mini|(rekonstruierter) Plan der Pyramidenanlagen von Sesostris III.

Die Sesostris-III.-Pyramide ist ein Monumentalbau und das mögliche Grabmal des altägyptischen Königs Sesostris III. aus der 12. Dynastie im Mittleren Reich. Sie befindet sich in Dahschur, nordöstlich der Roten Pyramide des Königs Snofru.

Forschungsgeschichte Die Pyramide wurde am 8. September 1839 von John Shae Perring besucht, der unter Richard William Howard Vyse arbeitete, der auch seine Untersuchungen publizierte.John Shae Perring, E. J. Andrews: The Pyramids of Gizeh. From Actual Survey and Admeasurement. Band 3, Fraser, London 1843, S. 18, Taf. 13 (Online).John Shae Perring, Richard William Howard Vyse: Operations carried on at the Pyramids of Gizeh in 1837: With an Account of a Voyage into Upper Egypt, and Appendix. Band 3, Fraser, London 1842, S. 57–63 (Online). Er versuchte vergeblich den Eingang der Pyramide zu finden, fand aber einen Block mit dem Namen von Sesostris III. und konnte den Bau diesem Herrscher zuordnen. Die Preußische Expedition nach Ägypten 1842–1845 unter Leitung von Karl Richard Lepsius hielt sich zwischen Februar und April 1843 in Dahschur auf. Lepsius nahm die Sesostris-III.-Pyramide unter der Nummer XLVII und ihre südöstliche Königinnenpyramide unter der Nummer XLVIII in seine Pyramiden-Liste auf. Lepsius konnte außerdem den Aufweg lokalisieren.Denkmäler aus Aegypten und Aethiopien. Text. Erster Band. Unteraegypten und Memphis. Hrsg. von Eduard Naville und Ludwig Borchardt, bearbeitet von Kurt Sethe. Hinrichs, Leipzig 1897, S. 205 (Online). Gaston Maspero versuchte 1882/83 mit unrühmlichen Methoden die Grabkammer und den Eingang der Pyramide zu finden. Er ließ tausende Tonnen an Ziegeln abtransportieren, war aber dennoch erfolglos und hinterließ ein riesiges Loch in der Pyramide, das noch heute ihr Aussehen bestimmt.Jacques de Morgan: Fouilles a Dahchour. Mars–Juin 1894. 1895, S. 4. Wesentlich erfolgreicher war Jacques de Morgan, der an der Pyramide sechs Monate von Januar bis Juni 1894 und im November 1894 arbeitete. Er fand die Sargkammer in der Pyramide und zwei unberaubte Schmucktruhen in einer unterirdischen Galerie nördlich der Pyramide.Jacques de Morgan: Fouilles a Dahchour. Mars–Juin 1894. 1895. Im April 1907 führte Alessandro Barsanti eine Nachgrabung in den Abraumhalden de Morgans durch und fand zahlreiche übersehene Objekte.Alessandro Barsanti: Quelques recherches à Dahshour. 1907, S. 192. Gustave Jéquier untersuchte zwischen Dezember 1924 und März 1925 den unteren Bereich des Aufwegs und versuchte den Taltempel zu lokalisieren, was ihm jedoch nicht gelang.Gustave Jéquier: Rapport préliminaire sur les fouilles exécutées en 1924–1925 dans la partie méridionale de la nécropole memphite. L'avenue de la pyramide de Senousrit III. 1925, S. 56–61.Gustave Jéquier: Douze ans de fouilles dans la nécropole memphite 1924–1936. 1940, S. 133–138. Neuere, großflächige Ausgrabungen finden seit 1990 unter der Leitung von Dieter Arnold vom Metropolitan Museum of Art statt. 2002 legte er eine ausführliche Grabungspublikation vor, welche die Ergebnisse der Kampagnen zwischen 1990 und 1999 zusammenfasst.Dieter Arnold: The Pyramid Complex of Senwosret III at Dahshur. 2002. Über die Grabungen der folgenden Jahre wurden bislang nur Vorberichte veröffentlicht.

