Gottmadingen ist eine Gemeinde im Landkreis Konstanz in Baden-Württemberg.

Geographie Geographische Lage Gottmadingen liegt am Westrand des Hegaus, etwa sieben Kilometer von Singen entfernt.

Durch die Ortsteile Bietingen und Randegg fließt das Flüsschen Biber, welches unterhalb von Stein am Rhein in den Hochrhein mündet.

Westlich, südlich und östlich verläuft die Grenze zwischen Deutschland und der Schweiz.

Nachbargemeinden Die Gemeinde grenzt im Norden an Hilzingen, im Osten an Rielasingen-Worblingen und die Schweizer Gemeinden Buch und Ramsen im Kanton Schaffhausen, im Süden an Gailingen und im Westen an Dörflingen und Thayngen, beide im Kanton Schaffhausen.

Gemeindegliederung Zur Gemeinde Gottmadingen gehören die früher selbstständigen Gemeinden Bietingen, Ebringen und Randegg.

Zu den früheren Gemeinden Bietingen (1129 Einwohner, Stand 31. Dezember 2013), Ebringen (284 Einwohner) und Gottmadingen (7399 Einwohner) gehören jeweils nur die gleichnamigen Dörfer.

Zur ehemaligen Gemeinde Randegg (1378 Einwohner) gehören das Dorf Randegg, der Weiler Murbach, das Gehöft Kaltenbach und die Häuser Im krummen Risi (Petersburg) und Untere Buchwies.

Abgegangene Siedlungen Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Bietingen liegt die Wüstung Rinhard. Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Ebringen liegt die abgegangene Ortschaft Wallishausen, deren Gemarkung zwischen Thayngen, Barzheim (beide im Kanton Schaffhausen) und Ebringen aufgeteilt wurde. Im Gebiet der früheren Gemeinde Gottmadingen liegen die abgegangene Ortschaft Blindenhausen, die Ruine Heilsberg und die abgegangenen Burg Altstadt. Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Randegg liegen die abgegangenen Ortschaften Hof in dem Hard und Karpen.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg. Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 727–730.

Geschichte Frühe Geschichte Die erste Erwähnung des Ortes Gotemundingen geht auf eine gefälschte Urkunde aus dem Jahr 965 zurück, in der Kaiser Otto der Kirche Öhningen ihre Besitzungen bestätigt. Die ersten Herren von Gottmadingen tauchten 1100 als Ortsadlige aus dem Geschlecht der Nellenburger auf. Im 13. Jahrhundert ist eine Verbindung mit der Bodmaner Herrschaft verzeichnet.

Als erste Ortsherren und Inhaber der Herrschaft Heilsberg erschienen die Herren von Randegg, die sich im 12. Jahrhundert im Hegau niederließen und denen bis zum Schweizerkrieg 1499 Schloss Randegg und die Feste Heilsberg zugeschrieben werden. In Verbindung mit den Randeggern wird auch eine weitere Gottmadinger Burg gebracht, die Burg Gebsenstein, die allerdings auf Hilzinger Gemarkung liegt. Sagenumwoben sind die 1253, 1276 und 1308 bis 1326 erwähnten Drei Edelfräulein von Gebsenstein, Gertrud, Gebizo und Katharina, denen große Mildtätigkeit nachgesagt wird. Die Frauen wurden bis in die 1960er-Jahre im Dorf verehrt.

1275 verkaufte Graf Mangold von Veringen-Nellenburg, Landgraf im Hegau, die Vogtei über Ebringen an die Brüder Heinrich und Martin von Randegg.Sebastian Locher: Regesten zur Geschichte der Grafen zu Veringen. Sigmaringen 1872, S. 3 f.Franz Josef Mone: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins. I, S. 77.

Einige Jahre nach dem Schweizerkrieg ging die Herrschaft auf die Herren von Schellenberg, ein ursprünglich bairisches, später in Liechtenstein ansässiges Geschlecht, über. Als herausragender Vertreter dieser Herrschaft tat sich Hans II. von Schellenberg (1552–1609) hervor, ein studierter und humanistisch gebildeter Mann, der gebildetste unter den Gottmadinger Ortsherren, der sich mit Fragen der Theologie, Archäologie und Geschichte auseinandersetzte. Mit seinem Tod starb die Linie aus.

