Allensbach () ist eine Gemeinde am Bodensee im baden-württembergischen Landkreis Konstanz in Deutschland.
Überregional ist der Ort als Sitz des Instituts für Demoskopie Allensbach bekannt.
Geographie Lage Allensbach liegt zwischen Konstanz und Radolfzell. Der Kernort liegt direkt am Ufer des Gnadensee genannten Teils des Bodensees gegenüber der Insel Reichenau. Die Gesamtgemeinde erstreckt sich vom Gnadensee über den Bodanrück bis zum Überlinger See in einer Höhe von 397 bis ca. .
Gemeindegliederung Zur Gemeinde Allensbach mit den früher selbstständigen Gemeinden Hegne, Kaltbrunn und Langenrain gehören 16 Dörfer, Weiler, Höfe und Häuser. Die eingegliederten ehemaligen Gemeinden bilden die Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung Hegne, Kaltbrunn und Langenrain-Freudental.
Zur Gemeinde Allensbach in den Grenzen von 1973 gehört nur das Dorf Allensbach. Zur ehemaligen Gemeinde Hegne gehören das Dorf Hegne, Schloss Hegne und die Häuser Adelheiden, Bahnstation Hegne an der Strecke Singen–Konstanz und Wochenendhaus am See. Zur ehemaligen Gemeinde Kaltbrunn gehören das Dorf Kaltbrunn, die Höfe Gemeinmerk, Türrainhöfe, Waldburgahöfe und das Haus Fischerhaus. Zur ehemaligen Gemeinde Langenrain zählen die Dörfer Langenrain und Freudental sowie die Höfe Höfen, Kargegg und Stöckenhof. mini|Blick auf Hegne mit dem gleichnamigen Kloster vom Damm zur Reichenau mini|Konstanzer Straße und St. Niklaus-Kirche in Allensbach In der Gemeinde Allensbach befinden sich mit Stand von 1973 die Wüstungen Azenhausen, Buchenhausen, Eigenhofen, Kappel, Pfahlstetten und Weildorf. Im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Kaltbrunn liegt der abgegangene Hof Hinter Honberg. Der Storkenhof im Gebiet der ehemaligen Gemeinde Langenrain ist in Langenrain aufgegangen.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VI: Regierungsbezirk Freiburg. Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007174-2. S. 755–758.
Geschichte Vor- und Frühgeschichte Die Gemarkung Allensbach war bereits in vor- und frühgeschichtlicher Zeit Siedlungsraum, es finden sich sowohl prähistorische Pfahlbauten als auch Spuren aus der Römerzeit. So wurden beim Bau der Erdgasleitung Rottweil–Konstanz östlich des Mindelsees, nahe westlich des Stöckenhofs (Gemarkung Langenrain), Teile der Grundmauer einer Villa rustica angeschnitten und 1979 freigelegt.Rolf Dehn, Gerhard Fingerlin: Ausgrabungen der archäologischen Denkmalpflege Freiburg im Jahre 1979. In: Archäologische Nachrichten aus Baden. Heft 24. Freiburg im Breisgau 1980.Jörg Aufdermauer: Spuren vor- und frühgeschichtlicher Besiedlung des Mindelseegebiets. In: Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg Institut für Ökologie und Naturschutz (Hrsg.): Der Mindelsee bei Radolfzell – Monographie eines Naturschutzgebietes auf dem Bodanrück. Karlsruhe 1983. S. 17–28; hier S. 26 f.Fundberichte aus Baden-Württemberg. Band 10: 1985. Hrsg. v. Landesdenkmalamt Baden-Württemberg, 1986, S. 523.Eric Breuer: Heimatkundliche Schriften des Kulturvereins Eriskirch e. V. Band 3: Römer am nördlichen Bodensee: Eriskirch und Umgebung in römischer Zeit. Hrsg. v. Kulturfreunde Eriskirch, 2001, S. 36.Jürgen Hald: Von der Steinzeit bis zu den Alamannen – archäologische Funde in Radolfzell und den Ortsteilen. In: Stadt Radolfzell am Bodensee, Abteilung Stadtgeschichte (Hildegard Bibby, Katharina Maier) (Hrsg.): Radolfzell am Bodensee – Die Chronik. Stadler, Konstanz 2017, ISBN 978-3-7977-0723-9. S. 12–26. Die Fundstelle der Pfahlbausiedlung im StrandbadQuelle: Vorarlberger Landesmuseum Bregenz, in: Aufgelistet! Funde von Pfahlbauten am Untersee In: Südkurier vom 9. September 2011. ist seit 2011 Bestandteil des UNESCO-Weltkulturerbes Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen.