Name Eine Besonderheit der Pyramiden der 12. Dynastie ist die Verwendung unterschiedlicher Namen für verschiedene Teile des Pyramidenkomplexes. Während die Anlagen des Alten Reiches lediglich einen Namen für den gesamten königlichen Grabkomplex besaßen, hatten die Anlagen der 12. Dynastie bis zu vier Namen, welche die eigentliche Pyramide, den Totentempel, die Kultanlagen des Bezirks sowie die Pyramidenstadt bezeichneten. Für die Sesostris-III.-Pyramide sind zwei Namen belegt. Schon seit Anfang des 20. Jahrhunderts ist der Name des Totentempels bekannt. Dieser lautete Qebeh-Senweseret („Sesostris ist kühl“). Hartwig Altenmüller vermutete, dass dieser Name zugleich den Rest des Bezirks bezeichnete, wie dies auch bei anderen Pyramidenanlagen der 12. Dynastie der Fall war.Hartwig Altenmüller: Die Pyramidennamen der frühen 12. Dynastie. 1992, S. 34, 36, 41. Dieter Arnold fand bei seinen Grabungen aber noch eine weitere Namensnennung, die nur auf dem Fragment einer Truhe im Grab der Königin Weret II belegt ist. Dieser Name lautet Ba-netjeri-cheperu („Erscheinungen des göttlichen Ba“) und wird von Arnold für die Bezeichnung des Pyramidenbezirks gehalten.Dieter Arnold: The Pyramid Complex of Senwosret III at Dahshur. 2002, S. 15, 75. Die Namen der Pyramide und der Pyramidenstadt sind nach wie vor unbekannt.Hartwig Altenmüller: Die Pyramidennamen der frühen 12. Dynastie. 1992, S. 41. Der moderne arabische Name der Pyramide lautet Haram Makubbub (die runde oder flache Pyramide).John Shae Perring, Richard William Howard Vyse: Operations carried on at the Pyramids of Gizeh in 1837: With an Account of a Voyage into Upper Egypt, and Appendix. Band 3, Fraser, London 1842, S. 57 (Online).

Die Pyramide Der Oberbau Die Länge der Pyramidenbasis wurde von Perring mit 106,64 m und von de Morgan mit 104,90 m gemessen. Das von den Erbauern angestrebte Basismaß dürfte daher 200 Ellen (105 m) betragen haben. Da die Fundamente eine Seitenlänge von 108,20 m haben, zieht Arnold aber auch ein Basismaß der Pyramide von 204 Ellen (107,10 m) in Betracht.Dieter Arnold: The Pyramid Complex of Senwosret III at Dahshur. 2002, S. 26–27. Wegen des schlechten Erhaltungszustands des Bauwerks existieren unterschiedliche Angaben über den Böschungswinkel und damit auch die Höhe. Perring gab 51° 20′ 25″ an.John Shae Perring, Richard William Howard Vyse: Operations carried on at the Pyramids of Gizeh in 1837: With an Account of a Voyage into Upper Egypt, and Appendix. Band 3, Fraser, London 1842, S. 63 (Online). De Morgan machte widersprüchliche Angaben, indem er den Böschungswinkel im Text seiner Grabungspublikation mit 56° angab, in der Rekonstruktionszeichnung hingegen mit 50°.Jacques de Morgan: Fouilles a Dahchour. Mars–Juin 1894. 1895, S. 47, Abb. 109. Die Textangaben de Morgans wurden von vielen Autoren übernommenMark Lehner: Geheimnis der Pyramiden. 1997, S. 17; Rainer Stadelmann: Die ägyptischen Pyramiden. 1991, S. 241; Miroslav Verner: Die Pyramiden. 1999, S. 509, mit unpassender Höhenangabe., erwiesen sich aber nach erneuten Messungen durch Arnold als fehlerhaft. Arnolds Messungen ergaben stets Werte um 50°. Die tatsächliche Böschung dürfte daher ein Verhältnis von 6:5 Handbreit (50° 11′ 40″) gewesen sein. Bei einem Basismaß von 200 Ellen und einem Böschungswinkel von 50° ergibt sich somit eine ursprüngliche Höhe von 62,57 m.

Der Ziegelkern der Pyramide steht auf einer 25 bis 30 cm hohen Gebel-Plattform. Um diese Plattform gab es einen 0,5 bis 1 m tiefen und 4,5 bis 4,9 m breiten Graben, der mit vier Schichten von Ziegeln angefüllt war und die Steinfundamente der Außenverschalung stützte.Dieter Arnold: The Pyramid Complex of Senwosret III at Dahshur. 2002, S. 27. Der Kern der Pyramide besteht aus großen, grauen Lehmziegeln, die in zwei Größen vorkommen: 12,8 × 20 × 38 cm und 14,2 × 23,0 × 43 cm. Auf diesen Ziegeln befinden sich 24 verschiedene Typen von Fingereindrücken. In dem Schlamm der Ziegel fanden sich zahlreiche Gefäßscherben aus dem Alten Reich, die zur Stärkung des Materials dienten, aber auch andeuten, dass sich die Ziegelproduktion nicht weit von einer Ruine oder einem Schutthügel aus dem Alten Reich befand. Die Ziegel sind ohne Mörtel verlegt worden und die Fugen nur mit reinem Sand verfüllt worden.Dieter Arnold: The Pyramid Complex of Senwosret III at Dahshur. 2002, S. 28.