Die neuen Herren waren die Vintler von Plätsch, deren Wurzeln in Südtirol zu finden sind. Ohnehin chronisch verschuldet, waren die Vintler noch zusätzlich vom Pech verfolgt. Am 13. April 1611 brannte ein Teil des Dorfes ab, 27 Häuser gingen in Flammen auf. Die Geldknappheit der Vintler bekamen die Gottmadinger mit immensen Fronforderungen zu spüren. In der Ortschronik heißt es: „Der Vintler wurde in der Sage zum ‚Finkler‘ und zum Inbegriff des bösen, raffgierigen und eigensüchtigen Herrn“. Zudem litt das Dorf arg unter dem Dreißigjährigen Krieg. 1632 zogen marodierende Truppen durch den Ort; 1635 zerstörte Konrad Widerholt, der als Plage für die um den Hohentwiel gelegenen Dörfer gilt, die Burg auf dem Heilsberg.

Nach dem Tod des Junkers Vintler verkauften dessen Gläubiger 1660 die heruntergekommene Herrschaft Heilsberg samt Gottmadingen und Ebringen an den österreichischen Regimentsvizekanzler Johann Michael Sonner, der die Herrschaft aus der Landgrafschaft Nellenburg herauslöste und als Territorialherr selbst zu Gericht über Leben und Tod saß. In dieser Zeit fanden auch Hinrichtungen statt, von denen der Gewannname Galgenbuck in Richtung Katzental zeugt. Nach dessen Tod 1672 wurde das Lehen von Kaiser Leopold I. neu ausgegeben.

Die Herren von Deuring kamen aus Vorarlberg nach Gottmadingen und hinterließen mit dem goldenen Löwen auf blauem Feld und drei goldenen Kugeln ihre Insignien im Wappen der Gemeinde. Die Deurings wurden zu Freiherren erhoben, Adrian von Deuring machte Karriere und wurde später Kanzler in Innsbruck. Gleichzeitig waren die Deurings aber das letzte Geschlecht, das als Reichsritter regierte und unmittelbar dem Kaiser unterstand.

19. und 20. Jahrhundert Mit dem Pressburger Frieden vom 26. Dezember 1805 kam Gottmadingen zusammen mit der Landgrafschaft Nellenburg an das neue Königreich Württemberg. Der Württemberger König gab die Herrschaft nicht wieder als Lehen aus, sondern stutzte die Deurings auf den Vasallenstand zurück. Die Gerichtsbarkeit lag nun im Schwäbischen. Nach vier Jahren wurde Gottmadingen bei der napoleonischen Neuordnung im Grenzvertrag zwischen Württemberg und Baden großherzoglich-badisch. Gottmadingen kam zum badischen Bezirksamt Radolfzell. Erneut war es Überschuldung, die den Wechsel des Ortsherren auslöste. Die Gläubiger des letzten Deuring verkauften die Herrschaft 1813 an Johann Andreas von Traitteur (1752–1825) in Bruchsal. Traitteur gilt als schillernde Persönlichkeit: akademisch doktoriert, Lehrer, Baukommissär, Festungsingenieur und Salinenbesitzer, gleichzeitig aber auch Lebemann, Phantast und Vater zahlloser nicht realisierter Projekte. Von ihm wird berichtet, dass er 1794 die Stadt Mannheim überfluten lassen wollte, um sie vor dem französischen Bombardement zu schützen. Der Plan wurde nicht in die Tat umgesetzt.

Die Erben des selbsternannten Grafen von Traitteur verkauften die Grundherrschaft 1829 an den Großherzog Ludwig von Baden, der sie zur Ausstattung seiner Tochter Luise Gräfin von Langenstein erwarb. Durch deren Heirat 1848 mit dem Grafen Karl Israel Douglas kamen die Besitzungen zur Familie Douglas, die noch heute über Landbesitz in der Gemeinde verfügt.

Wirtschaftlichen Aufschwung erlebte das Dorf mit dem Bau der Eisenbahnlinie Schaffhausen–Singen ab 1863. Die Herrschaft entwickelte sich zum Industriedorf durch den Ausbau von drei Familienbetrieben zu Industriebetrieben: die Landmaschinenfabrik Fahr und die Brauereien Bilger und Graf (alle heute nicht mehr existent). Am 9. April 1917 trat Lenin, aus der Schweiz kommend, in Gottmadingen die Eisenbahnreise durch das Deutsche Reich nach Sankt Petersburg an, um dort die Revolution vorzubereiten.Catherine Merridale: Lenins Zug. Die Reise in die Revolution. S. Fischer, Frankfurt am Main 2017, ISBN 978-3-10-002274-5, S. 175. Vorbereitet hatte dies Wilhelm von Stumm, der Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt, der an den deutschen Gesandten in Bern, Gisbert von Romberg schrieb: „Verständnisvoller Offizier geleitet Transport von Gottmadingen bis Saßnitz.“Zitiert in: Werner Hahlweg (Hg.): Lenins Rückkehr nach Russland 1917. Die deutschen Akten. Brill, Leiden 1957, S. 81.

