahl der jeweils vorhandenen Schulgliederungen.

ÖffentlicheSchulen AnzahlSchulen AnzahlSchüler Grundschulen 1 219 Gemeinschaftsschulen 1 194 insgesamt 2 413