Der gesamte Pyramidenkern ist dann mit feinen Tura-Kalksteinen verkleidet worden, die mit Krampen zusammengehalten wurden. Die Steinverkleidung war einst vielleicht 4,5 m stark, wie die Lehmziegelfundamente der Verkleidung andeuten. Die Blöcke waren einst sehr groß, doch sind keine von ihnen vollständig erhalten. Vyse fand noch einen 0,59 × 1,83 × 2,52 m großen Block.

Die Nordkapelle An der Nordseite der Pyramide befand sich eine kleine Nordkapelle. Sie ist heute weitgehend zerstört und die wenigen Reste liegen unter Schutt begraben. Die Kapelle wurde von Perring und Lepsius kurz beschrieben, allerdings wurde kein Plan angefertigt. Perring verzeichnete eine etwa 8,20 m lange Ziegelplattform, die wohl als Fundament für die Nordkapelle diente. Dieter Arnold nimmt für die Kapelle eine Länge von 15 Ellen (7,875 m) und eine Breite von 10 Ellen (5,25 m) an. Nach Perrings Beschreibung besaß die Kapelle einen Portikus und ein Kraggewölbe. Arnold konnte 1993 Reste einer Hohlkehle und eines Rundstabs bergen, die vielleicht zur Nordkapelle gehörten.Dieter Arnold: The Pyramid Complex of Senwosret III at Dahshur. 2002, S. 54–55.

Der Totentempel Östlich war der Totentempel vorgelagert. Dieser ist ebenfalls zerstört und nicht mehr zu rekonstruieren. Von ihm fand sich nur noch die Plattform aus Lehmziegeln, nach dem er eine Fläche von etwa 18 × 15 m einnahm. Es fanden sich noch Fragmente von Reliefs und Bauelementen. Fragmente von rotem Granit, die sich im Bereich des Pyramidentempels fanden, stammen wahrscheinlich von einer Scheintür.Dieter Arnold: The Pyramid Complex of Senwosret III at Dahshur. 2002, S. 46–55.

Das Kammersystem Bei dem Versuch, in das Innere der Pyramide zu gelangen, grub Jacques de Morgan im Jahr 1895 einige Gänge in den Schuttberg und stieß dabei auf einen alten Grabräuberstollen, der direkt zur Grabkammer führte. So lokalisierte er auch den richtigen Eingang, der sich außerhalb der Pyramide im Hof an der Westseite befindet. Der absteigende Gang führt unterhalb des Gebäudes abknickend zu einer Vorkammer; von dort gelangt man zur Grabkammer und zu einer weiteren Kammer.

Die Wände bestehen aus Granit, der mit Gips geweißt wurde. Die Gewölbedecke aus Granit wird durch zehn darüber angeordnete Kalksteinbalken von je 30 Tonnen Gewicht nochmals entlastet.

mini|Umzeichnung des königlichen Sarkophags nach de Morgan An der Westseite der Grabkammer stand der leere Sarkophag. Er besteht aus Rosengranit und weist mehrere Neuerungen auf, die prägend für die Sarkophage der späten 12. Dynastie sind. Die Sarkophagwanne besitzt einen zweistufigen Sockel, dessen unterer Teil glatt ist und dessen oberer Teil eine Nischengliederung aufweist. Die Nischengliederung hat eine Höhe von 0,46 m. Sie weist östlichen Langseite fünf Tore und an den beiden Schmalseiten jeweils drei Tore auf. Das Dekor der Westseite ist unbekannt, da diese direkt mit der Westwand der Grabkammer vermauert ist. Der Sarkophagdeckel ist abgesetzt gewölbt und besitzt zwei Endlesiten. Wahrscheinlich imitiert er ein Ziegelgewölbe. Der Sarkophag hat am Fuß eine Länge von 2,55 m und eine Breite von 1,13 m. Im oberen Bereich ist er 2,35 m lang und 0,95 m breit. Seine Höhe beträgt 1,20 m ohne bzw. 1,425 m mit Deckel. Der Innenraum der Sarkophagwanne ist 1,95 m lang, 0,63 m breit und 0,71 m tief.Arno Sauerbier: Der Sarkophag Sesostris’ III. in seiner Pyramide in Dahschur. 2004, S. 43–44. Kanopen waren nicht vorhanden.

Da die Gänge der Pyramide auch nicht mit den üblichen Fallsperren versehen waren und Sesostris III. eine weitere große Grabanlage in Abydos besitzt, gehen viele Ägyptologen davon aus, dass er nicht in Dahschur, sondern in Abydos bestattet wurde.

Der Pyramidenkomplex Taltempel und Aufweg