Der Steinzeitdolch von Allensbach mini|Steinzeitdolch aus Allensbach Im Winterhalbjahr 2002/2003 wurde der Bauplatz eines neuen Gebäudes auf dem Allensbacher Campingplatz von Archäologen der Arbeitsstelle für Unterwasser- und Feuchtbodenarchäologie in Hemmenhofen untersucht. Etwa 1,5 m unter der heutigen Oberfläche stieß man auf Reste einer Pfahlbausiedlung, die an dieser Stelle gegründet worden war.
Das dort geborgene Fundmaterial hielt mehrere Überraschungen bereit, vor allem einen langen, perfekt gearbeiteten Feuersteindolch mit vollständig erhaltenem Holzgriff aus Holunderholz. Bis heute hat man nur bei der Ausrüstung des „Ötzi“, der berühmten Gletschermumie vom Tisenjoch, einen ähnlichen Dolch samt erhaltener Schäftung gefunden. Wie der Dolch des „Ötzi“ ist auch die Allensbacher Dolchklinge nicht aus einheimischem Rohmaterial, sondern aus qualitätvollem oberitalienischem Feuerstein hergestellt. Die Feuersteinklinge belegt zusammen mit anderen Importfunden, dass die Pfahlbautenbewohner vom Bodensee schon vor rund 5000 Jahren regelmäßige Kontakte zum südlichen Alpenraum nach Norditalien pflegten.
Alemannen und Mittelalter Allensbach ist als alemannisches Dorf spätestens im 4. Jahrhundert entstanden. Benannt wurde es nach einem alemannischen Stammesführer namens Alahol, der mit seiner Sippe am – vermutlich – heutigen Mühlenbach lebte. auf allensbach.de
Erstmals als Alaspach erwähnt wird das Dorf 724 in der Gründungsurkunde des Klosters Reichenau, zu dessen Erstausstattung es gehörte. Als Anlegestelle der Reichenaufähre und als Marktflecken nahm es eine Sonderstellung ein. Der Allensbacher Markt gehört neben dem Konstanzer und dem Rorschacher zu den ältesten nachweisbaren im Bodenseegebiet.Max Miller, Gerhard Taddey (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 6: Baden-Württemberg (= Kröners Taschenausgabe. Band 276). 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 1980, ISBN 3-520-27602-X, S. 12. Im Mittelalter besaß es Stadtrechte und eine Stadtmauer.
Neuzeit und Gegenwart Im 16. Jahrhundert kam Allensbach in den Besitz des Hochstifts Konstanz, das zum Schwäbischen Reichskreis gehörte. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Allensbach wiederholt besetzt, geplündert und angezündet. Die früher einmal belegten Stadtrechte gingen in den Kriegswirren unter. Bis heute ruhen die Stadtrechte – weder wurden sie aberkannt noch wieder anerkannt. Eine Hinrichtungsstätte aus der frühen Neuzeit (16.–18. Jahrhundert) wurde 2020 bei Straßenbauarbeiten zwischen Allensbach und Hegne entdeckt und archäologisch dokumentiert. 1803 erlebte Allensbach den letzten Besitzerwechsel und kam zum Großherzogtum Baden.
Die heutige Gemeinde Allensbach entstand am 1. Januar 1975 durch Vereinigung der Gemeinden Allensbach und Hegne. Bereits am 1. Juli 1974 wurden die Gemeinden Kaltbrunn und Langenrain nach Allensbach eingemeindet. Die ehemalige Gemeinde Freudental wurde bereits 1938 mit Langenrain vereinigt.
mini|Blick vom Norden auf Kloster Hegne mit dem Gnadensee, im Hintergrund der Damm zur Insel Reichenau und der Seerücken
Religionen Aufgrund der Zugehörigkeit zum Hochstift Konstanz ist die Reformation an Allensbach vorbeigegangen. So ist auch heute noch die Mehrheit der Bewohner katholisch, und im Kernort sowie in Hegne gibt es römisch-katholische Kirchen. Seit 1955 gibt es auch eine evangelische Kirche im Ort.
In Hegne befindet sich das Kloster Hegne der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz und der Sitz der Ordensprovinz Baden-Württemberg dieser Kongregation. Die Schwestern betreiben das Tagungs- und Gästehaus St. Elisabeth, die Schule Marianum und das Altenpflegeheim Maria Hilf.
Politik Verwaltungsgemeinschaft Allensbach verbindet eine vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft mit Reichenau und Konstanz.
Gemeinderat In Allensbach wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat besteht aus den 19 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt.
Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis:Wahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums Stuttgart
Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019CDUChristlich Demokratische Union Deutschlands41,25840,88FWFreie Wähler24,47525,75GRÜNEBündnis 90/Die Grünen23,804––BLBunte Liste Allensbach––16,13FDPFreie Demokratische Partei10,4823,31SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands––14,13gesamt100,019100,020Wahlbeteiligung69,20 %68,19 %
Bürgermeister Bürgermeister von Allensbach ist Stefan Friedrich. Er hat das Amt seit dem 8. Juli 2015 inne, nachdem er am 19. April 2015 mit 79 Prozent der Stimmen gewählt wurde. Er wurde am 23. April 2023 mit 74,2 Prozent der Stimmen für eine zweite Amtszeit wiedergewählt.
bis 1933: Albert Keller 1933–1945: Josef MayerDie Annalen der NSDAP in Allensbach: Als mit Josef Mayer ein "raubeiniger SA-Mann" im Rathaus saß. In: Südkurier vom 10. Mai 2010 1945–1948: Gottfried Mayer … 1963–1983: Hermann Brunner 1983–2015: Helmut Kennerknecht (CDU) seit 2015: Stefan Friedrich (als Parteiloser kandidiert, später der CDU beigetreten)
Wappen
Wappen der ehemaligen Gemeinden
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|hochkant|Nikolauskirche in Allensbach Museen Das Heimatmuseum am Rathausplatz ist eine vom Heimatgeschichtsverein Arbeitsgemeinschaft Allensbach e. V. öffentlich gemachte Sammlung, die einen Überblick von der Jungsteinzeit (Funde im heutigen Strandbad) bis ins 20. Jahrhundert zeigt.
Das Mühlenwegmuseum informiert über den Schriftsteller und Asienreisenden Fritz Mühlenweg, der lange in Allensbach gelebt hat.
Bauwerke
Die barocke katholische Nikolauskirche mit ihrem 1698 erbauten Zwiebelturm und dem von 1732 bis 1735 erbauten Langschiff ist das Wahrzeichen von Allensbach. Im Inneren der Kirche befinden sich ein 1804 gefertigter Hochaltar und zwei Rokoko-Seitenaltäre aus der Zeit um 1750. Das Schloss Freudental im Ortsteil Freudental ist ein 1698 erbautes Barockschloss mit Giebelfassade, das als Seminar- und Tagungsstätte und als Unterkunft für Feriengäste genutzt wird. mini|Schloss Freudental Das 1686 erbaute Bodmansche Barockschloss Schloss Langenrain ist heute im Privatbesitz der Familie Graf von Oppersdorff. Die evangelische Gnadenkirche (1955 erbaut, 1997 erweitert), das Strandbad (2004) und die Freilichtbühne Kultur am See – Bühne im Seegarten (2020) sind Beispiele moderner bzw. neuerer Architektur, die schon Architektur-Auszeichnungen bekommen haben. Das Schloss Hegne liegt an der B33 beim Allensbacher Ortsteil Hegne. Im Jahr 1570 erstmals schriftlich erwähnt, war es zwischen 1591 und 1803 Sommerresidenz der Konstanzer Bischöfe. Von 1879 bis 1882 von Werner de Weerth aus Neuwied im Stil der Neorenaissance erheblich umgebaut, ist es heute Bestandteil eines Gebäudekomplexes, der neben dem Kloster der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Kreuz auch verschiedene schulische und karitative Einrichtungen beherbergt (siehe auch Abschnitte „Religionen“ und „Bildungseinrichtungen“). Für die Schulen wurden im frühen 21. Jahrhundert sehenswerte Neubauten errichtet (Architekten Lederer Ragnarsdóttir Oei, 2009 bis 2022).
Skulpturen mini|Allensbach, Lände: Figurengruppe in einer Rotunde
Am Seeufer bei der Schiffslände befindet sich eine (Fasnachts-)Figurengruppe in einer Rotunde, weitere weiter östlich in der Uferanlage.
Naturdenkmäler mini|hochkant|Unterer Eingang zur Marienschlucht Auf Gemeindegebiet liegt am Südufer des Überlinger Sees die Marienschlucht.
Regelmäßige Veranstaltungen Alljährlich von Juli bis Oktober finden im Seegarten oder (bei Regen) im Gemeindesaal der katholischen Kirche in Allensbach die Konzerte der Reihe „JAZZ am See“ und einmal im Jahr für ein Wochenende das Seetorfest statt.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr mini|Allensbach, Schiffslände: Landesteg für das Schiff Allensbach - Reichenau