In den 1970er- und 1980er-Jahren erlebte die Gemeinde einen Strukturwandel zum Gewerbe- und Dienstleistungsstandort.

Jüdische Geschichte Im Ortsteil Randegg bestand bis zum „Dritten Reich“ eine jüdische Gemeinde.Alemannia Judaica: Text- und Bildmaterial zum jüdischen Leben in Randegg bis zu seiner Auslöschung 1938/40 Die Zuwanderung ist seit etwa 1700 verzeichnet. 1851, im Jahr des Höchststands, wohnten 351 Juden in Randegg und erreichten einen Bevölkerungsanteil von 42 %. Ab 1776 trat mit Michael Levi Neumann eine jüdische Persönlichkeit hervor, die 1796 von Franz II. zum kaiserlichen Hoffaktor (Hoflieferant) ernannt wurde und 1823 die Ortsherrschaft erwerben konnte.

Ins Jahr 1810 fiel der Neubau einer Synagoge. Im Zuge der Reichspogromnacht 1938 wurde sie von der in Radolfzell stationierten SS-Verfügungstruppe III./„Germania“ zerstört. In der Grünanlage in der Otto-Dix-Straße erinnerte daran lange Zeit nur ein unauffälliger Gedenkstein.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Bd. I. Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 42. Am 21. Oktober 1940 wurden im Rahmen der sogenannten Wagner-Bürckel-Aktion 18 jüdische Randegger Bürger ins südfranzösische Internierungslager Gurs deportiert. Von ihnen wurden später mindestens 12 in Auschwitz ermordet. Heute gibt es in Randegg noch den jüdischen Friedhof und die heute als Wohnhaus genutzte ehemalige jüdische Schule.

Der Platz der ehemaligen Synagoge in Randegg wurde als Gedenkstätte neu gestaltet und im August 2014 der Öffentlichkeit vorgestellt. Auf einem rostfarbenen Balken sind die 59 Namen der ehemaligen Bewohner dokumentiert.Texte und Fotografien hierzu vgl.: Alemannia JudaicaUli Fricker: Von wegen stiller Winkel. Jüdisches Museum in Gailingen fertiggestellt. In: Südkurier vom 12. September 2014.

Eingemeindungen Am 1. Januar 1971 wurde die bis dahin selbständige Gemeinde Ebringen eingemeindet. Die Eingemeindung von Bietingen und Randegg erfolgte am 1. Juli 1974.

Wappen der ehemaligen Gemeinden 60px Bietingen (In Silber ein grüner Dreiberg, darauf drei grüne Ähren, einfach beblattet, die höhere mittlere doppelt, belegt mit gekreuztem schwarzem Rechen und Sense) 60px Ebringen(In Rot eine schwarz-gold gebundene goldne Garbe) 60px Randegg mit Murbach und Petersburg(In Silber ein aus-gerissenes rotes Löwenhaupt)

Einwohnerentwicklung Jahr Einwohner 1852 904 1861 1.102 1890 1.032 1900 1.142 Jahr Einwohner 1910 1.349 1919 1.578 1930 2.027 1939 2.883 Jahr Einwohner 1945 2.909 1949 3.298 1959 5.268 1960 5.445 Jahr Einwohner 1961 5.661 1962 5.838 1963 5.964 1964 6.002 Jahr Einwohner 1970 6.476 1987 8.482 1996 9.773 2004 10.240 Jahr Einwohner 2007 10.335 2011 10.147 2015 10.357 2020 10.843 Zahlen 1852 bis 1964 Heimat-Chronik. In: HEGAU - Zeitschrift für Geschichte, Volkskunde und Naturgeschichte des Gebiets zwischen Rhein, Donau und Bodensee. Heft 2 (18) 1964, Seite 441  –  2007: gemäß Artikel-Versionsgeschichte  –  2011: Volkszählung, 9. Mai 

Religion Obwohl überwiegend römisch-katholisch geprägt, gibt es in Gottmadingen neben der katholischen Gemeinde auch eine evangelische Gemeinde sowie zwei Freikirchen, nämlich eine Freie evangelische Gemeinde und die Kirche des Nazareners, sowie eine Versammlung der Zeugen Jehovas.

Politik Gemeinderat In Gottmadingen wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat besteht aus den 22 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.

Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Endergebnis.Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart

Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019FWGFreie Wählergemeinschaft57,521354,512SPD/ULSozialdemokratische Partei Deutschlands/Unabhängige Liste23,41525,86CDUChristlich Demokratische Union Deutschlands19,07419,75gesamt100,022100,023Wahlbeteiligung55,66 %45,3 %

Bürgermeister